Sehen wir 2022 eine Nova am Sternenhimmel?

Werden wir im Jahr 2022, also in fünf Jahren, eine Nova am nächtlichen Sternenhimmel mit bloßem Auge sehen können? Die Antwort lautet Ja, wenn Wissenschaftler Recht behalten.

Werbung

Eine Nova, also ein explodierender Stern, gibt es eigentlich ständig im Weltall. Nur sind diese meist nur mit modernen Teleskopen auszumachen. Eine Supernova, die mit bloßem Auge sichtbar ist, gibt es nur alle paar Jahrhunderte. Da gibt es die Supernova 1054, die am 4. Juli 1054 im östlichen Teil des Sternbilds Stier aufleuchtete. Sie erreichte eine Helligkeit von −6 mag und war damit noch vor der Venus das zweithellste Objekt am Taghimmel.

Der Überrest der Supernova 1054 ist der Krebsnebel (M 1). Oder im 16. Jahrhundert entdeckte der Astronom Tycho Brahe im Herbst des Jahres 1572 einen neuen Stern, der erst im April 1574 wieder verschwand. Im Jahr 2008 konnten Astronomen Reflektionen dieser Nova als Lichtblitze an Staub- und Gaswolken in der weiteren Umgebung der Sternexplosion ausmachen. Ein entsprechender Artikel findet sich z.B. hier.

Vorhersage einer Nova für 2022

Nun gibt es die Vorhersage der Astronomen US-Astronomen Lawrence Molnar und seiner Kollegen vom Calvin College. Diese prognostizieren eine Supernova für das Jahr 2022. Wie kann das sein?

Hier muss man ausholen. Im August 2013 gab es eine Nova, die man mit einem guten Fernglas im Sternbild Delphin beobachten konnte. Sowohl spektrum.de als auch scienexx.de berichteten über dieses Ereignis. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Supernovas ist eine klassische Nova ein ‘etwas gemäßigteres Ereignis’, bei dem die Sonne das Ereignis übersteht. Zur Supernova kommt es in Doppelsternensystemen, in dem ein weißer Zwerg Material von der zweiten Sonne abzieht. Erreicht die gesammelte Wasserstoffmenge ein bestimmtes Maß, kommt es bei der Kernfusion zu einer Instabilität. Die Sternhülle explodiert in einer Nova. Der eigentliche weiße Zwerg übersteht diese Explosion und setzt den Vorgang, Materie vom Partnerstern abzuziehen, fort. Das Ereignis kann sich also wiederholen.

Diese Erkenntnis wurde für die Vorhersage einer Nova für 2022 genutzt. In 1.800 Lichtjahren Entfernung gibt es im Sternbild Schwan das Doppelsternsystem KIC 9832227. Dieses besteht aus zwei Sternen, die sich zwischenzeitlich in so engem Abstand umkreisen, dass sich die äußeren Hüllen bereits berühren. Die Umlaufzeit beträgt gerade einmal knapp 11 Stunden. Man kann sich das Ganze wie eine Erdnuss vorstellen, wo zwei Kerne in einer gemeinsamen Schale enthalten sind.

 KIC 9832227
(Quelle: Molnar et al./Calvin College)

Beobachtungsdaten der letzten 15 Jahre legten nahe, dass das Zeitintervall, in dem der lichtschwächere der beiden Partner an der helleren Sonne vorbei zieht, sich verkürzt. Nun gibt es ein weiteres Ereignis aus dem Jahr 2008. Beim Doppelsternensystem V1309 Scorpii waren sich beide Partner ebenfalls immer näher gekommen, bis sich 2008 die Nova ereignet. Bei dieser Nova war aber kein Weißer Zwerg beteiligt und die Nova leuchtet rötlich statt wie sonst bläulich-weiß.

Nun haben die Lawrence Molnar und seine Kollegen aus den Daten der unerwarteten Roten Nova V1309 Scorpii und den Daten von KIC 9832227 berechnet, dass das Ereignis der Nova für 2022 bevorsteht. Es soll dabei wieder eine rote Nova werden, deren Helligkeit zwischen der einer Nova und einer Supernova liegen dürfte. Die gesamte Information wurde bereits im Januar diesen Jahres hier, hier und hier (alles in Englisch) veröffentlicht. Deutschsprachige Beiträge finden sich beispielsweise bei heise.de und bei scienexx.de. Wird also spannend, im Jahr 2022 – mal abwarten, was passiert.


Werbung

Dieser Beitrag wurde unter Natur abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.