{"id":195869,"date":"2017-10-29T11:11:00","date_gmt":"2017-10-29T10:11:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=195869"},"modified":"2017-10-29T15:46:35","modified_gmt":"2017-10-29T14:46:35","slug":"zeitkapsel-die-ra-des-sinclair-zx81","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2017\/10\/29\/zeitkapsel-die-ra-des-sinclair-zx81\/","title":{"rendered":"Zeitkapsel: Die &Auml;ra des Sinclair ZX81"},"content":{"rendered":"<p>Zum Sonntag mal ein Blog-Beitrag mit einem extrem weiten R\u00fcckblick. Wie war das eigentlich sehr viel fr\u00fcher, so im vorigen Jahrtausend, hattet ihr da schon Computer? Diese Frage k\u00f6nnten ein hypothetischer Enkel oder die Youngster, die sich hier in den Blog verirren, stellen. Wir hatten die Nacht ja Zeitumstellung &#8211; und irgend etwas ist dabei wohl schief gelaufen. Ich bin im vorherigen Jahrtausend gelanden und hab da mal was aus meinen Sturm-und-Drang-Zeiten ausgegraben \u2013 den Sinclair ZX 81, um den sich einige Erinnerungen ranken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Ein Fund auf dem Speicher \u2026<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/990b8336e4094c4c8c2c3e259230604c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Voriges Jahr musste ich das Haus meiner verstorbenen Eltern ausr\u00e4umen. Als ich auf dem Dachboden jede Menge Krempel durch ein Fenster in einen Container warf, kam mein j\u00fcngerer Bruder und dr\u00fcckte mir etwas verstaubtes in die Hand. 'Das hattest Du mir seinerzeit gegeben, willst Du das aufheben?'<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Sinclair ZX-81\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/7f4uiaf.jpg\" alt=\"Sinclair ZX-81\" \/><br \/>\nSinclair ZX-81 mit Selbstbau-Netzteil<\/p>\n<p>Das verstaubte Etwas war ein Sinclair ZX-81 Computer samt Selbstbau Netzteil \u2013 und pl\u00f6tzlich war sie wieder da, die 'wilde Zeit' der 80er Jahre.<\/p>\n<h2>Wilde Zeiten, damals \u2026<\/h2>\n<p>Meine ersten Schritte in Sachen Rechnertechnik reichen bis 1976\/77 zur\u00fcck, als wir als Studenten mit Lochkarten FORTRAN programmieren und an einem Gro\u00dfrechner im Batch laufen lassen konnten. So 1979 kamen dann PDP 11-Rechner von Digital Equipment hinzu, die mit Lochstreifen oder, in der Diplomarbeit hatte ich ein ganz modernes System, mit einer 8-Zoll-Diskette zur Speicherung des Betriebssystems, der Anwendungen und der Daten ausgestattet waren.<\/p>\n<p>Ab 1981 war ich dann beruflich mit der Software-Entwicklung f\u00fcr Mikroprozessor-Systeme auf Intel 8085-Basis f\u00fcr Industriesteuerungen befasst. 8080-Assembler, Fortran und PL\/M waren die Programmiersprachen, Prozessorregister, Maschinencode-Befehle und Interrupt-Controller-Einstellungen sowie Befehle zum In-Circuit-Debugging waren die Vokabeln, die ich selbst in tiefster Nacht im Traum herunterbeten konnte. War eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe. Ach ja, die Rechner hatten 1 KByte RAM sowie ein 2 \u2013 8 KByte gro\u00dfes EPROM f\u00fcr den Programmcode. Das ISIS-Entwicklungssystem (von Intel auf Basis eines CP\/M-Derivats) war unsere Programmierumgebung. 8-Zoll-Disketten und irgendwo stand eine K\u00fchlschrank-gro\u00dfe Festplatte mit sagenhafter 1 Megabyte Kapazit\u00e4t herum.<\/p>\n<p>Das war auch die \u00c4ra, in der ich privat mit der Technologie experimentieren wollte. Ich hatte zwar mal ein 8085-System auf einer Pertinax-Raster-Platine selbst zusammen gel\u00f6tet\u00a0 (1 KByte RAM, 1 KByte ROM, ein paar Dioden zur Signalisierung von Programmabl\u00e4ufen, Kippschalter zur Befehlseingabe und 8-Segment-Anzeigen wollte ich sp\u00e4ter nachr\u00fcsten) \u2013 bin aber grandios gescheitert. In der Verdrahtung muss es ein paar kalte L\u00f6tstellen gegeben haben. Das Teil lief immer mal kurz an, um dann stehen zu bleiben. Also 2 Stunden messen und nachl\u00f6ten, um vielleicht 10 Minuten mit dem Teil\u00a0 etwas zu machen. Damals gelangte ich zur Erkenntnis, dass meine F\u00e4higkeiten eher im Bereich der Software-Entwicklung und Konzeption lagen.<\/p>\n<h2>Der Sinclair ZX 81 und die wilden Zeiten<\/h2>\n<p>Ich musste in der Wikipedia wegen der Details nachschlagen: Der <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinclair_ZX81\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sinclair ZX81<\/a><\/em> ist ein auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Z80\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Z80<\/a>-Mikroprozessor basierender Heimcomputer des britischen Herstellers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinclair_Research\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sinclair Research Ltd.<\/a> Heraus kam das Ger\u00e4t am 5. M\u00e4rz 1981 \u2013 in Deutschland war das Teil bei Vobis im Vertrieb.<\/p>\n<p>Als der ZX-81 heraus kam, wollte ich so ein Teil zwar zum Experimentieren haben. Es waren damals aber wilde Zeiten, kann man sich nicht mehr vorstellen (es sei denn, man ist Apple Fan und kampiert Tage vor einem Apple Shop, um das neueste iPhone zu bekommen). Jedenfalls war der ZX-81 in den Anfangstagen sofort ausverkauft. Zudem war er mir mit einem Preis von 398 DM auch einfach noch zu teuer. Ich dachte: Warte einige Wochen, dann wird das Teil billiger und ist \u00fcberall zu haben \u2026<\/p>\n<p>Irgendwann hatte Vobis den ZX-81 im Angebot, muss so Mitte 1982 gewesen sei, und der Preis sank auf um die 200 DM. Das wollte ich dann haben, aber das Spielchen mit 'ist gerade aus' ging flei\u00dfig weiter. Der ZX-81 war als Fertigsystem zu diesem Preis sofort, bei diversen, f\u00fcr mich erreichbaren Vobis-Filialen und bei Bestellung in Aachen, ausverkauft. Es gab nur noch einen Selbstbausatz, ohne Netzteil, aber zum gleichen Preis wie ein Fertigger\u00e4t (siehe auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinclair_ZX81\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier bei Wikipedia<\/a>). Also habe ich den Bausatz bestellt und das Teil kam einige Tage sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hatte ein Kollege herausgefunden, dass Vobis in M\u00fcnchen eine Charge fertiger ZX-81 bekommen hatte \u2013 gleicher Preis, aber mit Netzteil. Da er gerade in einem der bayrischen Werke unseres Arbeitgebers zu tun hatte, fragte er 'soll ich dir einen ZX-81 mitbringen'. Habe ich sofort zugeschlagen und hatte Ende der Woche den ZX-81 'in Fertig', sowie den ZX-81 aus dem Selbstbausatz. Dieses Selbstbauexemplar samt dem Netzteil aus dem zweiten Kauf konnte ich dann zum Selbstkostenpreis an einen weiteren Kollegen weitergeben. Daher kommt es, dass ich im Besitz eines ZX-81 mit der in obigem Foto sichtbaren 'merkw\u00fcrdigen' Eigenbau-Stromversorgung kam.<\/p>\n<h2>Hei\u00dfes Teil \u2013 hei\u00dfe Erweiterungen \u2013 hei\u00dfe Erfahrungen<\/h2>\n<p>Der ZX-81 war (erinnerungsm\u00e4\u00dfig) mit 1 KByte-RAM ausgestattet, besa\u00df eine Folientastatur und wurde an ein TV-Ger\u00e4t als Monitor angeschlossen. In einem 8 KByte ROM befand sich ein BASIC-Interpreter und zur Speicherung der Programme sowie Daten war ein Kassettenrecorder zu verwenden. An der R\u00fcckseite des ZX-81 gab es eine Aussparung, um eine steckbare RAM-Erweiterung anzudocken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"R\u00fcckseite ZX-81\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/zb9wTzl.jpg\" alt=\"R\u00fcckseite ZX-81\" \/><\/p>\n<p>Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich den in obigem Foto sichtbaren Reset-Taster selbst nachger\u00fcstet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Innenleben des ZX-81\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/3PUdOU1.jpg\" alt=\"Innenleben des ZX-81\" \/><\/p>\n<p>Generell war das ganze System sehr spartanisch ausgestattet (siehe obiges Foto) und es dauerte ewig, um ein winziges Basic-Progr\u00e4mmchen per Kassettenrecorder zu speichern oder wieder einzulesen (Lesefehler und Wiederholungsversuche inklusive). Prozessor und das BASIC-ROM waren gesockelt.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich auch noch, dass der Speicher ewig zu klein war, um etwas sinnvolles zu machen. Also habe ich mich um eine Aufr\u00fcstung gek\u00fcmmert. Die von Siclair angebotene Erweiterung von 16 KByte kostetet erinnerungsm\u00e4\u00dfig um die 200 DM (gab Angebote von Drittanbietern, Bilder gibt es bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sinclair_ZX81\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>), was mir zu teuer war. Zudem hatte ich von Kollegen mitbekommen, dass die aufsteckbare Erweiterung sehr fehleranf\u00e4llig war und zu Kontaktproblemen neigte.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df jetzt nicht mehr, ob der verbaute RAM-Baustein verl\u00f6tet war. M\u00f6glicherweise habe ich diesen ausgel\u00f6tet und einen Stecksockel auf die Platine gesetzt. Als erstes wurde ein 4 KByte-RAM-Baustein aufgesteckt und ich konnte 'gr\u00f6\u00dfere' Programme mit 100 Zeilen BASIC schreiben. Nach l\u00e4ngerem Nachdenken und Studium des mir zug\u00e4nglichen Schaltplans kam ich zum Schluss, dass auch 8 KByte-RAM gehen m\u00fcssten. Da ich keinen solchen Baustein besa\u00df, musste ein zweiter 4 KByte-RAM-Baustein, ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/74xx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NS 7400-Logikchip<\/a> zur Signalinvertierung und ein wenige Draht herhalten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"8 KByte RAM-Erweiterung ZX-81\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/2AuoQzJ.jpg\" alt=\"8 KByte RAM-Erweiterung ZX-81\" \/><\/p>\n<p>Es war schon eine 'hei\u00dfe Kombination' die ich mir, gem\u00e4\u00df obigem Foto, im Huckepack-Verfahren zusammen gel\u00f6tet hatte. Das Ganze kam in den Stecksockel, hat astrein funktioniert und verschwand zudem vollkommen im Geh\u00e4use. Ich hatte 8 KByte RAM zum Materialpreis von ca. 20 DM, w\u00e4hrend andere mit 200 DM Erweiterungsmodulen herum fuhrwerkten.<\/p>\n<h2>'Startup'-Probleme \u2013 am Markt vorbei \u2026<\/h2>\n<p>Das war auch die Zeit, wo ich mir mit Tipps in Zeitschriften immer mal wieder ein Buch oder einen Fuffy verdient habe. Meine Idee, das Ganze einer Zeitschrift anzudienen, scheiterte aber an mangelndem Interesse. Ich habe eine Zeit lang an einem Monitorprogramm und sp\u00e4ter an einem in Basic geschriebenen Z80-Disassembler entwickelt. Auch dieses Thema lie\u00df sich, mangels Interesse, nicht an die damals verf\u00fcgbaren Computerzeitschriften verticken.<\/p>\n<p>War aber keine verlorene Zeit, denn den in Basic verfassten Disassembler habe ich einige Jahr sp\u00e4ter an einem verl\u00e4ngerten Wochenende auf einem von der Firma geliehenen IBM PC-XT in Turbo Pascal portiert. War eine Finger\u00fcbung, um fit in Pascal zu werden (was ich an der Fernuni Hagen in einem Kurs belegt hatte). Das Ergebnis konnte ich dann als Artikelfolge f\u00fcr mehrere Tausend Euro an eine Zeitschrift verkaufen, was mich langfristig auf den Pfad des Computerbuch-Autors gef\u00fchrt hat. Was ich seinerzeit gelernt habe: Du kannst deine Ideen nur vermarkten, wenn diese f\u00fcr Dritte interessant klingen. Die genialste Idee n\u00fctzt nichts, wenn es keinen interessiert. Und zu musst schnell und zur richtigen Zeit am Markt sein.<\/p>\n<p>Aus dieser Zeit sind mir der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/PET_2001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Comodore Pet 2001<\/a>, in der ersten Firma, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tandy_TRS-80_Model_1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tandy TRS-80<\/a> von Radio Shack und \u00e4hnliche Anfangsentwicklungen begegnet. Commodore C64 oder \u00e4hnliches sind dagegen an mir vorbei gegangen. Denn in der damaligen Firma gab es den IBM PC XT so ab 1983 \u2013 der erste von IBM in Europa ausgelieferte IBM PC XT ging seinerzeit \u00fcber meinen Schreibtisch \u2013 bzw. ich musste ein Projekt mit dem Teil sanieren, weil ein Kollege gek\u00fcndigt hatte. War mit MS-DOS 1.1, CP\/M, dBASE II, UCSD Pascal sowie mit fotokopierter Dokumentation von einer kleinen Firma Namens Microsoft ausgestattet. Und kostete damals um die 30.000 DM, war aber mein Einstieg in die Welt der Personal Computer und hat mich ebenfalls gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Nach dem ZX-81 kam dann ein Amstrad PC 1512 mit 20 MByte Festplatte und MS-DOS als erster Computer ins Haus. Der Schwank bzw. der Flop, wie ich dieses Teil finanzieren wollte, ist <a href=\"http:\/\/www.borncity.de\/autor\/BornIntr.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> beschrieben. War 1988 mein Einstiegsger\u00e4t als Computerbuchautor. Es waren halt wilde Zeiten, damals.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Sonntag mal ein Blog-Beitrag mit einem extrem weiten R\u00fcckblick. Wie war das eigentlich sehr viel fr\u00fcher, so im vorigen Jahrtausend, hattet ihr da schon Computer? 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