{"id":232372,"date":"2020-06-07T00:02:00","date_gmt":"2020-06-06T22:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=232372"},"modified":"2020-06-05T17:12:41","modified_gmt":"2020-06-05T15:12:41","slug":"lese-app-fr-legastheniker-im-erwachsenenalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/06\/07\/lese-app-fr-legastheniker-im-erwachsenenalter\/","title":{"rendered":"Lese-App f&uuml;r Legastheniker im Erwachsenenalter"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00e4tzungen gehen von mehreren Millionen Erwachsenen in Deutschland, die nicht oder kaum lesen und schreiben k\u00f6nnen. Eine Lese-\/Rechtschreibschw\u00e4che (Legasthenie) f\u00fchrt oft zu Benachteiligungen. Eine App kann helfen, Erwachsene in diesem Bereich zu unterst\u00fctzen. Eine Design-Studentin hat jetzt in einer Masterarbeit erste Schritte zur Umsetzung unternommen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich stelle die Information mal hier in den Blog ein, da ich die Problematik von der F\u00f6rderung meiner Kinder in diesem Bereich kenne. Auch die Designstudentin Leonie Sch\u00e4ffer hatte sich im ersten Mastersemester an der FH M\u00fcnster in einem Grafikprojekt mit diesem Thema besch\u00e4ftigt \u2013 und es hat sie nicht mehr losgelassen: F\u00fcr ihre Abschlussarbeit entwickelte sie \u201efluuit\", ein App-Konzept f\u00fcr Erwachsene mit Legasthenie.<\/p>\n<p>\u201eUm Kinder und Jugendliche k\u00fcmmern sich Schulen und Fachkr\u00e4fte \u2013 Erwachsene sind oft nicht mehr in F\u00f6rderprogrammen verankert\", begr\u00fcndet Sch\u00e4ffer, warum sie dieses Thema so wichtig findet. Wie sich Betroffene f\u00fchlen und was sie sich w\u00fcnschen, daf\u00fcr hat Sch\u00e4ffer vier Gespr\u00e4chspartner im Alter von 26 bis 56 interviewt. Sie waren sich einig: Lange Texte erm\u00fcden und entmutigen, es fehlen Erfolgserlebnisse und Feedbacks. <\/p>\n<p>\u201eIch m\u00f6chte Betroffene motivieren zu lesen und habe \u00fcberlegt, wie das gut funktionieren kann: Ein Handy haben sie immer dabei, eine App ist leicht zu installieren. Bisher gibt es viele Vorlese-Apps, aber kaum Angebote, die Erwachsene ad\u00e4quat im Lesen unterst\u00fctzen.\", so Sch\u00e4ffer.  <\/p>\n<h2>Noch keine fertige App<\/h2>\n<\/p>\n<p>Dies kann \u201efluuit\": Die Texte erf\u00fcllen die Kriterien f\u00fcr eine bessere Lesbarkeit. Denn die Regeln, die hinsichtlich Schriftart und Schriftgrad f\u00fcr Lesemedien gelten \u2013 dazu hat sie im ersten Mastersemester viel recherchiert \u2013 funktionieren f\u00fcr eine legasthene Zielgruppe nur bedingt. W\u00e4hrend f\u00fcr Lese-Texte oft Serifenschriften wie die Times bevorzugt werden, bedarf eine legasthenie-freundliche Gestaltung einer serifenlosen Schrift, die aber trotzdem gro\u00dfe Unterschiede in den Buchstaben aufweist. Hei\u00dft beispielsweise, dass ein \u201ea\" ganz klar von einem \u201eo\" zu unterscheiden sein muss. Nachfolgend ist zu sehen, wie die App einen Text in eine legasthenie-freundliche Variante umsetzt.  <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"App fluuit\" alt=\"App fluuit\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/z6iD4Xj.jpg\"\/><br \/>(Anzeige der App fluuit) <\/p>\n<p>Sch\u00e4ffers App ist f\u00fcr drei Textsorten angelegt: f\u00fcr E-Books, Online-Artikel und Dokumente, womit die App beispielsweise auch f\u00fcr Studierende gut geeignet ist. Sie gibt den Nutzerinnen und Nutzern einen \u00dcberblick \u00fcber die Lese-Erfolge, und Zwischenfeedbacks feuern zum Weiterlesen an. Die Texte, die man sich hochl\u00e4dt, werden gestalterisch angepasst und erleichtern Legasthenikern so das Lesen.  <\/p>\n<p>\u201eIch habe die optimale Schriftart mit Hilfe eines Lesetests ermittelt, und es stellte sich heraus, dass die Object Sans am Schnellsten gelesen wurde. Der Bildschirm weist weniger Kontrast auf, die Textfarbe ist anthrazit, der Hintergrund pastellig. Bei l\u00e4ngeren Texten besteht durchg\u00e4ngig die Gelegenheit, das Augenpausensymbol anzutippen, und es gibt aufmunternde Feedbacks: \u201eDu hast die H\u00e4lfte geschafft!\", \u201eDu hast dein Ziel erreicht!\". <\/p>\n<p>Die Testpersonen seien begeistert gewesen, erz\u00e4hlt die 27-J\u00e4hrige, weil diese Methode die Distanz zum Lesen nimmt, den Spa\u00df f\u00f6rdert und dazu motiviert, die eigenen Rekorde zu brechen. \u201eOhne Motivation lesen sie nicht, sie m\u00fcssen es aber kontinuierlich, um Fortschritte machen zu k\u00f6nnen.\" Dass dies gut ankommt, hat die Absolventin auch bei der Abschlussausstellung \u201eParcours\" am Fachbereich Design der FH M\u00fcnster, der M\u00fcnster School of Design (MSD), erlebt: \u201eIch bin so oft angesprochen und gefragt worden, wann es die App geben wird.\" Die Oberfl\u00e4che steht, f\u00fcr eine Umsetzung fehlt aber vor allem noch die Programmierung. Daf\u00fcr ist die Absolventin momentan auf der Suche nach F\u00f6rderern. <\/p>\n<p><strong>Zum Thema: <\/strong>Gerade einmal ein Prozent aller Absolventinnen und Absolventen eines Jahrgangs erh\u00e4lt ihn: den <strong>Hochschulpreis<\/strong>. Jedes Jahr k\u00fcrt das Pr\u00e4sidium gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der FH M\u00fcnster e. V. (gdf) auf Vorschlag der Fachbereiche und der Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung die besten Abschlussarbeiten. Zu den Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4gern des Hochschulpreises 2020 f\u00fcr die besten Arbeiten aus 2019 geh\u00f6rt auch Leonie Sch\u00e4ffer, ihre Masterthesis haben Prof. R\u00fcdiger Quass von Deyen und Prof. Dr. Lars Christian Grabbe betreut. Eine vollst\u00e4ndige \u00dcbersicht aller gew\u00fcrdigten Absolventinnen und Absolventen ist im Jahresbericht 2019 ab Seite 46 abrufbar: fhms.eu\/jahresbericht-19. <strong><\/strong> <\/p>\n<p>Die <strong>Ausbildung am<\/strong> <strong>Fachbereich Design<\/strong> der FH M\u00fcnster, der M\u00fcnster School of Design (MSD), schlie\u00dft das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Neben dem Bachelorstudiengang Design bietet der Fachbereich den Masterstudiengang Design an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00e4tzungen gehen von mehreren Millionen Erwachsenen in Deutschland, die nicht oder kaum lesen und schreiben k\u00f6nnen. Eine Lese-\/Rechtschreibschw\u00e4che (Legasthenie) f\u00fchrt oft zu Benachteiligungen. Eine App kann helfen, Erwachsene in diesem Bereich zu unterst\u00fctzen. 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