Das Geschäftsgebaren von VMware by Broadcom scheint (zumindest mentale) Spuren zu hinterlassen oder "Schatten voraus zu werfen". Die Tage ist mir die Aussage untergekommen, dass gut die Hälfte der VMware-Kunden bis 2028 eine Reduzierung der Nutzung dieser Plattform plant.
Seit VMware durch Broadcom übernommen wurde und die Produktlinie gestrafft sowie die Lizenzpolitik neu gestaltet hat, herrscht "Unruhe" bei der Kundschaft. Es gibt nur noch die VMware Cloud Foundation (VCF) Produktfamilie und die Lizenzen beinhalten auch einen Wartungsvertrag. Für Kunden bedeutet dies durch die Bank kräftig steigende Lizenzkosten. Ich hatte die Entwicklung seit 2024 hier im Blog in diversen Beiträgen nachgezeichnet.
Zäher Wechsel – VMware geht es prächtig
Eigentlich hätte ich vor einem Jahr erwartet, dass 2026 der Großteil der VMware-Kunden zu anderen Virtualisierungsplattformen gewechselt sei. Dem ist aber mitnichten so – kleiner Virtualisierungsprojekte sind zu Proxmox gewechselt. Aber die großen Hyperscaler-Anwender hängen komischerweise auf VMware fest. Die Tage hatte ich letztmalig im Artikel CISPE reicht EU-Wettbewerbsbeschwerde gegen VMware by Broadcom ein über den Sachstand berichtet. Die Vereinigung Europäischer Cloud-Provider (CISPE) hat bei der EU-Kommission eine Wettbewerbsbeschwerde wegen wettbewerbswidrigem und existenzgefährdenden Verhalten gegen VMware by Broadcom eingereicht.
Mit anderen Worten: Die großen europäischen Cloud Provider hängen weiter an "der Nadel von" VMware by Broadcom und werden durch die neuen Lizenz- und Vertragsbedingungen (teilweise kein Verkauf von VMware-Produkten mehr) rechtlich und von den Kosten her gebeutelt. Und Broadcom geht es mit dem Kauf von VMware und der neuen Produktpolitik wirtschaftlich prächtig. Man hat Kunden raus gedrängt, die Preise kräftig angehoben und verdient sich dumm und dämlich.
Sind die VMware-Kunden zu dämlich zum Wechsel? Dann wäre es logisch, dass diese Kuh gemolken wird, solange sie Milch gibt. Ich höre aus der Leserschaft ja gelegentlich, dass der Abschied von VMware nicht so einfach sei, "weil …". Im heise-Forum habe ich die Tage den Kommentar An alle VMware-Admins die gerade flennen … gelesen. Der Tenor lautet "alles kein Problem, wenn man nur will, aber man müsste einfach mal anfangen". Im Thread geht ein weiterer Kommentator auch auf die angeblich erforderliche "SAP-Zertifizierung" als Show-Stopper beim Wechsel ein und zerpflückt die Argumente.
Gut die Hälfte der Kunden will weg
Inhaltlich kann ich nicht beurteilen, ob diese Kommentare im heise-Forum den Kern treffen oder ob es wirklich Show-Stopper beim Wechsel gibt. Aber die "mentale Abkehr" von VMware hat definitiv stattgefunden. Die Tage bin ich bei The Register auf den Beitrag Half of VMware users plan to reduce usage by 2028 gestoßen, der einen Informationssplitter zu dieser These bereithält.
Das unabhängige Analyseunternehmens Virtified hat eine Umfrage unter VMware-Nutzern durchgeführt. Dabei kam heraus, oh Wunder, dass die Hälfte der VMware-Nutzer plant, "die Nutzung der VMware-Produkte bis 2028 zu reduzieren". Also kein kompletter Exit, sondern ein schleichender Abschied.
Michael Warrilow, Principal bei Virtified und ehemaliger Gartner-Analyst mit Spezialisierung auf Cloud und Virtualisierung, wird von The Register so zitiert, dass VMware-Nutzer mit der Strategie von Broadcom hadern, ausschließlich das Produkt Cloud Foundation 9 (VCF 9) als komplettes Private-Cloud-Paket zu verkaufen.
Laut Warrilow empfänden einige Nutzer die Kosten für VCF 9 als unerschwinglich. Das sind halt nicht die Kunden, die Broadcom haben will. Andere Kunden benötigen nicht alle Tools in VMware Cloud Foundation oder scheuen die Komplexität ihrer Bedienung, schreibt The Register. Laut Warrilow werden Nutzer mit diesen Problemen daher ihren Bestand an virtuellen Maschinen, die auf VCF 9 laufen, überprüfen und einen Teil dieser Work-Load auf eine andere Plattform verlagern.
Der Analyst erwähnt gegenüber The Register, dass viele Migrationen bereits im Gange seien. Es ist also nicht nur ein mentaler Wechseln, sondern der Abschied ist eingeleitet. Spannend finde ich aber die Einschätzung des Analysten, dass dieser Wechsel die von Broadcom gestellten Rechnungen reduzieren. Warrilow will gehört haben, dass Broadcom bei Kunden, die den Wechsel einläuten, reagiert. Sobald Broadcom Wind davon bekommt, dass Kunden ihre VMware-Umgebungen verkleinern, räumt der Anbieter einfach weniger großzügige Rabatte ein oder streicht diese ganz. Es läuft also auf eine Scheidung nach dem Motto "ganz oder gar nicht" hinaus.
Zäher Abschied in der Praxis
Im Oktober 2027 endet der Support für die Version 8.0, und Warrilow ist skeptisch, dass Kunden vorher wechseln. Er prognostiziert sogar, dass viele der Kunden zur Lizenzierung von VCF 9 gezwungen werden, weil sie den Exit nicht schaffen. Ein weiterer Teil der Kunden werde bis Oktober 2027 warten, um den Wechsel zu einer anderen Virtualisierungsplattform mit einer Hardware-Erneuerung zu verbinden. Hier stehen die Zeichen aber auch auf Sturm, da die Kosten für die Hardware (RAM, SSDs, Server) durch den KI-Boom explodiert sind und bis 2027 voraussichtlich nicht sinken.
Diejenigen, die sich dafür entscheiden, weiterhin nicht unterstützte Software von Broadcom zu nutzen, werden wahrscheinlich mit einer Lizenzprüfung konfrontiert, schreibt The Register. Dort werde Broadcom, sollte sich herausstellen, dass ein Nutzer mehr Lizenzen benötigt, die Software zum Listenpreis oder mit minimalem Rabatt anbieten. So kommt Broadcom wieder auf seine Kosten. Broadcom hofft, "dass das alles als zu schwierig angesehen wird und man das Upgrade auf VCF 9 durchführt", wird der Analyst zitiert.
Diejenigen, die keine Reduzierung ihrer VMware-Umgebung planen, hätten laut Warrilow diese Entscheidung möglicherweise aufgrund verschiedener Faktoren, die eine einfache oder kostengünstige Migration verhindern, getroffen. Gründe für solche Entscheidungen seien der Mangel an geeigneten VMware-Alternativen, die Unmöglichkeit eines Umzugs in der Cloud und eine geringe Risikobereitschaft. Der Analyst glaubt, dass diese Kunden auch Vorteile haben können, wenn VMware die Lizenzkosten anpasst und sich die Produktentwicklung verbessere.
Oder in kurz: Es bleibt schwierig. Wie sieht es bei euch mit der Migration von VMware zu anderen Anbietern aus? Und zur Erinnerung: Ich hatte ja im Beitrag "Cashback"-Aktion für ehemalige VMware-Kunden einen Anbieter genannt, der überzählige VMware-Lizenzen aufkauft und gebrauchte Lizenzen verkauft.
Warrilows hat die obigen Erkenntnisse aus einer Umfrage, die er unter 450 VMware-Anwendern in 14 Ländern durchgeführt hat (diese hatte er bereits in seiner Zeit als Gartner-Analyst befragt), gewonnen. Die Befragten stammen laut The Register aus den Bereichen Betrieb, Infrastruktur, Architektur und Beschaffung von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Der Analyst hat zudem Dokumente erstellt, die er als „Loops" bezeichnet und in denen die wichtigsten VMware-Alternativen bewertet werden.
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MVP: 2013 – 2016





man muss den Abo Modellen den Kampf ansagen: ausgereifte Produkte werden nicht jährlich neu erfunden, da müssen Kauf + Wartung genügen. Ausnahmen sind allenfalls bei AV und Firewall tolerabel, das war es aber auch. Die Kunden hätten schon vor 10J mehr Widerstand leisten müssen, selbst schuld, kann man da nur sagen.
Bestes Beispiel Office Desktop App: Man macht damit minimal mehr als vor 20Jahren, nun kostet es im Abo ein Vermögen und es nervt mit Scheininnovationen die Nutzer.
Ich habe den Kommentar gelesen bei Heise, ja ich kann die Argumentation nachvollziehen. Das Problem bleibt weiterhin die Softwarehersteller die sich nicht bewegen wollen. Bestes Beispiel SFIRM. Da gibts nur VMware oder Hyper-V lässt du das irgendwo anders laufen und die kriegen das mit. Machen die keinen Finger mehr krum. Selbst erlebt.
Diese Software gibt es ganz oft in kleinen Firmen. Ich hatte das damals so gelöst es einfach auf Blech zu installieren. Die Firma nervt mich sowas von.
Der wichtigste Kommentar ist dieser hier
https://www.heise.de/forum/heise-online/Kommentare/Europaeische-Cloudanbieter-Broadcom-setzt-zum-Todesstoss-an/Warum-gruen/posting-46108995/show/
Da geht es um die Zertifizierung der Plattform in gewissen Branchen. Da gibts halt wenig Alternativen.
Proxmox ist gut, wer eine Lösung sucht, die sich mehr nach VMware anfühlt, sollte sich XCP-NG anschauen.
https://vates.tech/en/virtualization-management-stack/xcp-ng/
Was bei der Migration oft vergessen wird, große VSphere Installationen haben ein SAN im Einsatz. Ich meine nicht die 3 ESXI die bei den KMU rumstehen, sondern große Installation 50 ESXI oder mehr. Da wird meistens SAN eingesetzt. VMFS macht hier eine extrem gute Arbeit.
Die Alternativen können sehr schlecht mit SAN Storage umgehen. Da geht dann oft nur LVM Thick und hast den CLVM an der Backe.
Wer eh schon NFS/SMB Filer rumstehen hat für den ist der Wechsel des Hypervisors nicht so problematisch wie in reinen SAN Umgebungen.
WOW – nicht ein mal das Wort ProxMox erwähnt. ;-)
Warum auch in dem Kontext.
Doch wurde doch erwähnt.