{"id":210049,"date":"2018-09-30T09:50:30","date_gmt":"2018-09-30T07:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=210049"},"modified":"2018-09-30T09:54:13","modified_gmt":"2018-09-30T07:54:13","slug":"bbc-linus-torvalds-erklrt-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/09\/30\/bbc-linus-torvalds-erklrt-sich\/","title":{"rendered":"BBC: Linus Torvalds erkl&auml;rt sich"},"content":{"rendered":"<p>Linux-Erfinder Linus Torvalds hat sich ja k\u00fcrzlich tempor\u00e4r als Kernel-Maintainer zur\u00fcckgezogen. Nun hat Torvalds gegen\u00fcber der BBC in einer Mail einige Erkl\u00e4rungen f\u00fcr diesen Schritt gegeben und Hintergrundinformationen offen gelegt. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hintergrund des Ganzen ist, dass Torvalds, im Hinblick auf den Umgang mit anderen Entwicklern, an sich arbeiten will. Er ist ja bei Entwicklern f\u00fcr seine oft harschen Worte und Reaktionen bekannt und gef\u00fcrchtet. Das ist aber l\u00e4ngst bekannt. Weil es in der Kommunikation und im Umgang zwischen den Linux-Entwickler oft recht ruppig zugeht, gibt es seit 2015 wohl Verhaltensregeln (Code of Conduct) f\u00fcr die Community. Nun hat Torvalds diese wohl nicht immer eingehalten und hatte auch die Einstellung 'zu viel Political Correctness' kann auch 'erden'. K\u00fcrzlich hat er sich daf\u00fcr entschuldigt (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/09\/17\/ups-linus-torvalds-sagt-sorry-fr-sein-verhalten\/\">Ups, Linus Torvalds sagt sorry f\u00fcr sein Verhalten<\/a>) und gleichzeitig den tempor\u00e4ren R\u00fcckzug aus der 'vordersten Reihe' angek\u00fcndigt \u2013 solange, bis er das im Griff hat. <\/p>\n<h2>Interessante Hintergrundinformationen <\/h2>\n<p>In einer Mail an die BBC hat Linus Torvalds einige Hintergr\u00fcnde und \u00dcberlegungen f\u00fcr diesen Schritt offen gelegt. Er gab eigenes kritisches Verhalten zu, erg\u00e4nzte aber, dass die Linux-Community auch die Art und Weise, wie sie sich verh\u00e4lt, im Auge behalten muss. Er spricht gegen\u00fcber der BBC davon, das Teile der Community zu \"einem Morast der Bosheit\" (\"a morass of nastiness\") geworden seien.<\/p>\n<h3>Technischer Fokus versus Diskussion um Nebenthemen<\/h3>\n<p>In der Mail an BBC, die <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-45664640\" target=\"_blank\">hier in Englisch<\/a> abrufbar ist, schreibt er, dass ihn eigentlich die technische Seite interessiert und er sich eigentlich aus den anderen Diskussion am liebsten heraus halten wolle \u2013 die interessieren ihn nicht. Menschen und die Kommunikation mit den sei nicht so seine St\u00e4rke \u2013 schon als Kind sei er kein Menschenfreund gewesen. <\/p>\n<p>Er l\u00e4sst auch anklingen, dass die letzten Episoden und Diskussionen um Linux ihn bewogen haben, erst einmal aus der vordersten Reihe als Maintainer zur\u00fcckzutreten. Es sei nicht nur sein Mangel an Sozialkompetenz, es seien die Diskussionen selbst, die ihn wohl bewegten. Er schreibt:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Der Vorteil der Konzentration auf die Technologie ist, dass man einige meist objektive Ma\u00dfnahmen und eine Grundlage f\u00fcr die Zustimmung haben kann, und man kann eine sehr nette und gesunde Gemeinschaft um sich haben. Ich bin wirklich von der Technologie motiviert, aber auch die Community rund um Linux war sehr positiv.<\/p>\n<p>Aber es gibt sehr greifbare und unmittelbare gemeinsame Ziele in jedem technischen Projekt wie Linux, und w\u00e4hrend es gelegentlich Meinungsverschiedenheiten dar\u00fcber gibt, wie man ein bestimmtes Problem l\u00f6sen kann, gibt es eine sehr reale Koh\u00e4sionskraft in diesem gemeinsamen Ziel, das Projekt zu verbessern.<\/p>\n<p>Und selbst wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, haben die Menschen am Ende oft ziemlich klare und objektive Messungen, was besser ist. Code, der schneller, einfacher ist oder nat\u00fcrlich mehr F\u00e4lle handhabt, ist objektiv einfach \"besser\", ohne dass die Leute wirklich zu viel dar\u00fcber diskutieren m\u00fcssen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Was ihn aber st\u00f6rt, ist das 'drumherum', wo es nicht um Technik, sondern um Argumente, und nicht enden wollende Diskussionen geht. Er schreibt, dass es dann auf Twitter Nachrichten von Leuten zum Thema gebe, die rein gar nichts mit der technischen Seite zu tun h\u00e4tten, aber Storys 'hypen'. Es sei 'ein Sumpf der Bosheit'. Anstelle eines \"gemeinsamen Ziels\" komme es zu schrecklichen K\u00e4mpfen zwischen verschiedenen \"In-Gruppen\". Er schreibt dazu:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Es ist sehr polarisierend, und beide Seiten lieben es, die andere Seite anzustacheln. Es ist nicht einmal eine \"Diskussion\", es sind nur Leute, die sich gegenseitig anschreien.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das sei eigentlich der Grund, warum er sich schon lange nicht mehr an der gesamten CoC-Diskussion (Conduct of Code) beteiligen wollte. Dieses ganze Thema scheint sich in seinen Augen sehr leicht zu entwickeln und unproduktiv zu werden. Das Ganze muss man auch unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Diskussionen in den USA um Political Correctness, sexuelles Fehlverhalten und so weiter sehen. <\/p>\n<h3>Die USA und Political Correctness<\/h3>\n<p>Scheinbar lief einiges auf Kritik hinaus, die er als scheinheilig und unter der G\u00fcrtellinie empfand. Es habe so manchen Twitter-Shit-Storm gegeben, wo er als 'white cis male' (wei\u00dfer m\u00e4nnlicher <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cisgender\" target=\"_blank\">Cisgender<\/a>, wei\u00dfer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Macho\" target=\"_blank\">Macho<\/a> passt nicht ganz, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chauvinismus\" target=\"_blank\">Chauvinist<\/a> trifft es eher) betitelt wurde. <\/p>\n<p>Torvalds schreibt, dass er seine Vorbehalte gegen \u00fcbertriebene politische Korrektheit habe, und diesem Thema auch (f\u00e4lschlich) nur eine geringe Bedeutung zugemessen habe. Das scheint dann aber auf einen Konflikt hinaus gelaufen zu sein, wo seine Haltung von interessierten Gruppen aus der nationalistischen Ebene Amerikas vereinnahmt wurde. Aber er m\u00f6chte absolut nicht im selben Lager wie 'der niedertr\u00e4chtige Abschaum im Internet' gesehen werden, der denkt, dass es in Ordnung ist, ein wei\u00dfer nationalistischer Nazi zu sein, und ein wirklich b\u00f6ses misogynes, homophobes oder transphobisches Verhalten an den Tag legt. Diese Leute beschwerten sich auch \u00fcber zu viel politische Korrektheit und lie\u00dfen dabei Torvalds \u00f6ffentliche Haltung schlecht aussehen. <\/p>\n<p>So sei am Ende seine \"Ich will wirklich nicht zu PC [Political Correct] sein\"-Haltung einfach unhaltbar geworden. Er schreibt dazu: 'Zum Teil, weil Sie von mir definitiv einige E-Mails finden k\u00f6nnen, die einfach v\u00f6llig inakzeptabel waren, und ich muss das in Zukunft korrigieren. Aber zu einem gro\u00dfen Teil auch, weil ich nicht mit vielen Leuten [aus der oben zitierten Gruppe der Internet-Hater] in Verbindung gebracht werden will, die sich \u00fcber \u00fcbertriebene politische Korrektheit beschweren.'<\/p>\n<p>Torvalds k\u00fcndigt an, an seinem Kommunikationsstil arbeiten zu wollen und einen professionellen Therapeuten zu finden hofft, mit dem er sprechen kann. Zudem will er per Filter ausgehende E-Mails entsch\u00e4rfen, geht aber davon aus, dass er nicht zur 'einf\u00fchlsamste Person' mutiere. Das Ganze ist, denke ich, auch unter der politischen Agenda und die Diskussion um Political Correctness in den USA zu sehen. Wer sich f\u00fcr das Thema interessiert, kann den Text von Torvalds, der noch weitere Argumente und Details enth\u00e4lt, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-45664640\" target=\"_blank\">hier nachlesen<\/a>. Ich finde es auf jeden Fall eine bemerkenswerte Stellungnahme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linux-Erfinder Linus Torvalds hat sich ja k\u00fcrzlich tempor\u00e4r als Kernel-Maintainer zur\u00fcckgezogen. 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