Momentan sucht man in Europa ja händeringend nach Alternativen zu US-Software. LibreOffice wird häufiger als Alternative zu Microsoft Office genannt. Hier im Blog höre ich dann immer wieder "Microsoft Office ist alternativlos, weil nur mit deren Anwendungen Dokumente formaterhaltend ausgetauscht werden können". "The Document Foundation", die LibreOffice entwickelt, übt moment schwere Kritik an Microsoft, mit seinen Office-Formaten systematisch ein Lockin für Nutzer aufgebaut haben. Die "Alternativlosigkeit" in Bezug auf Office 365 ist selbst verursachtes Leid.
Wenn ich hier im Blog schon mal einen Beitrag zu LibreOffice oder anderen Alternativen zu Microsoft Office einstelle, höre ich häufig: "Aber Microsoft Office ist der Standard in Firmen, nur wenn ich deren Software verwende, sind meine Dokumente austauschbar". Stimmt zwar nicht, da die Microsoft Office-Versionen untereinander oft nicht die Dokumente sauber und Format-treu austauschen können.
Ein Versuch, ein offenes Office-Format zu definieren
Die älteren unter den Lesern werden sich noch erinnern: Es gab mal den Ansatz, ein Open Document Format für Texte vorzuschreiben und als Industriestandard zu etablieren. Im Jahr 2015 wurde das OASIS Open Document Format for Office Applications (ISO/IEC 26300-1:2015) als international genormter quelloffener Standard für Dateiformate von Bürodokumenten wie Texten, Tabellendokumenten, Präsentationen, Zeichnungen, Bildern und Diagrammen verabschiedet.
Das OpenDocument Format (ODF) nutzt für das eigentliche Dokument eine XML-basierte Auszeichnungssprache, deren Elemente an den Standard HTML angelehnt sind. OpenOffice.org und LibreOffice verwenden ODF als Format für ihre Dateien.
Microsoft hat dies auf "elegante Art" konterkariert, indem man das Konstrukt OpenXML-Format aus der Taufe hob – welches sogar (trotz heftiger Kritik) als ISO-Standard verabschiedet wurde. Neuere Microsoft Office-Versionen verwenden dieses Format zum lesen und schreiben (siehe).
The Document Foundation übt Kritik an Microsoft
Nun üben die Entwickler von The Document Foundation, (die hinter LibreOffice stehen), im Dokument Why OOXML is not a standard format for office documents schwere Kritik an Microsoft (ich bin hier drauf gestoßen). Sie stellen die Frage, warum viele Leute die proprietären DOCX-, XLSX- und PPTX-Formate von Microsoft verwenden, oder proprietäre Software wie OnlyOffice gegenüber LibreOffice bevorzugen? Die gesamte Geschäftswelt setzt auf das proprietäre Microsoft OOXML-Format, die von DOCX-, XLSX- und PPTX-Dokumenten genutzt werden und glaubt, "OOXML als Standardformat" einzusetzen, so die Aussage.
Theoretisch seit OOXML (Office Open XML) ein ISO/IEC-Standard (ISO/IEC 29500), schreibt The Document Foundation. In der Praxis offenbaren sich aber riesige Klippen, die das Format zum Dokumentenaustausch unbrauchbar machen. The Document Foundation hat folgende Zusammenfassung ihrer Kritikpunkte in obigem Dokument veröffentlicht:
- Die Komplexität der Spezifikationen: Der OOXML-Standard ist extrem umfangreich (~7.000 Seiten), was es für Dritte praktisch unmöglich macht, ihn korrekt zu implementieren. Dies steht in starkem Kontrast zu konkurrierenden Standards wie ODF (wird von LibreOffice verwendet), die viel prägnanter sind.
- Inkonsistenzen bei der Implementierung: Die Microsoft Office-Anwendungen implementieren nicht die standardisierte Version (ISO/IEC 29500 Strict), sondern verwenden die Variante „Transitional", die Kompatibilitätsfunktionen mit älteren Formaten enthält. Diese Transitional-Variante steht aber im Widerspruch zum erklärten Ziel, ein sauberes, modernes und vor allem offenes und standardisiertes Format zu sein. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum die Formatübertragung über Anwendungsgrenzen nie sauber klappt.
- Proprietäre Abhängigkeiten: Die Spezifikationen beziehen sich auf mehrere undokumentierte Legacy-Verhaltensweisen früherer Versionen von Microsoft Office und verlangen von den Entwicklern, die die Formatfilter implementieren, Windows-spezifische Funktionen zu dekodieren, um Kompatibilität zu erreichen.
- Binäre Blob-Reste: Obwohl OOXML auf XML basiert, enthält es an vielen Stellen binäre Datenstrukturen. Diese dienen insbesondere zur Erhaltung der Abwärtskompatibilität mit älteren Microsoft Office-Formaten. Das beeinträchtigt die Transparenz, die XML eigentlich gewährleisten sollte.
- Plattformspezifische Elemente: Der Standard enthält Windows-spezifische Elemente in Bezug auf Schriftarten, Darstellung und andere Systemverhalten, die eine plattformübergreifende Implementierung schwierig oder sogar unmöglich machen.
- Kontroverse um den Standardisierungsprozess: Das von ISO/IEC für OOXML angewandte Fast-Track-Genehmigungsverfahren war höchst umstritten. Vorwürfe wegen Verfahrensunregelmäßigkeiten und Manipulation der Abstimmung berechtigte Zweifel an der Gültigkeit des Standards aufkommen ließen.
Diese Probleme führten dazu, dass OOXML zwar technisch gesehen zu einem Standard wurde, aber immer eine proprietäre Format-Spezifikation von Microsoft und kein wirklich herstellerneutraler offener Standard war und ist. Das verursacht den Lock-in der Office-Nutzer. In den kommenden Wochen will der Autor des Beitrags von The Document Foundation einige der in diesem Beitrag vorgebrachten Behauptungen mit allen relevanten technischen Elementen im Detail untersuchen und möglicherweise was zu veröffentlichen. Insgesamt eine unschöne Situation, wir alle haben uns von Microsoft in die Falle locken lassen. Es war so schon einfach, mit Office zu arbeiten, die Daumenschrauben kamen erst nach und nach.
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"Aber Microsoft Office ist der Standard in Firmen, nur wenn ich deren Software verwende, sind meine Dokumente austauschbar"
Die MitarbeiterInnen der meisten Firmen verschicken einfach unsinnigerweise und mangels Schlungen MS Office Dokumente, hat man ja schon immer so gemacht. Man kann problemlos ein PDF verschicken.
Wer heute noch komplexe Excel-Dateien mit Macros und VBA nach extern verschickt muss einen gewissen Sadismus haben. Schon allein in unterschiedlichen Sprachen wird hier regelmäßig Unsinn produziert.
So ist es.
PDF wurde als universelles Dokumentenaustauschformat entwickelt.
MS Office Dateien waren nie als Dokumentenaustauschformat gedacht.
Excel-Dateien mit Makros?
Oder andere Office-Dateinen mit Makros?
Ja, so etwas haben wir früher auch öfter mal als Mailanhang zugesendet bekommen. Die Anhänge sind aber nie beim Empfänger angekommen, weil alle Dateianhänge, die ausführbares enthalten, konsequent von unserer Anti-Schadsoftwarelösung aus den Mails entfernt wird.
Die Leute, die uns Sachen mit Makros zusendeten, mussten es auf die harte Weise lernen, Makros, VBA-Code etc. aus Officedateien zu entfernen, bevor die uns das zusenden oder alternativ uns das als PDF zusenden (natürlich ohne Javascript o.Ä.!).
Sowas kann man ganz einfach auf dem Mail Gateway unterbinden und eine Unzustellbarkeitsnachricht zustellen, wenn MS Office Dokumente angehängt sind.