{"id":251629,"date":"2021-04-02T05:33:00","date_gmt":"2021-04-02T03:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=251629"},"modified":"2021-04-02T12:22:44","modified_gmt":"2021-04-02T10:22:44","slug":"dortmund-goes-open-source","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/04\/02\/dortmund-goes-open-source\/","title":{"rendered":"Dortmund goes Open Source"},"content":{"rendered":"<p>[English]Die deutsche Stadt Dortmund geht in Richtung Open Source. Am 25. M\u00e4rz 2021 hat sich der Rat der Stadt daf\u00fcr entschieden, in Zukunft in der Verwaltung Open Source Software einzusetzen. Zus\u00e4tzlich soll von der Verwaltung entwickelte oder zur Entwicklung beauftragte Software der Allgemeinheit zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Eine spannende Geschichte, steht doch an vielen Stellen die Forderung im Raum, die Verwaltung weg von der Abh\u00e4ngigkeit von propriet\u00e4rer Software a la Microsoft 365, hin zu Open Source zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b4ec72981119474999f78598a356bf2b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Hier im Blog habe ich mich ja mehrfach am Thema \"Entkoppelung der Verwaltung von propriet\u00e4rer Software a la Microsoft 365, hin zu Open Source, abgearbeitet. Es kam dann immer die Antwort \"man m\u00fcsste einfach mal was tun\". Die Stadt Dortmund macht jetzt genau diesen Schritt.<\/p>\n<h2>Entschluss pro Open Source Software<\/h2>\n<p>Am 25. M\u00e4rz 2021 gab es die Entscheidung des Rats der Stadt, in Zukunft in der Verwaltung Open Source Software einzusetzen. Zus\u00e4tzlich soll von der Verwaltung entwickelte oder zur Entwicklung beauftragte Software der Allgemeinheit zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die zentralen Beschl\u00fcsse des Rats lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>Wo m\u00f6glich Nutzung von Open Source Software und<\/li>\n<li>Von der Verwaltung entwickelte oder zur Entwicklung beauftragte Software wird der Allgemeinheit zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Damit \u00e4ndert sich die Vergabepraxis der Stadt Dortmund. Die Verwaltung muss zuk\u00fcnftig f\u00fcr jeden propriet\u00e4ren Softwareeinsatz begr\u00fcnden, warum keine Open Source Software eingesetzt werden kann.<\/p>\n<h2>Initiative Do-FOSS schiebt die Sache an<\/h2>\n<p>Die breite Zustimmung zu diesem Entschluss f\u00fcr Open Source Software und damit zur digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t der Stadt und ihrer B\u00fcrger ist dem Einsatz der Intitative Do-FOSS zu verdanken, freut sich die Open Source Business Alliance. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Do-FOSS, Christian N\u00e4hle, meint in <a href=\"https:\/\/osb-alliance.de\/verbands-news\/dortmund-goes-open-source\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Interview<\/a> zu diesem Beschluss:<\/p>\n<blockquote><p>Do-FOSS haben wir 2013 als Initiative entwickelt. Uns treibt seit jeher der Wunsch nach einer demokratienahen und rechtsstaatskonformen Digitalisierung an. Dazu bedarf Digitalisierung den Grundbaustein Open Source. Do-FOSS steht f\u00fcr Free and Open Source Software\". Das \"Do\" bezieht sich dabei auf Dortmund. Unsere zivilgesellschaftliche Initiative besteht aus rund zehn Personen, die sich f\u00fcr die Verbreitung und den Einsatz von Freier Software einsetzen. Wir sind mit verschiedenen Organisationen partnerschaftlich verbunden, beispielsweise mit der Free Soft ware Foundation Europe (FSFE) und der OSB Alliance.<\/p><\/blockquote>\n<p>Um den Einsatz von Freier Software in der \u00f6ffentlichen Verwaltung zu f\u00f6rdern, setzt Do-FOSS auf eine Vielzahl unterschiedlicher Wege zur Thematisierung und Umsetzung von Freier Software. Unter anderem arbeitet Do-FOOS zusammen mit der Stadt Dortmund daran, den Einsatz von Freier Software \u00fcber die st\u00e4dtische Digitalisierungsstrategie zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>In den jungen Tagen von Do-FOSS hatten die Mitglieder zun\u00e4chst die Vorstellung, dem Oberb\u00fcrgermeister einen Brief schreiben, in dem die Mitglieder die Erkenntnisse bzgl. der gewinnbringenden Eigenschaft en von Freier Software beschreiben und den B\u00fcrgermeister argumentativ \u00fcberzeugen. Allerdings wurde den Mitglieder schnell klar, dass der Oberb\u00fcrgermeister lediglich der Gesamtverantwortliche einer sehr gro\u00dfen Beh\u00f6rde ist und er sich f\u00fcr seine Entscheidungen auf andere verlassen muss.<\/p>\n<p>Deshalb haben die Mitglieder von Do-FOSS klein angefangen. Sie haben Kontakt zu dem beh\u00f6rdlichen Datenschutzbeauftragten, ebenso wie zur Personalvertretung gesucht. Sie haben sich Einsch\u00e4tzungen des st\u00e4dtischen IT-Hauses geholt und sich bei anderen Verwaltungen umgeh\u00f6rt. Also vor allem informieren und dicke Bretter bohren. Dann wurden diese Einsch\u00e4tzungen mit den Fachkenntnissen der Do-FOSS-Mitglieder abgeglichen und bestehende Widerspr\u00fcche in der Dortmunder Verwaltung aufgezeigt.<\/p>\n<p>Mit Briefen haben sich die Organisatoren dann dann an politische Aussch\u00fcsse gewandt und auf demokratische Weise um einen Dialog gebeten. Diese Wege zu beschreiten, hat zwar keine schnellen Erfolgserlebnisse beschert. Der Kontakt zu verschiedenen Akteuren der Stadtgesellschaft braucht, laut N\u00e4hle, Zeit und Raum f\u00fcr Diskussionen. Bei der Kommunalwahl letzten September waren dann endg\u00fcltig alle OB-Kandidat*innen pro Open Source.<\/p>\n<p>Christi an N\u00e4hle meint dazu, dass die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung sicherlich darin liegt, voneinander zu lernen. Die Rahmenbedingungen in der agilen Softwarewelt seien ganz andere als die in der statischen Verwaltungswelt. Es sei wichtig, die Rahmenbedingungen beider Welten zu verstehen und den ehrlichen Wunsch zu haben, auch eher dr\u00f6ge Thematiken wie das Vergaberecht zu verstehen. In den Verwaltungen seien noch unzureichend Instrumente implementiert, um mit Open-Source-Produkten umzugehen.<\/p>\n<p>Woher wei\u00df der Sachbearbeiter im Vergabeamt, welche Lizenzen als Freie-Software-Lizenzen qualifizieren? Welches Forum haben die Protagonisten im \u00f6ffentlichen Dienst, um interkommunal an Softwareprojekten mitzuarbeiten? Dazu braucht es laut N\u00e4hle eine neue Infrastruktur. Deshalb unterst\u00fctzt die Stadt Dortmund u.a. auf Initiative der OSB Alliance den Aufbau eines Freien-Software-Repositorys f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst. F\u00fcr die Do-FOSS sei es immer wichtig gewesen, sich weiterzuentwickeln, aber auch nicht zu vergessen, immer wieder von Neuem Menschen dort abzuholen, wo sie stehen.<\/p>\n<p>Christian N\u00e4hle dazu: Die Stadt Dortmund hat politisch Freie Software als Standard f\u00fcr ihre Verwaltung beschlossen. Der Beschluss legt das Primat von Open Source Software fest und kehrt somit die Beweislast f\u00fcr den Einsatz von propriet\u00e4rer Software um. Will die Verwaltung k\u00fcnftig eine propriet\u00e4re Software verwenden, muss sie begr\u00fcnden, warum keine Open Source Software eingesetzt werden kann. Das bedeutet zun\u00e4chst eine Zeitenwende f\u00fcr die Art und Weise, wie der Einsatz von Software durch die Stadtverwaltung diskutiert und dargestellt werden muss.<\/p>\n<p>Damit haben z.B. Fachverfahren einen Startvorteil, wenn sie als Open Source angeboten werden. Die Leute von Do-FOSS m\u00fcssen allerdings noch beantworten, wie sie bestehende Herstellereinschl\u00fcsse aufbrechen wollen. Dazu erarbeiten die Initiatoren von Do-FOSS derzeit gemeinsam mit der Stadt Dortmund Elemente f\u00fcr eine Digitalisierungsstratgie. Au\u00dferdem planen die Leute eine kommunale Open Government Konferenz in Dortmund, die sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit Freier Software f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst befassen soll. Eine genaue Planung ist aber abh\u00e4ngig von der Coronaentwicklung. Fest steht, dass die Initiatoren in Dortmund mit ihrem Bed\u00fcrfnis nach Digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t nicht alleine sind. Deshalb verbinden sich die Initiatoren<br \/>\nmit verschiedensten Stellen. Zurzeit arbeiten die Do-FOSS-Leute intensiv mit der Kommunalen Gemeinschaftsstelle (KGSt) und dem Deutschen St\u00e4dtetag an einem Sonderbericht f\u00fcr Kommunen zu Digitaler Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Nachdem Dortmund politisch nun das Primat f\u00fcr Software beansprucht, wird es um die Praxis gehen. Do-FOSS wird mit der Stadt den Einstieg in den Ausstieg aus dem propriet\u00e4ren Zeitalter beschreiben und vollziehen. Dazu sind nun weitere Fragen zu beantworten. Wie k\u00f6nnen wir den Freiheitsgrad in unserer immateriellen Infrastruktur erh\u00f6hen? Wie k\u00f6nnen wir strategisch mit Herstellereinschl\u00fcssen umgehen? Die Beantwortung dieser Fragen wird unter einem enormen Zeitdruck vollzogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Welt wird unruhiger werden. Dazu brauchen wir, so Do-FOSS Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer N\u00e4hle, sehr bald Infrastruktur, die belastbarer und sozial-\u00f6kologisch freundlicher aufgestellt ist, als bisher. Allein schon deshalb hei\u00dft die Zukunft nicht propriet\u00e4r, sondern Open Source. Dazu sagt N\u00e4hle: Die Open-Source-Zukunft\u00a0 werden wir in Dortmund gestalten und reichen allen eine Hand, die ebenfalls eine Zukunft\u00a0 mit Open Source wollen &#8211; dazu z\u00e4hlen auch die Wissenschaft\u00a0 und die Wirtschaft. Im Bereich Smart-City vermeiden wir bereits die alten propriet\u00e4ren Fehler und setzen auf eine Freie-Smart-City.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/03\/21\/behrden-sollen-unverzglich-auf-microsoft-verzichten-fordern-mvs-rechnungshof-und-datenschutzbeauftragter\/\">Beh\u00f6rden sollen unverz\u00fcglich auf Microsoft verzichten, fordern MVs Rechnungshof und Datenschutzbeauftragter<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/06\/03\/hamburg-rot-grner-senat-will-auf-open-source-setzen\/\">Hamburg: Rot-Gr\u00fcner Senat will auf Open Source setzen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/02\/11\/tschss-windows-korea-macht-ernst-mit-dem-wechsel-linux\/\">'Tsch\u00fcss Windows' \u2013 Korea macht Ernst mit dem zu Wechsel Linux<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/01\/24\/rger-um-microsoft-365-an-schulen-in-baden-wrttemberg\/\">\u00c4rger um Microsoft 365 an Schulen in Baden-W\u00fcrttemberg<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/07\/10\/office365-an-schulen-unzulssig-microsoft-lizenzkosten-fr-bund-steigen\/\">Office365 an Schulen unzul\u00e4ssig \u2013 Microsoft-Lizenzkosten f\u00fcr Bund steigen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/10\/28\/silicon-valley-eliten-verbannen-tablet-co-aus-schulen\/\">Silicon Valley-Eliten verbannen Tablet &amp; Co. aus Schulen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/12\/15\/bw-digitalpakt-schule-und-die-microsoft-ausschreibung\/\">BW: Digitalpakt Schule und die 'Microsoft-Ausschreibung'<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/03\/04\/privacy-microsoft-steht-mit-windows-10-office-365-unter-druck\/\">Privacy: Microsoft steht mit Windows 10\/Office 365 unter Druck<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/12\/01\/bsi-einstufung-windows-10-ist-ein-datenschutz-unfall\/\">BSI-Einstufung: Windows 10 ist ein 'Datenschutz-Unfall'<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/11\/16\/microsoft-office-spioniert-nutzer-aus-kollidiert-mit-dsgvo\/\">Microsoft Office spioniert Nutzer aus, kollidiert mit DSGVO<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2017\/03\/06\/limux-und-kein-ende-galgenhumor-bei-der-it\/\">LiMux und kein Ende; Galgenhumor bei der IT<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2017\/03\/05\/limux-rckabwicklung-real-satire-4-0\/\">LiMux R\u00fcckabwicklung \u2013 Real Satire 4.0<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2017\/02\/20\/limux-nachlese\/\">LiMux-Nachlese<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2016\/11\/13\/mnchens-intrigantenstadel-neues-zu-limux-und-der-rckkehr-zu-microsoft\/\">M\u00fcnchens Intrigantenstadel: Neues zu LiMux und der R\u00fcckkehr zu Microsoft<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/01\/14\/barcelona-goes-linux-mnchen-will-von-limux-zurck-zu-windows\/\">Barcelona goes Linux; M\u00fcnchen will von LiMux zur\u00fcck zu Windows \u2026<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/05\/11\/mnchen-will-nach-linux-ausstieg-auf-open-source-setzen\/\">M\u00fcnchen will nach Linux-Ausstieg auf Open Source setzen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/04\/23\/it-strungen-in-mnchener-verwaltung-ist-limux-schuld\/\">IT-St\u00f6rungen in M\u00fcnchener Verwaltung, ist LiMux schuld?<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2014\/09\/15\/linux-splitter-limux-und-turinux\/\">Linux-Splitter: LiMux und \u201aTuriNux'<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[English]Die deutsche Stadt Dortmund geht in Richtung Open Source. 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