{"id":223290,"date":"2019-10-07T12:21:28","date_gmt":"2019-10-07T10:21:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=223290"},"modified":"2022-09-23T10:13:41","modified_gmt":"2022-09-23T08:13:41","slug":"neues-zu-fallen-bei-office-lizenzen-bei-edeka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/10\/07\/neues-zu-fallen-bei-office-lizenzen-bei-edeka\/","title":{"rendered":"Neues zu Fallen bei (Office-)Lizenzen bei Edeka &ndash; Teil 8"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline; border-width: 0px;\" title=\"Recht\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Para.jpg\" alt=\"Paragraph\" width=\"91\" height=\"88\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Kleine Erg\u00e4nzung zu meiner Artikelreihe zum Thema 'Fallen beim Online-Softwarekauf'. Auch die Reaktion von heise hat jetzt einen Artikel ver\u00f6ffentlicht, der sich konkret mit lizengo und dem Verkauf von Software-Lizenzen \u00fcber Edeka befasst. Hier ein kurzer Abriss des Ganzen und einige Hinweise, wie ich das Ganze sehe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/968a46c272bd415b8e97b6d4a3067d97\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Es ist ein immerw\u00e4hrendes Thema, welche seit Monaten k\u00f6chelt. Heise hatte das vor einiger Zeit in der c't aufgegriffen \u2013 die Onlinefassung ist <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/ct\/artikel\/Verdaechtig-billige-Lizenzen-fuer-Windows-und-MS-Office-bei-Edeka-4483497.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">hier einsehbar<\/a>. In meiner Artikelreihe (siehe Links am Ende des Beitrags) hatte ich das etwas breiter thematisiert, scheine aber ungewollt noch etwas 'Brandbeschleuniger' auf die ganze Sache gegossen zu haben. Denn selbst die BILD-Zeitung hat es aufgegriffen (<a href=\"https:\/\/www.bild.de\/bild-plus\/digital\/computer\/computer\/sind-billig-lizenzen-fuer-windows-und-office-legal-62858670,view=conversionToLogin.bild.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Artikel<\/a> hinter einer Paywall, ich kenne den Inhalt daher nicht). Nun gibt es neue Informationen zum 'Edeka-lizengo Software-Verkauf'.<\/p>\n<h2>G\u00fcnstige Angebote f\u00fcr Office und Windows bei Edeka<\/h2>\n<p>Kurzer Schlenker, um was es geht: Produktschl\u00fcssel f\u00fcr Microsofts Office und Windows werden von diversen Online-H\u00e4ndlern teilweise f\u00fcr sehr wenig Geld angeboten. Den K\u00e4ufern wird suggeriert, dass es sich um Produkt\u00fcberh\u00e4nge handelt, die Firmen gekauft haben, aber nicht mehr ben\u00f6tigen. Nach 'geltender Rechtslage' d\u00fcrfen H\u00e4ndler die Lizenzen dann an Dritte weiterverkaufen \u2013 so die Argumentation. Auf dieser Basis ist der Lebensmittelh\u00e4ndler Edeka eine Kooperation mit dem Anbieter lizengo eingegangen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Softwarekauf bei Edeka\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/HG47tCD.jpg\" alt=\"Softwarekauf bei Edeka\" \/><\/p>\n<p>Man kauft eine Gutscheinkarte bei Edeka und kann dann \u00fcber den Gutscheincode den zugeh\u00f6rigen Lizenzschl\u00fcssel bei lizengo einl\u00f6sen. L\u00e4sst sich das Produkt nicht aktivieren, ist nicht Edeka, sondern lizengo der Vertragspartner. Dort soll man 'problemlos' einen neuen Produktschl\u00fcssel erhalten. Ich bin im Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/08\/06\/edeka-lizengo-und-die-verkauften-microsoft-lizenzen-teil-1\/\">Edeka, lizengo und die verkauften Microsoft-Lizenzen<\/a> \u2013 Teil 1 n\u00e4her auf dieses Konstrukt eingegangen.<\/p>\n<h2>Heise greift das Thema auf<\/h2>\n<p>Von heise war mir aus dem oben verlinkten Artikel bekannt, dass die Redaktion die Leser aufforderte, einen Hash-Wert des bei Edeka gekauften Lizenzkeys einzusenden. Man wollte pr\u00fcfen, welcher Art von Lizenzkeys da verkauft werden und ob es eventuell Volumenlizenzkeys sind, die an Privatanwender abgegeben werden.<\/p>\n<p>Auch w\u00e4re es interessant, ein belastbares Statement von Microsoft zu bekommen. In meinem letzten Artikel <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=223188\">Fallen beim Online-Softwarekauf: Neue Erkenntnisse<\/a> Teil 7 hatte ich erw\u00e4hnt, dass auch die Kollegen der heise-Redaktion am Thema dran seien und 'bald' eine Kl\u00e4rung von Microsoft erwarten. F\u00fcr mich war es daher ganz spannend, wie die Kollegen in der heise-Redaktion das Thema Office-Key-Verkauf bei Edeka und Einl\u00f6sung bei lizengo aufbereiten.<\/p>\n<h3>Neuer Artikel von heise \u2013 neue Erkenntnisse?<\/h3>\n<p>Der Artikel <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/ct\/artikel\/Microsoft-Schnaeppchen-aus-dem-Supermarkt-4537883.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Microsoft-Schn\u00e4ppchen aus dem Supermarkt<\/a> der heise-Redaktion ist nun online gegangen. Nachfolgend versuche ich mal zwei Kernpunkte herauszuziehen.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Produktschl\u00fcssel erm\u00f6glichen die Software zu aktivieren \u2013 aber Microsoft vermeidet eine klare Aussage, ob die eine Lizenz erworben wurde (die betreffenden Dokumente k\u00f6nnt ihr in meinem Artikel <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/08\/09\/fallen-beim-online-softwarekauf-teil-4\/\">Fallen beim Online-Softwarekauf: Die Lizenzfrage<\/a>\u00a0 \u2013 Teil 4 nachlesen). Dort wird explizit in dokumentierten F\u00e4llen die Frage, ob eine Lizenz vorl\u00e4ge, verneint.<\/li>\n<li>\u00dcber die heise von Lesern zugesandten Hash-Werte von Produktkeys (ca. 300 Hash-Werte, davon 100 von Office) ergab sich, dass einige Doubletten dabei waren. Ein von Heise erw\u00e4hntes Tool <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220426025645\/https:\/\/www.softpedia.com\/get\/System\/System-Info\/PID-Key-Checker.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">Microsoft PIDKey-Checker<\/a> legte offen, dass es Multiple Activation Keys (MAKs) aus Volumenlizenzvertr\u00e4gen sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der letztgenannte Punkt birgt das Risiko, dass durch Mehrfachaktivierungen ein Schl\u00fcssel das Limit erreicht und das Produkt irgendwann nicht mehr aktiviert werden kann. F\u00fcr diesen Fall 'versprechen' die Verk\u00e4ufer die Herausgabe eines Schl\u00fcssels, um das Produkt erneut zu aktivieren.<\/p>\n<ul>\n<li>Heise schreibt dazu, dass man nun auf den H\u00e4ndler angewiesen sei, falls ein Produktkey wegen zu h\u00e4ufiger Aktivierungen gesperrt werde. Der K\u00e4ufer schaut in die R\u00f6hre, wenn ein H\u00e4ndler dann nicht mehr existiert.<\/li>\n<li>Heise zitiert den Online-H\u00e4ndler LizenzDirekt, der nur mit Unternehmenskunden arbeitet: 'Ma\u00dfgebend ist, dass wir f\u00fcr jede einzelne Lizenz, die wir verkaufen, nachweisen k\u00f6nnen, dass wir sie legal beschafft und gehandelt haben.' Der H\u00e4ndler verbucht, laut heise, jede einzelne Lizenz individuell und revisionssicher, auch wenn sie aus einem riesigen B\u00fcndel stammt.<\/li>\n<li>Lizengo verwaltet nach eigener Aussage jede Lizenz individuell in einem spezialisierten Warenwirtschaftssystem. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von lizengo versicherte heise schriftlich, Lizengo w\u00fcrde jedem Kunden nicht funktionierende oder nachtr\u00e4glich blockierte Aktivierungsschl\u00fcssel im Rahmen der gekauften Lizenzen ohne zeitliche Beschr\u00e4nkung kostenlos ersetzen. Das Dokument k\u00f6nnt ihr in <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/08\/09\/fallen-beim-online-softwarekauf-teil-4\/\">Fallen beim Online-Softwarekauf: Die Lizenzfrage<\/a>\u00a0 \u2013 Teil 4 einsehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gehe ich den Artikel von heise durch, findet sich die Aussage 'Diese Garantie ist vor allem f\u00fcr Privatnutzer von Bedeutung.' hei\u00dft nichts anderes als 'wird ein Kunde gesperrt, hat er mit hoher Wahrscheinlichkeit die M\u00f6glichkeit, den n\u00e4chsten funktionierenden Key zu bekommen'. Allerdings stellt sich f\u00fcr mich schon die Frage, welch brennende Notwendigkeit ein Privatkunde hat, ein Office 2019 Professional Plus zu kaufen. Ich denke, 99% der Nutzer k\u00e4men mit Softmaker Office Free oder LibreOffice weiter, ohne sich auf das Lizenz-Karussel setzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was ich nicht wirklich juristisch greifen kann, ist die nachfolgend zitierte Aussage aus dem heise-Artikel:<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr Unternehmenskunden, die mit Lizengo einen Volumenlizenzvertrag abschlie\u00dfen, besteht ohnehin kein Risiko, dass sie dar\u00fcber in Beweisnot kommen k\u00f6nnten. Wenn die Warenwirtschaft des H\u00e4ndlers fehlerfrei funktioniert, sollte der Herkunftsnachweis gelingen. Lizengo besteht seit 2013 am Markt und weist f\u00fcr das Jahr 2017 (mit damals rund 40 Mitarbeitern) einen Umsatz von ann\u00e4hernd 7 Millionen Euro aus.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Fragen, die sich mir stellen: Mir ist noch kein solcher 'Volumenlizenzvertrag' von lizengo mit Unternehmen unter die Augen gekommen. Die Argumentation, dass lizengo seit 2013 am Markt besteht, habe ich auch schon mal hier im Blog (in gesponsorten Posts) benutzt. Inzwischen bin ich mit meinem Wissen aber etwas weiter. Als jemand, der von Microsoft einem Audit unterzogen wird, muss ich nachweisen, dass ich eine g\u00fcltige Lizenz erworben habe. Auf irgend ein nebul\u00f6ses Warenwirtschaftssystem zu spekulieren, was den Herkunftsnachweis liefern soll, ist, gelinde ausgedr\u00fcckt, 'blau\u00e4ugig'.<\/p>\n<p>Spannende Frage: Was nutzt mir am Ende des Tages die Aussage 'Wenn die Warenwirtschaft des H\u00e4ndlers fehlerfrei funktioniert, sollte der Herkunftsnachweis gelingen.'? Insolvenzsicher ist das Ganze schon mal nicht \u2013 ob es auditsicher ist, werden die Leute im Fall der F\u00e4lle herausfinden. Der wesentlich bessere Ansatz w\u00e4re, dass der Verk\u00e4ufer dem K\u00e4ufer des Produkts die Dokumente zum Nachweis der Ersch\u00f6pfung zur Archivierung rechtssicher bereitstellt. Auf das Thema bin ich in Teil 3 und 4 der Artikelreihe ja schon mal eingegangen.<\/p>\n<h3>Dienstleister sind die gekniffenen<\/h3>\n<p>Und noch etwas bleibt bei heise unerw\u00e4hnt, was hier in den Kommentaren auf's Tablet kam. Kunden, die bei lizengo ein Office Home &amp; Business kaufen wollten, bekamen pl\u00f6tzlich ein Angebot f\u00fcr ein Office 2016\/2019 Professional Plus als Ersatzlieferung, weil das gew\u00fcnschte Produkt nicht lieferbar sei. Als Hintergrund erscheint mir, dass bei Office 2016\/2019 Professional Plus Volumenlizenzkeys herausgegeben werden k\u00f6nnen, die der H\u00e4ndler beliebig aufteilen und verkaufen darf.<\/p>\n<p>Speziell Dienstleister, die f\u00fcr Kunden (Privatleute oder kleine Firmen) ein Office Home &amp; Business erwerben wollten, sind dann gekniffen. Denn sie wollten dem Kunden eine Box-Version des betreffenden Produkts kaufen, bekamen von den Online-H\u00e4ndlern wie lizengo dann aber einen Volumenlizenzkey mit einer Rechnung. Geht beim Kunden etwas schief, h\u00e4ngt der Dienstleister mit drin und macht sich schadensersatzpflichtig (vom Renommee mal abgesehen). R\u00fcckmeldungen aus diesem Kreis der Dienstleister ergaben, dass diese aus rechtlichen Erw\u00e4gungen i.d.R. Abstand vom Kauf genommen habe \u2013n eine in meinen Augen kluge Entscheidung.<\/p>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/ct\/artikel\/Microsoft-Schnaeppchen-aus-dem-Supermarkt-4537883.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> weist die heise-Redaktion denn auch im Abschnitt 'Fast alles koscher' darauf hin, dass der Firmenadmin f\u00fcr die Verpflichtungen gegen\u00fcber Microsoft aus Volumenlizenzvertr\u00e4gen einstehen muss. Bem\u00e4ngelt wird lediglich, dass Endbenutzer bei bestimmten Konstellationen keine EULA mehr anerkennen m\u00fcssten. Hier ist aber unklar, ob das \u00fcberhaupt eine rechtliche Folge hat. Der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20200814005134\/https:\/\/www.it-recht-kanzlei.de\/eula-software-vertrieb.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel einer Rechtsanw\u00e4ltin hier<\/a> tr\u00e4gt auch nicht gerade zur Aufkl\u00e4rung bei.<\/p>\n<p>In einem Kommentar weist der heise-Redakteur Dr. Peter Sch\u00fcler darauf hin, dass 'im gewerblichen Bereich zudem erhebliche Kosten drohen, wenn man etwa durch einen herbeigerufenen Auditor eines Lizenzmissbrauchs f\u00fcr schuldig befunden wird'. Im Kommentar kritisiert Sch\u00fcler dann Microsoft, dass das Unternehmen keine Klarheit schafft und man legale nicht von illegalen Angeboten unterscheiden k\u00f6nne. Die Schelte von Microsoft kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Microsoft sind juristisch zwar die H\u00e4nde gebunden, was den Weiterverkauf der Lizenzschl\u00fcssel betrifft. Aber warum sollte das Unternehmen sich hier positionieren, wenn es um die Anerkennung von Lizenzen geht? Die ergangenen Urteile besagen, dass der K\u00e4ufer nachweisen muss, dass die Ersch\u00f6pfung eingetreten ist. In diesem Fall besitzt er die Lizenz, die vom Vorbesitzer \u00fcbergegangen ist. Hier kann Microsoft keinen Persilschein ausstellen, sondern wird sich auf eine Einzelfallentscheidung zur\u00fcckziehen (m\u00fcssen).<\/p>\n<h2>Fazit von meiner Seite<\/h2>\n<p>Nach der Lekt\u00fcre des heise-Beitrags d\u00fcrfte der Leser genauso schlau wie vorher sein. Ob man durch den Kauf eines Lizenzkeys eine g\u00fcltige Lizenz erwirbt, wird im heise-Beitrag \u00fcberhaupt nicht beleuchtet. <strong>Erg\u00e4nzung:<\/strong> Es sieht auch so aus, als ob der Beitrag vom Titel nachtr\u00e4glich ge\u00e4ndert wurde (Martin Geu\u00df hat es <a href=\"https:\/\/www.drwindows.de\/news\/billige-microsoft-lizenzen-im-einzelhandel-aufklaerung-fehlgeschlagen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier aufgegriffen<\/a>).<\/p>\n<p>Was mich pers\u00f6nlich auch st\u00f6rt: Es ist h\u00e4ufig von Lizenzkeys die Rede, in den Passagen, wo es dediziert um Lizenzen geht, l\u00e4sst die Redaktion in meinen Augen die notwendige Klarheit vermissen \u2013 oder vermischt Lizenzen und Lizenzkeys im Text. Erstes Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>Unsere erste Anfrage per E-Mail an den PID-Service bescherte uns keine Antwort. Im zweiten Anlauf schickten wir alle Rechnungen und Kassenbons als Papierkopien, eine eidesstattliche Echtheitserkl\u00e4rung und die Original-Lizengo-Cards (in Wirklichkeit ja nur zwei Pappmanschetten) per Einschreiben an den PID-Service. Microsoft teilte uns daraufhin mit, es habe die PR-Agentur CreaKom mit den Nachforschungen beauftragt, und diese erl\u00e4uterte uns nach sechs Wochen in einem achtseitigen Standardschreiben alt bekannte Gerichtsurteile \u00fcber den stillschweigend unterstellten Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen. Dass es in unserem Fall jedoch um den Verkauf ungebrauchter Neulizenzen mit ganz anderen Rechtsgrundlagen geht, ist den Pr\u00fcfern offenbar entgangen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Woher wei\u00df heise, dass es ungebrauchte Neulizenzen sind, bei denen andere Rechtsgrundlagen gelten? Diese Konstruktion kann es in meinen Augen nur beim Verkauf von Lizenzen geben, die von Partnern im Auftrag von Microsoft verkauft werden. Dann gelten aber die von Microsoft auferlegten Restriktionen (z.B. kein Verkauf von Volumenlizenzen an Endkunden).<\/p>\n<p>Wenn H\u00e4ndler wie lizengo aber ungebrauchte Keys von Firmen erwerben und dann weiter verkaufen, fallen die \u2013 nach allem, was ich bisher so gelesen habe &#8211; in die Rubrik 'Gebrauchtsoftware' und m\u00fcssen dem Ersch\u00f6pfungsgrundsatz gen\u00fcgen. Erst wenn die Ersch\u00f6pfung (vom K\u00e4ufer) nachgewiesen wird und die rechtlich geltenden Einschr\u00e4nkung erf\u00fcllt sind, w\u00e4re mit dem Key auch die Lizenz auf den K\u00e4ufer \u00fcbergegangen. Aber ich k\u00f6nnte mich irren und die Juristen unter meinen Lesern korrigieren das.<\/p>\n<p>Zum weiteren: Alle Dokumente, die mir aus anderen Quellen vorliegen, belegen ausschlie\u00dflich den Handel mit Lizenzkeys \u2013 ob da eine Lizenz durch den Kauf des Keys auf den K\u00e4ufer \u00fcbertragen wird, ist umstritten. Der Verk\u00e4ufer suggeriert 'Ja', Dokumente von Microsoft, die mir f\u00fcr Einzelfallpr\u00fcfungen vorliegen, sagen deutlich 'Nein'.\u00a0 Wenn heise dann schreibt:<\/p>\n<blockquote><p>Im Gro\u00dfen und Ganzen sind die \u00fcber Edeka vermarkteten Lizenzen nach unserem Verst\u00e4ndnis nicht zu beanstanden.<\/p><\/blockquote>\n<p>ist das Ganze eine Nullnummer! Edeka handelt nicht mit Lizenzen, sondern die verkaufen schlicht einen Gutschein. Dieser berechtigt den K\u00e4ufer bei lizengo einen Produktkey zu beziehen. Auch lizengo macht nichts illegales &#8211; also ist 'nichts zu beanstanden' &#8211; da ist die Aussage von heise aus juristischer Sicht bez\u00fcglich der Frage 'ist das illegal' v\u00f6llig korrekt.<\/p>\n<p>Aber das ist nicht der Punkt &#8211; sondern es gilt die Frage: Habe ich das gekauft, was ich meine &#8211; n\u00e4mlich eine Lizenz. Der Begriff Lizenz kommt aber in dieser Verkaufskette schlicht nicht vor (achtet auf die Produktbeschreibung der Verk\u00e4ufer). Das wird im heise-Artikel nicht klar.<\/p>\n<p>Ich habe daher mal per Suche im heise-Artikel nach dem Begriff 'Lizenz' suchen lassen. Der Begriff wird an den meisten Stellen unsauber verwendet, bzw. man macht sich die Argumentation der Lizenzkey-Verk\u00e4ufer zu eigen. Die schreiben zwar allgemein von Lizenzen, aber verkauft wird eben nur ein Lizenzkey (was in den Produktbeschreibungen auch klar wird). Hier h\u00e4tte ich mir von heise eine sprachlich saubere Aussage mit juristischer Einsch\u00e4tzung gew\u00fcnscht, was wirklich in Bezug auf Lizenzen gilt.<\/p>\n<blockquote><p>Weil es vielen Leute nicht klar ist, welchen Unterschied es macht, ein Beispiel aus einem anderen Bereich. Seit dem 15. Juli 2019 sind in Deutschland Elektro-Tretroller durch die Elektrokleistfahrzeugeverordnung legalisiert. Nun kann ich eScooter bei verschiedenen Anbietern kaufen. Voraussetzung zum Betrieb im \u00f6ffentlichen Raum ist aber, dass eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) vorliegt und das Teil versichert ist. Viele Online-H\u00e4ndler und einige M\u00e4rkte verkaufen eScooter ohne ABE des KBA. Im g\u00fcnstigsten Fall weisen die im Kleingedruckten hin, dass keine allgemeine Stra\u00dfenzulassung besteht. Ergebnis f\u00fcr den K\u00e4ufer: Der hat zwar ganz legal einen eScooter gekauft, darf diesen wegen der fehlenden ABE aber nicht im \u00f6ffentlichen Raum nutzen und kann das Teil auch nicht versichern. Der Kauf des eScooters ohne Stra\u00dfenzulassung ist nicht illegal (entspr\u00e4che dem Produktkey), dessen Benutzung im \u00f6ffentlichen Raum ist aber unzul\u00e4ssig (was der Benutzung einer Software ohne Lizenz entspricht).<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Hoffnung, dass Microsoft gegen\u00fcber heise klare Aussagen trifft, hat sich jedenfalls nicht erf\u00fcllt \u2013 denn heise liegen nach meiner Einsch\u00e4tzung die gleichen Dokumente vor, die ich in der nachfolgenden Artikelreihe ver\u00f6ffentlicht habe. Und die Aussagen geben auch nur das wieder, was ich in den nachfolgenden Artikeln aufgedr\u00f6selt habe. <strong>Erg\u00e4nzung:<\/strong> Interessant ist, dass <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/forum\/c-t\/Kommentare-zu-c-t-Artikeln\/Microsoft-Schnaeppchen-aus-dem-Supermarkt\/Artikel-ist-in-vielen-Teilen-leider-unvollstaendig\/thread-6141341\/#posting_35371702\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Kommentar<\/a> zum heise-Artikel genau die gleiche Position reflektiert, die ich in meinen Artikeln aufbereitet habe. Inzwischen bin ich auch auf diesen CRN-Artikel zum Thema aufmerksam gemacht worden &#8211; das ist ebenfalls eine Artikelreihe mit \u00e4hnliche Insights.<\/p>\n<p>Noch was interessantes: Mir wurde ja von diversen Lesern vorgehalten, dass meine Artikel zu lang seien und die Kernaussage auf einen Satz reduziert werden sollte. Bei heise finde ich im Grunde die gleiche Situation vor \u2013 langer Text, aber die Aussage bleibt nebul\u00f6s oder ist imho rechtlich nicht haltbar &#8211; scheint wohl am Thema zu liegen.<\/p>\n<p>Die Kernaussage aus 'viel Text' l\u00e4sst sich folgenderma\u00dfen zusammenfassen: Der Handel mit Lizenzkeys ist wohl nicht illegal, ob man aber als K\u00e4ufer eine legale Lizenz mit dem Key erwirbt, bleibt weiter offen und d\u00fcrfte in den meisten F\u00e4llen mit Nein beantwortet werden. Trotz viel Text bei heise bleibt das Ganze eine Grauzone, die m\u00f6glicherweise von Microsoft geduldet wird. Auf der rechtlich sicheren Seite ist der Dienstleister, der so etwas f\u00fcr Kunden kauft, oder der jeweilige Endkunde jedenfalls (nach meiner Einsch\u00e4tzung) nicht. Aber es gibt ja auch Leute, die Lotterie spielen oder sich mit H\u00fctchenspielern einlassen, in der Hoffnung, zu gewinnen.<\/p>\n<p><strong>Erg\u00e4nzung:<\/strong> Diversen Medienberichten nach hat Edeka den Verkauf der Gutscheinkarten von lizengo im Oktober 2019 eingestellt.<\/p>\n<p><strong>Erg\u00e4nzung 2 (Dez. 2020):<\/strong> Ich bin nun noch auf ein Urteil des\u00a0<span id=\"Urteil_des_OLG_D\u00fcsseldorf_vom_12.07.2016\" class=\"mw-headline\">OLG D\u00fcsseldorf vom 12.07.2016 (20 U 117\/15) gesto\u00dfen. Es ging um eine Meinungs\u00e4u\u00dferung \"Vorsicht beim Kauf von Aufgespaltenen Volumenlizenzen\" des Lizenzberaters U-S-C , die nach Auffassung des Gerichts rechtens sei. Dabei verwies das OLG darauf: 'Die \u201eMicrosoft-Volumen-Lizenz\" ist jedenfalls dann, wenn sie auf einem Server zur gemeinsamen Nutzung durch alle Lizenzberechtigten installiert wird, nicht ohne Weiteres mit der sog. \u201eVolumen-Lizenz\" bestehend aus einem B\u00fcndel von Einzelplatzlizenzen, wie sie den vom Bundesgerichtshof und Oberlandesgericht Frankfurt entscheidenden F\u00e4llen betreffend eine Adobe-Software zugrunde lag, gleichzusetzen.' <\/span><\/p>\n<p><span id=\"Urteil_des_OLG_D\u00fcsseldorf_vom_12.07.2016\" class=\"mw-headline\">Eine Kommentierung dieses Urteils mit den Winkelchen und Gassen findet sich im Artikel '<a href=\"https:\/\/www.cloudmagazin.com\/2016\/09\/19\/das-sollten-cios-wissen-olg-entscheidet-ueber-volumenlizenzen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Das sollten CIOs wissen: OLG entscheidet \u00fcber Volumenlizenzen<\/a>'.\u00a0 Das Fazit dort: Man sollte sich auf einen Experten als Lizenzberater in dieser Frage verlassen. Ist f\u00fcr Firmen essentiell, f\u00fcr Privatnutzer aber kein gangbarer Weg.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Artikelreihe:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/08\/06\/edeka-lizengo-und-die-verkauften-microsoft-lizenzen-teil-1\/\">Edeka, lizengo und die verkauften Microsoft-Lizenzen<\/a> \u2013 Teil 1<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=221356\">Fallen beim Online-Softwarekauf<\/a> \u2013 Teil 2<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=221369\">Fallen beim Online-Softwarekauf: Lizenzh\u00fcrden<\/a> \u2013 Teil 3<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/08\/09\/fallen-beim-online-softwarekauf-teil-4\/\">Fallen beim Online-Softwarekauf: Die Lizenzfrage<\/a>\u00a0 \u2013 Teil 4<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=222860\">Falle: Billige Software-Lizenzen \u2013 neue Erkenntnisse<\/a> \u2013 Teil 5<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/09\/27\/inkassoforderung-nach-kauf-am-amazon-marketplace-teil-6\/\">Falle: Inkassoforderung nach Kauf von Gebrauchtsoftware im Amazon Marketplace<\/a>\u00a0 \u2013 Teil 6<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=223188\">Fallen beim Online-Softwarekauf: Neue Erkenntnisse<\/a> &#8211; Teil 7<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/10\/07\/neues-zu-fallen-bei-office-lizenzen-bei-edeka\/\">Neues zu Fallen bei (Office-)Lizenzen bei Edeka<\/a> \u2013 Teil 8<br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/10\/17\/microsoft-klagt-gegen-lizengo-wegen-billig-lizenzen-teil-9\/\">Microsoft klagt gegen lizengo wegen 'Billig-Lizenzen'<\/a>\u00a0\u2013 Teil 9<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/11\/04\/gebrauchtsoftware-volumenlizenzen-auch-fr-privatnutzer\/\">Gebrauchtsoftware: Volumenlizenzen auch f\u00fcr Privatnutzer?<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/05\/31\/lizengo-office-online-kaufen\/\">lizengo: Office online kaufen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/12\/09\/lizengo-kauf-und-verwaltung-von-softwarelizenzen-fr-firmen\/\">lizengo: Kauf und Verwaltung von Softwarelizenzen f\u00fcr Firmen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleine Erg\u00e4nzung zu meiner Artikelreihe zum Thema 'Fallen beim Online-Softwarekauf'. Auch die Reaktion von heise hat jetzt einen Artikel ver\u00f6ffentlicht, der sich konkret mit lizengo und dem Verkauf von Software-Lizenzen \u00fcber Edeka befasst. Hier ein kurzer Abriss des Ganzen und &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/10\/07\/neues-zu-fallen-bei-office-lizenzen-bei-edeka\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[270,301],"tags":[5594,4322,3288],"class_list":["post-223290","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-office","category-windows","tag-lizenzen","tag-office","tag-windows-en"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=223290"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223290\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=223290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=223290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=223290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}