{"id":153232,"date":"2014-07-06T00:27:00","date_gmt":"2014-07-05T22:27:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=153232"},"modified":"2015-07-18T20:23:12","modified_gmt":"2015-07-18T18:23:12","slug":"35-jahre-intel-8088-prozessoreine-persnliche-betrachtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2014\/07\/06\/35-jahre-intel-8088-prozessoreine-persnliche-betrachtung\/","title":{"rendered":"35 Jahre Intel 8088-Prozessor&ndash;eine pers&ouml;nliche Betrachtung"},"content":{"rendered":"<p>Laut <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/35-Jahre-Intel-8088-Prozessor-2243477.html\" target=\"_blank\">diesem heise.de-Artikel<\/a> und unter Bezug auf Wikipedia wurde der Intel 8088-Prozessor, der durch den IBM PC zu einem riesen Erfolg wurde, am 1. Juli 1979 vorgestellt. Daher nutze ich an diesem Wochenende die Gelegenheit zu einem kurzen R\u00fcckblick \u2013 denn damit liegen 35 Jahre pers\u00f6nlicher Computergeschichte hinter mit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3> Meine Situation in 1979 und die Jahre danach \u2026.<\/h3>\n<p>Ich muss gestehen, die Vorstellung der Intel 8088-CPU ist total an mir vorbei gerauscht \u2013 und selbst, wenn mir ein Zeitungsartikel zum Thema unter die Augen gekommen w\u00e4re, ich h\u00e4tte wenig damit anfangen k\u00f6nnen. Als ich 1976 mit dem Studium der Physikalischen Technik an der FH-J\u00fclich begann, waren programmierbare Taschenrechner das h\u00f6chste der Gef\u00fchle (ich selbst hatte kurz vorher noch mit einem Rechenschieber operiert und nun einen Taschenrechner, der trigonometrische Funktionen und Potenzierung, Logarithmierung etc. beherrschte). Rechnertechnik? Fehlanzeige \u2013 wir durften f\u00fcr den FORTRAN-Programmierkurs ab 1977 an einem Lochkartenstanzer ein paar Programmzeilen eintippen. Wurde dann abgeholt und im Batch-Modus an einer IBM-Gro\u00dfrechenanlage laufen gelassen. Am Folgetag bekamen wir dann den Papierausdruck \u2013 meist mit den Fehlermeldungen. Aber, hey, ich hatte immer gen\u00fcgend Papier, um meine Vorlegungen mitzuschreiben. Als ich sp\u00e4ter noch PL\/1 und Basic als Wahlf\u00e4cher hatte, bekam ich auch Zugang zu einem Mulby-Rechner der Aachener Firma Kranz \u2013 war ein riesiger Schrank im Rechnerraum der FH \u2013 aber meine Welt bestand aus einem Teletype-Writer.<\/p>\n<p>Im Juni 1979 hatte ich gerade meine Diplomarbeit am Forschungszentrum J\u00fclich (damals noch Kernforschungsanlage J\u00fclich) beendet. Ging um eine Fotodiodenzeile, heute in jeder Kamera verbaut. Damals gab es von der Reticon-Zeile wohl insgesamt 6 Exemplare weltweit. Eine hatte ein junger Forscher in der KFA ergattern k\u00f6nnte \u2013 und der Spruch \"wenn das Teil kaputt geht, war's das mit der Diplomarbeit\" lag mir noch im Ohr. Dat Teil ging fast kaputt \u2013 jedenfalls stellte ich mitten in der Messphase fest, dass die Ansteuerelektronik Probleme machte. Nach l\u00e4ngerem Studium der Schaltpl\u00e4ne kam ich zum Schluss, dass man mit ein paar gel\u00f6teten Dr\u00e4hten das Teil wieder zum Funktionieren bringen k\u00f6nne. Hat geklappt und ich konnte die Messungen fertig machen. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag im Labor. Da stand eine PDP 11 von der Firma Digital Equipment als Messrechner (genau genommen gab es auch noch eine PDP 8 im Labor \u2013 die wurde mit Lochstreifen gef\u00fcttert). Mit gro\u00dfen Augen stellte ich fest, dass dieser Computer so gar nicht mit Lochkarten gef\u00fcttert wurde, sondern ein Diskettenlaufwerk besa\u00df. Die Floppy-Disks waren gro\u00df wie Mini-Pizzas (8 Zoll) und pl\u00f6tzlich musste ich mich mit Befehlen wie Pip, Copy,&nbsp; Squeze etc. unter dem Betriebssystem RT 11 befassen \u2026<\/p>\n<p>Ach ja, im Juli, August habe ich wohl die ganze Bibliothek der KFA-J\u00fclich und der Stadtb\u00fccherei J\u00fclich durchw\u00fchlt und alles an \"moderner Literatur\" in Richtung Computertechnik gefressen. Es ging da aber um die Zuse Z1, Kernspeicher, Lochstreifenleser und was wei\u00df ich was \u2013 Technik aus den 50er bis 60er Jahren. Ein 8088 kam da \u00fcberhaupt nicht vor. <\/p>\n<p>Im ersten Job im Flugzeugbau war eine PDP 11\/04 meine Heimat \u2013 und ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PET_2001\" target=\"_blank\">PET 2001<\/a> mit 8 Bit Motorola 6502 CPU flog auch da herum (ein paar Maschinenbefehle habe ich schon mal in ein Basic-Programm eingebaut \u2013 aber ich mochte die Maschine nicht wirklich). Und immer noch keinen Plan hinsichtlich des 8088-Prozessors. Na ja, in der Zeit habe ich auch maschinenbautechnisch Ultraschall-Tauchb\u00e4der f\u00fcr die zerst\u00f6rungsfreie Werkstoffpr\u00fcfung an Tornados oder Airbus-Maschinen konstruiert sowie Pr\u00fcfverfahren entwickelt. Die Programmierung der PDP 11\/04 mit der Prozesssprache INTRAN f\u00fcr zerst\u00f6rende Werkstoffpr\u00fcfung war nur eine Teilaufgabe. War damals ziemlich weit weg von dem, was ich momentan blogge.<\/p>\n<p>Erst im Oktober 1980 heuerte ich bei einer gro\u00dfen Chemiefirma in einem Ingenieurbereich an, um dort Mikroprozessoren f\u00fcr Automatisierungsprojekte (Anlagensteuerungen) einzusetzen. Im Gebrauch waren Intels <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intel_8080\" target=\"_blank\">8080<\/a>&#8211; und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intel_8085\" target=\"_blank\">8085<\/a>-8-Bit-Prozessoren, die mit <a href=\"http:\/\/www.retrotechnology.com\/dri\/isis.html\" target=\"_blank\">Intel ISIS II<\/a>-Systemen (\u00e4hnlich wie CP\/M) als Entwicklungsumgebung programmiert wurden. Damals habe ich in Assembler, Fortran und PL\/M Steuerungsprogramme, \u00dcberwachungssoftware f\u00fcr Anlagenparameter und auch Echtzeit-Betriebssysteme geschrieben. Technische Highlights: RAM-Speicher zwischen 1 und 4 KByte, EPROM-Speicher zwischen 4 und 16 KByte. War aber unglaublich, was wir an Programmen auf diese EPROM-Speicher brennen konnten.<\/p>\n<p>Und so 1981 muss auch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinclair_ZX81\" target=\"_blank\">ein ZX 81<\/a> (mit <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zilog_Z80\" target=\"_blank\">Zilog Z80<\/a> CPU) in meine Finger gekommen sein. Erst als Selbstbausatz, den ein Kollege von einer Dienstreise nach M\u00fcnchen aus der dortigen Vobis-Zentrale mitbrachte. Das Teil konnte ich zum Gestehungspreis direkt wieder verscherbeln, da ich f\u00fcr den gleichen Preis (oder ein paar DM mehr) ein zusammengebautes Exemplar von Vobis Aachen bekommen hatte. War geil, ich habe da einen Monitor und einen Disassembler in BASIC geschrieben, um das ROM zu analysieren. Doof war aber das Sichern des Programmcodes auf Kassetten \u2013 auch damals waren die \"Backups\" h\u00e4ufig nicht mehr lesbar, so dass man immer auf mehrere Kassetten Sicherungskopien anfertigen musste.&nbsp; <\/p>\n<h3>\u2026 und wie der 8088 in meine Finger kam<\/h3>\n<p>Seit dieser Zeit wusste ich, dass Intel da einen neuen 16-Bit-Prozessor, den 8086, anbot \u2013 und es gab eine kastrierte Variante in Form des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intel_8088\" target=\"_blank\">8088-Prozessors<\/a>. Intern ein 8086, aber mit Anschl\u00fcssen beim Datenbus, die auf die vorherige 8 Bit-Rechnerkomponenten (Controller etc.) abgestimmt war. Und dann, es muss wohl Oktober 1983 gewesen sein, kam dann auch ein 8088-System in meine Finger \u2013 oder ich wie die Jungfrau zum Kind zu diesem System. <\/p>\n<p>Der erste IBM PC\/XT, der in Europa in den Verkauf ging, lief durch unsere Abteilung. Und weil ein Kollege gerade in den Sack gehauen hatte \u2013 er wollte lieber Unix bei Nixdorf machen \u2013 fiel die hei\u00dfe Kartoffel in meinen Scho\u00df. Der IBM PC\/XT war mit MS-DOS 1.0, CP\/M und dBASE II, USCD-Pascal und einer fotokopierten Microsoft-Dokumentation ausgeliefert worden (die gedruckte Doku war nicht fertig geworden). Kurz vor Auslieferung des IBM PC\/XT an den Kunden war noch MS-DOS 2.01 von IBM gekommen. Aber da konnte ich mich nicht um die Feinheiten der 8088-CPU k\u00fcmmern \u2013 sondern musste nach dem Sprung ins kalte Wasser (Null Ahnung von MS-DOS, keine dBASE II-Kenntnisse), die beim Kunden im Rohzustand vom Kollegen zusammen genagelte dBASE-Anwendung zum Laufen bringen. Habe ich auch auf die Reihe bekommen und nebenbei eine Menge gelernt. <\/p>\n<p>Privat dann dauerte es noch ein paar J\u00e4hrchen, bis ich mit einen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Amstrad_PC1512\" target=\"_blank\">Amstrad PC 1512<\/a> mit 20 MByte Festplatte geleistet habe. Finanzieren wollte ich das Teil \u00fcbrigens mit <a href=\"http:\/\/borncity.de\/autor\/BornIntr.htm\" target=\"_blank\">meinem ersten Buch<\/a> (zum Basic dieses Rechners). Hat mehr schlecht als recht geklappt \u2013 aber ein 8080\/Z80-Disassembler, an einem Wochenende als Finger\u00fcbung in Turbo Pascal geschrieben, ich wollte das lernen, lie\u00df sich samt einigen Erl\u00e4uterungen recht profitabel an eine Computerzeitschrift verscherbeln \u2013 so dass die Finanzierung des PC gesichert war. In den folgenden Jahren sind dann B\u00fccher zu Turbo Pascal, Turbo und QuickBasic, was zum A86-Assembler (des 8088\/8086) und die MS-DOS-Programmierhandb\u00fccher entstanden. Beim ersten MS-DOS-Programmierhandbuch konnte ich von der fotokopierten Microsoft-Dokumentation, die mir IBM seinerzeit f\u00fcr den ersten IBM PC\/XT in die Hand dr\u00fcckte, profitieren. Niemals danach bekam man mit einem Rechner so viel Insider-Dokumente von Microsoft zur Software. Gesch\u00e4tzt 250 B\u00fccher sp\u00e4ter stoppeln wir mit Android und haben ggf. die gleichen Probleme wie damals. <\/p>\n<h3>Die Zeit vergeht \u2013 und wie schaut's bei Euch aus?<\/h3>\n<p>Die Zeitschriften des Dr. Dobbs Journal of Softwaretools, die ich aus den USA importiert habe, wurden von mir regelrecht gefressen. Den Quellcode von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/386BSD\" target=\"_blank\">386BSD<\/a>, den das Ehepaar Jolitz dort publiziert hat, habe ich aber nicht abgetippt, denn irgendwann so Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends fiel mir eine Diskette mit so einem merkw\u00fcrdigen System namens Linux (war irgend eine Version 0.x) in die Finger. Ich hab's dann unter UMSDOS so weit zum Laufen gebracht, dass X Window und ich glaube xfce sichtbar war. Da das alles aber nur in Schwarzwei\u00df tat, gab es immer lange Pausen zwischen den einzelnen Tests der Linux-Versionen \u2013 Windows war einfach verf\u00fcgbarer und tat meist auf Anhieb.<\/p>\n<p>Ja, und damit wird mir klar, dass seitdem viel Zeit vergangen ist. Damals waren wir jung, enthusiastisch und wollten unbedingt (wie Bill Gates und Steven Wozniak) die Welt aus den Angeln heben. Heute sind wir nun ja leider nicht mehr jung \u2013 und bevor wir die Welt aus den Angeln heben, \u00fcberlegt man, wie das wohl gehen k\u00f6nne, ohne sich das Kreuz zu verheben oder das n\u00e4chste Zipperlein einzufangen. <\/p>\n<p>Und damit w\u00e4ren wir bei euch. Ich wei\u00df, dass einige meiner Blog-Leser damals noch nicht einmal geboren waren \u2013 andere hatten da schon einen guten Teil ihres Berufslebens verbracht. Daher die Frage: Habt ihr die Einf\u00fchrung des Intel 8088 erlebt? Was war eure erste CPU oder euer erster Rechner, mit dem ihr Gehversuche unternommen habt? Gibt's sonst nette Erinnerungen zum Thema aus diese Zeit? Kommentare sind willkommen. <\/p>\n<p>Sofern Blogger hier mitlesen, k\u00f6nnte ja sogar eine kleine Blog-Parade \"Mein erster Rechner\/meine erste CPU\" entstehen, wo ihr das Thema aus eurer Sicht aufgreift und vielleicht eine kurze Story ver\u00f6ffentlicht. Da Trackbacks nicht immer zuverl\u00e4ssig funktionieren, w\u00e4re ich \u00fcber einen kurzen Backlink im Kommentarbereich dankbar. Sch\u00f6nen Sonntag. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut diesem heise.de-Artikel und unter Bezug auf Wikipedia wurde der Intel 8088-Prozessor, der durch den IBM PC zu einem riesen Erfolg wurde, am 1. Juli 1979 vorgestellt. Daher nutze ich an diesem Wochenende die Gelegenheit zu einem kurzen R\u00fcckblick \u2013 &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2014\/07\/06\/35-jahre-intel-8088-prozessoreine-persnliche-betrachtung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2182,3541],"class_list":["post-153232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-cpu","tag-rueckblick"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153232"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153232\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=153232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=153232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}