Urbanes Gärtnern – ich ziehe meinen eigenen Salat

Es ist ein neuer Trend, der seit einigen Jahren durch die Lande geht: Urban Gardening. Das steht für Gärtnern in der Stadt. Heute mal ein ganz persönlicher Blick auf dieses Thema.

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So mancher kennt es noch: Die Großeltern und Eltern hatten ihren eigenen Garten auf dem Land – und in der Stadt gab es Schrebergärten. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich (kommt selten vor) per Bahn nach Frankfurt oder in eine andere Stadt rein fahre. Gerade in Frankfurt führen vielen Strecken durch die Vororte dieser Stadt, vorbei an Schrebergärten-Kolonien. Im Frühjahr, zur Zeit der Kirschblüte, ist es herrlich, wenn man einen Blick aus dem Fenster des Bahnabteils wirft. Dann denke ich immer: Müssen die Gartenbesitzer glücklich sein. Ein Stückchen Land, mitten in der Natur.

Die Kriegsgeneration kennt diese Art des Gärtnerns noch. Aber die Generation Golf ist anders aufgestellt. Da trifft oder traf der Schrebergarten der Eltern nicht immer auf ungeteilte Freude. Häufig kamen die Kinder, die so überhaupt keine Lust auf den Garten hatten und mäkelten: ‘Das Zeugs kriegt man im Supermarkt doch viel billiger und ohne Mühe nachgeworfen. Und überhaupt: Im Sommer erstickt man an dem Zeugs aus dem Garten, kann nicht in Urlaub und wenn man Pech hat, fressen die Schnecken alles weg.’ Kommt ihnen das bekannt vor? 

Urban Gardening, der neue Trend

Wenn Du in der Stadt lebst und nicht zum (Schreber-)Garten fahren willst oder kannst, hole dir doch den eigenen Garten auf den Balkon, auf das Dach oder den Hinterhof. Urban Gardening (Urbaner Gartenbau) ist ein neuer Trend, der von Amerika zu uns schwappt. Ich hatte bereits im Dezember 2016 den Artikel Das waren die Gartentrends 2016 im Blog. Man kann sich den Garten in sein heimisches Wohnumfeld holen. Viele junge Familien praktizieren dies schon. Der Möbelhersteller IKEA hat das erkannt und einen vertikalen Garten als Bausatz für Dachterrassen entworfen.

 
(Quelle: Alona Vibe/IKEA)

Aktuell kann man die Dateien mit den Plänen für die Teile kostenlos hier herunterladen und sich den Bausatz selbst sägen. Später soll der Bausatz aber bei IKEA verkauft werden. Näheres zum Projekt findet sich in meinem Blog-Beitrag IKEA: SPACE10Growroom – Vertikaler Garten für die Stadt. Und im Blog-Beitrag Click & grow, der smarte Kräutergarten habe ich sogar eine Lösung für das eigene Wohnzimmer vorgestellt (hier gibt es noch einen englischsprachigen Artikel).

Mein eigener Salat

Als Bauernsohn hätte ich ja die Change gehabt, das Geschäft ‘Nahrungsmittelversorgung’ in ganz groß zu betreiben. Aber so richtig wollte es bei mir nie zünden (wie so etwas heute ausschaut, kann man hier nachlesen), also bin ich in die Technik mit Aktivitäten im Computer- und Softwarebereich gegangen, und später Computerbuch-Autor sowie Blogger geworden. Aber ein wenig Gärtnern liegt wohl immer noch im Blut. Also gab es immer irgendwo Blumentöpfe und Kräuter – notfalls auf der Fensterbank oder auf dem Balkon.

Salat im eigenen Garten
(Der erste Salat mit Frühlingszwiebeln)

Inzwischen wohne ich stadtnah, und habe das Glück, mir ein winziges Stückchen Garten beim Haus anlegen zu dürfen. Da werden dann Kräuter, Salat und einige Gemüsesorten gezogen. Obiges Foto zeigt die erste Salatausbeute, wo bereits Ende April/Anfang Mai geerntet und für die tägliche Schüssel frischen Salat verwendet werden konnte. Folgendes Foto enthüllt den Blick auf vorgezogene Setzlinge (Zucchini und Gurken), die in einem Blumenkasten auf der Terrasse stehen.

Setzlinge
(Zucchini, Gurke)

Mit den Setzlingen können wir die ganze Nachbarschaft versorgen – Gärtnern ist ansteckend. Zwischenzeitlich haben wir Juli und neben Salat können die ersten Zucchini, Tomaten, Bohnen, Kohlrabi und Gemüsezwiebeln geerntet werden.

Tomatenpflanze
(Tomatenpflanze)

Tomaten müssen wir allerdings in Töpfen ziehen, da uns die Krautfäule die Pflanzen bei der geringsten Nässe dahin rafft.

Rosmarin und SauerampferThymian(Rosmarin, Sauerampfer, Thymian)

Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Thymian, Schnittlauch, Petersilie, Dill oder Sauerampfer gedeihen auf kleinstem Raum und stehen uns ebenfalls frisch zur Verfügung. Die Johannisbeeren, Stachelbeeren und ersten Himbeeren sind bereits abgeerntet.

Rucola
(Rucola oder Rauke im Hintergrund)

Ganz begeistert bin ich auch von unserer wilden Rauke (Rucola) – durch Zufall habe ich mal vor vielen Jahren ein Tütchen Samen in München auf dem Viktualienmarkt entdeckt. Und jetzt sprießt das Zeug jedes Jahr in rauen Mengen an einer Ecke des Hauses, so das ich auch dieses Kraut frisch für den Salat holen kann. Legendär ist dieses Rezept für Rucola-Salat mit Ramazotti – der erste Salat, den ich kenne, von dem man besoffen werden kann.

Auch abseits des winzigen Nutzgartens gibt es Blumen und Pflanzen, die ein Stück Natur ins Wohnumfeld holen. Meine Frau hat einen grünen Daumen, wie das eine oder andere Foto von blühenden Pflanzen aus unserem Garten hier im Blog zeigt.

Blumen im Garten
(Frühlingsgarten)

Das obige Foto stammt noch aus 2016 und zeigt die ‘grüne Hölle’, die das Grundstück zum Nachbarn begrenzt. Jetzt wurde der Hang altersgerechter angepasst (man wird ja nicht jünger).


(Altersgerechter gestalteter Garten)

Das obige Foto zeigt den Garten im Juli 2017 – wir haben den steilen Hang durch Muschelkalk-Mauern terrassiert und umgestaltet. Ergibt (laut fränkischer Nachbarin) die Anmutung eines Weinbergs und sie wollte schon Weinreben in diesem ‘Nordhang’ pflanzen. Wir haben aber andere Pläne mit diverser Bepflanzung. So gibt es schon eine Ecke mit Blumen für Bienen und andere Insekten (auch wenn wir uns nicht an diese Bund-Empfehlung gehalten haben). Aber von Frühling über den Sommer bis zum Herbst brummt und summt es im Garten, wenn Hummeln und Wildbienen die blühenden Pflanzen besuchen. Amseln und andere Vögel kennen ebenfalls kaum Scheu und schauen, was es da so abzustauben gibt.

Es ist immer ein Anblick, der für Entspannung sorgt, wenn man ab Frühling auf der Terrasse sitzen und ins Grüne blicken darf. Einfach ein Stückchen Lebensqualität im Umfeld einer hektischen und stressigen Metropole. So gesehen, möchte ich den kleinen Garten nicht missen – wenn auch gelegentlich Arbeiten in diesem angesagt ist. Und durch die altersgerechte Gestaltung des Gartens sollte sich dieser auch in den nächsten Jahren in Schuss halten lassen.

Und wie schaut es bei Ihnen aus? Grüner Daumen Fehlanzeige? Kein Platz für so was oder keine Lust? Kommentare sind immer willkommen.


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Ein Kommentar zu Urbanes Gärtnern – ich ziehe meinen eigenen Salat

  1. Pater sagt:

    Meine Frau (die mit dem grünen Daumen) und ich nutzen unseren 500 m² Garten sehr bewusst. Gärtnern ohne Gift ist angesagt. Mein ca.1.5 m² großes Insektenhotel nebst Hummelhaus tragen auch bei Temperaturen um 10°C schon zur Befruchtung bei. Für Fragen nutze ich https://www.garten-pur.de/. Sehr zu empfehlen. Ebenso die MDR Sendung http://www.mdr.de/mdr-garten/index.html
    Viel Spaß weiterhin beim Gärtnern und Obacht vor den Mücken!!

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