Flugzeugbauer Airbus will damit beginnen, seine missions-kritischen Anwendungen in eine souveräne europäische Cloud zu migrieren. Auch bei Airbus gibt es die Erkenntnis, dass halt bestimmte Informationen sensibel sind und unter Kontrolle behalten werden müssen. Die Verlagerung in die Public Cloud von US-Anbietern soll vermieden werden.
Zu Airbus Industries, dem europäischen Flugzeugbauer fällt mir ein, dass die 2018 Microsoft Office rauswerfen wollten und zu Google G Suite gewechselt sind (siehe meinen alten Artikel Airbus kickt Microsoft Office raus, wechselt zu Google G Suite). Im Artikel Schleswig-Holstein: Schon 80 % der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt hatte ich die Tage aber angerissen, dass Airbus immer noch damit hängt, bestimmte Excel-Lösungen zu Google zu migrieren und dort weiter bei Microsoft Office fest hängt.
Anwendungen in souveräne europäischen Cloud
In einem exklusiven Beitrag berichtet The Register, dass Airbus Industries, der europäische Luft- und Raumfahrthersteller, in einem neuen Projekt wichtige lokale Anwendungen wie ERP, Fertigungsausführungssysteme, CRM und Produktlebenszyklusmanagement (Flugzeugkonstruktionen) in die Cloud verlagern möchte.
Hersteller stellen nur noch Cloud-Lösungen bereit
Hintergrund für diesen Schritt ist der allgemeine Trend der Hersteller, ihre Software-Lösungen nur noch für die Cloud bereitzustellen. SAP entwickelt beispielsweise seine Systeme nur noch für den Betrieb in der Cloud und drängt Kunden zu S/4HANA. Bei anderen Software-Herstellern ist der gleiche Trend zu beobachten.
Ausschreibung ab Januar 2026
Airbus ist derzeit damit befasst, einen Großauftrag zur Migration missionskritischer Workloads in eine digital souveräne europäische Cloud auszuschreiben, heißt es bei The Register. Die Ausschreibung soll Anfang Januar 2026 starten. Eine Entscheidung wird von Airbus noch vor dem Sommer 2026 erwartet. Der Vertrag – dessen Wert auf über 50 Millionen Euro geschätzt wird – soll langfristig (auf bis zu zehn Jahre Laufzeit) angelegt sein und über den gesamten Zeitraum hinweg Preisvorhersagbarkeit bieten.
Problem souveräne europäische Cloud
Airbus will dabei einen Anbieter ins Boot holen, der eine souveräne europäische Cloud bereitstellen kann. Hintergrund sind die politischen Spannungen und die Handelspolitik der USA seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus im Januar 2025. Seit diesem Zeitpunkt hat die digitale Souveränität an Bedeutung gewonnen.
Catherine Jestin, Executive Vice President of Digital bei Airbus, sagte dem Medium dazu: "Ich brauche eine souveräne Cloud, da ein Teil der Informationen aus nationaler und europäischer Sicht äußerst sensibel ist. Wir möchten sicherstellen, dass diese Informationen unter europäischer Kontrolle bleiben." Die Managerin schätzt die Chancen, einen geeigneten europäischer Anbieter zu finden, nur auf 80:20 ein.
Das Drama mit der digitalen Souveränität
Aktuell ist ja Fakt, dass die US-Techkonzerne AWS, Google und Microsoft quasi den Bereich der Cloud-Angeboten dominieren und kein wirklich großer europäischer Anbieter existiert. Die Cloud der Schwarz Gruppe hat Google als Cloud-Anbieter im Unterbau (siehe Deutschlands Digitale Souveränität adé durch Trump, BSI und Google), und die von der SAP-Tochter Delos angebotene Delos Cloud setzt auf Microsoft Azure (siehe Enkel-fähige "Digitale Souveränität" statt Abhängigkeit von der Delos-Cloud).
Das Spannungsfeld, in dem sich europäische Kunden bewegen, hatte ich ja bereits im Artikel Keine digitale Souveränität: Französischer Richter Nicolas Guillou gerät nach US-Sanktionen in Digitaler Steinzeit; OVH soll Daten eines Kunden an Kanada liefern angerissen. Ein französischer Richter des Internationalen Strafgerichtshofs wurde durch US-Sanktionen in die digitale Steinzeit zurück geworfen.
Interessant wird es nun, zu beobachten, wie sich Airbus beim Thema "souveräne europäische Cloud" positioniert. Anbieter wie Microsoft gehen ja mit einer "souveränen europäischen Cloud" hausieren, die auf deren US-Cloud-Produkten basieren. Ich hatte bereits im Beitrag Souveräne EU-Cloud-Debakel: Microsoft kann US-Zugriff nicht verhindern über das Eingeständnis berichtet, dass Microsoft keinen Zugriff der US-Behörden auf europäische Cloud-Inhalte verhindern kann.
Und auch ein Gutachten des deutschen Bundestags (siehe Gutachten belegt: Europäische Cloud-Inhalte sind vor US-Zugriff ungeschützt) belegt, dass die US-Behörden quasi immer Zugriff auf die Daten der "souveränen europäische Cloud" haben, sobald US-Unternehmen beteiligt sind.
Momentan versuchen sich Juristen an der "Quadratur des Kreises", indem sie die europäische Cloud mit allerlei Finessen als "souverän" zu definieren zu versuchen. Aber am Ende des Tages bleibt es "doch ein Kreis".
Hier bin ich die Tage auf einen interessanten Post Google Cloud ohne Zugriff durch Google und ohne US Cloud Act bei administrator.de gestoßen. Die französische "Agence nationale de la sécurité des systèmes d'information" (ANSSI) hat der französischen "Google Cloud" S3NS und deren SecNumCloud 3.2 eine Zulassung als sicher und souverän erteilt. Diese Lösung kann also von französischen Behörden verwendet werden.
Lässt man die obigen Gutachten passieren, ist dieses "Zertifikat des ANSSI" nichts weiter als ein Feigenblatt, welches im Fall der Fälle schlicht weg gepustet wird. Es wird noch viel Wasser den Rhein herunter fließen, bevor es eine souveräne europäischen Cloud geben kann, die diesen Namen verdient. Oder wie seht ihr das so?
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Welche souveräne europäische Cloud den bitteschön? Mir ist keine wirklich souveräne europäische Cloud bekannt, die diesen Titel auch zurecht trägt! In Europa gehostet ist noch lange nicht souverän! Wenn drunter doch wieder google, amazon, microsoft steckt.
Das übliche wir verarschen unsere Kunden und uns selbst Spiel! Fakt ist nunmal Europa ist dazu nicht in der Lage.
Doch, da gibts einige, Hetzner, Ionos, Strato, OVH, … Ist halt alles kein all-inclusive voll integriertes Zeugs wie MS, Google und Co anbieten.
Da gibt es noch viel mehr.
In Frankreich z.B. neben OVH auch Scaleway, Clever Cloud, Cozy Cloud etc.
Und den französischen Cloudanbietern ist es per Gesetz verboten, Daten an Behörden, Unternehmen etc. außerhalb der EU zur Verfügung zu stellen.
Oder in Finnland UpCloud, in der Schweiz Exoscale, Elastx in Schweden, Cyso Cloud in den Niederlanden, Seeweb und Aruba Cloud in Italien, etc. etc.
Man muss nur die Augen auf machen, dann findet man jede Menge rein europäische Cloudanbieter.
und die laufen auf was? Intel AMD nvidia… also wieder nix europäisch.
/edit/
Es gibt nur 2 Länder auf dieser Erde die unabhängig könnten: China und Russland! Die haben sowohl Hardware als auch Software um souverän zu sein.
Russland ist aber abgehängt die taugen nix; China kann zwar nicht führen aber zumindest ansatzweise mithalten.
Da sie jetzt auch aktuelle Lithografiemaschinen haben sollen:
https://www.heise.de/news/Bericht-China-soll-funktionierendes-EUV-Lithografie-System-haben-11121872.html
ist da aber nur eine Frage der Zeit.
In Europa gehostet ist noch lange nicht souverän!
das mit den aktuellen EUV Lithografie Systemen ist Unsinn. Was sie haben ist Ultraviolettes Licht, damit alleine sind sie aber auch noch ganz weit entfernt von den LithografieSystemen.
Mir würde als erstes STACKIT von der Schwarz-Gruppe einfallen. Im Hintergrund läuft dann zu Beispiel ein Google Workspace.
Schwarz-Gruppe? LIDL? Die Firma, die seine Mitarbeiter an der Kasse UND in Pausenräumen videoüberwacht hat? Bei Krankheitstagen Detektive beauftragte, um die Mitarbeiter zu spionieren? Der Mitarbeiter wegen Lappalien entsorgte und feuerte?
Aber sicher vertraue ich solch einem Unternehmen sämtliche Firmen-Interna an.
Wer hält die Schwarz-Gruppe davon ab, Firmen-Daten von Konkurrenten, Mitbewerbern und/oder interessanten/einträglichen Branchen abzuschöpfen, auszuwerten, selbst zu nutzen?
Alle schreien immer "China klaut unsere Daten" – dieser Umstand findet bereits hier vor der Türe statt.
Selten etwas weniger fachlich unterlegst gelesen.
Hallo Günther,
da ist dir glaube ich ein Schluck auf passiert 😅
2x migriert im Titel
Cloud ist Cloud…. Wer garantiert Dir schon, dass Deine "sensiblen" Daten nicht doch woanders liegen könnten (und sei es nur bei "Wartungsarbeiten Schwenks" oder so… ). Ach egal… Lächerlich…
Pech gehabt wenn man sich einmal der Cloud komplett verschrieben hat, maximale Schadensbegrenzung würde ich hier mal abgeben *roflmao*
So ein Laden wie Airbus hat kein eigenes Rechenzentrum?
Mehrere. Genau deswegen versteh ich überhaupt nicht was das soll!!
Wie im Artikel ja erwähnt, gibt es immer mehr Software, die Unternehmen meinen, benutzen zu müssen, die es nur noch als Cloud-Variante gibt. Wir sind z.B. bei Atlassian (Confluence, Jira) davon betroffen, wo bislang so ca. 90% unserer interessanten Unternehmensdaten (keine Kundendaten) liegen. Und nicht immer lässt sich diese Software dann in einer privaten Cloud betreiben, oder man möchte den Aufwand dafür nicht leisten.
Es ist also nicht ungewöhnlich, dass ein Unternehmen sowohl eigene Rechenzentren hat als auch SaaS nutzt.
Hab' doch bitte Erbarmen mit einem finanziell angeschlagenen Unternehmen, welches 2024 "nur" 4,2 Milliarden Euro GEWINN gemacht hat. Natürlich auf Kosten von Mitarbeitern und Preisdruckkämpfen in der Zuliefererkette.
Man legt es dort doch förmlich darauf an, angreifbar zu sein, damit IP's gestohlen werden können.
Nene, da kann man sich kein eigenes Rechenzentrum leisten, welches mit ca. 10-25 millionen Dollar Jährlich zu Buche schlägt. Und trotz zigtausender Windräder haben wir natürlich auch keinen bezahlbaren Strom, oh nein. Die stehen nur zum Verrotten in allen Gemeinden herum.
Zuerst mal erschließt sich mir nicht, warum Airbus nicht eine firmeneigene Cloud betreiben kann. Die Firma ist umsatzstark genug, daß ein eigenes Rechenzentrum dafür machbar sein müßte.
Was die rechtliche Seite angeht, sollte Europa die Versuche aufgeben, US-dominierte Clouds als sicher und souverän zu definieren. Europäische Firmen und Behörden, die mit vertraulichen Daten arbeiten, müßten dann eben auf europäische Clouds umziehen oder zurück "on premise" gehen, falls ersteres nicht geht.
Cloud-Anbieter müßten sich entscheiden, ob sie in der EU oder den USA Geschäfte machen wollen, beides zugleich wäre wohl nicht mehr möglich.
Airbus hat doch eigene RZ.
Da werden dir haufenweise BWLer sicherlich wiedersprechen, die rechnen dir das wohl am Ende schlechter, damit die Entscheider einen Grund bekommen in die fancy public cloud zu gehen. Das geht auch anders herum, dass die dir die Cloud madig rechnen und ein eigenes RZ wirtschaftlicher ist. Und die Leute die es entscheien haben im Regelfall keinen blassen Schimmer worum es überhaupt geht und kennen auch die Zusammenhänge nicht, dass einzige was zählt: EBIT.
Wie viel $ am Ende auf dem Konto bleiben ist da erst einmal egal, so lange es auf dem Papier gut aussieht :-).
Es bleibt am Ende eine Risikoabwägung, aber an Airbus Stelle würde mir das Risiko von Industriespionage durch die Amis einfach zu groß sein, als dass ich da was in ein US System hochlade.
Delivery der Dienste, das ist das Problem. Die eigene IT oder auch externe sind zu träge, es fehlt das Know how und alles dauert zu lange. Daher ist der Bedarf an SaaS Lösungen hoch.
Ein paar Server im Rack oder ein paar Bastellösungen bei einem einfachen Cloud Anbieter helfen da nicht weiter. US Anbieter dominieren mit integrierten Lösungen und ausgefeiltem Identitätsmanagement den Markt. Europa hat praktisch alle modernen Entwicklungen systematisch verschlafen, die Ursachen sind vielfältig, Lösungen nicht in Sicht.
Technologisch sind wir abgehängt und der Abstand wird immer größer, Europa bleibt nunmehr die Rolle des größten Freilichtmuseums der Welt mit zunehmend schwindender Kaufkraft, wir nähern uns Schwellenlandniveaus an und allmählich sinkt auch die Kreditwürdigkeit.
"Verschlafen" ist das falsche Wort, den eigenen Mark "kaputtreguliert" trifft es eher. Wer vergleichbare Lösungen in der EU entwickeln möchte muss massive Regularien in kauf nehmen und da hat keiner Lust drauf.
Das kannst auch sehr gut im Baugewerbe sehen, die immense Kostensteigerung beim Bauen kannst z.T. auf neue und teilweise unsinnige Normen und total übersteuerte Anforderungen zurückführen.
Dazu kommen sehr hohe Energiekosten, man möchte EON, RWE & Co. ja nicht vor's Schienbein treten, sind ja große Parteispender, betrifft auch die Unternehmen die die "Transportwege" bauen (bspw. Amprion) – die möchte man ja auch nicht verärgern.
Zu: "Europa bleibt nunmehr die Rolle des größten Freilichtmuseums der Welt mit zunehmend schwindender Kaufkraft, wir nähern uns Schwellenlandniveaus an und allmählich sinkt auch die Kreditwürdigkeit." halte ich persönlich für ausgemachten Schwachsinn. Ja, wir haben Probleme. Ja, wir haben überbordende Bürokratie. Aber wir haben immer noch einen breiten Mittelstand, der seine Stärken ausspielen könnte. Nicht immer auf die Spitzen der IT schielen und meinen, die Welt verstanden zu haben.
PS: Ich bin mir immer noch nicht sicher, wer am Ende des Tages am meisten lachen kann. In meiner Studienzeit war "Technikfolgenabschätzung" ein geflügeltes Wort. Schaue ich mir an, wohin uns die Entwicklung der IT-Technik führt, bin ich nicht so sicher, was in fünf oder 10 Jahren sein wird. Als Ingenieur mit draufgesatteltem (nebenberuflichen Teil-)Informatikstudium kenne ich seit den 80er Jahren die Denkrichtung der Ingenieure und der Informatiker. Schon damals hatte ich gewisse Probleme mit den Vorstellungen der ITler (wenn es nicht klappt, machen wir ein Updaten). Kürzlich ist mir bewusst geworden, dass ich von den 12 Jahren meiner letzten Tätigkeit als Angestellter die meiste Zeit Feuerwehr als Projektingenieur und später Projektmanager für verunglückte Projekte spielen durfte (damals habe ich nur wie ein Rohrspatz geflucht, weil ich gefühlt immer die "Scheißprojekte" bekam, wo es an allen Ecken geknallt hat). Es ist nichts besser geworden. Die technische Hypothek, die da die letzten Jahre angehäuft wurde und mit Karacho weiter aufgetürmt wird, ist gigantisch. Und Hypotheken müssen irgendwann bedient werden, andernfalls "isch over".
Hmm…
Widerspricht das "Es ist nichts besser geworden. Die technische Hypothek, die da die letzten Jahre angehäuft wird und mit Karacho weiter aufgetürmt wird, ist gigantisch. Und Hypotheken müssen irgendwann bedient werden, andernfalls "isch over"." dann aber nicht genau dem "halte ich persönlich für ausgemachten Schwachsinn."?
Wo siehst Du den Widerspruch? Die technische Hypothek kommt imho aus dem Ansatz "alles, was von jenseits des Atlantiks kommt, ist gut und muss hier massiv weiter ausgebaut werden, der Rest muss billig sein und aus China oder Ostasien kommen" – da hat Europa, neben massiven Abhängigkeiten, eine große Verletzlichkeit gegen Cyberangriffe und sonstige Störungen aufgebaut. Das ist das, was ich als technische Hypothek bezeichne.
Na ja, für mich bedeutet "[…] da hat Europa, neben massiven Abhängigkeiten, eine große Verletzlichkeit gegen Cyberangriffe und sonstige Störungen aufgebaut." sinngemäß genau das Gleiche, wie der von @Martin B – mit vllt. etwas mehr apokalyptischerer Formulierung – postulierte letzte Absatz seines Beitrags, auf den Du Dich ja initial beziehst.
Dswg. find' ich die Etikettierung mit "ausgemachten Schwachsinn" zumind. mal verwunderlich.
Das mit "Feuerwehr Spielen" ist in der Cloudhybrid oder gar Multicloudhybrid Welt bereits Standard geworden. Ich bezweifle stark, das größere Firmen auch nur ansatzweise verstehen, was sie da genau machen. Treiber sind einfach Dienste, die auf Knopfdruck abonniert werden können. Aber irgendwie funktioniert es, wenn auch zu einem hohen Preis und unter Verlust der Datenhoheit.
Wir haben es versäumt, eigene Player aufzubauen um uns davon unabhängig zumachen. Das liegt an der deutschen Denkweise u.a. teure Besenstiele verkaufen zu wollen (vgl. Gematik), anstatt über die Passiergebühr an der Zollbrücke hinaus zu denken.
Der technologische Rückstand wird uns Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit kosten und damit werden große Konzerne wie auch der Mittelstand weiter Stellen abbauen müssen, denn am Ende zählt die Rendite. Ohne Rendite keine Unternehmen.
Dieser Trend hält nun seit 2018/2019 an und man muss sich langsam die Frage stellen, woran das liegen könnte. Deutschland hat es besonders hart getroffen. In der Energiepolitik wollen wir mit mittelalterlicher Stromerzeugung punkten, die ist aber teuer und unzuverlässig. Das ist ein wichtiges Thema und auch ein wichtiger Grund. Schlimmer noch, diese Technologie ist kein gewinnbringender Exportschlager, wird aber weiterhin gerne so verkauft.
Der Rückstand in der IT und daraus wachsenden Abhängigkeiten von US Konzernen betrifft die Firmen, noch viel schlimmer den ÖD und so lange das so bleibt, werden wichtige Verwaltungsprozesse weiterhin um Größenordnungen langsamer und fehleranfälliger bleiben als notwendig. Schlimmer noch: das Problem wird Dank immer neuer Regeln und Vorschriften exponentiell steigen, denn in einer flickenhaft und teildigitalisierten Verwaltung wächst dadurch das Chaos. Nichts geht mehr in angemessener zeit, da werden selbst Brücken wie die A643 nach 30J Planung, Bau- und Bastelzeit nicht fertig. Aktuell ist die Abfahrt Mombach auf unbestimmte Zeit gesperrt, was tausende Arbeitnehmer und das Gewerbe massiv beeinträchtigt, es ist wirklich ein Witz. Nach 30 Jahren! Eine 1,3km lange Brücke!
Technischen Rückstand und Lähmung durch DE- und EU Bürokratie wird weiter zur Schrumpfung führen.
Kaufkraftmäßig wird es so für breite Schichten weiter abwärts gehen, denn es fallen seit 2018/2019 ausgerechnet die gut bezahlten Stellen weg (60-100k Brutto), es dürften mittlerweile gut 1 Mio dieser Jobs getroffen haben.
Da dieser Kontinent lieber verwaltet als gestaltet, bin ich auch nicht sonderlich optimistisch. Die Sonderschulden werden nun ein Strohfeuer auslösen, aber nicht zu nennenswert tragenden Geschäftsmodellen führen.
Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, sind neben Wissen Investitionen notwendig, wenn aber 4/5 der Investitionen für KI und humanoide Roboter in den USA investiert wird, dann nutzt das hier vermittelte Wissen an den hiesigen Unis nichts. So gesehen ist die deutlich gewachsene Abwanderung von MINT Abgängern in andere Länder auch keine Überraschung.
Vor 20 Jahren war dies hier noch ganz anders, mittlerweile ist die Karre einfach weiter im Morast festgefahren. Statt Aufbruch Abbruch, Hürden und Blockaden. Die EU wird die Technologie weiter kaputt regulieren, genauso wie Gewerbetätigkeit und vor allem den Bau.
Noch hängt Wohlstand von der Wettbewerbsfähigkeit ab und solange das so ist, bleibt die Prognose für Deutschland äußerst pessimistisch.
Tut mir leid, dies vor Jahresende noch mal so deutlich darzustellen, aber Selbstbeweihräucherung wird auch nicht helfen.
"Der Rückstand in der IT und daraus wachsenden Abhängigkeiten von US Konzernen betrifft die Firmen, noch viel schlimmer den ÖD und so lange das so bleibt, werden wichtige Verwaltungsprozesse weiterhin um Größenordnungen langsamer und fehleranfälliger bleiben als notwendig."
Das ist eher eine Frage des Willens, speziell im ÖD. Vieles geht mit Open Source, und diese Software gibt es fix und fertig zum Download.
Schleswig Holstein schwenkt gerade auf Open Source um, München war schon mal halb dort und rudert wieder zurück, mit begrenztem Erfolg (ein anderer Artikel von Günter spricht an, daß die Rückmigration auch nicht so toll läuft und daß die Schwierigkeiten mit Limux übertrieben dargestellt wurden.)
Industriebetriebe müssen vielleicht damit rechnen, daß ihnen Kunden weglaufen wenn sie die "Industriestandards" ablehnen, der ÖD mit dem Gesetzgeber im Rücken kann da mehr durchdrücken. Siehe beispielsweise die verpflichtende digitale Steuererklärung.
schön wäre es. Funktional fehlt aber noch viel, so war Limux Steinzeit EDV mit 3-4 fachem Personalschlüssel. Leider.
D.h. teure Besenstiele, wenig Funktionalität und Nutzen, aber hoher Aufwand (!)
Viele wichtige Fachanwendungen für Windows waren über Citrix nutzbar, mit entsprechend hohen Lizenz- und Systemkosten, in Wahrheit war da nicht viel gewonnen.
So ähnlich wird es in SH auch laufen.
Unsinn. LiMux ist gescheitert, nachdem Microsoft angekündigt hat, in München ein Rechenzentrum (oder war es die hiesige Konzernzentrale?) zu bauen. Und oh Wunder, es geht zurück zu Microsoft, und demnächst mit einem Milliardendeal zu M365. Welch Zufall.
Aber klar, es lag natürlich daran, dass Limux Steinzeit EDV war und niemals klappen konnte.
lt. den Berichten und öffentlich einsehbaren Protokollen stellt sich ein anderes Bild dar. Wie gesagt, ist ist ja auch nur ein Feigenblatt wenn ein Bruchteil der Arbeit auf Limux läuft, die Vielzahl der Anwendungen unter Windows aber weiterhin über die teure Citrix Infrastruktur aufgerufen werden. Kannst Du alles nachlesen.
Betr. "Die eigene IT oder auch externe sind zu träge,…":
Das ist noch milde ausgedrückt; auch die IT hat ein Alte-weisse-Männer-Problem. Gemeint sind jene altersbedingt erschlafften Kollegen, die meinen, der Rest des Betriebes müsse sich ihrer zwischen Ängstlichkeit, schlechter Laune und Besserwisserei oszillierenden KI- und Cloud-Phobie unterordnen. Ich wünschte mir weniger Kündigungsschutz, um solche 'Kameraden' loszuwerden.
das gab es auch schon mit jungen weißen Männern, bin schon lange genug dabei;-)
Bei "souveräne europäische Cloud" habe ich aufgehört zu lesen – da lachen ja die Hühner bzw. andere Lebewesen!
"Technischer Hypothek" finde ich passend, klingt besser als "Altlasten" die "plötzlich" aufpoppen und Probleme machen (gerade frisch erlebt bei einer ERP Umstellung) :|.
Man muss auch immer bedenken: Wachstum ist nicht unendlich.
Na ja, aber das scheint doch genau – auch, und vor allem bevorzugt politisch verkündet – der verbreitete Glaube bzw. die Hoffnung zu sein. 🤷♂️
in einer schuldenfinanzierten Ökonomie ist Wachstum unabdingbar.
Das hat sich so herauskristallisiert und bisher funktioniert es ganz gut.
Da noch gut 6,5 Mrd Menschen in Armut oder sehr bescheidenem Wohlstand leben, ist das Potential noch enorm. Derzeit gibt es keine Grenzen des Wachstums.
Das heißt nicht, das es keine besseren Lösungen geben könnte.