{"id":203535,"date":"2018-04-21T00:07:33","date_gmt":"2018-04-20T22:07:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=203535"},"modified":"2023-12-10T13:44:35","modified_gmt":"2023-12-10T12:44:35","slug":"windows-10-gratulation-zum-big-brother-award","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/04\/21\/windows-10-gratulation-zum-big-brother-award\/","title":{"rendered":"Windows 10: Gratulation zum Big Brother-Award"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/win102.jpg\" width=\"58\" align=\"left\" height=\"58\"\/>Microsoft hat mit seinem Windows 10-Betriebssystem auch dieses Jahr den (nicht) begehrten Big Brother-Award eingesammelt. Man teil sich diesen Preis mit anderen Datenkraken, wie eHealt oder dem Hessentrojaner. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/162ca87521d64d94a400a17395ab7881\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Microsoft bekommt die 'Auszeichnung' wegen der ausgiebigen und kaum abschaltbare Telemetriedaten\u00fcbertragung in Windows 10. Der Live-Stream der Verleihung ist <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20231127203950\/https:\/\/bigbrotherawards.de\/stream\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> abrufbar. Die Jury <a href=\"https:\/\/bigbrotherawards.de\/2018\/technik-microsoft-deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreibt<\/a> dazu:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Der BigBrotherAward 2018 in der Kategorie Technik geht an Microsoft Deutschland, vertreten durch die Vorsitzende der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, Sabine Bendiek, f\u00fcr die kaum deaktivierbare Telemetrie (das ist die \u00dcbermittlung von Diagnose-Daten) in \u201eWindows 10\". Selbst versierten Nutzerinnen und Nutzern ist es kaum m\u00f6glich, die \u00dcbermittlung dieser Daten zu stoppen.  <\/p>\n<p>Mit der Einf\u00fchrung von Office 365 und Windows 10 ist Microsoft einem allgemeinen Trend gefolgt: Viele Daten werden jetzt in der Cloud gespeichert, die Software wird abonniert, anstatt einmalig gekauft und Microsoft als Konzern ist sehr neugierig, was die Nutzerinnen und Nutzer so treiben. Allein schon f\u00fcr die Lizenzaktivierung ist eine Online-Verbindung erforderlich. M\u00f6chte ich aus gutem Grund auf eine Internet-Verbindung verzichten, ist das mit Windows 10 praktisch nicht mehr m\u00f6glich.  <\/p>\n<p>Wenig dramatisch klingt es erst mal, wenn z. B. mein Betriebssystem Windows 10 einmal t\u00e4glich Informationen \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe des Arbeitsspeichers an Microsoft \u00fcbermittelt. Leider ist es heutzutage fast normal, dass Ger\u00e4te oder Programme \u201enach Hause telefonieren\", um statistische Daten zu \u00fcbermitteln. Nicht mehr so belanglos werden es die meisten Menschen finden, wenn eine Liste der auf ihrem Computer installierten Programme \u00fcbermittelt wird. Was geht es Microsoft an, ob Sie Ihren Computer eher als Schreibmaschine, als Spielzeug, als Fernseher oder f\u00fcr Bildbearbeitung benutzen? Und was macht die Firma mit dieser Information? Wir wissen es nicht.  <\/p>\n<p>Laut Microsoft \u00fcbermittelt Windows 10 aber auch scheinbar ganz banale Informationen: Wie oft wird z.B. die Tastenkombination Alt+Tab benutzt, um schnell zwischen Programmen umzuschalten? \u201eSt\u00f6rt mich doch nicht, wenn der Hersteller das erf\u00e4hrt\", mag die eine H\u00e4lfte der Nutzer.innen sagen. \u201eDas geht Microsoft doch nichts an!\" sagt die andere H\u00e4lfte.  <\/p>\n<p>Wer zu zweiten Gruppe geh\u00f6rt, m\u00f6chte die Daten\u00fcbermittlung sicher gern unterbinden. Daf\u00fcr gibt's doch bestimmt irgendwo einen Schalter?! Wer unter Einstellungen\/Datenschutz nachschaut, wird mit Schaltern und Auswahllisten erschlagen. Dutzende Dinge sind hier zu aktivieren und zu deaktivieren, und bei den meisten ist nicht klar, welche Konsequenzen die eine oder andere Einstellung hat.  <\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit der Einf\u00fchrung der Europ\u00e4ischen Datenschutz-Grundverordnung Ende Mai 2018 sollten alle Schalter grunds\u00e4tzlich auf \u201eKeine \u00dcbermittlung\" gestellt sein und aktiv eingeschaltet werden m\u00fcssen &#8211; Privatsph\u00e4re und Datensparsamkeit sind Grundidee der DSGVO. Wir alle &#8211; Sie alle &#8211; sollten ein Auge darauf haben, ob sich Microsoft daran h\u00e4lt.  <\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a>Es gibt in Windows 10 tats\u00e4chlich auch Einstellungen zum Datenschutz. Die befinden sich \u201enur\" hinter einer Barriere von f\u00fcnf Klicks hinter dem \u00fcblichen Arbeitsbildschirm, also nicht an einem Ort, wo man \u201ezuf\u00e4llig\" mal dr\u00fcber stolpert. Und selbst wenn wir dort hingelangt sind, haben wir nur die Wahl zwischen \u201eeinfacher\" und \u201evollst\u00e4ndiger\" \u00dcbermittlung. \u201e\u00dcbermittle bitte nichts, gar nichts\" fehlt als Option.  <\/p>\n<p>Und diese komplizierten Einstellungen betreffen ohnehin nur die Daten, die das Windows 10 Betriebssystem von Microsoft \u00fcber den Computer sammelt. Dass Daten vom Browser,&nbsp; von den App-Kacheln oder vom Antivirus-\u201eDefender\" \u00fcbermittelt werden, l\u00e4sst sich nirgendwo abschalten. Und dann gibt's da noch die Spracherkennung, die Suche im Startmen\u00fc und und und &#8230;  <\/p>\n<p>Wie m\u00fchsam bis unm\u00f6glich es ist, Windows zum Schweigen zu bringen, dokumentiert der Bericht des Bayerischen Beauftragten f\u00fcr den Datenschutz in seinem \u201eWindows 10 Investigation Report\". Selbst wenn s\u00e4mtliche Telemetrie-Einstellungen \u00fcber knapp 50 \u00c4nderungen in der sogenannten Registry ver\u00e4ndert werden (die ausdr\u00fccklich nur f\u00fcr Expert.innen gedacht ist und die das Potential hat, den Rechner durch einen unbedachten Eingriff unbrauchbar zu machen), senden Windows 10-Rechner immer noch jede Menge Anfragen an Internet-Dienste f\u00fcr Kacheln, Updates oder Empfehlungsdienste. Dort wird mindestens die IP-Adresse des Nutzers registriert, bereits ohne dass man bewusst eine Webseite aufgerufen h\u00e4tte. M\u00f6glich ist eine \u00c4nderung der Registry \u00fcberhaupt nur in der \u201eEnterprise\"-Variante von Microsoft, also f\u00fcr Gesch\u00e4ftskunden.  <\/p>\n<p>Wir wollen Sie gar nicht damit langweilen, die (Un-)rechtm\u00e4\u00dfigkeit jeder einzelnen Daten\u00fcbermittlung juristisch zu bewerten. Aus Nutzer.innensicht ist es einfach eine Sauerei, dass sich die \u00dcbermittlung praktisch nicht deaktivieren l\u00e4sst &#8211; zumal es f\u00fcr viele Menschen zu Windows als Betriebssystem aus Kompatibilit\u00e4tsgr\u00fcnden keine gangbare Alternative gibt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Firma Microsoft hat bereits im Jahre 2002 den \u201eLifetime\"-BigBrotherAward erhalten. Damals hat der Datenschutzbeauftragte von Microsoft, Sasche Hanke, den BigBrotherAward sogar pers\u00f6nlich abgeholt und gesagt, die Firma w\u00fcrde unsere Kritik ernst nehmen. 'Wir h\u00f6ren auf unsere Kunden', lautet ja das Mantra der Microsoft Oberen.  <\/p>\n<p>Sp\u00e4testens mit der Einf\u00fchrung von Office 365 hat Microsoft, nach Ansicht des Preiskommitees, viele Anwendungen und damit Ihre Daten in die Cloud verlagert. Allein das schien der Kommission schon einen Preis wert zu sein. Denn schon 2011 &#8211; zwei Jahre vor Edward Snowden &#8211; hat der damalige Datenschutzberater von Microsoft, Caspar Bowden, vor den Zugriffsm\u00f6glichkeiten durch Geheimdienste auf die Cloud-Daten gewarnt. Er hat eindringlich erkl\u00e4rt, dass Microsoft damit die Inhalte seiner Kunden an NSA, CIA &amp; Co preisgibt, denn die US-Geheimdienste d\u00fcrfen durch den FISA Act (Foreign Intelligence Surveillance Act) von 2008 auf alle Clouddaten zugreifen &#8211; und Nicht-US-B\u00fcrger haben keine Rechtsmittel dagegen.  <\/p>\n<p>Caspar Bowden ist f\u00fcr diese deutlichen Worte von 2011 von Microsoft gefeuert worden. Es w\u00e4re besser gewesen, sie h\u00e4tten auf ihn geh\u00f6rt! Mit dem US Cloud Act hat Microsoft nun die M\u00f6glichkeit, die Daten den US-Beh\u00f6rden recht einfach zur Einsicht zu \u00fcberlassen. In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Rant <a href=\"http:\/\/blog.wiwo.de\/look-at-it\/2018\/04\/20\/krokers-ram-die-dunkle-wolken-ueber-dem-cloud-computing-bleiben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krokers RAM: Die dunkle Wolken \u00fcber dem Cloud Computing bleiben!<\/a> von Michael Kroker in der Wirtschaftswoche.  <\/p>\n<p>Unternehmenskunden sind nun nicht zu beneiden, wenn sie Windows 10 einsetzen. Anl\u00e4sslich der Preisverleihung meinen die Laudatoren, dadurch, dass Windows 10 nun auch noch st\u00e4ndig \u201enach Hause telefoniert\", werden Microsoft-Produkte zu einem nicht mehr tragbaren Problem! Microsoft hat sich den zweiten BigBrotherAward wohl durch beherztes Agieren redlich verdient. (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Die-Big-Brother-Awards-2018-Von-Windows-10-eHealth-Hessentrojanern-und-anderen-Datenkraken-4028349.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">via<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Microsoft hat mit seinem Windows 10-Betriebssystem auch dieses Jahr den (nicht) begehrten Big Brother-Award eingesammelt. 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