{"id":203833,"date":"2018-04-30T20:14:24","date_gmt":"2018-04-30T18:14:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=203833"},"modified":"2018-11-09T18:02:04","modified_gmt":"2018-11-09T17:02:04","slug":"justiz-possen-in-den-usa-und-kanada","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/04\/30\/justiz-possen-in-den-usa-und-kanada\/","title":{"rendered":"Justiz-Possen in den USA und Kanada"},"content":{"rendered":"<p>In Kanada wurde ein junger Mann wegen 'Computermissbrauch' angeklagt, weil er von einem Server einer Beh\u00f6rde 7.000 \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Dokumente heruntergeladen hat. Und in den USA muss ein e-Waste-Aktivist in Haft, weil er versucht, Recovery-Datentr\u00e4ger f\u00fcr Windows einzuf\u00fchren. Dieser Fall ist aber etwas obskur.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Computermissbrauch a la Kanada<\/h2>\n<p>Der erste Fall spielt in Kanada. Ein 19-j\u00e4hrigen Kanadier hat vom Informationsfreiheitsportal der Provinz Neuschottland insgesamt 7.000 \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Dokumente heruntergeladen. Sein 'Verbrechen': Er benutzte ein Script, welches die Dokumente herunterl\u00e4dt und dazu in der URL einen laufenden Index der Art <em>url\/document0001.pdf<\/em> verwendet. Unter dem 7.000 Dokumenten waren offenbar auch einige Dokumente, die auf diesem Server nichts zu suchen hatten.<\/p>\n<p>Es handelt sich um gut 250 Dokumente von B\u00fcrgern, die nach dem Informationsfreiheitsgesetz von Kanada Informationen \u00fcber sich selbst angefordert hatten. Ein klare Fail der handelnden Beh\u00f6rde. Die Dokumente waren auch nicht durch ein Kennwort verschl\u00fcsselt.<\/p>\n<p>Was folgte, waren eine Hausdurchsuchung samt Beschlagnahme der elektronischen Ger\u00e4te der Familie \u2013 das volle Programm der (kanadischen) Sherifs. Jetzt muss sich der junge Mann wegen nicht autorisierter Nutzung eines Computersystems verantworten. Es drohen bis zu 10 Jahre Haft. Die kanadische Site CBC hat <a href=\"http:\/\/www.cbc.ca\/news\/canada\/nova-scotia\/freedom-of-information-request-privacy-breach-teen-speaks-out-1.4621970\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> die Geschichte thematisiert \u2013 bei heise.de ist eine <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Kanadier-droht-Haft-weil-er-zaehlen-kann-4029250.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">deutschsprachige Fassung nachlesbar<\/a>.<\/p>\n<h2>US-Urteil: 15 Monate Knast f\u00fcr Windows Recovery-Disks<\/h2>\n<p>Und es gibt noch ein Urteil eines Richters in Florida, gehen de e-waste-Aktivisten Eric Lundgren, der diesem 15 Monate Haft wegen \"F\u00e4lschungen\" (counterfeights) aufbrummte. Das Vergehen: Lundgren hatte in China DVDs mit Windows Recovery-Datentr\u00e4gern erstanden und wollte die in den USA f\u00fcr 25 Cents an Computer-Shops abgeben. Damit sollte das Zur\u00fccksetzen eines lizenzierten Windows-Systems erm\u00f6glicht \u2013 und den Leuten der Kauf einer neuen Betriebssystemlizenz erspart werden.<\/p>\n<p>2012 beschlagnahmte der Zoll aber eine Ladung dieser DVDs, angeblich als gef\u00e4lschte Kopien von Windows, bei der Einfuhr in die USA. Lundgreen wollte die DVDs ja an Einzelh\u00e4ndler verkaufen. In einer unheiligen Allianz setzten US-Staatsanw\u00e4lte, unterst\u00fctzt von Microsoft-Experten, eine Schadenssumme von etwa $ 8,3 Millionen US $ fest. Der 'Schaden' berechnete sich aus dem Einzelhandelspreis von Windows multipliziert mit der Anzahl der beschlagnahmten Discs.<\/p>\n<p>Im Grunde hat Lundgren aber nur folgendes gemacht: Er verwendete eine ISO-Abbilddatei von Windows 7, die man sich immer noch von Microsoft gratis und ganz legal <a href=\"https:\/\/www.microsoft.com\/en-us\/software-download\/windows7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">herunterladen<\/a> kann. Diese lie\u00df er in China als DVD pressen und wollte die in die USA einf\u00fchren. Das wurde ihm aber zum Verh\u00e4ngnis, weil das US-Recht solche Kapriolen zul\u00e4sst. Man darf sich selbst eine ISO-Installationsdatei herunterladen, auf DVD brennen und zur Neuinstallation von Windows 7 verwenden. Diese Kopie l\u00e4sst sich nur aktivieren, wenn der Nutzer einen g\u00fcltigen Schl\u00fcssel besitzt.<\/p>\n<p>Zahlreiche US-Seiten <a href=\"https:\/\/techcrunch.com\/2018\/04\/25\/how-microsoft-helped-imprison-a-man-for-counterfeiting-software-it-gives-away-for-free\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie Techcrunch<\/a> berichteten \u00fcber diesen Fall, der wohl einige Wellen geschlagen hat. Dies speziell auch, weil Microsoft wohl 'Amtshilfe' leistete. Lundgrens eigentliches Verbrechen, zu dem er sich schuldig bekennt, ist die F\u00e4lschung der Verpackung, damit die Discs f\u00fcr Dell-Markenprodukte geeignet erscheinen.<\/p>\n<p>Inzwischen hat Microsoft einen <a href=\"https:\/\/blogs.microsoft.com\/on-the-issues\/2018\/04\/27\/the-facts-about-a-recent-counterfeiting-case-brought-by-the-u-s-government\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eigenen Blog-Post<\/a> zu diesem Fall ver\u00f6ffentlicht. Demnach schreibt man, dass Microsoft den Fall nicht vor Gericht gebracht habe, das sei durch den Zoll passiert. Im Blog-Beitrag erf\u00e4hrt man dann aber, dass Lundgren darauf aus war, Geld mit den eingef\u00fchrten DVDs zu verdienen und er habe auch geplant, die DVDs als 'offizielle Windows 7 Kopien' in den USA zu verkaufen. Ist alles etwas nebul\u00f6s und ein Geschm\u00e4ckle haftet dem Ganzen an. Ich wei\u00df nicht, ob ein solches Urteil in der EU Bestand haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<blockquote><p>W\u00e4re nun nat\u00fcrlich interessant, das rechtlich zu spiegeln, falls es TTIP als Handelsvertrag geschafft h\u00e4tte. Momentan denken EU-Politiker ja schon mal wieder \u00fcber TTIP-light nach.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kanada wurde ein junger Mann wegen 'Computermissbrauch' angeklagt, weil er von einem Server einer Beh\u00f6rde 7.000 \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Dokumente heruntergeladen hat. 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