{"id":219542,"date":"2019-06-20T12:01:39","date_gmt":"2019-06-20T10:01:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=219542"},"modified":"2019-06-20T12:10:19","modified_gmt":"2019-06-20T10:10:19","slug":"ene-mene-muh-und-raus-bist-du-microsoft-cern-goes-open-source","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/06\/20\/ene-mene-muh-und-raus-bist-du-microsoft-cern-goes-open-source\/","title":{"rendered":"CERN goes Open Source: Ene, mene, muh, und raus bist Du, Microsoft"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine interessante Entwicklung, die sich gerade bei der Forschungseinrichtungen CERN abzeichnet. Die haben das 'Microsoft Alternatives project' (MAlt) aufgelegt, in den kommenden Jahren auf Open Source Software (OSS)zu wechseln. Grund: Steigende Lizenzforderungen von Microsoft.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/1fab85d9e95b4f60b195d210eb13a234\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Das CERN gibt die Details und Hintergr\u00fcnde f\u00fcr dieses Projekt auf <a href=\"https:\/\/home.cern\/news\/news\/computing\/migrating-open-source-technologies\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Webseite<\/a> preis. Die Lekt\u00fcre sollte aus meiner Sicht Entscheidungstr\u00e4gern die Augen \u00f6ffnen. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Nur mal so angemerkt: Am CERN wurde von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tim_Berners-Lee\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tim Berners Lee<\/a> das 'Internet' (World Wide Web) mit HTML-Seiten erfunden \u2013 auf einem NeXTStep-Server (war von Steve Jobs, der sp\u00e4ter wieder zu Apple wechselte).<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2>Taking back control using open software<\/h2>\n<p>Das Microsoft Alternatives Projekt (MAlt) wurde vor einem Jahr gestartet, um den erwarteten Anstieg der Softwarelizenzgeb\u00fchren abzumildern. Das Ziel von MAlt ist es, CERN mit Hilfe offener Software wieder die Kontrolle \u00fcber die einzusetzende Software und die Kosten zur\u00fcck zu geben. Nach dem Jahr Vorlaufzeit hat sich CERN entschlossen, dieses Projekt breiter darzustellen und zu erkl\u00e4ren, wie die die Computerumgebung an der Forschungseinrichtung pr\u00e4gen wird.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cds.cern.ch\/images\/CERN-CO-1008294-02\/file?size=medium\"\/><br \/>(Bildquelle: CERN)<\/p>\n<h2>Hintergrundinformationen zur CERN-Entscheidung<\/h2>\n<p>Beim CERN war es wie bei vielen Beh\u00f6rden, Firmen und Forschungseinrichtungen. Im Laufe der Jahre haben sich die Aktivit\u00e4ten und Dienstleistungen des CERN zunehmend auf kommerzielle Software und L\u00f6sungen verlassen, um Kernfunktionalit\u00e4ten bereitzustellen. Hintergrund ist auch, dass f\u00fcr den Einsatz dieser Software oft vorteilhafte finanzielle Bedingungen genutzt werden konnten, die auf dem Status des CERN als akademisches, gemeinn\u00fctziges oder Forschungsinstitut basieren. <\/p>\n<p>Es ist aber wie beim Angelhaken, wenn der Fisch angebissen hat: Einmal installiert, gut verbreitet und stark genutzt, verschwindet die Hebelwirkung. Denn diese wurde von Firmen wie Microsoft nur genutzt, um die CERN-Service-Manager (IT-Entscheider) f\u00fcr die kommerziellen L\u00f6sungen zu gewinnen. Irgendwann wird der Schalter umgelegt, und die Hersteller ersetzen die bisherigen Agreements durch Lizenzsysteme und Gesch\u00e4ftsmodelle, die auf den privaten Sektor abgestimmt sind. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Zwischen den Zeilen lese ich pers\u00f6nlich: Cloud first, Microsoft Azure, Windows 10, Office 365 oder gar Microsoft 365 als Service zur Bereitstellung von Hard- und Software. Das geht ins Geld und greift auch in die Forschungsfreiheit ein. <\/p>\n<\/blockquote>\n<h2>Explodierende (Microsoft) Lizenzkosten<\/h2>\n<p>Angesichts des kollaborativen Charakters des CERN und seiner breiten Community ist eine hohe Anzahl von Lizenzen erforderlich, um Dienstleistungen f\u00fcr alle bereitzustellen. Werden in diesem Umfeld traditionelle Gesch\u00e4ftsmodelle auf der Basis pro Benutzer angewendet, k\u00f6nnen die Kosten pro Produkt enorm sein und langfristig unerschwinglich werden.<\/p>\n<p>Ein Paradebeispiel daf\u00fcr ist, dass das CERN seit 20 Jahren aufgrund seines Status als \"akademische Institution\" besondere Bedingungen f\u00fcr die Nutzung von Microsoft-Produkten genie\u00dft. Vor kurzem hat Microsoft jedoch beschlossen, den akademischen Status des CERN aufzuheben. Eine Ma\u00dfnahme, die am Ende des vorherigen Vertrags im M\u00e4rz 2019 in Kraft getreten ist und durch einen neuen Vertrag auf der Grundlage von Benutzerzahlen ersetzt wurde.<\/p>\n<p>Durch diese Umstellung haben sich die Lizenzkosten um mehr als den Faktor zehn erh\u00f6ht. Obwohl das CERN \u00fcber einen Zeitraum von zehn Jahren ein Ramp-up-Profil ausgehandelt hat, um die notwendige Zeit f\u00fcr die Anpassung zu erhalten, sind diese Kosten nicht nachhaltig. Vor diesem Hintergrund hat die IT-Abteilung vor einem Jahr das Microsoft Alternatives Projekt MAlt ins Leben gerufen.<\/p>\n<h2>Das Ziel von MAlt<\/h2>\n<p>Das erste Ziel war es, die Migration von kommerziellen Softwareprodukten (Microsoft und andere) zu Open-Source-L\u00f6sungen zu untersuchen. Der Wunsch war, die Exposition des CERN gegen\u00fcber den Risiken nicht nachhaltiger kommerzieller Bedingungen zu minimieren. Damit nimmt das Labor (CERN-Forschungseinrichtung) eine Vorreiterrolle unter den \u00f6ffentlichen Forschungseinrichtungen ein, von denen die meisten in j\u00fcngster Zeit vor dem gleichen Dilemma stehen. <\/p>\n<p>MAlt ist eine mehrj\u00e4hrige Initiative und tritt nun mit den ersten Migrationen in eine neue Phase ein. Die Grunds\u00e4tze des Engagements des Projekts lauten wie folgt:<\/p>\n<ul>\n<li>Den gleichen Dienst f\u00fcr jede Kategorie des CERN-Personal anbieten<\/li>\n<li>Die Bindung an einen Lieferanten vermeiden, um Risiken und Abh\u00e4ngigkeiten zu verringern<\/li>\n<li>Die Daten in den eigenen H\u00e4nden (sprich im CERN) halten<\/li>\n<li>Adressierung der g\u00e4ngigen Anwendungsf\u00e4lle<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insbesondere das Vermeiden der Bindung an einen Lieferanten und die Daten in H\u00e4nden behalten l\u00e4uft fundamental dem entgegen, was Microsoft als Strategie verfolgt. <\/p>\n<p>Im Jahr 2019 wird die erste gro\u00dfe Ver\u00e4nderung ein Pilot-Mail-Service f\u00fcr die IT-Abteilung und Freiwillige sein. Daran schlie\u00dft sich der Beginn der CERN-weiten Migration an. Parallel dazu werden einige Skype for Business-Anschl\u00fcsse und analoge Telefone auf einen Softphone-Telefonie-Pilot umgestellt.<\/p>\n<p>An vielen weiteren Produkten und Dienstleistungen wird gearbeitet: Im Laufe der n\u00e4chsten Jahre werden Evaluationen von alternativen L\u00f6sungen f\u00fcr verschiedene Softwarepakete f\u00fcr IT-Kerndienstleistungen, Prototypen und Piloten entstehen. Den Projektfortschritt wird man im <a href=\"https:\/\/home.cern\/news\/announcement\/computing\/new-blog-get-updates-your-computing-environment\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CERN-Blog<\/a> verfolgen k\u00f6nnen. <\/p>\n<h2>Paradigmenwechsel \u2013 ich dr\u00fccke die Daumen<\/h2>\n<p>Als ich diese Zeilen vor einigen Tagen gelesen habe, klingelte es in meinen Ohren. Alles, was hier im Blog schon mal thematisiert wurde, kommt da wohl in den \u00dcberlegungen vor. Nix mehr Microsoft, sondern schrittweise R\u00fcckbesinnung, was Forschungseinrichtungen fr\u00fcher schon mal gro\u00df gemacht hat? <\/p>\n<p>Als ich als junger Ingenieur am Kernforschungszentrum J\u00fclich meine Diplom-Arbeit zusammen gestoppelt habe, gab es kein Microsoft (gut, derzeit hat Bill Gates seine BASIC-Implementierungen zusammen gestoppelt, und das auf DEC-Rechnern, die ich auch in der KFA-J\u00fclich im Forschungsprojekt zur Verf\u00fcgung hatte). <\/p>\n<p>Heute hat man nur noch Windows Monokultur, und das ist nicht gut. Mir ging gerade 'der Tropfen, der das Fass zum \u00dcberlaufen bringt' durch den Hinterkopf. Bleibt den Leuten am CERN die Daumen zu dr\u00fccken \u2013 ich denke, es wird klappen. Und wenn bei diesem Thema grunds\u00e4tzlich was ans Rutschen kommt, w\u00e4re das nicht schlecht. Oder wie seht ihr das so?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine interessante Entwicklung, die sich gerade bei der Forschungseinrichtungen CERN abzeichnet. Die haben das 'Microsoft Alternatives project' (MAlt) aufgelegt, in den kommenden Jahren auf Open Source Software (OSS)zu wechseln. 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