{"id":206184,"date":"2018-07-03T00:40:00","date_gmt":"2018-07-02T22:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=206184"},"modified":"2025-05-20T10:22:53","modified_gmt":"2025-05-20T08:22:53","slug":"windows-10-pro-totes-pferd-fr-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/07\/03\/windows-10-pro-totes-pferd-fr-unternehmen\/","title":{"rendered":"Windows 10 Pro: Totes Pferd f&uuml;r Unternehmen?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/win102.jpg\" width=\"58\" height=\"58\" align=\"left\" \/>Unternehmen, die sich f\u00fcr einen Umstieg auf Windows 10 entscheiden, sollten die Finger von der Pro-Version lassen. Denn diese Variante d\u00fcrfte sich zunehmend als 'totes Pferd' entpuppen. Hier einige Informationen zu diesem Thema.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/909b38f7dffb477d95abb5b8bc90e4d7\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Ich kenne es eigentlich seit Jahrzehnten: Microsoft bietet eine Windows-Version f\u00fcr Consumer an und f\u00fcr Unternehmen gibt es die kommerziellen Varianten. Seit Windows XP als Home und Pro bzw. Professional bekannt. Seit Windows Vista gab es neben der Professional-Variante noch die Ultimate- und Enterprise-Versionen. Der Charme der Pro-\/Professional-Varianten war, dass man die Lizenz einfach so kaufen konnte. Bei den Enterprise-Versionen war der Abschluss eines Volumenlizenzvertrages (Software Assurance) erforderlich.<\/p>\n<h2>Windows 10 Pro oder Enterprise?<\/h2>\n<p>Bei Windows 10 hat sich auf den ersten Blick nichts ge\u00e4ndert, auch wenn es keine Ultimate-Variante mehr gibt. Microsoft bietet neben Windows 10 Home f\u00fcr Consumer (die hier keine Rolle spielt) noch Windows 10 f\u00fcr Unternehmen an. Unternehmen, die sich f\u00fcr einen Umstieg auf Windows 10 entscheiden, haben die Wahl zwischen Windows 10 Pro als Kaufversion oder Windows 10 Enterprise.<\/p>\n<p>Windows 10 Enterprise mit j\u00e4hrlich zu erneuerndem Volumenlizenzvertrag (Software Assurance) erh\u00e4ltlich. F\u00fcr Klein- und mittelst\u00e4ndische Unternehmen (KMUs) ist Windows 10 Enterprise beispielsweise auch \u00fcber ein E3-Abo f\u00fcr ca. 13 Euro\/Monat (Cloud Solution Provider Subscription, CSP) erh\u00e4ltlich (braucht keinen Volumenlizenzvertrag). Basis ist aber, dass es f\u00fcr die Maschine bereits eine Windows 10 Pro-Lizenz gibt.<\/p>\n<p>Projektiere ich f\u00fcr den Einsatz in einem Laborger\u00e4t, einer Steuerung, oder in einem Kleinbetrieb eine Windows 10-Maschine, wird man aus Lizenzsicht auf Windows 10 Pro setzen. Eine einmalige Lizenzzahlung und die Sache ist geritzt. Eigentlich eine feine Sache, besetzt Windows 10 Pro doch den Markt zwischen den Consumern und den Gro\u00dfunternehmen mit vielen Hundert oder Tausend Installationen.<\/p>\n<h2>Windows 10 Pro ist leider ein totes Pferd<\/h2>\n<p>Wer die Entwicklung von Windows 10 genauer verfolgt hat, erkennt, dass das Microsoft-Marketing das 'Arbeitspferd' Pro St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck beerdigt. Viele Features, die in der Enterprise-Version verf\u00fcgbar sind (App-Locker, Windows Defender ATP etc.) fehlen in der Pro-Variante. Aber das ist nicht genug, weil trotzdem viele Nutzer auf Windows 10 Pro setzten, hat Microsoft damit begonnen, wichtige Funktionen im Rahmen von Funktionsupdates zu entkernen.<\/p>\n<ul>\n<li>Als Stichwort sei der Wegfall bestimmter Gruppenrichtlinien in Windows 10 Pro genannt (siehe mein Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2016\/07\/30\/microsoft-schlachtet-gruppenrichtlinien-in-windows-10-pro\/\">Microsoft schlachtet Gruppenrichtlinien in Windows 10 Pro<\/a>).<\/li>\n<li>Auch Supportverl\u00e4ngerungen, die Microsoft Unternehmenskunden f\u00fcr eigentlich nach 18 Monaten ausgelaufene Windows 10 Builds gew\u00e4hren musste, bezogen sich auf die Enterprise SKUs (Stichwort Windows 10 V1511 Supportverl\u00e4ngerung um 6 Monate).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor einiger Zeit bin ich auf <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20181209220014\/https:\/\/www.computerworld.com\/article\/3276278\/microsoft-windows\/windows-10-pro-is-a-dead-end-for-the-enterprise-gartner-says.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen Computerworld-Artikel<\/a> gesto\u00dfen. Greg Keizer besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, ob Windows 10 Pro in Unternehmen noch Zukunft hat. Er zitiert den Gartner Analysten Stephen Kleynhans, Research Vice President bei Gartner und Windows Experte mit folgender Aussage:<\/p>\n<blockquote><p>[We] predict that Microsoft will continue positioning Windows [10] Pro as a release that is not appropriate for enterprises by reducing &#8230; support and limiting access to enterprise management features.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu Deutsch: Unsere Voraussage ist, dass Microsoft Windows 10 Pro auch weiterhin so positionieren wird, dass diese SKU keine sinnvolle Option f\u00fcr den Unternehmenseinsatz ist. Dies wird \u00fcber den (eingeschr\u00e4nkten) Support und Begrenzung der Managementfunktionen, die in Unternehmensumgebungen erforderlich werden, erreicht.<\/p>\n<h3>Wie war dies mit dem eingeschr\u00e4nkten Support?<\/h3>\n<p>Kleynhans f\u00fchrt aus, dass es die Analysten bei Gartner \u00fcberrascht habe, dass die oben erw\u00e4hnte 6 monatige Verl\u00e4ngerung des Support f\u00fcr Windows 10 V1511 nur f\u00fcr Enterprise-Kunden, nicht aber f\u00fcr Windows 10 Pro, gew\u00e4hrt wurde. Ein klares Signal von Microsoft an die Kunden, dass Windows 10 Pro nicht f\u00fcr den Unternehmenseinsatz geeignet sei.<\/p>\n<p>Zu bemerken ist auch, dass in der <em>Einstellungen<\/em>-App die M\u00f6glichkeit, Funktionsupdates zur\u00fcckzustellen, in Windows 10 V1803 verschwunden ist. Nutzer von Windows 10 Pro k\u00f6nnen zwar Updates und Funktionsupdates (noch) \u00fcber Gruppenrichtlinien verz\u00f6gern. Microsoft k\u00f6nnte aber diese Richtlinie jederzeit entfernen, dann w\u00e4ren verz\u00f6gerte Updates auch Geschichte. L\u00e4uft der Support f\u00fcr eine Build aus, haben Nutzer quasi nur die Wahl, per Funktionsupdate auf die n\u00e4chste Version, die noch Support bekommt, umzusteigen.<\/p>\n<h2>Bestimmte Angebote nur f\u00fcr Enterprise<\/h2>\n<p>Im Computerworld-Beitrag gibt es auch den Hinweis auf \"paid supplemental servicing\". Der zus\u00e4tzliche Support, den Microsoft zu einem ungenannten Preis verkauft, ist nur f\u00fcr Enterprise- und Education-Kunden verf\u00fcgbar. Die kostenpflichtige zus\u00e4tzliche Wartung verl\u00e4ngert die 18 Monate, die kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt werden, um 12 Monate.<\/p>\n<p>\"Die Erweiterungen und die kostenpflichtige Support-Option gelten nur f\u00fcr die SKUs f\u00fcr Unternehmen und Bildung [Windows 10 Enterprise und Windows 10 Education Enterprise]\", sagten die Gartner-Analysten Kleynhans und Silver in ihrem in Computerworld zitierten Bericht \"<a href=\"https:\/\/www.gartner.com\/doc\/3871456\/plan-budget-short-windows-office\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Plan and Budget for Short Windows and Office Support Cycles Based on Microsoft's February 2018 Announcements<\/a>\", der im April 2018 von Gartner ver\u00f6ffentlicht wurde. \"Kunden, die Windows 10 Pro verwenden, werden nach 18 Monaten keinen Support mehr erhalten. Auf diese Weise verst\u00e4rkt Microsoft die Erwartung, dass Unternehmenskunden auf die Enterprise Edition von Windows 10 umsteigen.\" Von Gartner gibt es unter anderem f\u00fcr Business-Kunden die folgende Empfehlung:<\/p>\n<blockquote><p>Customers currently using Windows 10 Pro should continue to monitor Microsoft's life cycle announcements because they will eventually need to budget for Windows [10] Enterprise as Windows [10] Pro becomes more 'pro-sumer' and small-business oriented,<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu Deutsch: Wer Windows 10 Pro im Unternehmen einsetzt, muss die Life-Cycle-Ank\u00fcndigungen von Microsoft f\u00fcr Windows 10 genau verfolgen. Gibt es Probleme beim Umstieg auf eine neue Build, w\u00e4re der Einsatz von Windows 10 Enterprise eine M\u00f6glichkeit, erweiterten Support zu erhalten. Unternehmen sollten also entsprechende Budget-Mittel bereithalten. Windows 10 Pro ist eigentlich nur f\u00fcr Pro-Sumer (also Konsumer, die etwas mehr als in der Home-Versionen an Funktionen haben wollen) und Kleinstunternehmen mit einigen Einzelplatz-PCs geeignet. Und da hat man den 6 monatigen Upgrade-Zirkus.<\/p>\n<h2>Kunde friss, oder lass es bleiben<\/h2>\n<p>Man kann es auf den Punkt bringen: Windows 10 Pro ist im Unternehmen ein totes Pferd. Microsoft ist dabei, die Bastion Windows 10 Pro zugunsten von Windows 10 Enterprise und dessen Abo-Modell zu schleifen, koste es, was es wolle. Die Kunden m\u00fcssen es fressen, dann sie haben sich keine Alternativen offen gehalten. So funktionieren Monopole.<\/p>\n<p>Ach ja, f\u00fcr die Fraktion der 'wo ist das Problem?'-Sager noch ein netter Infosplitter. Meine Frau hat einige Zeit bei einer Insolvenzverwalterin gearbeitet. Dadurch habe ich etwas Einblick in das Insolvenzrecht bekommen. Ger\u00e4t eine Firma in Schieflage, und wird ein Insolvenzverwalter bestellt, darf der keine Gl\u00e4ubiger bevorzugen. K\u00fcrzt er Zahlungen oder h\u00e4lt er diese zur\u00fcck, wirkt sich dies auch auf ein E3-Abo bei Microsoft aus.<\/p>\n<p>Zwei Mal d\u00fcrft ihr raten, was passiert. Die E3-Abos verlangen ja eine Windows 10 Pro-Lizenzierung. Wird das E3-Abo nicht mehr mit Lizenzzahlungen bedient, verf\u00e4llt der Anspruch auf diese Lizenz. Der Key wird gesperrt und das System f\u00e4llt auf Windows 10 Pro zur\u00fcck. Genau das Szenario, was man ja mit dem Abschluss des E3-Abos vermeiden wollte. Ist nat\u00fcrlich ein doofes Szenario und keine vern\u00fcnftige Firma ger\u00e4t in Schieflage. Und wenn doch, sind das nur kleine Klitschen wie Air Berlin, Schlecker, Schneider Versand, Matrazen Direct, Butler, Rege Motorenteile, Solarworld, Rickmers Holding, K\u00fcchenhersteller Alno, Tempton Personaldienstleistungen (mit Ausnahme von Schlecker alles <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20180615114707\/https:\/\/www.capital.de\/wirtschaft-politik\/die-10-groesste-insolvenzen-2017-in-deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kleinere Insolvenzen aus 2017<\/a>).<\/p>\n<h2>Meine Gedanken<\/h2>\n<p>Ich kann mir nicht helfen, das aktuelle Gesch\u00e4ftsmodell mit Windows as a service (WaaS) ist ein Crash-Kurs. Ich bin zwar 25 Jahre aus dem Industriegesch\u00e4ft raus. Aber nach Good Laboratory Practice zertifizierte L\u00f6sungen f\u00fcr den Laborbereich, oder nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gute_Herstellungspraxis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Good Manufactoring Practice<\/a> zertifizierte L\u00f6sungen f\u00fcr die Pharmaproduktion lassen sich imho nicht auf Basis dessen aufsetzen, was wir aktuell mit Windows 10 so erleben. Von Windows 10-Rechnern in medizinischen Ger\u00e4ten (CT, MRT etc.) ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Da k\u00f6nnte ein riesiges Einsatzfeld f\u00fcr Windows gerade vom Marketing geschlachtet werden. M\u00f6glicherweise habe ich mich verh\u00f6rt, aber ich vermeine da ein gewaltiges Knirschen zu vernehmen. Die Denke der Informatiker und Marketing-Leute funktioniert vieleicht im B\u00fcrobereich, aber nicht in prozessnahen Bereichen \u2013 so zumindest meine Erfahrung.<\/p>\n<p>Wie wird das Thema in euren Firmen geregelt? Ist da Windows 10 Enterprise mit Software Assurance-Vertrag der Standard? Kommen Windows 10 Pro-Systeme zum Einsatz? Gibt es eigentlich Strategien, sich zumindest mittelfristig aus den Klauen Microsofts zu befreien? Euer Feedback ist gefragt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmen, die sich f\u00fcr einen Umstieg auf Windows 10 entscheiden, sollten die Finger von der Pro-Version lassen. Denn diese Variante d\u00fcrfte sich zunehmend als 'totes Pferd' entpuppen. 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