{"id":242883,"date":"2021-01-24T00:18:00","date_gmt":"2021-01-23T23:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=242883"},"modified":"2021-01-23T15:05:40","modified_gmt":"2021-01-23T14:05:40","slug":"rger-um-microsoft-365-an-schulen-in-baden-wrttemberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/01\/24\/rger-um-microsoft-365-an-schulen-in-baden-wrttemberg\/","title":{"rendered":"&Auml;rger um Microsoft 365 an Schulen in Baden-W&uuml;rttemberg"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/winb.jpg\" width=\"58\" align=\"left\" height=\"58\"\/>Aktuell gibt es ziemlichen \u00c4rger im Hinblick auf die Digitalisierung im Bildungswesen. Deutschland ist da Entwicklungsland und die IT-Strategen des Kultusministeriums von&nbsp; Baden-W\u00fcrttembergs suchen nun ihr Heil in Microsoft 365, welches dort an Schulen eingef\u00fchrt werden soll. Ziemlich engstirnig und auch ein Punkt, der ziemlichen Widerspruch diverser Verb\u00e4nde hervorruft. Von Datenschutzproblemen einmal ganz abgesehen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f8120b9921db44c8852245479bad162e\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Seit den Schulschlie\u00dfungen wegen der Coronavirus-Pandemie wird es auch dem Letzten klar: In Sachen Digitalisierung ist das deutsche Bildungswesen nicht Spitze, sondern Entwicklungsland auf dem Stand von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Burkina_Faso\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Burkina Faso<\/a>. In den Medien wird zwar von der Politik 'wir haben x Millionen Euro f\u00fcr Laptops in Schulen bereitgestellt' \u00fcber die Medien transportiert. Aktuell ringt man aber damit, dass Lehrer erstmals eine dienstliche E-Mail-Adresse samt Dienst-Notebook bereitgestellt werden soll. <\/p>\n<p>SPON <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/bildung\/laptops-fuer-lehrer-500-millionen-euro-zur-finanzierung-von-dienstgeraeten-sind-noch-ungenutzt-a-1e2c281a-9740-4cf8-b88e-602488a6448a\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">berichtete k\u00fcrzlich<\/a>, das Bund und L\u00e4nder es bislang nicht geschafft haben, die Vereinbarungen zur Anschaffung von Lehrer-Laptops zu unterzeichnen. Die Folge: Aus dem 500-Millionen-Euro-Paket, das f\u00fcr diesen Zweck bereitgestellt wurde, konnte noch kein roter Heller abgerufen werden. Zust\u00e4nde wie in einer Bananenrepublik. <\/p>\n<p>Oft werden Projekte lokal von Schul\u00e4mtern freifliegend etabliert, um wenigstens Home-Schooling zu erm\u00f6glichen. Endet damit, dass Lernplattformen durch Cyber-Angriffe attackiert werden. Ich bin die Tage auf <a href=\"https:\/\/www.nrz.de\/staedte\/moers-und-umland\/schulplattformen-betroffen-wieder-hackerangriff-auf-krzn-id231316710.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen Artikel<\/a> gesto\u00dfen, der \u00fcber einen DDoS-Angriff auf ein kommunales Rechenzentrum berichtet, der dann die Sch\u00fclerplattformen Moodle und Logineo au\u00dfer Gefecht setzte. <\/p>\n<h2>Baden-W\u00fcrttemberg will Microsoft 365 an Schulen<\/h2>\n<p>Das Kultusministerium von Baden-W\u00fcrttemberg plant, breitfl\u00e4chig Microsoft 365 an Schulen dieses Bundeslands einzuf\u00fchren. Von Ressortchefin Susanne Eisenmann (CDU) wird argumentiert, dass einige Schulen bereits diese L\u00f6sung im Einsatz h\u00e4tten und wegen der 'intuitiven Bedienung' damit zufrieden seien. Um es mal auf der Zunge zergehen zu lassen: Da f\u00fchren einige Schul\u00e4mter freifliegend irgendwelche Microsoft L\u00f6sungen ein, obwohl sich die Datenschutzkonferenz der L\u00e4nder (DSK) explizit wegen massiver Datenschutzprobleme gegen einen solchen Einsatz ausspricht. Und die Zust\u00e4ndigen in der Landesregierung berufen sich auf eine 'intuitive Bedienung'. <\/p>\n<p>Gegen die Pl\u00e4ne laufen Verb\u00e4nde wie der Landessch\u00fclerbeirat, der Landeselternbeirat, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Philologenverband Sturm. Sie lehnen entsprechende Pl\u00e4ne des Kultusministeriums wegen mangelhaften Datenschutzes ab und sprechen sich dediziert gegen den Einsatz von Microsoft-Produkten auf der Digitalen Bildungsplattform f\u00fcr die Schulen im S\u00fcdwesten aus. Eine gemeinsame Stellungnahme der Verb\u00e4nde zur Bereitstellung der Cloud-Software Microsoft 365 <a href=\"https:\/\/unsere-digitale.schule\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">findet sich hier<\/a>. Von Cornelia Tausch, Vorstand der Verbraucherzentrale Baden-W\u00fcrttemberg liegt mir folgende Stellungnahmen dazu vor:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Als Teil des gesellschaftlichen B\u00fcndnisses \u201eunsere Digitale Schule\" fordert die Verbraucherzentrale Baden-W\u00fcrttemberg, dass die Landesregierung ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einl\u00f6st: Den Schulen die didaktisch sinnvolle und funktionierende Nutzung einer quell-offenen und datenschutzkonformen digitalen Infrastruktur zu erm\u00f6glichen.  <\/p>\n<p>Sch\u00fclerorientierte Verbraucherbildung vertr\u00e4gt kein Monopol bei der digitalen Infrastruktur, wie es mit Produkten eines dominierenden kommerziellen Unternehmens gegeben w\u00e4re. Die Nutzung der ja bereits vorhandenen datenschutzkonformen und quell-offenen digitalen Infrastruktur f\u00fcr die Schulen in Baden-W\u00fcrttemberg ist wesentlich f\u00fcr die Umsetzung einer auf M\u00fcndigkeit und Selbstbestimmung ausgerichteten Medien- und Verbraucherbildung.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Heise hatte das ganze Thema bereits Mitte Januar 2021 in <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Streit-um-Einsatz-von-Microsoft-Produkten-im-Digitalunterricht-5023299.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Beitrag<\/a> aufgegriffen. Dort wird eine Sprecherin von Ressortchefin Susanne Eisenmann (CDU)mit folgender Aussage zitiert.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Viele Schulen weisen darauf hin, dass sich diese Produkte intuitiv bedienen lassen und damit den schulischen Alltag einfach und pragmatisch unterst\u00fctzen. Es ist verwunderlich, dass die Verb\u00e4nde in ihrer gemeinsamen Stellungnahme die Bed\u00fcrfnisse der Schulen und Praktiker vor Ort offenbar nicht zur Kenntnis nehmen und die Realit\u00e4ten des Alltags verkennen. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Finde ich ja erstaunlich, wenn Eltern- und Sch\u00fclerbeir\u00e4te sich \u00e4u\u00dfern und das Land auffordern m\u00fcssen, die digitale Souver\u00e4nit\u00e4t zu behalten &#8211; die Ressortsprecherin aber d\u00fcmmlich auf eine intuitive Bedienung des Produkts verweist. Die Haltung der Verb\u00e4nde ist glasklar: Ein Land d\u00fcrfe sich nicht abh\u00e4ngig machen von einem Angebot wie Microsoft 365, weil es vom Anbieter oder der Regierung des Landes, wo dieser seinen Firmensitz habe, eingeschr\u00e4nkt oder abgeschaltet werden k\u00f6nne. <\/p>\n<p>Ein gewichtiges Argument ist auch, dass bei Microsoft 365 die Datenschutzkonformit\u00e4t nicht \u00fcberpr\u00fcfbar ist &#8211; ich verweise auf <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Microsoft-Office-365-Die-Gruende-fuer-das-Nein-der-Datenschuetzer-4919847.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den heise-Beitrag<\/a> von Oktober 2020, wo Datensch\u00fctzer bekr\u00e4ftigen, dass Microsoft Office 365 (Bestandteil von Microsoft 365) nicht DSGVO-konform einsetzbar ist. Zitat aus dem Artikel:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Datenschutzkonferenz des Bundes und der L\u00e4nder (DSK) hat am 22. September mit knapper Mehrheit beschlossen, dass derzeit \"kein datenschutzgerechter Einsatz von Microsoft Office 365 m\u00f6glich ist\".<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Der heise-Artikel geht auf die diversen Gesichtspunkte der DSK-Entscheidung ein. Der Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink meint, laut <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Streit-um-Einsatz-von-Microsoft-Produkten-im-Digitalunterricht-5023299.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">heise-Artikel<\/a>, \"Ich gehe davon aus, das Microsoft sich gro\u00dfe M\u00fche geben wird, Datenschutzkonformit\u00e4t herzustellen.\"&nbsp; Das muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen: Nicht Wissen oder knallharte Testergebnisse, sondern ein Glaube, dass ein US-Konzern, der mit Software as a service sowohl sein Windows 10 als auch sein Office 365 immer weiter in die Cloud zerrt und ansonsten die Produkte zyklisch mit neuen\/ge\u00e4nderten Funktionen vor seine Anwenderschaft kippt, das 'in den Begriff bekommen wird'. Wie war das mit dem Schwanz, der mit dem Hund wackelt? Interessant findet ich auch diverse Forenbeitr\u00e4ge wie <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/forum\/heise-online\/Kommentare\/Streit-um-Einsatz-von-Microsoft-Produkten-im-Digitalunterricht\/Wir-wurden-genoetigt\/posting-38172333\/show\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> zum heise-Beitrag, die zeigen, wie da was hingebogen wird. <\/p>\n<p>Es ist in meinen Augen ein Skandal, dass von Seiten der Politik eine L\u00f6sung angeschoben werden soll, die auf eine weitere Abh\u00e4ngigkeit der Bildungseinrichtungen von einem US-Hersteller samt Sozialisierung einer ganzen Generation Sch\u00fcler auf einer propriet\u00e4ren US-Software hinausl\u00e4uft, statt endlich einen Open Source-Ansatz auf die Beine zu stellen. <\/p>\n<p>Und nein, der Ansatz 'wir machen jetzt ein bisschen Microsoft 365, um dann auf Open Source umzuschwenken' wird nicht funktionieren. Sobald der Leidensdruck weg ist, passiert nichts mehr. Ich denke, Microsoft hat die schon im Sack. Wie viele Jahre hat die CDU in Baden-W\u00fcrttemberg die Schulpolitik verantwortet?&nbsp; Wie hei\u00dft es so sch\u00f6n 'CDU, wir k\u00f6nnen nix', ups, ich glaube, ich war in der falschen Schublade. Es hie\u00df 'Baden-W\u00fcrttemberg, wir k\u00f6nnen alles, au\u00dfer Hochdeutsch' &#8211; nun muss man wohl auch noch 'und au\u00dfer sinnvolle digitale Schulpolitik' erg\u00e4nzen. Oder wie seht ihr das so.&nbsp; <\/p>\n<p>Links: <a href=\"https:\/\/meinedaten-meinerechte.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meine Daten, meine Rechte!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell gibt es ziemlichen \u00c4rger im Hinblick auf die Digitalisierung im Bildungswesen. Deutschland ist da Entwicklungsland und die IT-Strategen des Kultusministeriums von&nbsp; Baden-W\u00fcrttembergs suchen nun ihr Heil in Microsoft 365, welches dort an Schulen eingef\u00fchrt werden soll. 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