Digital Independence Day (Feb. 2026): Europas Abschied von US-Tech

Stop - PixabayEs könnte was in Europa ins Rollen kommen, was die digitale Abkehr von Lösungen von US-Tech-Unternehmen betrifft. Die erratische Politik von US-Präsident Donald Trump samt seiner Regierung und die Diskussion um Grönland haben etwas in Gang gesetzt. Die Veröffentlichung einer weiteren Tranche der Epstein-File, in denen die Einflussnahme von US-Milliardären auf europäische Politiker durchscheint, könnte als Brandbeschleuniger wirken.

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Wir haben wieder den ersten Sonntag im Monat (Februar), also Digital Independence Day. Der Digital Independence Day macht Alternativen zu großen Big-Tech-Plattformen sichtbar und setzt sich für mehr digitale Unabhängigkeit ein. Heute gebe ich eine kurze Bestandsaufnahme zum Sachstand und zu digitalen Absetzbewegungen in Europa.

Epstein-Files: US-Einflussnahme und Palantir-Risiko

Ich beginne mal mit einem Ausflug in die Nicht-Souveränität als Zustandsbeschreibung, die auch durch die Epstein-Akten offen gelegt werden. Seit Wochen beherrschen die freigegebenen Epstein-Akten (Epstein Files) die Nachrichten. Vieles ist geschwärzt – aber es kommen immer mehr Details ans Tageslicht (hier ist eine Zusammenstellung mutmaßlicher Einflussnahmen zu finden, wobei ich nicht alles einordnen kann).

Schwer in der Kritik steht Peter Thiel, dem in Mails nachgesagt wird, dass er der Meinung ist, dass Frauen und Arme kein Wahlrecht haben sollten und dass Demokratie ein gescheitertes Experiment ist. Thiel ist an verschiedenen Investments, die auf Europas Politik Einfluss nehmen, beteiligt.

Palantir-Einsatz in Europa/Deutschland

Im Rahmen dieser Thematik ist auch der Palantir-Einsatz in Europa und speziell in Deutschland hochgekocht. In verschiedenen Ländern werden Untersuchungsausschüsse bzgl. des Einsatzes der Software von Palantir gefordert.

Palantir-Einsatz in Deutschland

So als Informationssplitter sind mir obige Posts untergekommen. In der Schweiz wurde der Einsatz von Palantir von Behörden und der Armee mehrfach mit dem Hinweis auf "nationales Sicherheitsrisiko und Neutralität" abgelehnt. In Deutschland prüft Innenminister Dobrindt (CSU) den bundesweiten Einsatz genau dieser Software. Da ist noch ein weiter Weg zur "digitalen Souveränität".

Bayern will Microsoft 365

Aber in Bayern ticken die Uhren anders, bzw. auch dort knirscht es politisch. Die bayerische Landesregierung will ja (neben Palantir, was eingesetzt wird) weiterhin verstärkt auf Microsoft 365 in Behörden setzen – was Kritik hervor ruft (siehe Bayern: Kritik an Milliarden-Auftrag für Microsoft, aber Kinderstartgeld gestrichen). Hier wird mutmaßlich die digitale Abhängigkeit zementiert. Aber das Ganze führt jetzt wohl intern in der bayerischen Staatsregierung zu Zoff, wie ich kürzlich im heise-Beitrag Bayerns Staatsregierung streitet lautstark über Microsoft-Vertrag lesen durfte.

Weitere Einsichten

Ich hatte es nicht im Blog – aber über die Epstein-Akten ist auch herausgekommen, was bei Microsoft in Bezug auf die Surface 3-Geschichte intern abging (siehe diesen Dr. Windows-Artikel). Für mich ist erstaunlich, dass hochrangige Microsoft Manager wie Sinofsky vertrauliche Mails mit Externen austauschen. Stärkt nicht gerade das Vertrauen in Microsofts Management.

Eppstein Akten

Weil es gerade passt – obiger Post ist mir die Woche untergekommen. Auf dieser Seite lässt sich auf diverse Epstein-Mails zugreifen. Sind alles Informationen, die zum Nachdenken, ob die Abhängigkeiten von US-Tech so sinnvoll sind, anregen sollte.

Abschied von US-Tech-Lösungen ein Europa

Der deutsche Bundestag will Exit von Microsoft & Co. zumindest prüfen. Bei Table Briefings hieß es die Tage: "Der Bundestag arbeitet an mehr digitaler Souveränität. Eine neue Kommission prüft sichere Alternativen zu US-Tech, eigene Cloud-Lösungen und europäische Software – und steht dabei vor der Herausforderung, Resilienz und Arbeitsfähigkeit zugleich zu sichern." Dr. Windows hatte einige Kernpunkte in diesem Beitrag zusammen gefasst:

Bürosoftware, KI-Anwendungen, eine sichere Cloud zur Speicherung von Daten, Kollaborationsdienste zur besseren Zusammenarbeit und eine weitreichende und nachhaltige Sicherheitsarchitektur.

Im Bundestag kommt derzeit neben Microsoft 365 die Phoenix Suite von Dataport zu Einsatz, die auf Nextcloud oder Open-Xchange setzt. Dann noch Microsoft 365 gegen LibreOffice ausgetauscht, um sich weiter aus eine digitalen Abhängigkeit zu lösen. Beim Messenger soll wohl Wire verwendet werden. Bei der Cloud wird es schwieriger – es dürfte kurzfristig auf die Delos-Cloud der SAP-Tochter mit Microsoft Azure als Unterbau hinauslaufen. Mittelfristig soll Stackit, die Cloud der Schwarzgruppe mit Google als Cloud-Unterbau, verwendet werden.

Voll auf dem Open Source-Track ist Schleswig-Holstein, die bereits im Dezember 2025 den Umstieg von 80 % ihrer Arbeitsplätze auf LibreOffice verkünden konnten (siehe Schleswig-Holstein: Schon 80 % der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt). Und im Beitrag EU-Regulierungen, Prüfverfahren und Digitale Souveränität hatte ich erwähnt, dass Frankreich in Behörden Microsoft Teams gegen die französische "Visio-Kommunikationslösung" ersetzen wird.

Ende Januar fand der EU Open Source Policy Summit 2026 in Brüssel statt. Dort sprach sich eine breite Phalanx an Teilnehmern dafür aus, Europa künftig von US-Tech zu lösen und mehr auf Open Source zu setzen. The Register hat es in diesem Artikel aufgegriffen und stellt die Befürchtung, dass die USA Europa digital das Licht ausknipsen könnte, in den Vordergrund. In diesem Artikel stellt The Register heraus, dass europäische Firmen sich aus der US-Cloud zurückziehen und mehr auf digitale Souveränität setzen sollten. Golem hat die Tage in diesem Artikel die Frage aufgegriffen, wie Europa sich aus der Abhängigkeit lösen will.

Dann gibt es noch Pläne für ein "Soziales Netzwerk Made in Europe" mit dem Namen W. T-Online hatte dies im Januar 2026 in diesem Artikel aufgegriffen. Ob das was wird, muss man sehen. Und ich habe die Tage gelesen, dass die EU ein eigenes Zahlungssystem mit dem digitalen Euro etablieren will, um Paypal, Visa, Mastercard sowie Apple/Google Pay abzulösen. Ob da Wero mit der European Payment Initiative einbezogen ist und punkten kann, wird man sehen.

Fazit: Derzeit sind viele Ankündigungen und Absichtserklärungen zu finden. Aber der "Wind hat sich gedreht" – sah man vor einem Jahr noch ein mitleidiges Lächeln, denken nun viele Stellen mehr über digitale Souveränität nach. Die Möglichkeiten sind vorhanden – aber die Abkehr von US-Tech wird steinig und schwierig – sehe ich an meinem eigenen Umfeld, wo ich mich nur schrittweise lösen kann.

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11 Antworten zu Digital Independence Day (Feb. 2026): Europas Abschied von US-Tech

  1. R.S. sagt:

    Die Telekom hat erst letzte Woche ein eigenes KI-Rechenzentrum in München in Betrieb genommen.
    Mit dem Rechenzentrum hat sich auf einen Schlag die Rechenkapazität im KI-Bereich in Deutschland verdoppelt.
    Da soll auch noch mehr kommen, um unabhängig von den US-Anbietern zu werden.

    Es tut sich also etwas in Bezug auf digitaler Souveränität.
    Aber es ist auch klar, das das nicht von heute auf morgen geht, sondern Zeit braucht.

    • Yossarian sagt:

      Das ist eine sehr optimistische Betrachtung.

      Laut heise geht es da in München um eine Größenordnung von 10.000 Beschleunigerkarten:
      https://www.heise.de/news/Telekom-Rechenzentrum-soll-deutsche-KI-Leistung-um-die-Haelfte-steigern-11165290.html

      Allein Collossus von Musk soll in der jetzigen Ausbaustufe bereits 200.000 Einheiten enthalten und wohl auf ca. 500.000 ausgebaut werden.

      Wenn 10.000 Einheiten in Deutschland bereits eine Verdopplung der deutschen Kapazitäten bedeutet, dann ist das für mich eher ein Beleg dafür wie abgehängt wir sind und nicht dafür, dass wir jetzt mithalten können.

      • R.S. sagt:

        Naja, es kommt immer auf den tatsächlichen Bedarf drauf an.
        Das Rechenzentrum in München ist nur für deutsche Kunden, die Rechenzentren in den USA sind für Kunden weltweit.
        Und da ist es klar, das die deutlich größer sein müssen.

        • Yossarian sagt:

          Funktion und Rechenleistung hängen bei KI direkt zusammen. Hast du weniger Rechenleistung, dann wird auch dein Modell nicht so gut wie eines, was 10x soviel Ressourcen hat.
          Und über den Markterfolg entscheidet halt die Qualität des Modells und nicht, ob du 1-2 Sekunden länger auf deine Antwort warten musst.
          Und wir reden hier von einem globalen Markt. Irgendwie etwas hinzubekommen reicht nicht, um mitzuhalten. Wenn 90% der deutschen Anwender ein US Modell wählen, weil es besser ist, dann bleibt nicht viel von einer vermeintlichen deutschen Souveränität in dem Bereich.

  2. Yossarian sagt:

    Herr Born, mal ganz grundlegend: Sie wollen keine Politik in den Kommentaren, machen dann aber solch einen Artikel in einer hochpolitischen Art auf?

    Ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich jetzt inhaltlich auf den ersten Absatz eingehen würde, dass das dann genau so ein Kommentar werden würde, den sie hier nicht haben wollen und der in der Konsequenz dann auch gelöscht würde.

    Für den inhaltlichen Aspekt braucht es das imo auch gar nicht. Egal wie die Politik in den USA gerade aussieht, Unabhängigkeit bei Infrastruktur ist immer ein zentraler Aspekt von wirklicher Souveränität und IT ist schon lange Infrastruktur.

    • Jens sagt:

      Was genau am ersten Absatz ("Trumps Politik animiert viele, sich Alternativen zu US-Resourcen zu suchen; Epstein-Dateien zeigen weltweite Verflechtungen mit Entscheidungsträgern") ist jetzt so politisch brisant, dass man da unbedingt drüber diskutieren müsste? Das ist doch lediglich eine Schilderung von Tatsachen, ohne Bewertung.

      • Yossarian sagt:

        Es geht nicht um eine vermeintliche Brisanz (auch wenn ich das hier tendenziell durchaus so sehe), sondern darum, dass es politisch ist.
        Auf den inhaltlichen Aspekt würde ich durchaus gerne antworten, respektiere aber den Wunsch von Herrn Born, dass solche Diskussionen hier nicht erwünscht sind.

  3. robbi sagt:

    Endlich Backups auf Tesafilm

    Jetzt noch die gesamte Infrastruktur , die von Cisco, Juniper, Palo Alto, Fortinet, HPE, Extreme ?) etc. bespielt wird gegen "europäische Geräte" austauschen.
    Mist, die Prozessoren sind ja auch von US-Herstellern.

    Ahso, ZTE und Huawei..Moment, geht ja auch nicht (denn der Rotchinese an sich ist sehr böse).
    Also same Procedure as every Year nachdem der AMI das ganze Zeug vor über 50 Jährchen ins Werk gesetzt hat.

    Dream on…..

    https://www.spektrum.de/news/daten-von-der-tesa-rolle/342398

  4. harfes sagt:

    Ich bin zumindest froh, dass es endlich öffentliche Ansagen zur (geplanten) Unabhängigkeit von den US-Riesen gibt (die ja mit ihrem Geld wesentlich zu dem "Erfolg" vom Entenmann beigetragen haben). Dass das nicht einfach wird und Zeit braucht, dürfte mindestens jedem IT-ler klar sein – aber das es geht, zeigt SH wohl sehr eindrucksvoll…man muss nur wollen! Das die bayerische Regierung wie immer hinterherhinkt und noch nicht wirklich begriffen haben, was die geplante Abhängigkeit bedeutet, wundert mich auch nicht – da ticken die Uhren halt noch anders…schaunmermal, wann auch da die Erkenntnis kommt!

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