Proxima Centauri: Staubgürtel und ggf. mehrere Planeten

Es gibt wieder eine sensationelle Entdeckung aus dem Bereich der Astronomie zu vermelden. Um unsere Nachbarsonne Proxima Centauri wurden gleich zwei Staubgürtel nachgewiesen. Dies gibt Spekulationen Nahrung, dass es in diesem Sonnensystem gleich mehrere Planeten geben könnte.

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Sonnensysteme mit mehreren Planeten sind ja bereits seit längerem bekannt. Diese liegen aber sehr weit von unserer Sonne entfernt. Proxima Centauri ist dagegen das uns am nächsten gelegene Sonnensystem. Diese Sonne, ein lichtschwache Roter Zwerg, ist nur vier Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt. Genau genommen handelt es sich bei Proxima Centauri sogar um ein Doppelsternsystem mit Alpha Centauri (siehe Artikelliste am Ende des Beitrags), wobei aber beide Sonnen sehr weit voneinander entfernt sind.

Von Proxima Centauri ist seit 2016 bekannt, dass er mindestens einen Planeten, Proxima Centauri b besitzt. Es gibt sogar Spekulationen über einen Ozean auf diesem Planeten (siehe Artikelliste am Ende des Beitrags). Auf Grund der Nähe zur Erde ist die Sonne von großem Interesse für Astronomen und wird intensiver untersucht.

Zwei Staubgürtel um Proxima Centauri entdeckt

Nun haben Astronomen erste Hinweise auf zwei Staubgürtel um Proxima Centauri entdeckt. Dies gelang mit dem Teleskopverbund ALMA in der chilenischen Atacamawüste. Am 3. November 2017 meldete die ESO im Artikel ALMA entdeckt kalten Staub um nächstgelegenen Stern, dass kalter Staub um unseren nächsten Nachbarstern Proxima Centauri entdeckt wurde.

Staubgürtel um Proxima Centauri
(Staubgürtel um Proxima Centauri, Quelle ESO-Pressemitteilung)

Der Staub befindet sich in einem Gürtel, der Proxima Centauri in der ein- bis vierfachen Entfernung zwischen Sonne und Erde umgibt. Darüber hinaus deuten die Daten auf einen noch kühleren Staubgürtel hin, der sich weiter außen befindet. Dies könnte ein Hinweis auf ein komplexeres Planetensystem sein. Die Strukturen ähneln den deutlich größeren Gürteln im Sonnensystem und sind wohl aus Gesteins- und Eispartikeln entstanden, aus denen sich keine Planeten bilden konnten.

Der Erstautor der neuen Studie, Guillem Anglada, vom Instituto de Astrofísica de Andalucía (CSIC) in Granada in Spanien, erklärt die Bedeutung dieses Funds: „Der Staub um Proxima ist von besonderer Bedeutung, da es nach der Entdeckung des erdähnlichen Planeten Proxima b der erste Hinweis darauf ist, dass es um den sonnennächsten Stern nicht nur einen einzigen Planeten, sondern ein ganzes Planetensystem gibt.

Staubgürtel sind die Überreste der Materie aus der Entstehung von Planetensystemen, aus denen sich keine größeren Körper gebildet haben. Die Partikel aus Gestein und Eis in diesen Gürteln unterscheiden sich in der Größe und reichen von winzigsten Staubkörnern, die einen Durchmesser von wenigen Millimetern haben, bis hin zu asteroidenähnlichen Körpern mit einem Durchmesser von mehreren Kilometern.

Der Staub scheint in einem Gürtel zu liegen, der sich von Proxima Centauri aus über mehrere hundert Millionen Kilometer erstreckt und eine Gesamtmasse von etwa einem Hundertstel der Erdmasse besitzt. Die Temperatur des Gürtels wird auf etwa –230°C geschätzt, vergleichbar mit dem Kuipergürtel im äußeren Sonnensystem.

In den ALMA-Daten gibt es auch Hinweise auf einen zweiten Gürtel aus noch kälterem Staub, der die etwa zehnfache Entfernung zu Proxima Centauri besitzt. Sollte das bestätigt werden können, wäre das eine faszinierende Erkenntnis, da der Gürtel durch die große Entfernung zu seinem Mutterstern, der kühler und lichtschwächer ist als unsere Sonne, einer extrem kalten Umgebung ausgesetzt wäre. Beide Gürtel liegen deutlich weiter vom Stern weg als der Planet Proxima b, der Proxima Centauri in nur vier Millionen Kilometern Abstand umkreist.

Das Planetensystem von Proxima Centauri ist besonders interessant, weil es Pläne – wie das Starshot-Projekt – gibt, das System mit Mikrosonden direkt zu erkunden, die an lasergetriebenen Segeln angebracht sind. Für die Planung einer solchen Mission ist es daher unerlässlich, die Staubumgebung um den Stern genau zu kennen.

Koautor Pedro Amado, ebenfalls vom Instituto de Astrofísica de Andalucía, erklärt, dass die Beobachtung erst der Anfang ist: „Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass ALMA Staubstrukturen erkennen kann, die Proxima umgeben. Weitere Beobachtungen werden uns ein detaillierteres Bild von Proximas Planetensystem geben. Zusammen mit der Erforschung protoplanetarer Scheiben um junge Sterne werden wir viele Prozesse, die zur Entstehung der Erde und des Sonnensystems geführt haben, enthüllen können. Was wir im Moment sehen können, ist nur der Anfang!

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