Anthropic-Aussagen, welche Arbeitsplätze KI ersetzen kann; Dystopische KI-Zukunft prognostiziert

CopilotKönnen Arbeitsplätze durch den Einsatz von KI verloren gehen bzw. in Firmen abgebaut werden? Es gibt Horrorzahlen, dass 80 % der Büroarbeitsplätze durch KI ersetzbar sei. Und es gibt Meldungen über Entlassungswellen "wegen KI". Gerade hat ein KI-Experte in einem Welt-Interview eine dystopische KI-Zukunft entworfen. Aber was ist realistischerweise von KI-Lösungen im Hinblick auf einen  Arbeitsplatzabbau zu erwarten? KI-Entwickler Anthropic hat die Tage eine entsprechende Auswertung vorgelegt, die das Thema beleuchtet. Ich fasse mal diese beiden Punakte zusammen.

Die Horror-Szenarien der letzten Monate

Seit ca. zwei Jahren jagen ja immer wieder Meldungen zum Arbeitsplatzabbau "wegen KI" durch die Medien. Ich hatte Ende November 2025 dieses Thema im Beitrag Job-Verluste durch KI – eine Themenübersicht kurz aufgegriffen. HP wollte 6.000 Beschäftigte abzubauen, weil diese durch den AI-Einsatz nicht mehr gebraucht werden. Eine Allianz-Tochterfirma will 1.800 Mitarbeiter in einem Call-Center abbauen und durch KI ersetzen. Und im Oktober 2025 hatte ich im Beitrag Amazon plant Entlassungen von ca. 30.000 Mitarbeitern von einer großen Entlassungswelle beim Online-Versender berichtet.

Oracle Entlassungen

Obiger Tweet thematisiert, dass Oracle 45.000 Stellen streichen möchte. Auch von Amazon wird berichtet, dass das Unternehmen 16.000 Arbeitnehmer und möglicherweise mehr entlassen will.

Bei diesen Meldungen sollte man im Hinterkopf behalten, dass es in den USA in manchen Unternehmen einen massiven Personalüberhang gibt, der durch die Corona-Pandemie bedingt ist. Leider wird in Meldungen zum Stellenabbau dieser Effekt nicht herausgerechnet oder berücksichtigt.

Absolventen von Universitäten haben es derzeit in den USA ebenfalls schwer, erste Stellen zu bekommen. Die Firmen stellen "mangels Bedarf" keine Anfänger mehr ein – wo in einigen Jahren die "erfahrenen Kräfte her kommen werden", interessiert die Verantwortlichen derzeit nicht.

Im Beitrag Job-Verluste durch KI – eine Themenübersicht hatte ich bereits eine Studie des MIT angesprochen. Diese kam zum Ergebnis, dass KI lediglich 11,7 % der US-Arbeitnehmer ersetzen kann. Und es gibt Stimmen von Fachleuten im KI-Bereich, die prognostizieren, dass Firmen, die heute Mitarbeiter "wegen KI entlassen", diese in spätestens zwei Jahren wieder einstellen müssen, weil Prozesse nicht mehr funktionieren und die Firma "abstürzt".

Ein Problem bei US-Techfirmen ist wohl der Kapitalbedarf zur Finanzierung von AI-Projekten. Ich habe mal kurz geschaut, was so die letzten Wochen an Meldungen zu Entlassungsplänen, bedingt durch AI-Investitionen, bekannt gegeben wurde. Neben den obigen 16.000 Amazon-Mitarbeitern habe ich noch 6.000 – 15.000 Stellen bei Microsoft,  4.000 bei Salesforce, Block (von Dorsey) 4.000 (50% der Belegschaft), IBM ca. 30 % der Belegschaft, Intel "Zehntausende", etc. gefunden. Gerade berichtet Reuters in diesem Artikel, dass bei Meta 20% der Belegschaft abgebaut werden könnten, um die AI-Kosten zu stemmen.

Analysten von gehen in den USA im Jahr 2025 von ca. 55.000 AI-bedingten Entlassungen  aus. Eine Übersicht finde sich z.B. hier. Die tatsächliche Zahl (inkl. indirekter Effekte) wird von manchen Analysten auf 200.000–300.000 geschätzt. Viele Firmen kündigen den Stellenabbau als "Vorbereitung auf AI" an, auch wenn die Technologie die versprochene Produktivität noch nicht immer liefert. In 2026 geht der Trend weiter , es wurden bereits 30.000 bis 50.000 abgebaute Stellen, vor allem in Tech-Firmen, aber auch  im Bereich Finance (z. B. Citigroup, JPMorgan) und Consulting (Accenture), gemeldet.

Massenelend durch KI prognostiziert

Wasser auf die Mühlen der KI-Skeptiker gießt Anton Korinek, Ökonom an der University of Virginia und Spezialist für KI-bedingte Wirtschaftstransformationen. Der Ökonom hat ein Interview mit der "Welt" geführt (wegen Paywall nicht verlinkt) und prognostiziert, dass die KI-Revolution den Arbeitsmarkt pulverisieren werde.

Im Interview mit der Welt skizziert der Ökonom ein Szenario, das weit über den üblichen Automatisierungsdiskurs hinausgeht, zitiert Golem in diesem Artikel aus dem Welt-Interview und schreibt, das  der Wissenschaftler den Begriff "Massenelend" ausdrücklich nicht vermeidet.

Anton Korinek prognostiziert, dass die "Laptop-Klasse" (Juristen, Journalisten, Analysten) als erstes den Arbeitsplatz verliere. In wenigen Jahren könnte KI so gut wie alle Tätigkeiten erledigen, die vor einem Bildschirm stattfinden, lautet die Prognose. Problem ist, dass es bisher keine Modelle gibt, die diese Entwicklung abbilden können. Frühere Transformationen hätten nur bestimmte Bereiche betroffen, die KI-Revolution beeinflusse aber quasi fast alle Arbeitsplätze.

Korinek prognostiziert Massenelend durch KI, wenn die Verteilungsfrage nicht politisch gelöst werde. Er hofft, dass ein Teil des enormen wirtschaftlichen Wachstums, das KI ermöglichen könnte, als Entschädigung an die Verlierer des Prozesses fließt. Persönlich bin ich skeptisch, da speziell in den USA diese Einstellung völlig fremd ist. Einziger Hoffnungsschimmer in diesem Szenario ist, dass der Durchmarsch der KI aus technischen Gründen so nicht stattfindet.

Anthropic-Aussagen zu KI-Stellenersatz

Das ist der ausgesprochen pessimistische Teil des Thema. Unter diesem Gesichtspunkt fand ich eine Information, die mir vorige Woche vom KI-Entwickler Anthropic untergekommen ist, ganz interessant. Anthropic hatte ein Flächendiagramm (Radar-Diagramm) veröffentlicht, in welchem Ausmaß KI bei bestimmten Arbeitsplätzen  genutzt werden könnte.

Anthropic KI-Nutzung auf Arbeitsplätzen

Obiger Tweet zeigt diese Darstellung (und hält auch einige Erläuterungen bereit), wobei blau die theoretisch mögliche maximale Nutzung, und rot die derzeitige Nutzung von KI spiegelt. Dieses Radardiagramm mit dem Titel "Theoretische Fähigkeiten und beobachtete Nutzung nach Berufsgruppen" basiert auf der Analyse von 2 Millionen Konversationen mit dem Anthropic KI-Modell Claude und zeichnet ein Bild des bisher ungenutzten Automatisierungspotenzials in verschiedenen Berufsbereichen.

In einigen Bereichen sind wirklich dramatische Effizienzgewinne durch Einsatz von KI vorstellbar. Der blaue Bereich steigt in Bereichen wie Informatik und Mathematik (mit einem Wert von etwa 0,75), Wirtschaft und Finanzen sowie Büroverwaltung deutlich an, während der rote Bereich nahe am Zentrum bleibt und in den meisten Kategorien oft unter 0,2 liegt. Für Programmierer sind 75 % der Aufgaben theoretisch automatisierbar, doch die tatsächliche Nutzung hinkt weit hinterher.

Ähnliche Schwachstellen zeigen sich im Kundenservice, in der Dateneingabe und in der Finanzanalyse, also in Bereichen, die traditionell als Hochburgen der Angestellten gelten. In anderen Bereich sieht das Potential von KI eher bescheiden aus. Bereiche mit praktischen Anwendungen wie das Bauwesen, die Landwirtschaft und Sicherheitsdienste  weisen eine geringere theoretische Abdeckung der Arbeitsplätze durch KI-Lösungen auf.

Anthropic KI-Diagramm Arbeitsplätze

Interessant fand ich aber die Art der Darstellung, denn die Skalierung der radialen Achse reicht zwischen 0 (Mitte) und 1.0 am Umfang des Kreises. Peter Walker hat dann in obigem Tweet die Darstellung des Radar-Charts in ein Balkendiagramm umgesetzt, welches besser visualisiert, was wie stark theoretisch und aktuell bereits betroffen ist. Es gibt Bereiche, die stark von KI-Nutzung profitieren könnten, was aber bisher kaum genutzt wird. Und es gibt eine deutliche Delle von Arbeitsbereich, wo KI nur einen geringen Einfluss verspricht.

Dieser Beitrag wurde unter AI, Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (Erstkommentare und Verlinktes landet in der Moderation, gebe ich alle paar Stunden frei, SEO-Posts/SPAM lösche ich rigoros. Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion. Kommentare, die gegen die Regeln verstoßen, werden rigoros gelöscht.

Du findest den Blog gut, hast aber Werbung geblockt? Du kannst diesen Blog auch durch eine Spende unterstützen.