{"id":236222,"date":"2020-10-02T00:40:05","date_gmt":"2020-10-01T22:40:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=236222"},"modified":"2020-12-09T19:19:12","modified_gmt":"2020-12-09T18:19:12","slug":"datenschutz-35-millionen-euro-strafe-fr-hm-wegen-mitarbeiterbespitzelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/10\/02\/datenschutz-35-millionen-euro-strafe-fr-hm-wegen-mitarbeiterbespitzelung\/","title":{"rendered":"Datenschutz: 35 Millionen Euro Strafe f&uuml;r H&amp;M wegen Mitarbeiterbespitzelung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" alt=\"\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20200810043127\/https:\/\/r53.imgup.net\/Euro6918.jpg\" align=\"left\"\/>Beim Geld h\u00f6rt die Freundschaft auf. Der Modekonzern Hennes &amp; Mauritz (H&amp;M) hat von Hamburgs Datenschutzbeauftragten einen Bu\u00dfgeldbescheid \u00fcber 35 Millionen Euro erhalten. Grund war eine im Februar 2020 bekannt gewordene Bespitzelungsaktion der Mitarbeiter durch die H&amp;M F\u00fchrungskr\u00e4fte. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Die H&amp;M-Datenaff\u00e4re um Mitarbeiterbespitzelung<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/cfeca9497d9a42b6960f1e2928ba6e3c\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Im Dezember 2019 hatte ich im Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/12\/19\/datenskandal-beim-modekonzern-hm-mitarbeiter-bespitzelt\/\">Datenskandal beim Modekonzern H&amp;M, Mitarbeiter bespitzelt<\/a> von einem Datenskandal beim Modekonzern H&amp;M (Hennes &amp; Mauritz) berichtet. In N\u00fcrnberg gibt es ein Kundenzentrum f\u00fcr Deutschland und \u00d6sterreich, wo ein Teil der H&amp;M-Belegschaft besch\u00e4ftigt ist. Manager haben wohl Daten \u00fcber die Mitarbeiter des Konzerns gesammelt und in 'privaten Ordnern der IT' gespeichert. Darunter sollen (laut HR-Radiobericht) teilweise sehr private Informationen gewesen sein: Welche Medikamente jemand nimmt, woran er erkrankt sei, wer mit wem in Urlaub f\u00e4hrt etc. Die Daten sollten nach dem HR-Bericht wohl bei privaten Gespr\u00e4chen (z.B. in der Kantine oder bei Unterhaltungen) ausgehorcht worden sein.<\/p>\n<h2>Bu\u00dfgeldbescheid \u00fcber 35 Millionen Euro <\/h2>\n<p>Der Hamburgische Beauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI), Johannes Caspar, teilte zum 1. 10. 2020 mit, dass er im Fall der \u00dcberwachung von mehreren hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des H&amp;M Servicecenters in N\u00fcrnberg durch die Center-Leitung einen Bu\u00dfgeldbescheid in H\u00f6he von 35.258.707,95 Euro gegen die H&amp;M Hennes &amp; Mauritz Online Shop A.B. &amp; Co. KG erlassen hat. Hamburg ist zust\u00e4ndig, weil H&amp;M seinen Sitz in dieser Stadt hat, auch wenn die Firma ein Servicecenter in N\u00fcrnberg betreibt. Der Modekonzern hat jetzt 2 Wochen Zeit, gegen diesen Bescheid Widerspruch einzulegen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Recht\" alt=\"Recht\" src=\"https:\/\/borncity.com\/senioren\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2023\/05\/RKElCF4.jpg\"\/><br \/>(Quelle: Pexels Lizenz)  <\/p>\n<h2>Bespitzelung seit 2014<\/h2>\n<\/p>\n<p>Mindestens seit dem Jahr 2014 kam es, laut Caspar, bei einem Teil der Besch\u00e4ftigten zu umfangreichen Erfassungen privater Lebensumst\u00e4nde. Entsprechende Notizen wurden auf einem Netzlaufwerk dauerhaft gespeichert. Nach Urlaubs- und Krankheitsabwesenheiten \u2013 auch kurzer Art \u2013 f\u00fchrten die vorgesetzten Teamleader einen sogenannten Welcome Back Talk durch. Nach diesen Gespr\u00e4chen wurden in etlichen F\u00e4llen nicht nur konkrete Urlaubserlebnisse der Besch\u00e4ftigten festgehalten, sondern auch Krankheitssymptome und Diagnosen.  <\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich eigneten sich einige Vorgesetzte \u00fcber Einzel- und Flurgespr\u00e4che ein breites Wissen \u00fcber das Privatleben ihrer Mitarbeitenden an, das von eher harmlosen Details bis zu famili\u00e4ren Problemen sowie religi\u00f6sen Bekenntnissen reichte. Die Erkenntnisse wurden teilweise aufgezeichnet, digital gespeichert und waren mitunter f\u00fcr bis zu 50 weitere F\u00fchrungskr\u00e4fte im ganzen Haus lesbar. Die Aufzeichnungen wurden bisweilen mit einem hohen Detailgrad vorgenommen und im zeitlichen Verlauf fortgeschrieben.  <\/p>\n<p>Die so erhobenen Daten wurden neben einer akribischen Auswertung der individuellen Arbeitsleistung u.a. genutzt, um ein Profil der Besch\u00e4ftigten f\u00fcr Ma\u00dfnahmen und Entscheidungen im Arbeitsverh\u00e4ltnis zu erhalten. Die Kombination aus der Ausforschung des Privatlebens und der laufenden Erfassung, welcher T\u00e4tigkeit sie jeweils nachgingen, f\u00fchrte zu einem besonders intensiven Eingriff in die Rechte der Betroffenen.  <\/p>\n<h2>Konfigurationsfehler l\u00e4sst Bespitzelung auffliegen<\/h2>\n<\/p>\n<p>Bekannt wurde die Datenerhebung dadurch, dass die Notizen infolge eines Konfigurationsfehlers im Oktober 2019 f\u00fcr einige Stunden unternehmensweit zugreifbar waren. Nachdem der Hamburgische Beauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit \u00fcber die Datensammlung durch Presseberichte informiert wurde, ordnete er zun\u00e4chst an, den Inhalt des Netzlaufwerks vollst\u00e4ndig \u201eeinzufrieren\" und verlangte dann die Herausgabe.  <\/p>\n<p>Das Unternehmen kam dem nach und legte einen Datensatz von rund 60 Gigabyte zur Auswertung vor. Vernehmungen zahlreicher Zeuginnen und Zeugen best\u00e4tigten nach Analyse der Daten die dokumentierten Praktiken.  <\/p>\n<h2>Erheblichen Verst\u00f6\u00dfe festgestellt<\/h2>\n<\/p>\n<p>Die Aufdeckung der erheblichen Verst\u00f6\u00dfe hat die Verantwortlichen zur Ergreifung verschiedener Abhilfema\u00dfnahmen veranlasst. Dem HmbBfDI wurde ein umfassendes Konzept vorgelegt, wie von nun an am Standort N\u00fcrnberg Datenschutz umgesetzt werden soll. Zur Aufarbeitung der vergangenen Geschehnisse hat sich die Unternehmensleitung nicht nur ausdr\u00fccklich bei den Betroffenen entschuldigt. Sie folgt auch der Anregung, den Besch\u00e4ftigten einen unb\u00fcrokratischen Schadenersatz in beachtlicher H\u00f6he auszuzahlen.  <\/p>\n<p>Es handelt sich insoweit um ein bislang beispielloses Bekenntnis zur Unternehmensverantwortung nach einem Datenschutzversto\u00df. Weitere Bausteine des neu eingef\u00fchrten Datenschutzkonzepts sind unter anderem ein neu berufener Datenschutzkoordinator, monatliche Datenschutz-Statusupdates, ein verst\u00e4rkt kommunizierter Whistleblower-Schutz sowie ein konsistentes Auskunfts-Konzept.  <\/p>\n<p>Hierzu Prof. Dr. Johannes Caspar, der Hamburgische Beauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit: \u201eDer vorliegende Fall dokumentiert eine schwere Missachtung des Besch\u00e4ftigtendatenschutzes am H&amp;M-Standort N\u00fcrnberg. Das verh\u00e4ngte Bu\u00dfgeld ist dementsprechend in seiner H\u00f6he angemessen und geeignet, Unternehmen von Verletzungen der Privatsph\u00e4re ihrer Besch\u00e4ftigten abzuschrecken.  <\/p>\n<p>Ausdr\u00fccklich positiv ist das Bem\u00fchen der Konzernleitung zu bewerten, die Betroffenen vor Ort zu entsch\u00e4digen und das Vertrauen in das Unternehmen als Arbeitgeber wiederherzustellen. Die transparente Aufkl\u00e4rung seitens der Verantwortlichen und die Gew\u00e4hrleistung einer finanziellen Kompensation zeigen durchaus den Willen, den Betroffenen den Respekt und die Wertsch\u00e4tzung zukommen zu lassen, die sie als abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte in ihrem t\u00e4glichen Einsatz f\u00fcr ihr Unternehmen verdienen.\"  <\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/12\/19\/datenskandal-beim-modekonzern-hm-mitarbeiter-bespitzelt\/\">Datenskandal beim Modekonzern H&amp;M, Mitarbeiter bespitzelt<\/a><br \/><a title=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/02\/23\/nachtrag-die-hm-datenaffre-um-mitarbeiterbespitzelung\/\" href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/02\/23\/nachtrag-die-hm-datenaffre-um-mitarbeiterbespitzelung\/\">Nachtrag: Die H&amp;M-Datenaff\u00e4re um Mitarbeiterbespitzelung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Geld h\u00f6rt die Freundschaft auf. Der Modekonzern Hennes &amp; Mauritz (H&amp;M) hat von Hamburgs Datenschutzbeauftragten einen Bu\u00dfgeldbescheid \u00fcber 35 Millionen Euro erhalten. 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