Die Absetzbewegungen von US-(Tech-)Produkten nehmen zu. Die EU fragt in der Open Source-Community nach Vorschlägen für Projekte. Österreich ist beim Microsoft Exit vorne. Und es gibt immer mehr Initiativen, die sich der digitalen Souveränität Europas in Sachen Software widmen. Hier ein kleine Überblick, was mit die Tage so diesbezüglich untergekommen ist.
Amerika und US-Produkte sind nicht mehr great
Es sind tiefe Spuren, die die erratische US-Politik seit Monaten weltweit hinterlässt. Es waren Posts, die mich aufmerken ließen, dass sich da "irgend etwas dreht". Nachfolgender Post befasst sich generell mit dem Thema "wie ziehen US-Marken" als Botschafter in der Welt. Ich denke, wir alle kennen es: Coca Cola, Mc Donalds etc., das sind US-Marken, die seit Jahrzehnten ziehen und das Bild von Amerika geprägt haben.

Die Botschaft aus obigem Post lautete, dass die USA als Land für Jahrzehnte ein Botschafter für US-Marken war und weltweit für Absatz von US-Produkten sorgte. Europäische und asiatische Käufer kauften nicht nur amerikanische Produkte, sie vertrauten ihnen auch automatisch. Der Nimbus Coca Cola oder Heinz Ketchup dürften vielen Leuten bekannt sein.
Ein amerikanisches Logo auf Produkten stand für Innovation, Vertrauen, Größe und kulturelle Bedeutung. Ein Produkt aus Israel oder Argentinien könne ausgezeichnet sein, aber es werde nicht automatisch von Millionen Käufern allein aufgrund der Herkunft gekauft. Diese Markenkraft Amerikas habe zu absurden Umsätzen in den Bereichen Technologie, Unterhaltung, Verteidigung, Mode, Reisen, Bildung und Finanzen geführt.
Das habe sich drastisch gedreht, konstatiert der Autor des obigen Posts. Grönland sei unter diesem Gesichtspunkt keine politische Debatte, sondern ein Markenbruch. Seit das Thema aufkam, habe sich die Stimmung gewendet. In Büros in ganz Europa und Teilen Asiens werde plötzlich lautstark und emotional über amerikanische Unternehmen diskutiert.
Menschen würden sich offen gegen amerikanische Produkte aussprechen. Händler beklagen sich darüber, dass Bestellungen verzögert oder stillschweigend storniert werden. Reisebüros sagen, dass sich Reiseziele in den USA immer schwerer verkaufen lassen. Marken leben im Unterbewusstsein, so der Schluss, und wenn sie einmal beschädigt sind, erholen sie sich selten wieder. Amerika sei als Marke in Europa und Asien am Ende, und wenn diese "Soft Power" einmal verloren ist, können sie durch keine noch so große Hard Power zurückgewonnen werden. Keine Ahnung, ob diese Schlussfolgerungen so stimmen und am Ende des Tages zutreffen, aber es tut sich was, das vermeine ich auch zu beobachten.
Europäische Alternativen zu US-Produkten
Dann ist mir noch nachfolgender Post untergekommen, die sich mit dem Thema europäische Alternativen zu US-Produkten im Hinblick auf Digitale Dienste befasst.
Obiger Post verlinkt auf die Seite European Alternatives die Alternativen zu Cloud-Diensten und SAAS-Produkte aus Europa auflistet. Das geht von E-Mail-Diensten über File-Hosting bis hin zu Microblogging-Dienste wie Mastodon.
Ich hatte ja kürzlich im Beitrag Digital Independence Day: Alternativen zu Microsoft 365 aufgezeigt, welche Alternativen es zu Microsoft 365 gibt. Jeden ersten Sonntag im Monat findet der Digital Independence Day statt, wo "Hacker" Nutzern zeigen, was es außerhalb der Welt von Apple, Google und Microsoft an europäischen und Open Source-Alternativen gibt.
Österreich macht den Microsoft und VMware-Exit
Es war für mich überraschend, aber Österreich ist stramm auf dem Weg zur digitalen Souveränität. Ich hatte mitbekommen, dass das österreichische Bundesheer von Microsoft Office 365 auf LibreOffice umgestiegen ist (siehe Österreich: Bundesheer geht Open Source (LibreOffice)). Aber auch Bundesministerium für Wirtschaft (BMWET) Österreichs hat kürzlich bekannt gegeben, dass man auf Nextcloud. Die entsprechenden Verlautbarungen von Oktober 2025 lassen sich in diesem Nextcloud-Artikel nachlesen.
Gerade las ich in diesem Golem-Artikel, dass Österreich wohl eine führende Rolle bei der EU-Initiative zur digitalen Souveränität einnimmt. Im Herbst 2025 gab es auf Initiative des österreichischen Staatssekretärs für Digitalisierung, Alexander Pröll, ein Gipfel in Wien mit EU-Kommissarin Henna Virkkunen und Vertretern aller Mitgliedstaaten statt. Dort wurden die Eckpunkte der Deklaration zur Europäischen Digitalen Souveränität erarbeitet.
Nun will Österreichs Wirtschaftsministerium das Ganze mit Leben füllen, und Microsoft Sharepoint im ersten Quartal 2026 dekommissionieren. Das mit 2.500 Arbeitsplätzen versehene Wirtschaftsministerium dient als Pilotprojekt für den Schwenk auf Open Source-Lösungen. Andere Ministerien sollen dann folgen. Weiterhin ist man laut Golem-Artikel in Österreichs Wirtschaftsministerium dabei, die Abhängigkeit von VMware zu verringern und stellt auf Proxmox um. Der Golem-Beitrag geht umfassend auf die diversen Migrationspläne, die auch eine Abkehr von Microsoft Exchange für die Zukunft vorsehen, ein.
Open Source-Initiative EU-Kommission
Weiterhin hat die EU-Kommission eine Sondierung für eine Open Source-Initiative gestartet, die vom 6. Januar bis zum 6. Februar 2026 läuft. The Register hatte dies vor Tagen bereits in diesem Artikel angesprochen. Es geht um eine Entwicklung einer Strategie für europäische offene digitale Ökosysteme, für die Folgendes festgelegt wird:
- ein strategischer Ansatz für den Open-Source-Sektor in der EU, der der Bedeutung von Open-Source-Technologien als entscheidendem Beitrag zur technologischen Souveränität, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der EU Rechnung trägt
- ein strategischer und operativer Rahmen zur Stärkung der Nutzung, Entwicklung und Weiterverwendung offener digitaler Inhalte innerhalb der Kommission, der auf den Ergebnissen aufbaut, die im Rahmen der Open-Source-Software-Strategie 2020-2023 der Kommission erzielt wurden.
Die EU-Kommission möchte dazu Meinungen einholen, d.h. Interessierte können sich während der Sondierung über diese Seite mit Feedback äußern. Das Feedback wird bei der Entwicklung und Erarbeitung dieser Initiative berücksichtigt.
Ich würde sagen, so langsam kommt einiges ins Rutschen. Wenn mir vor zwei Jahren jemand diese Entwicklung vorhergesagt hätte, wäre meine erste Frage "welches Gras hast Du geraucht" gewesen. Es bleibt spannend, zu beobachten, was sich da so in nächster Zeit tut. Die Tage hatte ich bereits diesen Kommentar gepostet: Eine Bekannte, Ü70 und nicht IT-affin, stellte fest, dass ihr PC nicht Windows 11-fähig ist. Was macht sie? Stellt den Rechner mit Hilfe von ChatGPT auf Linux um und ist glücklich. Wie hätte Steve Ballmer gesagt: "Die Hölle friert zu".




MVP: 2013 – 2016




Der Witz ist, das viele der in der ersten Grafik gezeigten Marken mal europäische oder gar deutsche Marken waren, die aber von US-Konzernen gekauft wurden.
Toblerone und Milka = ursprünglich Schweiz
Apollinaris = ursprünglich Deutschland
etc.
Und auch im EDV-Bereich gabs das:
LibreOffice ist aus StarOffice von der Firma Star Division hervorgegangen.
Star Division wurde von Sun gekauft, Sun wiederum von Oracle. Schon zu Zeiten von Sun wurde es OpenSource und in OpenOffice umbenannt.
Aus OpenOffice gabs dann einen Fork namens LibreOffice.
Microsoft Dynamics NAV war früher Navision, eine dänische Firma, die von Microsoft übernommen wurde.
Skype war eine Luxemburger Firma, die ebenfalls von Microsoft übernommen wurde.
etc. etc.
Die europäische Softwareindustrie war durchaus auf Augenhöhe mit den US-Firmen, in Teilbereichen sogar den US-Firmen überlegen.
Aber viele Firmen haben sich von US-Firmen kaufen lassen, womit die europäische Souveränität in der Software (und auch anderen Bereichen wie z.B. Lebensmitteln) teilweise verloren gegangen ist.
Jetzt versucht man krampfhaft, die selbst verkaufte Souveränität wieder zurück zu erlangen.
Das hätte man sich sparen können, wenn man den Kaufverlockungen der US-Konzerne widerstanden hätte.