Die Woche haben die Mobilfunkanbieter Telekom, Telefonica und Vodafone in ihren Mobilfunknetzen NG eCall freigegeben. Die eCall-Funktionalität ist in PKWs seit 2018 bei Neuzulassungen vorgeschrieben. NG eCall soll neue Funktionalität in die Notruf-Funktion von PKWs bringen. Hier ein kurzer Blick auf das Thema und kommende Probleme.
Was ist eCall und wer ist betroffen
Besitzer neuerer Kraftfahrzeuge kennen es und automobiltechnisch Interessierte wissen es auch. eCall ist die Kurzform für emergency call, ein von der Europäischen Union für Kraftfahrzeuge vorgeschriebenes automatisches Notrufsystem. Die Hersteller müssen dieses System seit dem 31. März 2018 in alle neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen einbauen.
Im Fahrzeug montierte Geräte melden einen Verkehrsunfall automatisch über Mobilfunk an die einheitliche europäische Notrufnummer 112 und sollen durch die rascher initiierten Rettungsmaßnahmen die Zahl der Verkehrstoten senken. Die Funktion kann auch manuell von den Fahrzeuginsassen ausgelöst werden. eCall ist ein wichtiges Projekt der eSafety-Initiative der Europäischen Kommission.
2028 droht Millionen Fahrzeugen das GSM eCall-Desaster
Zuerst komme ich auf einen unerfreulichen Aspekt bei eCall zu sprechen. In den ersten Fahrzeuggenerationen wurde eCall über 2G-Mobilfunk im GSM-Netz realisiert. Aber das GSM-Netz wird 2028 abgeschaltet (3G bzw. UTMS ist bereits längst abgeschaltet), es steht ja das 4G- (LTE) oder 5G-Mobilfunknetz zur Verfügung.
Das hat das Problem, dass mit der Abschaltung des GSM-Mobilfunknetzes alle PKWs mit eCall auf 2G-Technik funktionslos werden. Da eCall aber für die TÜV-Abnahme zwingend erforderlich ist, droht ein Desaster. Ich verweise auf diesen Artikel aus Oktober 2025, der die Problematik aufgreift. Betroffen sind alle Altfahrzeuge, die ab 2018 noch mit eCall auf Basis der 2G-Mobilfunktechnik ausgestattet wurden.
Von den Hersteller wird m.W. bisher keine Umrüstung auf 4G-Mobilfunkmodems angeboten. Eine Technik, die in Handys für 70 Euro zum Standard wird, wächst sich bei Fahrzeugen zur digitalen Hängepartie aus. Auto BILD beschreibt hier zwar eine "Ersatzlösung" (Unfallmeldestecker, UMS) für den Zigarettenanzünder – aber diese bekommt nicht den Segen des TÜVs.
NG eCall eingeführt
Der ADAC hat es bereits zum Jahresanfang 2026 im Artikel Neuer Auto-Notruf: NG eCall ersetzt alte Technik angesprochen. Mit NG eCall wird die Funktion auf dem 4G- und 5G-Netz aufgesetzt. Dadurch würden Fahrzeuge, die mit NG eCall neu ausgerüstet werden, durch die Abschaltung des 2G GSM-Mobilfunknetzes nicht betroffen. Das Versprechen: "NG eCall kann Unfälle schneller melden und gleichzeitig deutlich mehr Daten liefern als die alte eCall-Version. Hierfür nutzt es ab diesem Jahr die modernen 4G- und 5G-Netze, die europaweit ausgebaut und langfristig verfügbar sind."
Die Telekom AG hat in dieser Meldungund Telefonica in diesem Beitrag vom 24. Januar 2025 die Freischaltung von NG eCall in ihrem Mobilfunknetz bekannt gegeben. Dort wird bestätigt, dass Vodafone, Deutsche Telekom und O2 Telefónica das neue Auto-Notrufsystem "Next Generation Emergency Call" (NG eCall) an diesem Stichtag offiziell in ihren Netzen gestartet haben.
Im Gegensatz zum bisherigen System wird der Notruf bei NG eCall nicht mehr über die rund 40 Jahre alte Mobilfunktechnologie 2G (GSM) aufgebaut. Stattdessen wird die Verbindung über das modernere 4G-(LTE)-Netz und perspektivisch über das 5G-Netz hergestellt. Außerdem gelangen Standort- und Fahrzeugdaten schneller als bisher an die Notrufzentralen.
Das technisch veraltete Notrufsystem eCall bleibt, so die Telekom weiterhin aktiv (die Abschaltung ist aber für 2028 geplant). Die Nachfolgegeneration, NG eCall, komme zum Einsatz, wenn sowohl die Fahrzeuge als auch die Leitstellen das neue System unterstützen. Trifft dies nicht zu, wird der Notruf wie bisher über das alte System abgewickelt. Beide Notruf-Generationen laufen also vorerst parallel, heißt es in der Mitteilung.
Auch hier wird gesagt, dass das Notrufsystem fürs Auto die Reaktionszeiten der Rettungsdienste bei Verkehrsunfällen verkürzt, indem es bei schweren Unfällen automatisch eine Telefonverbindung an die Notrufnummer 112 absetzt und wichtige Informationen wie den Unfallort übermittelt. Die Björn-Steiger-Stiftung beschreibt in diesem Artikel die Umsetzung in den Rettungsleitstellen.
Viele Hersteller haben ihre Modelle seit 2024 so umgerüstet, dass eCall sowohl im 2G GSM-Netz, als auch im 4G-Mobilfunknetz funken kann, also zum NG eCall kompatibel sind. Golem hat die Freigabe von NG eCall in diesem Beitrag aufgegriffen und heise hier, wo sich ggf. noch einige Informationen zur Technik finden lassen.



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