{"id":207860,"date":"2018-08-14T00:54:00","date_gmt":"2018-08-13T22:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=207860"},"modified":"2024-06-12T23:44:25","modified_gmt":"2024-06-12T21:44:25","slug":"linux-das-bauernopfer-in-niedersachsens-finanzverwaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/08\/14\/linux-das-bauernopfer-in-niedersachsens-finanzverwaltung\/","title":{"rendered":"Linux: Das Bauernopfer in Niedersachsens Finanzverwaltung?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Linux.jpg\" width=\"64\" height=\"76\" align=\"left\" \/>Die Finanzverwaltung in Niedersachsen will 12.000 PC in Finanz\u00e4mtern von Linux auf Windows und weitere Microsoft-L\u00f6sungen migrieren. Wie es ausschaut, ist Linux ein Bauernopfer, welches aus politischen Gr\u00fcnden geschasst wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Zum Hintergrund: Wechsel zu Windows<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/edfc142a6a4c42b78c40bb7b3e30b113\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Die c't bzw. die Redaktion von heise.de hat das Thema erstmals Ende Juli 2018 aufgegriffen und berichtete <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Linux-Aus-Niedersachsen-will-knapp-13-000-Rechner-auf-Windows-umstellen-4119380.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> \u00fcber das Aus f\u00fcr Linux. Tenor 'Niedersachsen will knapp 13.000 Rechner auf Windows umstellen'. Es geht dabei allerdings um die Finanzverwaltung in Niedersachsen. Heise hat das Ganze recht umfangreich im Artikel behandelt. Bei der Lekt\u00fcre h\u00e4tte man den Eindruck gewinnen k\u00f6nnen, dass da gute Gr\u00fcnde f\u00fcr den Umstieg sprechen und das Ganze gut \u00fcberlegt sei.<\/p>\n<h2>Die setzten auf OpenSuse<\/h2>\n<p>Alleine, was mich stutzig machte, war der Verweis eines Forenteilnehmers, der mich auf <a href=\"https:\/\/windowsunited.de\/opensuse-aeussert-sich-zur-migration-von-13-000-rechnern-des-landes-niedersachsen-auf-windows\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesen Artikel<\/a> bei Windows United verwies. Dort lie\u00df sich nachlesen, dass die Finanzverwaltung Niedersachsens offenbar die kostenlose Community-Edition von OpenSuse eingesetzt hat. Und da l\u00e4uft irgendwann der Support aus. Ab diesem Zeitpunkt h\u00e4tte man jede technische Argumentation unter diesem Blickwinkel beleuchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aber das brauchte es nicht. Es war bekannt, dass im Haushaltsentwurf des Landes im Jahr 2019 5,9 Millionen Euro f\u00fcr die Migration bereitgestellt werden sollen. F\u00fcr die Folgejahre sind jeweils 7 Millionen Euro. Wie viele Jahre die Arbeiten insgesamt in Anspruch nehmen werden, blieb im Dunkeln. Alleine das h\u00e4tte schon die Alarmglocken l\u00e4uten lassen m\u00fcssen. Da wird ein Blanko-Scheck f\u00fcr Microsoft ausgestellt.<\/p>\n<h2>Politisches Bauernopfer<\/h2>\n<p>Am 3. August 2018 schob heise.de dann <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Windows-Zwangsmigration-in-Niedersachsen-Linux-als-Opfer-der-Politik-4128383.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">einen zweiten Artikel<\/a> nach, aus dem klar wurde, dass die Windows-Zwangsmigration eine politische Entscheidung der Koalition\u00e4re in der Landesregierung Niedersachsens war und Linux politisch rausgekegelt werden sollte. Zitat aus dem heise.de-Beitrag:<\/p>\n<blockquote><p>So hat es die Nieders\u00e4chsische Landesregierung auf Seite 134 ihres 138-seitigen <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240210100906\/https:\/\/www.spdnds.de\/wp-content\/uploads\/sites\/77\/2017\/11\/Koalitionsvertrag2017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Koalitionsvertrags<\/a> festgeschrieben: \"Wir werden den in Niedersachsen bislang Linux-basierten Verfahrensbetrieb aufgeben\".<\/p><\/blockquote>\n<p>Der heise.de-Redakteur merkt folgerichtig an: 'Es geht also nicht etwa darum, ergebnisoffen zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die aktuellen Linux-Arbeitspl\u00e4tze noch zeitgem\u00e4\u00df sind oder ob sich nicht mit einer anderen L\u00f6sung Steuergelder einsparen lie\u00dfen'. Vielmehr war mit der obigen Passage klar, dass Linux raus fliegen muss.<\/p>\n<h2>Keinen Plan und kein Konzept<\/h2>\n<p>heise.de hat dann versucht, Informationen zu der bei solchen Gro\u00dfprojekten \u00fcblichen Planung einzusehen. Ergebnis der Recherchen der c't-Redaktion: Es gibt keine solche Planung! Es ist unbekannt, welche Kosten in welchem Zeitraum anfallen, keiner wei\u00df, mit welchen Einsparungen eventuell zu rechnen ist. Jedenfalls hat das Finanzministerium als Tr\u00e4ger des Verfahrens keine Zahlen vorliegen. Die gaben sich regelrecht \u00fcberrascht. Den heise.de-Artikel muss man sich regelrecht auf der Zunge zergehen lassen. Zitat aus dem Artikel:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist also offenkundig eine rein politische Entscheidung, Linux rauszuwerfen und Abermillionen Euro f\u00fcr die Migration auf ein propriet\u00e4res Betriebssystem auszugeben \u2013 wobei man nicht einmal abgesch\u00e4tzt hat, wie viele Millionen etwa die notwendigen Windows-Lizenzen verschlingen werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Redaktion legt dann noch einige Informationen \u00fcber die vermeintlichen Hintergr\u00fcnde f\u00fcr diese Entscheidung im Artikel offen. Ein erg\u00e4nzender Abriss findet sich <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20180929141724\/https:\/\/www.heise.de\/ct\/ausgabe\/2018-17-c-t-deckt-auf-Niedersachsens-Zwangsumstieg-von-Linux-auf-Windows-4123986.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in diesem c't-Artikel<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>Mir ist im Forum nur die Aussage ins Auge gesprungen, dass wohl die gleiche Beratungsfirma dort aktiv war, die auch Gutachten f\u00fcr den Ausstieg aus LiMux erstellt habe. Ob das stimmt, konnte ich nicht verifizieren.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Die Gr\u00fcnen fragen nach<\/h2>\n<p>Stefan Wenzel, haushalts- und finanzpolitischer Sprecher von B\u00fcndnis 80\/Die Gr\u00fcnen, hat nun bei der Landesregierung eine kleine schriftliche Anfrage gestellt, wie er in seiner Pressemitteilung schreibt. Seine Aussagen:<\/p>\n<blockquote><p>\"Die Umstellung f\u00fcr die 12.000 PCs in den Finanz\u00e4mtern ist offenbar eine politische Entscheidung, die die GroKo durchgesetzt hat. Bislang k\u00f6nnen wir nicht erkennen, dass Sachgr\u00fcnde daf\u00fcr vorliegen. Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen sind nicht bekannt.\"<\/p>\n<p>\u201eWir erwarten, dass das Finanzministerium die Entscheidung transparent und nachvollziehbar darstellt. Es muss eindeutig gekl\u00e4rt werden, wie es zu diesem Millionen Euro teuren Schritt, die Software in den ihm unterstellten Finanz\u00e4mtern umzustellen, gekommen ist.\"<\/p>\n<p>\u201eDer Verzicht auf Open Source Software kann am Ende noch viel teurer werden, wenn alle Softwareprodukte und Updates auf einem weitgehend monopolisierten Markt erworben werden m\u00fcssen. Das k\u00f6nnte Auswirkungen auf die Finanzierung vieler anderer Bereiche haben.\"<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenzel beruft sich dabei explizit auf die Recherchen der c't zum Thema. Bei heise.de hat man <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Linux-Aus-Niedersaechsische-Gruene-haken-nach-4133982.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> noch einen Beitrag ver\u00f6ffentlicht. So als steuerzahlender B\u00fcrger kann man sich nur noch fassungslos zur Kenntnis nehmen, was da ab geht. Kein Politiker wird zur Rechenschaft gezogen, wenn ein neues Millionengrab entsteht. Willkommen in Deutschland #2.0 \u2013 wo alte M\u00e4nner \u00fcber die IT-Zukunft der n\u00e4chsten 20 Jahre entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzverwaltung in Niedersachsen will 12.000 PC in Finanz\u00e4mtern von Linux auf Windows und weitere Microsoft-L\u00f6sungen migrieren. 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