{"id":237948,"date":"2020-11-22T12:45:54","date_gmt":"2020-11-22T11:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=237948"},"modified":"2020-11-22T12:55:50","modified_gmt":"2020-11-22T11:55:50","slug":"journalist-bekommt-zugang-zu-online-treffen-europischer-verteidigungsminister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/11\/22\/journalist-bekommt-zugang-zu-online-treffen-europischer-verteidigungsminister\/","title":{"rendered":"Journalist bekommt Zugang zu Online-Treffen europ&auml;ischer Verteidigungsminister"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Schutz.jpg\" width=\"40\" align=\"left\" height=\"47\"\/>Ich kippe es mal ganz kurz herein, weil Blog-Leser Ismail darauf hingewiesen hat. Die Kurzfassung: Eine Ministerin war unvorsichtig und hat ein Foto auf Twitter gepostet. Ein Nutzer ersp\u00e4hte auf dem Foto einen Teil-Zugangscode f\u00fcr eine Online-Konferenz, und gab einem Medium einen Tipp. Ein Journalist w\u00e4hlte sich dann in das geheime Online-Treffen der EU-Verteidigungsminister ein. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ed3d84cc44f94f29a0eff480c4c98636\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Mir war der Vorgang die Woche bereits auf Twitter unter die Augen gekommen. Ich hatte es nicht weiter beachtet, Fehler passieren und daraus kann man schlicht lernen. <\/p>\n<h2>Was ist passiert?<\/h2>\n<p>Die niederl\u00e4ndische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld war unvorsichtig in ihrer 'Quarant\u00e4ne'. Um zu zeigen, dass sie zuhause nicht faul herum liegt, und dass geputzt und aufger\u00e4umt ist, postete sie ein Foto auf Twitter, das zeigt, wie sie aus der heimischen K\u00fcche f\u00fcr das Ministerium arbeitet. Bei solchen Fotos sollte man halt immer darauf achten, dass keine brisanten Informationen, z.B. aus Dokumenten, zu sehen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<img decoding=\"async\" title=\"Ank Bijleveld am K&uuml;chentisch\" alt=\"Ank Bijleveld am K&uuml;chentisch\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/84Zjjdq.png\"\/><br \/>Ank Bijleveld am K\u00fcchentisch<\/p>\n<p>Nun ja, unser K\u00fcchentisch sieht etwas anders aus &#8211; ist wohl eher ein Tisch im Esszimmer. Man erkennt, dass die Dame auch zuhause nicht im Schlafanzug herum l\u00e4uft (gut, f\u00fcr ein Twitter-Selfie w\u00fcrde ich auch aus dem Schlafanzug schl\u00fcpfen). Man sieht, dass die Dame auch nicht zur Apple Fraktion geh\u00f6rt, eine Lesebrille braucht, irgend ein Schl\u00fcsselchen mit Essbarem in N\u00e4he des Notebooks herum stehen hat und auch Wasser trinkt. Ich habe ja einen Teil meines Berufslebens in der Chemie verbracht: Da war Essen am Arbeitsplatz (wegen Vergiftungsgefahr) verboten. Auch sieht es so mancher Arbeitgeber nicht gerne, wenn Essen und Trinken am Arbeitsplatz herum stehen. So manche durch Fl\u00fcssigkeiten oder Essensreste ruinierte Notebook-Tastatur kann ein Lied von singen, warum das keine gute Idee ist. <\/p>\n<p>Sind aber alles Nebenkriegsschaupl\u00e4tze. Auf dem Tisch liegen auch einige Dokumente, und auf denen waren wohl die ersten f\u00fcnf von sechs Ziffern des Zugangs f\u00fcr das Online-Treffen der EU-Verteidigungsminister zu erkennen. Das ist nat\u00fcrlich doof &#8230;<\/p>\n<h2>Journalist probiert die letzte Ziffer<\/h2>\n<p>Ein aufmerksamer Nutzer, der das alles gesehen hatte, kombinierte, dass die letzte Ziffer des Zugangscodes irgendwie schnell zu ermitteln sei. Also hat er das als Tipp an eine Nachrichtenredaktion weitergegeben. Der Journalist Dani\u00ebl Verlaan hat sich am 20. November 2020 zur gegebenen Zeit an seinen Rechner gesetzt die ersten Ziffern des Zugangscodes f\u00fcr das Meeting eingegeben und dann ein paar Mal die letzte Ziffer probiert &#8211; und war pl\u00f6tzlich im geheimen Treffen der EU-Verteidigungsminister <a href=\"https:\/\/twitter.com\/danielverlaan\/status\/1329790472206888964\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">drin<\/a>. Nachfolgendes Bild verlinkt auf den <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mvanhulten\/status\/1329885925862760450\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tweet<\/a>, in dem der Journalist den Zugriff auf die Online-Konferenz aus den Redaktionsr\u00e4umen als Video aufgenommen hat. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/mvanhulten\/status\/1329885925862760450\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" title=\"Meet your defense minister online\" alt=\"Meet your defense minister online\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/f4AZaTX.png\"\/><\/a><br \/>(Meet your defense minister online, Quelle Twitter)<\/p>\n<p>Immerhin fragte EU-Au\u00dfenbeauftragte Josep Borrell den neuen Teilnehmer, wer er sei. Als Verlaan sich als niederl\u00e4ndischer Journalist zu erkennen gab, teilte Borrell diesem mit, ob er wisse, dass dies ein geheimes Treffen der EU-Verteidigungsminister sei. Verlaan entschuldigte sich f\u00fcr die St\u00f6rung und verlie\u00df die Sitzung. Der Fall schl\u00e4gt aber in den Medien 'als peinliche Posse' Wellen. Golem hat es <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/videokonferenz-journalist-hackt-treffen-von-eu-verteidigungsministern-2011-152301.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier aufgegriffen<\/a>. <\/p>\n<h2>Postskriptum mit Einordnung<\/h2>\n<p>Ich sage es mal so: Kann ja mal passieren, in diesem Neuland &#8211; pl\u00f6tzlich Homeoffice ist f\u00fcr keinen leicht &#8211; au\u00dfer vielleicht f\u00fcr mich. Hause ich doch seit 27 Jahren im Homeoffice. Und die Bude ist so unaufger\u00e4umt, dass ich da keinesfalls ein Selfie posten w\u00fcrde &#8211; sonst stiege beste Frau von Welt auf die Barrikaden 'Du kannst in deinem Stall treiben, was Du magst, solange das keiner da drau\u00dfen sieht &#8211; was sollen nur die Leute von mir denken, wenn sie die Messiebude mit Staub, 1000 B\u00fcchern und ausgeschlachteten Rechnern sehen'. Was soll ich sagen: Das M\u00e4del hat Recht, ich <a href=\"https:\/\/borncity.com\/senioren\/2020\/07\/28\/ich-hab-die-marie-kondo-gemacht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">miste gelegentlich aus<\/a> und verkneife mir Selfies aus dem B\u00fcro. Nicht auszudenken, wenn ich uns Annegret da Cyberschutz-m\u00e4\u00dfig mit einem Selfie gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Ich glaube, ich muss meiner Frau mal mitteilen, dass ich t\u00e4glich einen wichtigen Beitrag zur Verteidigungsf\u00e4higkeit unserer deutschen Armee und zum Schutz unserer Verteidigungsministerin leiste. <\/p>\n<p>PS: So schlimm finde ich mein B\u00fcro nicht, renne w\u00f6chentlich mit dem Staubsauger durch. Und wo gehobelt wird, fliegen ausgeschlachtete Rechner herum. Stehen B\u00fccher herum, zieht das Staub geradezu magisch an. Also alles im gr\u00fcnen Bereich. Und fr\u00fcher *) habe ich aus Prinzip keine Reinigungskraft in mein B\u00fcro gelassen, lagen doch die hochvertraulichen Geschichten aus Microsofts Entwicklungsabteilungen herum.&nbsp; <\/p>\n<p>*) fr\u00fcher bedeutet \u00fcbersetzt: 'Vor sehr langer Zeit, als es noch Spa\u00df machte, das neueste Zeug aus Redmond zu testen und dr\u00fcber zu schreiben' &#8211; war aber im vorigen Jahrtausend oder so. <\/p>\n<p>PPS: Und so ist aus dem Cyberunfall unserer Verteidigungsminister noch eine h\u00f6chst pers\u00f6nliche Geschichte zum Sonntag geworden. Donnerwetter, h\u00e4tte ich mir als junger Student auch nicht tr\u00e4umen lassen, dass ich mal kurz vor Ruhestand die Geschicke in Sachen Cybersicherheit in Deutschland ma\u00dfgeblich beeinflusse &#8211; sch\u00f6nen Sonntag euch das drau\u00dfen &#8211; schaltet den Rechner aus und geht raus. Sonne ist hier zu weg &#8211; aber wer drau\u00dfen spazieren geht, kommt Cyber-m\u00e4\u00dfig vielleicht nicht auf dumme Gedanken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kippe es mal ganz kurz herein, weil Blog-Leser Ismail darauf hingewiesen hat. Die Kurzfassung: Eine Ministerin war unvorsichtig und hat ein Foto auf Twitter gepostet. 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