{"id":217545,"date":"2019-05-02T10:17:23","date_gmt":"2019-05-02T08:17:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=217545"},"modified":"2023-04-29T10:46:12","modified_gmt":"2023-04-29T08:46:12","slug":"datenhndler-missbrauchen-jobbrse-der-ba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/05\/02\/datenhndler-missbrauchen-jobbrse-der-ba\/","title":{"rendered":"Datenh&auml;ndler missbrauchen Jobb&ouml;rse der BA"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schutz.jpg\" width=\"40\" align=\"left\" height=\"47\"\/>Datenh\u00e4ndler missbrauchen das Job-Portal der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit. Dort schalten sie Stellenanzeigen und greifen die Bewerberdaten ab, um diese dann weiter zu verkaufen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/874cebebabc149a4a3a5683c85862652\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Es ist wieder ein Vorfall, der zeigt, dass Nepp und Betrug an jeder Stelle lauern \u2013 dieses Mal besonders perfide, da niemand so etwas bei der Jobb\u00f6rse<strong>&nbsp;<\/strong>der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) erwartet. Dieses Portal der BA soll bei der Jobsuche helfen \u2013 eigentlich eine gute Sache. Allerdings wird das Jobportal auch von Datenh\u00e4ndlern ausgenutzt, um Bewerberdaten an Zeitarbeitsfirmen etc. weiter zu verkaufen. So etwas ist, wenn das nicht ganz glasklar geregelt wird alleine ein Versto\u00df gegen die DSGVO und wohl auch nicht im Sinne der BA. Ein SWR-Rechercheteam konnte diesen Betrug bzw. Datenskandal nun wohl nachweisen, wie der SWR hier und die Tagesschau <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20190921162240\/https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/swr\/ba-fakejobs-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier berichten<\/a>. <\/p>\n<h2>Die Betrugsmasche<\/h2>\n<p>Auf der <a href=\"https:\/\/con.arbeitsagentur.de\/prod\/jobboerse\/jobsuche-ui\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jobb\u00f6rse der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit<\/a> (BA) schalten die Betr\u00fcger Anzeigen f\u00fcr Facharbeiter oder \u2013angestellte. Ein Johann S. bietet beispielsweise Stellen f\u00fcr Mechatroniker, IT-Spezialisten oder eine B\u00fcrokauffrau. Auff\u00e4llig ist, dass die Stellen bundesweit ausgeschrieben sind, wohl bis zu 3.000 an der Zahl. Es sind f\u00fcr eine Bewerbung um die Stelle lediglich Lebenslauf und Zeugnisse an eine angegebene E-Mail-Adresse zu schicken.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"BA-Job-Portal\" alt=\"BA-Job-Portal\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/Xkg3Xgm.jpg\"\/><br \/>(<a href=\"https:\/\/con.arbeitsagentur.de\/prod\/jobboerse\/jobsuche-ui\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Screenshot BA-Seite<\/a>)<\/p>\n<p>Als das Recherche-Team des SWR aber versuchte, wegen Bewerbungen nachzufragen, gab es keine wirkliche Reaktion \u2013 ein Auto-Responder scheint eine Standardantwort mit der Bitte um Erlaubnis, die Bewerbung an \"interessierte Gesch\u00e4ftspartner\" des Hauses weiterzuleiten. Unter der in den Anzeigen angegebenen Telefonnummer gibt es niemanden, der erreichbar ist. Da konnte nur was faul sein, denn Firmen haben ja ein Interesse, dass Bewerber auch in Kontakt treten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Pl\u00f6tzlich melden sich Zeitarbeitsfirmen<\/h2>\n<p>Die Reporter des SWR schickten daher \u00fcber die Jobb\u00f6rse<strong>&nbsp;<\/strong>der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) Testbewerbungen mit fingierten Daten auf die Stellenanzeigen an die angegebene E-Mail-Adresse. Einige Tage sp\u00e4ter meldeten sich, laut Tagesschau-Bericht, pl\u00f6tzlich Zeitarbeitsfirmen bei dem 'Bewerber'. Dort hatte das SWR-Rechercheteam sich aber nie beworben. Die Nachfrage ergab: Die Zeitarbeitsfirma will die Bewerber-Daten von einem Vertragspartner erhalten haben. Vertragspartner war eine der f\u00fcnf Firmen, die das Rechercheteam Johann S. zuordnen konnten. <\/p>\n<h2>Professioneller Datenh\u00e4ndler mit Flatrate-Angeboten<\/h2>\n<p>Johann S. bietet, laut Tagesschau, auf den Onlineseiten seiner diversen Firmen anderen Unternehmen die Vermittlung von Personal an. Dabei kann der Kunde zwischen Festpreis- oder Flatrate-Angeboten w\u00e4hlen. Den SWR-Reportern wurden Bewerbungsmappen zum Preis von rund drei Euro je Datensatz angeboten. Laut Bericht br\u00fcstet sich der Anbieter, jeden Monat zwischen 3000 und 5000 Datens\u00e4tze von Bewerbern zu generieren. <\/p>\n<p>Nach Abschluss eines Vertrags erhalten die SWR-Reporter, auch ohne jemals eine Stellenanzeige geschaltet zu haben, regelm\u00e4\u00dfig Bewerberunterlagen (Zeugnisse, Lebensl\u00e4ufe etc.). Vom Rechercheteam kontaktierte Bewerber waren schockiert, als sie erfuhren, dass mit ihren Daten gehandelt wird. <\/p>\n<h2>Verst\u00f6\u00dfe gegen Nutzungsbedingungen und DSGVO<\/h2>\n<p>Die Nutzungsbedingungen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (BA) schlie\u00dfen explizit den Aufbau von Bewerberpools aus. Das ist daher schon der erste Versto\u00df, den Johann S. mit seinem Firmen begeht.<\/p>\n<p>Aber ein kommt imho noch schlimmer. Die DSGVO, die seit Mai 2018 in Kraft ist, regelt ganz klar die Erfassung und Weitergabe pers\u00f6nlicher Daten. Speziell Bewerberdaten sind sehr sensible pers\u00f6nliche Informationen, deren Erfassung und Weitergabe nur nach expliziter Einwilligung der jeweiligen Person zul\u00e4ssig ist. <\/p>\n<p>Das, was da gerade l\u00e4uft, ist also auch ein Versto\u00df gegen Datenschutzgesetze. Die Tagesschau zitiert den Datenschutzbeauftragten von Baden-W\u00fcrttemberg, Stefan Brink, \"Das ist schlicht und ergreifend illegal, was da gemacht wird. Bewerberdaten sind sehr sensible Daten, die gesetzlich besonders gesch\u00fctzt sind, und das zu verletzen muss sehr massive Sanktionen nach sich ziehen.<\/p>\n<p>Brink sieht nicht nur einen Versto\u00df gegen Datenschutzvorschriften, nach denen vor einer Weitergabe Bewerber genau informiert werden und in jedem Einzelfall ihre Zustimmung erteilen m\u00fcssen. Der Verkauf von von Bewerbungsunterlagen ist schlicht verboten. Der Datensch\u00fctzer konstatiert einen Gesetzesversto\u00df, und spricht konkret von einer Straftat. <\/p>\n<h2>Abstreiten und nix wissen<\/h2>\n<p>Der Datenh\u00e4ndler Johann S. streitet, so die Tagesschau, auf Nachfrage alle Vorw\u00fcrfe ab. Zu einer \u00f6ffentlichen Stellungnahme ist er nicht bereit. Was soll der Datenh\u00e4ndler auch anderes machen. Noch schlimmer kommt es von der BA. Zitat aus dem Tagesschau-Bericht: <\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit teilt schriftlich mit, ihr l\u00e4gen keine Hinweise vor, dass ihre Jobb\u00f6rse von Datenh\u00e4ndlern missbraucht werde. Aufgrund der Vielzahl an Stellenangeboten k\u00f6nne jedoch \"nicht vollst\u00e4ndig ausgeschlossen werden, dass einzelne Stellenangebote gef\u00e4lscht oder fingiert\" seien.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wenn wir nix wissen, ist alles in Ordnung, so die Botschaft \u2013 und falls es mal wirklich einen krummen Hund gibt, sind dies bedauerliche Einzelf\u00e4lle. Der Arbeitsmarktexperte Stefan Sell von der Hochschule Koblenz ist \u00fcber das Ausma\u00df entsetzt: \"In dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung ist das tats\u00e4chlich eine neue Dimension. Hier legen wir tats\u00e4chlich einen Skandal offen, den man sich bisher so nicht hat vorstellen k\u00f6nnen.\" Zur BA hat er keine klare Haltung: \"Die Bundesagentur sieht nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht genau hin, wer von den Arbeitgebern oder sogenannten Arbeitgebern dort Stellenangebote einstellt. Da z\u00e4hlt das Gesetz der gro\u00dfen Zahlen. Die Bundesagentur hat erstmal ein Interesse daran, dass m\u00f6glichst viele Stellenangebote dort eingestellt werden.\"<\/p>\n<h2>Die Masche l\u00e4uft seit 10 Jahren<\/h2>\n<p>Interessant ist eine weitere Information der Tagesschau. Die Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti (Die Linke) befasst sich wohl bereits seit 2009 mit diesem Thema. Damals wurde die Masche bekannt \u2013 wenn auch der Missbrauch wohl geringer war. Hier gibt es beispielsweise eine kleine Anfrage an die Bundesregierung aus 2018. Die Antwort ist ern\u00fcchternd, aber im obigen Kontext:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die BA sieht derzeit keine Verbesserungspotentiale und plant daher aktuell keine \u00c4nderungen im Pr\u00fcfverfahren. Dies ist aus Sicht des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziales rechtsaufsichtsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Das Ganze ist eine riesen Sauerei, ich bin mal gespannt, was da am Ende des Tages bei herum kommt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datenh\u00e4ndler missbrauchen das Job-Portal der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit. 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