Gesunde Bewegung: Der Kauf der Barfußschuhe

GesundheitMan(n) – und auch Frau – will Barfußschuhe – so viel das stand fest. Was normalerweise als ‘in einen Laden gehen, anprobieren, kaufen und gut ist’ abläuft, wurde bei den Barfußschuhen zu einer eigenen Geschichte. Warum Barfußschuhe? Wie lief der Kauf ab? Welche Erfahrungen gibt es? Fragen, die sich vielleicht auch Blog-Leser/innen stellen. Im Blog-Beitrag gebe ich einen – persönlich gefärbten – Bericht, wie meine Frau und meine Wenigkeit zu den ersten Barfußschuhen kamen und welche Erfahrungen wir damit machten.


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Tja, barfußlaufen ist das, was der Mensch natürlicherweise viele Tausende von Jahren machte. Heute tragen wir Schuhe und haben allerlei Beschwerden. Bei mir ist es ein leichter Hallux Valgus (Ballenzeh), den ich im Auge behalten möchte. Wohl erblich bedingt und durch viel Sport linksseitig aufgetreten. Eine Schiene stört zu arg und schmerzt – also ‘tape’ ich gelegentlich – und laufe im Sommer im Haus, sowie im Büro, barfuß.

Da barfußlaufen aktuell als gesund und natürlich propagiert wird – auch wenn es Gegenstimmen gibt (siehe) und sogar Entschädigungszahlungen gab – kam die Idee auf, es mit Barfußschuhen zu versuchen. Also recherchierte meine Frau zum Thema, was ich mal wieder nur halb mitbekam.

Braucht man(n) Barfußschuhe?

Als das Thema konkreter wurde, gab es bei mir schon Vorbehalte. Barfußschuhe, das sind doch die Schuhe mit den Zehen? Mit über sechzig sähe das dann doch irgendwie affig aus – wie ein Yeti durch die Welt rennen? Gut, Mann hat da ja seine Vorurteile …

Der Sohn, dem meine Frau dies am Telefon erzählt, fragte natürlich auch sofort ‘lauft ihr jetzt mit Zehenschuhen durch die Gegend?’ – so in Richtung ‘ist jetzt fremdschämen angesagt’. Und mein Physiotherapeut, dem ich das nach dem Kauf davon erzählte, meinte auch nur ‘die mit den Zehen?’. Aber ich ich wusste, dass es Barfußschuhe gab, die wie normale Schuhe aussahen (siehe folgendes Foto).

Barfußschuhe (leguano)

Das Thema Schuhe mit Zehen konnte ich also ad acta legen. Aber da war noch was! Wie läuft es sich denn in solchen Schuhen auf steinigem Untergrund? Da ich sehr viel Nordic Walking betreibe, hatte mir meine Frau vor Jahren mal Schuhe vom Discounter mitgebracht. Gibt da mitunter ganz gute Modelle – aber das gekaufte Paar hatte eine feste Sohle ohne Dämpfung und ich spürte jedes Steinchen unter meinen Füßen. Die Schuhe habe ich dann beim Hallensport aufgetragen, an Nordic Walking war damit nicht zu denken.

Und nun sollten Barfußschuhe das ultimative Outdoor-Erlebnis bedeuten? Zweifel waren angebracht. Auf einer unserer Mai-Wanderungen flüsterte meine Frau plötzlich ‘die Dame da vor uns trägt Barfußschuhe’. Ich konnte nichts erkennen, die Dame hatte für meinen Begriff eine Art Stoffschuhe an und war mit Nordic Walking-Stöcken auf einem Feldweg in Richtung eines Ausflugslokals auf dem Weg unterwegs. Also sprach meine Frau die Dame an und fragte, wie sie mit den Barfußschuhen zufrieden sei. Ich lernte im Gespräch, dass die sich angenehm tragen und es ein Kauf auf einer Gesundheitsmesse war. Die Dame wirkte irgendwie begeistert.


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Meine Frage, ob man Steine spüre, beantwortete sie ‘überhaupt nicht’. Aber ich blieb skeptisch – es wird mitunter viel erzählt. Meine Frau wusste aber (von einer ihrer Sporttrainerinnen), dass es in der Stadt Wiesbaden einen Laden von leguano gäbe, in dem man die Schuhe an- und ausprobieren könne. Na ja, abgeneigt war ich nicht – flammende Begeisterung buchstabiert sich aber anders – die Stimmung ließe sich als vorsichtiges ‘man könnte ja mal probieren’ einstufen.

Der Laden, gewusst wo und doch vorbei

Und dann kam der Tag, an dem ich in Wiesbaden zu tun hatte. Also kam meine Frau mit und es sollte es auch einen Abstecher in den Barfuß-Schuhladen geben. Wiesbaden ist für mich erst einmal ‘Augenkino’, überall gibt es etwas zu sehen. Der typische Gang führt vom Parkhaus erst einmal zu Pralinen Kunder, wo meine Frau mich immer vorbei lotsen muss. Ich kenne den Laden noch aus einer Zeit, wo die mutmaßlich zweite Generation des 1898 gegründeten Familienbetriebs im hohen Alter noch hinter der Theke stand.

Wiesbaden, Schlossplatz, Rathaus

Also an Kunder vorbei, in Richtung Marktplatz und Marktkirche, neues Rathaus sowie Hessischer Landtag.

Café Maldaner - Wiesbaden

Dann durch die Marktstraße, am Café Maldaner – leider auch vorbei – in Richtung Michelsberg – dort sollte an Hausnummer 12 der leguano Barfuß-Schuhladen sein. Wir liefen durch die Straße Michelsberg – diverse Geschäfte fielen mir sofort ins Auge – und dann standen wir auf der Coulinstraße, wo gerade ein Parkhaus saniert wurde. In der Erinnerung musste der Schuhladen doch irgendwo ‘genau hier sein’. Also Ehrenrunde um den Block gedreht, das Navi im Handy befragt und erneut durch den Michelsberg in Richtung Coulinstraße gelotst worden. Ich sage es ja: Wiesbaden ist eine Reise wert – einfach Augenkino. Und dann sagte das Navi ‘hier ist der Schuhladen’ – mein Frau ‘wo?’ – und ich ‘wir stehen – laut Navi – genau davor’. In der Tat, wir standen vor dem leguano Geschäft – beim ersten Durchgang hatte ich mich einfach von vielen anderen Läden ablenken lassen und so das Geschäft verpasst.

Welcher Barfußschuh soll es denn sein? Anprobieren …

Und dann standen wir, als einzige Kunden an diesem Morgen, im Laden. An den Wänden einige Regale mit Barfußschuhen – und in der Mitte der Parcours, auf dem man die Schuhe anprobieren können sollte. Flächen mit spitzen Schottersteinen, Baumrinde und sogar ein Feld mit Glassplittern luden zum Testen ein.

leguano Barfußschuh-Laden in Wiesbaden
(leguano Barfußladen Wiesbaden, Quelle: leguano)

Das obige Foto zeigt den Test-Parcours – das Feld mit den Glassplittern in der Mitte ist durch einen Deckel abgedeckt. Und welcher Schuh soll es nun sein? Wir standen, die Modelle in den Regalen etwas verlegen musternd herum, als die Verkäuferin uns ansprach. Sie erklärte kurz das Prinzip der Barfußschuhe und fragte, für welche Modelle wir uns interessierten. Gute Frage, wenn man keine Ahnung hat. Also grob die Wünsche geäußert (eine Art Sportschuh). Dann ging es schon ans Anprobieren – kleine Nylonsocken als Hygieneschutz über die Füße gezogen und in die Schuhe geschlüpft.

Fühlte sich zuerst komisch an – einerseits ‘nix an den Füßen’ andererseits bildete ich mir ein, dass der Schuh drückte. Die Verkäuferin meinte ‘kann man mit der Schnürung einstellen’ – worauf ich aber bei der Anprobe verzichtete. Dann machte ich ein paar Schritte auf dem Fußboden – ‘mit den Dingern kann man ja laufen’, ging es mir durch den Kopf und ‘zu passen scheinen die auch’. Dann hörte ich meine Frau ‘und jetzt mal auf Steinen testen’ rufen. Mich gruselte – spitze Schottersteine, Kies, und das mit den dünnen Sohlen der Barfußschuhe? Dann hob die Verkäuferin auch noch den Deckel in der Mitte ab – Glasscherben …

Mich gruselte bei dem Gedanken, mit den ‘fast nackten’ Füßen über diesen Parcours zu laufen. Also habe ich erst einmal das in obigem Foto im Vordergrund sichtbare braune Feld mit Baumrinde probiert. Das ging – dann die Schotterstrecke und anschließend Kies – auch dort konnte man, überraschend gut, laufen. Also noch die Glasscherben probieren – auch das ging – ich habe nichts gespürt. Aber das war ja nur ein klitzekleiner Parcours, im Wald, auf langen Schotterwegen sieht das bestimmt anders aus, so der Gedanke im Hinterkopf. Grau ist alle Theorie, kannst Du nur in der Praxis herausfinden, dachte ich so bei mir.


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Also haben wir uns  je ein Paar Barfußschuhe in passender Größe gekauft. Die Modelle in den Wunschfarben waren in unseren Größen nicht da – hätten aber bestellt und an unsere Adresse verschickt werden können. Wir entschieden uns aber spontan für die vorrätigen Modelle in blauer Farbe – die Schuhe sollten ja mit und bald ausprobiert werden.

Erste Erfahrungen mit dem leguano Barfußschuh

Wir haben die Schuhe nun gut 2 Monate – und immer mal wieder angezogen. Nicht im Haus – da laufen wir ja im Sommer barfuß – sondern wirklich ganz gezielt, bei längeren Spaziergängen, und ich zusätzlich beim Nordic Walking. Eine Sporttrainerin meiner Frau und begeisterte Barfußschuhträgerin, meinte ‘kann man im Haus höchstens für eine Stunde tragen’. Aber wir hatten den Neuerwerb bei der ersten Wanderung nach dem Kauf angezogen. Geplant waren so 6 bis 8 Kilometer durch Feld und Wald. Und wie war das mit den spitzen Steinen, spürt man die?

Die Wanderung führte über Waldwege, die teilweise mit Kies und Schotter belegt waren und dauerte etwas über 2 Stunden. Als erstes fiel auf, dass man anders laufen muss. Während ich mit (Walking-)Schuhen beim Gehen auf der Ferse aufsetze, fühlt sich das in Barfußschuhen nicht wirklich gut an. Auf Asphalt empfinde ich das Gehen in diesen Schuhen als nicht wirklich angenehm. Aber auf Feld-und Waldwegen kann man gut gehen – man läuft unbewusst auf dem Vorderfuß. Aber was war mit den Steinen?

Nach der ersten halben Stunde vermeinte ich leichte Schmerzen im Knie zu spüren und dachte ‘oh, morgen hast Du Waden’ – was aber nicht zutraf – kein Problem am Folgetag und die vermeintlichen Schmerzen waren wohl Einbildung. Da war nix – außer, dass ich den Hallux Valgus jetzt immer mal wieder leicht spüre – ähnlich wie beim Tapen. Die Muskulatur im Vorderfuß und in der Fußwölbung muss einfach mehr arbeiten.

Die Schuhe sind federleicht, man hat das Gefühl, nichts an den Füßen zu haben. Meine Frau meinte zwar beim ersten Mal, dass sie in den Schuhen schwitze. Halte ich  für Einbildung, da der Stoff ein Atmen der Füße ermöglicht. Ich habe jedenfalls nichts von Schwitzen bemerkt.

Ach ja, die Steine, fast hätte ich das vergessen. Die spürt man beim Laufen wirklich kaum. Trifft man mit der Fußwölbung mal auf einen Stein, fühlt sich das wie eine ‘Fußmassage’ an. Da ist ein Reiz, der eigentlich als positiv empfunden wird. Wenn die Ferse einen Stein trifft, spürt man dies leicht – keinesfalls schmerzhaft. Mit anderen Worten: Ich achte nicht auf Steine, sondern laufe. Verantwortlich ist die Sohle der Schuhe, die mit Noppen besetzt ist, die den Druck der Steine auf den Fuß verteilen.

Überraschende persönliche Erkenntnisse

Und es gibt noch zwei überraschende Erkenntnisse für mich persönlich. Im März 2015 erlitt ich einen schweren Sportunfall mit ausgerenkter Halswirbelsäule, gequetschtem Rückenmark und partieller Querschnittssymptomatik. Ich kann zwar wieder laufen und meine Arme benutzen – leide aber an einer Atrophierung der Nacken-, Rücken- und Schultermuskulatur mit entsprechenden Beschwerden. Daher mache ich viel Nordic Walking und schinde mich durch ein tägliches Physiotherapie-Programm. Während ich auf Wanderungen mit normalen Walking-Schuhen nach 8 km oft fertig bin, spürte ich beim ersten Test der Barfußschuhe nichts. Im Gegenteil, am Ende des Tages hatten wir 12 km zurückgelegt, ohne dass ich an Erschöpfung litt. Zweite Beobachtung: Beim täglichen Nordic Walking versuche ich meist ca. einen Kilometer moderat zu joggen. Oft fällt dies sehr schwer, so in der Art ‘komm, hundert Meter schaffst Du noch’. Als ich testweise mit Barfußschuhen beim Nordic Walking unterwegs war, liefen die Beine fast alleine los – und am Ende der Jogging-Strecke wurde mir bewusst ‘das ist quasi von alleine passiert, nichts mit ein bisschen geht noch’.

Normalerweise hätte ich das Ganze für Einbildung gehalten und längere Tests gemacht. Mein Physiotherapeut, den ich seit 2 Jahren wöchentlich konsultiere, meinte nur ‘das ist klar, der Körper und die Muskulatur bekommt einen anderen Reiz, das kann sich positiv auswirken, wenn man es nicht dauernd macht`. Ich trage die Barfußschuhe daher nicht immer beim Nordic Walking oder wandern, sondern nur gezielt an manchen Tagen. Bisher hat sich das Ganze durchaus positiv entwickelt, ich bin mit den gekauften leguano Barfußschuhen sehr zufrieden. Vorsichtig formuliert scheinen sich die Barfußschuhe auch gesundheitlich positiv auszuwirken. Mal schauen, ob ich irgendwann noch andere Modelle und andere Hersteller teste. Zumindest denke ich über ein Paar zum Hallensport nach und für den Winter bräuchte ich noch was.

Ob Sie als Blog-Leser/in mit solchen Barfußschuhen zurecht kommen, muss jeder selbst herausfinden. Meine Empfehlung wäre, sich bei Interesse mit dem Thema auseinander zu setzen und zumindest das erste Paar in einem Ladengeschäft auszuprobieren. Und damit möchte ich meinen Beitrag schließen. So hat sich ein simpler Schuhkauf zu einer längeren Geschichte entwickelt. Aber man kauft ja nur einmal im Leben seine ‘ersten Barfußschuhe’.


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4 Antworten zu Gesunde Bewegung: Der Kauf der Barfußschuhe

  1. V. Sommerfeldt sagt:

    Guten Tag – und Danke für immer wieder interessante Aspekte.
    Vielleicht habe ich es überlesen. Ich meine, bei “Barfußschuhen” könnte ebenfalls
    das Stichwort Gehen ganz allgemein und Ballengang im speziellen mit auftauchen.
    Was dann die Schuhe angeht – wie wäre es damit: https://www.senmotic-shoes.eu/

    Freundliche Gruesse

    • guenni sagt:

      Die ersten Treter sollte man anprobiert haben – der Hersteller kommt möglicherweise mal in einen Test – gibt ja noch mehr Anbieter.

  2. Anne sagt:

    Ich habe die Barfuß Schnürschuhe mit Hickis. Sie sind super bequem, und ich liebe sie. ABER.. da ich auch Barfuß darin laufe, hält sich meine Familie regelmäßig (trotz täglichem Füße waschen und einmal wöchentlich Schuhe waschen) die Nase zu.. mir stinkt es auch zum Himmel. Das stört schon extrem..

  3. Ingrid Weinke sagt:

    Ich habe leguano aktiv angezogen und nicht wieder abgelegt. Nordic walking auf jedem Untergrund eine Freude. Ich bin sehr zufrieden und werde mir die entsprechenden Barfußschuhe auf jeden Fall auch für den Winter kaufen.

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