{"id":252313,"date":"2021-04-19T11:25:10","date_gmt":"2021-04-19T09:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=252313"},"modified":"2021-04-30T01:04:37","modified_gmt":"2021-04-29T23:04:37","slug":"gegenwind-fr-googles-floc-ansatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/04\/19\/gegenwind-fr-googles-floc-ansatz\/","title":{"rendered":"Gegenwind f&uuml;r Googles FLoC-Ansatz"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Chrome.jpg\" align=\"left\" \/>Der von Google vorgeschlagene FLoC-Ansatz, um das Cookie-Tracking durch anonyme Benutzergruppenbildung (als privacy-freundlich bezeichnet) f\u00fcr den Werbemarkt zu retten, scheint aktuell m\u00e4chtig Gegenwind zu bekommen. Neben Browser-Entwicklern, die FLoC in Chromium-Clones ausbauen, sperren sich auch die WordPress-Entwickler gegen diesen Ansatz.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Was ist FLoC?<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/171354f4da9148d49b16caf6fd97d471\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Benutzertracking zu Werbezwecken \u00fcber Drittanbieter-Cookies kommt mehr und mehr in Verruf. Die DSGVO fordert eine Einwilligung des Benutzers und immer mehr Browserhersteller gehen dazu \u00fcber, Drittanbieter-Cookies direkt zu blocken. Der alte Cookie-Ansatz zum Tracken von Werbekunden geht (im Grunde berechtigt) seinem Ende entgegen. F\u00fcr Google allerdings ein gr\u00f6\u00dferes Problem, machen die doch einen Gro\u00dfteil des Umsatzes in genau diesem Bereich.<\/p>\n<p>Das Problem: Die Werbekunden wollen m\u00f6glichst viel \u00fcber den potentiellen Kunden wissen &#8211; der Kunde m\u00f6chte aber genau dieses nicht. Zudem soll Werbebetrug verhindert und der Erfolg einer Werbeanzeige gemessen werden. Wie l\u00e4sst sich sicherstellen, dass Werbung im Web ohne Cookies von Drittanbietern relevant ausgerollt, Werbebetrug verhindert und Werbung gem\u00e4\u00df der Interessanlage der Nutzerschaft genau gemessen werden k\u00f6nnte &#8211; das ist die Fragestellung, die die Google (Browser-)Entwickler bewegte.<\/p>\n<p>Ich hatte es im Blog nicht separat adressiert: Google versucht daher das Erfassen der Internetsurfer mit einem neuen Ansatz zu retten, um die Werbekunden mit Details \u00fcber die Benutzer versorgen zu k\u00f6nnen. Ein Datenschutz-freundliches Tracking mit FLoC soll die L\u00f6sung sein. Das 2019 erstmals vorgestellte <a href=\"https:\/\/github.com\/WICG\/floc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FLoC<\/a> steht f\u00fcr Federated Learning of Cohorts und wurde von Google im Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/blog.google\/products\/ads-commerce\/2021-01-privacy-sandbox\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Building a privacy-first future for web advertising<\/a> Ende Januar 2021 detaillierter angesprochen.<\/p>\n<p>Die Idee: Nutzerinteressen erfassen, aber die Privatsph\u00e4re des Individuums sch\u00fctzen. Dazu soll die Privacy Sandbox-Technologie f\u00fcr interessenbasierte Werbung (FLoC), die bereits 2020 erstmals vorgeschlagen wurde, herangezogen werden. Der Ansatz hinter FLoC ist, dass Gruppen von Menschen mit gemeinsamen Interessen durch individuelle Identifikatoren ersetzt werden k\u00f6nnten. Statt ein Drittanbieter-Cookie f\u00fcr jeden Surfer zu setzen und diesen zu verfolgen, w\u00fcrde Google Gruppen von Surfern mit \u00e4hnlichen Interessen (z.B. Surfer mit Interesse an Technik-Produkten, Leute mit Interessen an Reisen, M\u00fctter mit Babies etc.) \u00fcber diese Identifikatoren kennzeichnen. Das individuelle Tracking w\u00fcrde entfallen, trotzdem lie\u00dfe sich Werbung \u00fcber diese Identifikatoren der Gruppe, statt \u00fcber Drittanbieter-Cookies ausrollen. Google glaubt, dass das fast so effektiv sein kann wie Cookie-basierte Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Google schrieb dazu in obigem Beitrag: Technologische Fortschritte wie FLoC, zusammen mit \u00e4hnlichen vielversprechenden Bem\u00fchungen in Bereichen wie Messung, Betrugsschutz und Anti-Fingerprinting, sind die Zukunft der Web-Werbung &#8211; und die Privacy Sandbox wird unsere Web-Produkte in einer Welt ohne Drittanbieter-Cookies antreiben. Details lassen sich \u00fcber die obigen, verlinkten Beitr\u00e4ge herausfinden.<\/p>\n<blockquote><p>Google f\u00e4hrt aktuell wohl bereits Tests mit einzelnen Benutzern des Chrome-Browsers. Allerdings bleibt die Benutzerschaft in Europa bei diesen Tests au\u00dfen vor, wie man <a href=\"https:\/\/t3n.de\/news\/google-floc-google-neue-technik-1370469\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier erf\u00e4hrt<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Breite Kritik und Widerstand gegen FLoC<\/h2>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/amifloced.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Electronic Frontier Foundation (EFF)<\/a> spricht im verlinkten Dokument von einer schrecklichen Technologie. FLoC solle ein neuer Weg sein, den Browser dazu zu bringen, das Profiling der Benutzer zu erledigen, etwas, was Drittanbieter-Tracker fr\u00fcher selbst gemacht haben. Die EFF meint dazu, dass die Technologie die Datenschutzrisiken von Drittanbieter-Cookies zwar vermeidet, aber auch neue Datenschutzrisiken schaffe. So k\u00f6nnen FLoC Probleme, die nicht mit dem Datenschutz zusammenh\u00e4ngen, wie Diskriminierung und Predatory Targeting (abzielen auf Schw\u00e4chen), versch\u00e4rfen. Zudem f\u00fcrchtet die EFF, dass ein Browser-Fingerprinting durch die Werbetreibenden per Hintert\u00fcr eingef\u00fchrt werde. Die EFF fordert Google und die Browserhersteller auf, das Tracking \u00fcber Webseiten f\u00fcr Werbezwecke g\u00e4nzlich abzuschaffen. Die vielen Argumente der EFF lassen sich im oben verlinkten Dokument nachlesen.<\/p>\n<p>Die Entwickler der beiden Chromium-Clones <a href=\"https:\/\/brave.com\/why-brave-disables-floc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brave<\/a> und <a href=\"https:\/\/brave.com\/why-brave-disables-floc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vivaldi<\/a> haben in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung ebenfalls kund getan, dass FLoC ein Schritt in die falsche Richtung sei. Sie bauen daher die betreffenden Erweiterungen f\u00fcr FLoc im Chromium-Code in den eigenen Browsern aus. Und der Suchanbieter DuckDuckGo hat einen <a href=\"https:\/\/spreadprivacy.com\/block-floc-with-duckduckgo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eigene Erweiterung<\/a> bereitgestellt, um Chrome-Nutzern die M\u00f6glichkeit, FLoC zu blocken, zu geben. Der <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000125893167\/floc-alle-gegen-googles-privatsphaerenfreundliches-nutzer-tracking\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">deutschsprachige Beitrag hier<\/a> gibt einen umfassenderen \u00dcberblick \u00fcber die obigen Fragestellungen.<\/p>\n<p>Nun greifen die Entwickler des CMS WordPress diese Vorbehalte ebenfalls auf und haben gerade das Dokument <a href=\"https:\/\/make.wordpress.org\/core\/2021\/04\/18\/proposal-treat-floc-as-a-security-concern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Proposal: Treat FLoC as a security concern<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Die Entwickler sehen in Googles FLoC\u00a0 ein Sicherheitsproblem, weil durch den Verzicht auf Drittanbieter-Cookies die im DSGVO-Raum geforderte explizite Nutzereinwilligung nicht mehr greift. Das Team plant daher in k\u00fcnftigen WordPress-Versionen standardm\u00e4\u00dfig FLoc zu blockieren. Im Beitrag wird sogar Code gezeigt, wie WordPress-Administratoren in bestehenden Installationen FLoC blockieren k\u00f6nnen. Die Kollegen von Bleeping Computer haben das <a href=\"https:\/\/www.bleepingcomputer.com\/news\/security\/wordpress-to-automatically-disable-google-floc-on-websites\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> aufgegriffen.<\/p>\n<p><strong>Erg\u00e4nzung:<\/strong> Auch GitHub will laut <a href=\"https:\/\/www.bleepingcomputer.com\/news\/security\/github-disables-google-floc-user-tracking-on-its-website\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> FLoC auf seinen Seiten blockieren.<\/p>\n<h2>Es braucht L\u00f6sungen<\/h2>\n<p>Wie das Ganze mit FLoC ausgeht, ist also offen. Mir pers\u00f6nlich ist es am Ende des Tages egal, ob FLoC kommt oder blockiert wird &#8211; ich sitze als Publisher, der sich \u00fcber Werbeeinnahmen finanziert, eh zwischen allen St\u00fchlen. Hier w\u00fcrde kurzfristig ein planbares Monetarisierungsmodell &#8211; was sich weitgehend an der Besucherzahl orientiert &#8211; den Publishern helfen.<\/p>\n<p>Dass Drittanbieter-Cookies \u00fcber die DSGVO nur mit Nutzereinwilligungen gesetzt werden d\u00fcrfen, ist eigentlich seit 2016 erkennbar gewesen &#8211; und mit Inkrafttreten der DSGVO (bzw. GDPR) ab Mai 2018 bekannt. Aber erst das Urteil des EuGH und sp\u00e4ter des BGH, dass Cookies f\u00fcr Werbezwecke nur mit Einwilligung des Nutzers gesetzt werden d\u00fcrfen, hat Bewegung in die Sache gebracht. Und ja, der Elefant im Raum hei\u00dft Google, dessen Marktmacht und Beh\u00e4bigkeit ein Problem darstellt.<\/p>\n<p>Ich hatte es zum Jahreswechsel im Blog bereits thematisiert &#8211; hier sind die Einnahmen nach Einf\u00fchrung des Cookie-Consent im Dezember 2020 von einem Tag auf den anderen auf 30% gefallen. Als ich dem Sachverhalt dann nachgegangen bin, musste ich feststellen, dass Google keine M\u00f6glichkeit bietet, nicht Nutzer-bezogene Werbung bei Verweigerung der Cookie-Zustimmung auszurollen. Bei Google Adsense wurde genau das noch im Sommer 2020 angeboten &#8211; wurde aber m.W. zum Jahresende 2021 abgeschafft.<\/p>\n<p>Was auch keine Freude bereitete: Nutzer, die nur eine Teil-Cookie-Zustimmung erteilt hatten, bekamen im Dezember 2020 und Januar 2021 ebenfalls keine Werbung mehr zu sehen. Seit M\u00e4rz erholen sich die Einnahmen wieder (wobei ich aber ab diesem Zeitpunkt die doppelte Besucherzahl verzeichnen konnte). Bei einem kurzen Check habe ich eben festgestellt, dass Google zudem was ge\u00e4ndert haben muss. Abh\u00e4ngig von den Teilzustimmungen f\u00fcr diverse Cookies kommt neuerdings wieder Werbung. F\u00fcr diesen Schritt hat man &#8211; so mein Gef\u00fchl &#8211; bei Google wohl ca. 10 Monate gebraucht.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2021 kriege ich &#8211; wenn nichts gravierendes passiert &#8211; wohl die Finanzierung f\u00fcr die Blogs zusammen (u.a., weil Verwertungsgesellschaften wie die VGWort im September einen gewissen Betrag f\u00fcr Seitenabrufe in 2020 aussch\u00fctten). Wie das l\u00e4ngerfristig ausschaut, steht allerdings offen. Mittwoch soll ich Informationen bekommen, was Google ggf. in Bezug auf Werbeanzeigen ohne Cookies und mit FLoC in Zukunft so plant. Die Diskussionen innerhalb der EU um die ePrivacy-Richtlinie verhei\u00dfen auch nichts Gutes. Da soll der Cookie-Consent nach aktuellen Entw\u00fcrfen wieder gekippt werden &#8211; w\u00e4re kurzfristig gut f\u00fcr die Publisher &#8211; ich f\u00fcrchte aber, dass das ggf. einige Zeit sp\u00e4ter wieder durch den EuGH kassiert werden k\u00f6nnte &#8211; dann beginnt das ganze Schlamassel von vorne. Daher f\u00fcrchte ich, dass das Thema durch die obigen Diskussionen um FLoC wieder zur H\u00e4ngepartie wird. Mir geht der Spruch \"gibt es ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende &#8211; und musst Du irgendwann den Stecker ziehen\" im Kopf herum. Nun ja, wir werden sehen, wie das Ganze ausschaut &#8211; vielleicht wissen wir Ende 2021 mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der von Google vorgeschlagene FLoC-Ansatz, um das Cookie-Tracking durch anonyme Benutzergruppenbildung (als privacy-freundlich bezeichnet) f\u00fcr den Werbemarkt zu retten, scheint aktuell m\u00e4chtig Gegenwind zu bekommen. 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