Die Entwickler der Linux-Distribution Mint habe im Januar 2026 den Plan verkündet, künftig längere Entwicklungszyklen für einzelne Mint-Versionen anzustreben. Das Release-Management verbrät einfach viel Zeit, die man lieber in einige andere Dinge stecken möchte. Was genau geplant ist, steht aber noch nicht fest.
Nicht nur Microsoft ist zur Erkenntnis gelangt, dass recht kurze Entwicklungszyklen für ein Betriebssystem zu Problemen führt. Bei Microsoft wurde der halbjährliche Release-Zyklus für Windows-Funktionsupdates auf jährlich umgestellt. Und ich erinnere mich so um das Jahr 2000, dass SUSE alle drei Monate eine neue Version herausbrachte. Einer meiner Nachbarn war CTO bei der SUSE und erklärte mir am Gartenzaun, dass man die drei Monate Release-Zyklen brauche, um die Finanzierung (durch Verkauf von DVDs) sicherzustellen. Das Ergebnis ist bekannt: Irgendwann gab es die SUSE so als unabhängige deutsche Firma nicht mehr, denen ging das Geld auch und die wurden von Novell gekauft (siehe diesen heise-Artikel von 2003).
Mint-Entwickler zur Entwicklung und zu Release-Zyklen
Zum 11. Februar 2026 hat sich das Mint Team in den Monthly News – January 2026 zu verschiedenen Punkten ausgelassen (ist hier aufgefallen). So soll die nächste Version von Linux Mint mit mintsysadm ein Administrator-Tool bekommen, um die Benutzer- und Kontodetails zu verwalten. Das soll ein Problem beheben, dass die meisten Desktop-Umgebungen ihre eigenen Benutzertools bereitstellen. Diese Lösungen leiden darunter, dass sie oft nicht ordnungsgemäß gewartet werden und keine Unterstützung für moderne Anwendungsfälle bieten.
In weiteren Abschnitten lässt man sich über bestimmte Entscheidungen in Bezug auf die Mint-Entwicklung aus und gibt an, dass man die Unabhängigkeit schätze. Diese ermöglicht den Mint-Entwicklern eigene Lösungen zu entwickeln, wenn sie mit der Alternative nicht zufrieden sind. Man habe in der Vergangenheit einige Schritte diesbezüglich unternommen, indem an LTS festgehalten, Snap abgelehnt und Alternativen zu einem neuen GNOME entwickelt wurden, welches sich nicht wie GNOME anfühlte. Diese Entscheidungen seien nicht leicht zu treffen gewesen, und einige von ihnen kosteten viel Zeit und Ressourcen für die Umsetzung, heißt es.
Unabhängig davon, ob wie Mint als Distribution verteilt werde (z. B. mit KDE) oder wie man aktiv Lösungen entwickele (z. B. mit XApp und Cinnamon), verbringe das Team viel Zeit mit dem Release-Management. Häufige Releases seien wichtig, da das Team so viel Feedback und Fehlerberichte im Hinblick auf Änderungen erhalte. Das Ganze führt aber dazu, dass das Team immer wieder denselben Prozess wiederholen muss. Dieser Prozess funktioniert sehr gut und führt zu schrittweisen Verbesserungen von Release zu Release.
Aber er sei sehr zeitaufwendig und schränke die Ambitionen des Teams in Bezug auf die Entwicklung ein. Mit einem Release alle sechs Monate plus LMDE verbringen die Entwickler mehr Zeit mit Testen, Fehlerbehebung und Releases als mit der Entwicklung. Das ist also quasi die gleiche Falle, die ich oben bei Microsoft mit den semi-annual Feature-Updates bei Windows 10 gelaufen ist.
Microsoft ist dann auf einen jährlichen Release-Zyklus übergegangen. Das Mint-Team ist noch nicht zu einer Entscheidung gelangt, schreibt aber: "Wir denken darüber nach, dies zu ändern und einen längeren Entwicklungszyklus einzuführen. Zufälligerweise wird unsere nächste Veröffentlichung auf einem neuen LTS basieren und uns sind gerade die Codenamen ausgegangen "



MVP: 2013 – 2016




