In der Gainsight-Anwendung von Salesforce wurden vor kurzem ungewöhnliche Aktivitäten beobachtet. Nun ist klar, es gab einen Hack, und laut Google wurden inzwischen die Daten von 200 Firmen, die die Gainsight-Anwendung verwendet haben, gestohlen. Nächster Fail in Sachen Datenabfluss bei Salesforce.
Salesforce ist ein US-Anbieter von Cloud-Lösungen. Das Unternehmen gilt als der weltgrößte Cloud-Softwareanbieter für Unternehmen. Das Unternehmen bietet eine Data Loader-Anwendung an. Mit dieser Client-Anwendung ist ein Massenimport oder -export von Daten möglich. Der Data Loader soll verwendet werden, um Salesforce-Datensätze einzufügen, zu aktualisieren, zu löschen oder zu exportieren. Es gibt weitere Schnittstellen und Anwendungen, die mit Salesforce Kundendaten hantieren.
Salesforce bzw. deren Kunden sind ob dieses Software-Zoos ein dankbares Opfer für Hacker. Bekommt man Zugriff auf die Plattform, kann man Kundendaten, ggf. mit weiteren, dort gespeicherten Geheimnissen, abfischen. Ich hatte hier im Blog ja bereits einige Vorfälle thematisiert (siehe Artikellinks am Beitragsende). Beim Drift-Salesforce-Angriff sollen jede Menge Daten abgeflossen sein.
Warnung von Salesforce vor möglichem Gainsight-Hack
Gainsight ist ein Anbieter von Apps und Atlas AI-Agenten für den Bereich Customers Relation Management, wie ich hier gelesen habe. Die Tage hat Salesforce die nachfolgende gezeigte "Informative Meldung" veröffentlicht.

Ist nichts gravierendes, nur ein vorsorglicher Sicherheitshinweis: Man hat ungewöhnliche Aktivitäten im Zusammenhang mit Gainsight-Anwendungen festgestellt. Kann schon mal vorkommen und mit AI-Agenten werden wir das künftig häufiger sehen. Kein Grund zur Beunruhigung, gehen sie weiter, es gibt nichts zu sehen.
So ganz vage schreibt Salesforce, dass man einen Zusammenhang mit von Gainsight veröffentlichten Anwendungen festgestellt habe, wenn diese mit Salesforce verbunden sind und direkt von Kunden installiert und verwaltet werden. Da muss ich dem Anbieter Recht geben, wenn Kunden Mist bauen, ist das nicht das Bier von Salesforce.
Die Untersuchungen von Salesforce deuten darauf hin, dass diese ungewöhnlichen Aktivitäten möglicherweise einen unbefugten Zugriff auf die Salesforce-Daten bestimmter Kunden über die Verbindung der Anwendung ermöglicht haben.
Nach Feststellung dieser Aktivitäten hat Salesforce alle aktiven Zugriffs- und Aktualisierungstoken für von Gainsight veröffentlichte Anwendungen, die mit Salesforce verbunden sind, gesperrt und diese Anwendungen vorübergehend aus dem AppExchange entfernt, während unsere Untersuchungen weiterlaufen.
Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieses Problem auf eine Schwachstelle in der Salesforce-Plattform zurückzuführen ist. Die Aktivität scheint mit der externen Verbindung der App zu Salesforce zusammenzuhängen.
Datenabfluss beim Salesforce Gainsight-Hack
In nachfolgendem Post warnt Lorenzo Franceschi-Bicchierai, dass was Unschönes im Anmarsch sei. Laut Google ist es Hackern von Scattered Lapsus$ Hunters gelungen, über einen Lieferkettenangriff die in Salesforce gespeicherten Daten von mehr als 200 Unternehmen abzugreifen.

Franceschi-Bicchierai hat die Details im Techcrunch-Artikel Google says hackers stole data from 200 companies following Gainsight breach veröffentlicht. Von der Hackergruppe heißt es, dass sie CrowdStrike, Linkedin, Malwarebytes, Verizon usw. angegriffen haben. Passt zu obiger Information, dass Salesforce die ungewöhnlichen Aktivitäten der Gainsight-Anwendungen gemeldet hat.
Malwarebytes hat wohl mit Untersuchungen begonnen, CrowdStrike gibt an, nicht betroffen zu sein. Austin Larsen, leitender Bedrohungsanalyst der Google Threat Intelligence Group, gibt an, dass man von "mehr als 200 potenziell betroffenen Salesforce-Instanzen Kenntnis habe".
Aktuell ist noch vieles unklar, wir können uns aber darauf einstellen, dass es demnächst weitere Meldungen im Umfeld des Gainsight-Hacks geben dürfte. Ergänzung: Mandiant hat seinen Artikel hier zu Härtungsmaßnahmen um Empfehlungen zu Gainsight erweitert.
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MVP: 2013 – 2016




Die Cloud die klaut ;-P
…the same procedure as EVERY day, James…
CRM in einer Cloud ist schon sehr fahrlässig. Das muss on-Prem bleiben.
Spontaner Einfall, zu faul zur Recherche: Frage: Gibt es das deutsche Datenschutzrecht (inkl. DS-GVO) her, dass vor einem Vertragsabschluss die Gegenseite auf Anfrage Auskunft geben muss ob sie Salesforce nutzt? Danke für allfälligen Hirnschmalz und Erfahrungen.
Es müsste nur einer den Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission zur US-Datenübertragung wegklagen. In dem Moment sind alle US-Cloudanbieter raus, weil sie 'dank' des US-Cloud-Acts keine Standardvertragsklauseln einhalten können.
Aber da muss einer aktiv klagen, von allein passiert das leider nicht. Die Erfolgsaussichten sind dank der Aussage des franz. Justiziars von MS im Juni recht hoch, aber wahrscheinlich muss man sich erst wieder durch die Instanzen kämpfen.
Hier
https://www.bfdi.bund.de/DE/Buerger/Inhalte/Allgemein/Betroffenenrechte/Betroffenenrechte_Auskunftsrecht.html
steht, man habe auch das Recht auf Auskunft, an wen die eigenen Daten weitergegeben werden. Das lese ich so, dass der Geschäftspartner auf Anfrage auch Auskunft erteilen muss, an wen (z.B. Salesforce) die eigenen Daten zur Verarbeitung weitergegeben werden.
Ob man dem Vertragspartner wichtig genug ist, um einen vertraglichen Ausschluss von Salesforce durchdrücken zu können, ist individuell. Solange oben genannte Klage nicht erfolgreich durch ist, kann man die DSGVO-Keule jedenfalls nicht gegen Salesforce schwingen, das muss man dann wohl 'Normalvertraglich' regeln.
Besten Dank für die ausführliche Antwort.
Vergleich (Bsp.): Nach Gebäudeenergiegesetz (1) gilt für den Anbieter/Inserent einer Mietwohnung, Zitat: "Einem potenziellen … Mieter … ist bei der Besichtigung ein Energieausweis vorzulegen …".
Erstaunlich, wie weit im Immobilienrecht die Auskunftsrechte im Vorfeld von Vertragsabschlüssen schon gediehen sind. Ausgerechnet beim Datenschutz sieht es aber mau aus.
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(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Energieausweis