{"id":255069,"date":"2021-06-23T12:28:28","date_gmt":"2021-06-23T10:28:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=255069"},"modified":"2021-09-20T01:18:23","modified_gmt":"2021-09-19T23:18:23","slug":"datengrab-doctolib-reicht-deine-daten-an-facebook-und-outbrain-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/06\/23\/datengrab-doctolib-reicht-deine-daten-an-facebook-und-outbrain-weiter\/","title":{"rendered":"Datenpetze: Doctolib reicht deine Daten an Facebook und Outbrain weiter"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Sicherheit_klein.jpg\" alt=\"Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)\" width=\"200\" \/>Aktuell geht der Fall des franz\u00f6sischen Anbieters Doctolib durch die Medien. Dieser stellt sowohl eine App gleichen Namens als auch eine Software zur Terminvereinbarung mit \u00c4rzten bereit. Die App wird von Privatleuten genutzt, die Terminvereinbarungssoftware kommt bei \u00c4rzten zum Einsatz. Nun wurde bekannt, dass die Android-App des Anbieters Daten f\u00fcr Online-Werbung an Facebook und Outbrain weiter reichte. Der Anbieter ist aber schon l\u00e4nger in der Kritik, so gab es voriges Jahr ein Datenleck. Ich habe das Ganze daher mal etwas ausf\u00fchrlicher beleuchtet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ce5e0f35c24348919ab590d37f50fe08\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Die Anwendung Doctolib ist angetreten, die Onlinebuchung von Terminen bei \u00c4rzten zu revolutionieren. Einfach alles im Rahmen der Telemedizin digital erledigen &#8211; echt cool, so dass die Software in Berlin auch zur Terminabstimmung f\u00fcr COVID-19-Impfungen verwendet wird. Es gibt auch eine App f\u00fcr Android und f\u00fcr iOS, und da hat mal jemand genauer hingeschaut. Ein klein bisschen doof ist, dass diese App-L\u00f6sung f\u00fcr Android die pers\u00f6nlichen Daten f\u00fcr Online-Werbung gleich an Facebook und Outbrain weiter reichte. So in der Art: Du suchst gerade nach einem bestimmten Volksleiden und einem Arzt zur Behandlung? Da Du Privatpatient bist, h\u00fclfe gegen deine H\u00e4morriden die Salbe beim Anbieter xyz. Eine echte Win-Win-Situation.<\/p>\n<blockquote><p>Es ist mal wieder ein Paradebeispiel f\u00fcr den Schlitten in Schussfahrt bergab, auf den viele Nutzer und auch Politiker und Verbandfunktion\u00e4re so ganz naiv drauf h\u00fcpfen. Denn Digitalisierung ist einfach hipp, wir haben sogar eine Staatssekret\u00e4rin, Frau D. B\u00e4r von der CDU in Bayern abgeordnet, die den Datenschutz in diesem Bereich als eher nachrangig ansieht &#8211; gut die haben da eh so ihre Probleme mit (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/06\/21\/bayern-versagen-bei-digitalisierung-an-schulen-der-datenschutz-hat-schuld\/\">Bayern: Versagen bei Digitalisierung an Schulen \u2013 der Datenschutz hat Schuld<\/a> &#8211; ok, ist unfaire Dialektik).<\/p><\/blockquote>\n<h2>Kleine Einordnung der Beteiligten<\/h2>\n<p>In nachfolgendem Text geht es um den Anbieter Doctolib, um Sicherheit und um Facebook sowie Outbrain. Zur Orientierung der Leserschaft hier ein grober \u00dcberblick, was es zu den Beteiligten zu wissen gibt. Mit dem Sozialen Netzwerk Facebook wird zwar jeder was anfangen k\u00f6nnen. Aber wer sind Dotolib und Outbrain?<\/p>\n<h3>Wer oder was ist Doctolib?<\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doctolib\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Doctolib SAS<\/a> ist ein franz\u00f6sisches Technologieunternehmen mit Sitz in Paris, das zuf\u00e4llig eine Spezialsoftware anbietet, die unter anderem die Online-Buchung von Terminen bei \u00c4rzten, das Terminmanagement in Praxen und Gesundheitseinrichtungen sowie telemedizinische Videosprechstunden erm\u00f6glicht. L\u00e4sst sich alles auf Wikipedia mit Quellennachweis nachlesen.<\/p>\n<p>Die Doctolib GmbH (Sitz: Berlin), ein Tochterunternehmen der Doctolib SAS, ist seit Sommer 2016 in Deutschland f\u00fcr die E-Health-Angebote des Unternehmens verantwortlich. Nach Unternehmensangaben nutzten Anfang 2017 zirka 17.000 \u00c4rzte und 435 Gesundheitseinrichtungen in Frankreich und Deutschland die Plattform.<\/p>\n<p>Im Juli 2020 wurde Doctolib zum Ziel einer Cyberattacke, die vom Unternehmen gestoppt werden konnte. Patientendaten wurden nicht entwendet. Im Sommer 2020 \u00fcbernahm Doctolib zusammen mit der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung Niedersachsen die Online-Terminvereinbarungen f\u00fcr Covid-19-Tests. Besonders brisant: Seit dem Jahreswechsel 2020\/2021 kommt die Software des Unternehmens zudem in Berlin und Frankreich bei der Koordination von Terminen f\u00fcr Impfungen gegen COVID-19 zum Einsatz.<\/p>\n<h3>Wer oder was ist Outbrain?<\/h3>\n<p>Bei <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Outbrain\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Outbrain<\/a> handelt es sich um eine Web-Werbeplattform, die Boxen mit Links, so genannte Chumboxes, auf Seiten innerhalb von Websites anzeigt. \u00dcber die Links zu den gesponserten Inhalten generiert Outbrain Einnahmen f\u00fcr den Publisher. Das Modell von Outbrain wird aber wohl mehrheitlich als minderwertig und Clickbait angesehen (so in der Art \"als sie das Foto ihres Ehemannes sah und genauer hinschaute, kam die ganze Wahrheit heraus\".<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt Leute, die Outbrain (und andere Anbieter wie Taboola) als eine wichtige Einnahmequelle f\u00fcr Publisher sehen. Fusionspl\u00e4ne zwischen Outbrain und Taboola sind meinen Informationen nach 2020 gescheitert. Ich hatte mal in 2020 mit Taboola Kontakt, weil die hier im Blog eingebunden werden wollten &#8211; ich habe mich, aber auf Grund der vorgelegten Gesch\u00e4ftsbedingungen dagegen, entschieden.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Aktuell ist hier im Blog am Artikelende ein \u00e4hnlicher Mechanismus von Google Adsense eingebunden, der Artikelvorschl\u00e4ge aus meinen Blogs, angereichert um gekennzeichnete Werbung, einblendet. Die Einnahmen\u00a0 sind arg \u00fcberschaubar &#8211; aber noch bin ich mir unschl\u00fcssig, ob ich das Ganze wieder rauswerfen m\u00f6chte.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Worum geht es beim Doclib-Skandal genau?<\/h2>\n<p>Das Problem ist, dass Doclib in seiner Software sowohl Facebook als auch den Anbieter Outbrain (f\u00fcr Werbezwecke) einsetzt(e). Damit werden die Daten an diese beiden Unternehmen weiter gereicht. Facebook sowie Outbrain in einer Software (hier eine Android-App), die in so sensiblen Bereichen wie Terminverwaltung f\u00fcr \u00c4rzte oder Impfungen eingesetzt wird, geht erst recht nicht. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis es knallt. Auch sonst scheint es der Anbieter mit dem Punkt Datenschutz locker zu nehmen.<\/p>\n<p>Bereits vor Monaten klagten einige franz\u00f6sische \u00c4rzteverb\u00e4nde gegen die Einbindung von Doctolib bei der Vergabe von Impfterminen in Frankreich. Die Begr\u00fcndung: Doctolib speichere Daten auf Servern von Amazon in den Vereinigten Staaten, die Einhaltung europ\u00e4ischer Datenschutzvorschriften sei nicht gew\u00e4hrleistet. Das Ganze poppte jetzt in den Medien auf, weil der Ansatz breiter bekannt wurde. Der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Conseil_d%E2%80%99%C3%89tat_(Frankreich)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Conseil d'\u00c9tat<\/a>, das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs, widersprach den Kl\u00e4gern am 12. M\u00e4rz 2021, der Schutz der Daten sei ausreichend.<\/p>\n<p>2021 erhielt das Unternehmen den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Big_Brother_Awards\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Big Brother Award<\/a>, weil es nach Ansicht des Vereins Digitalcourage die Vertraulichkeitspflicht missachte und Daten von Nutzern und Patienten aus Arztpraxen f\u00fcr Marketingzwecke nutze. Riecht irgendwie nach \"die Sache hat Methode\".<\/p>\n<h3>Jetzt geht es um die Doclib-Android App<\/h3>\n<p>Die Kollegen von heise adressierten es in <a href=\"https:\/\/twitter.com\/heiseonline\/status\/1407368053806055427\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">obigem Tweet<\/a> und haben weitere Details in <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Doctolib-reicht-Gesundheitsdaten-an-Facebook-und-Outbrain-weiter-6114823.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> zusammen getragen. In kurz: Die Seite mobilsicher.de hat in <a href=\"https:\/\/mobilsicher.de\/ratgeber\/verstoerend-doctolib-app-teilte-sensible-informationen-mit-facebook-und-outbrain\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> die Erfahrungen mit der Doctolib-App f\u00fcr Android (Version 3.2.26) \u00f6ffentlich gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/heiseonline\/status\/1407368053806055427\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" title=\"Der Doctolib-Facebook-Outbrain-Skandal\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/tNEBbsH.png\" alt=\"Der Doctolib-Facebook-Outbrain-Skandal\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wer die App installiert, bekommt bei der ersten Nutzung die nachfolgende Information, in der die Verwendung der Daten angezeigt und eine Zustimmung gefordert wird. Stimmt der Benutzer zu, was die meisten tun d\u00fcrften, \u00fcbertr\u00e4gt die App eine Reihe Daten an Facebook sowie Outbrain.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Datenschutzerkl\u00e4rung der Doctolib-App\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/zgDVSdL.png\" alt=\"Datenschutzerkl\u00e4rung der Doctolib-App\" width=\"547\" height=\"973\" \/><br \/>\nDatenschutzzustimmung der Doctolib-App<\/p>\n<p>Die Leute von mobilsicher.de haben sich die ausgetauschten Ergebnisse im Detail angesehen. Und die haben es in sich, denn die folgenden Daten k\u00f6nnen dort im Austausch auftauchen:<\/p>\n<ul>\n<li>eine marketerID von Outbrain oder die Facebook-ID<\/li>\n<li>der Link von doctolib.de<\/li>\n<li>die in der App verwendeten Suchworte wie urologie etc.<\/li>\n<li>unter \u201einsuranceSector=private\" ist vermerkt, wenn man sich als privat versichert ausgibt<\/li>\n<li>die gew\u00fcnschte Behandlung<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr den letzten Punkt geben die Leute von mobilsicher.de folgendes an: \"motiveKey=Vorgespr\u00e4ch Vasektomie\/Sterilisation Mann\". Also richtig nett, was die App mitsamt der IP-Adresse des App-Benutzers an Facebook oder Outbrain so ausplaudert.<\/p>\n<blockquote><p>Facebook verbietet m.W. \u00fcbrigens seinen Vertragspartner die \u00dcbertragung pers\u00f6nlicher Daten aus dem Medizinbereich. Da hat Doclib wohl nicht richtig gelesen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Allerdings bleibt im konkreten Fall festzuhalten, dass keine Informationen \u00fcber tats\u00e4chlich gebuchte Termine ausgetauscht werden, sondern nur das, was der Benutzer in der Suche nach einem Arzt so alles eingibt. Da aber die IP-Adresse von Datensch\u00fctzern als privates Datum angesehen wird, und die Informationen aus der Suche sehr sensibel sein k\u00f6nnen, ist das eher ein Fall von No-Go.<\/p>\n<h3>DSGVO-Zustimmung g\u00fcltig oder nicht?<\/h3>\n<p>Der Jurist und Politiker Patrick Breyer, der f\u00fcr die Piratenpartei im Europ\u00e4ischen Parlament sitzt, hat gegen\u00fcber mobilsicher.de seine Einsch\u00e4tzung bez\u00fcglich der oben angezeigten \"Einwilligung\" abgegeben::<\/p>\n<blockquote><p>Wenn das die einzige Einwilligung ist, deckt das nat\u00fcrlich nicht die \u00dcbermittlung von Inhalten und Schl\u00fcsselworten ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was Beyer vom Berliner Senat (die sind auch bei der Luca-App vorne mit dabei) und dessen Beauftragung f\u00fcr die Vergabe von Impfterminen h\u00e4lt, l\u00e4sst sich in einem Satz zusammen fassen:<\/p>\n<blockquote><p>Die \u00f6ffentliche Hand sollte die Finger davon lassen, siehe BigBrother-Award &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<h3>Doctolib hat reagiert<\/h3>\n<p>Die Leute von mobilsicher.de geben aber an, dass sie das Unternehmen Doctolib kontaktiert hatten. Am Freitag, den 18.06.2021, reagierte Doctolib und entfernte die kritisierten Cookies von der Webseite. Beim erneuten Test am 21.06.2021 fand keine \u00dcbermittlung von Daten an Facebook oder Outbrain statt. Dr. Ilias Tsimpoulis, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Dotolib, f\u00fchrte gegen\u00fcber mobilsicher.de als Zweck folgendes aus:<\/p>\n<blockquote><p>Die beiden Cookies dienten dazu, den Erfolg unserer Marketing-Kampagnen zu messen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Beantwortet nicht, warum die Suchw\u00f6rter sowie die Angaben zum Versicherungsstatus mitsamt der IP erfasst wurden. Jetzt wurde entschieden, die Kampagnenmessung \u00fcber die beiden Drittanbieter ganz einzustellen. Dazu sagt der Unternehmensvertreter:<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben bei Facebook und bei Outbrain veranlasst, dass alle \u00fcber die Cookies erfassten Daten aus der Vergangenheit gel\u00f6scht werden.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Meine zwei Cents: Es stinkt<\/h2>\n<p>Mein Problem bei dem ganzen Ansatz: Der Anbieter ist in einem \u00e4u\u00dferst sensiblen Bereich unterwegs &#8211; da h\u00e4tte ich eigentlich erwartet, dass da eine sehr hohe Sensitivit\u00e4t in Sachen Privatsph\u00e4re und Datenschutz herrscht. Lese ich mir die Unternehmensaussagen hier bez\u00fcglich Datenschutz durch, hei\u00dft es unter Punkt 4:<\/p>\n<blockquote><p>Wir sind der Meinung, dass Informationen, die unsere Gesundheit betreffen, pers\u00f6nlich sind und dass Datenschutz unerl\u00e4sslich ist.<\/p>\n<p>Wir halten alle europ\u00e4ischen und nationalen Vorschriften ein, insbesondere die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Wir arbeiten Hand in Hand mit \u00f6ffentlichen und privaten Institutionen, um den strengsten Regeln des Datenschutzes zu entsprechen.<\/p>\n<p>Wir bem\u00fchen uns, die h\u00f6chsten Sicherheitsstandards f\u00fcr die Daten der Doctolib-Nutzer:innen aufrechtzuerhalten, dank sicherer, f\u00fcr das Gesundheitswesen zertifizierter Rechenzentren in Frankreich und in Deutschland, Verschl\u00fcsselung auf mehreren Ebenen und den fortschrittlichsten Sicherheitsma\u00dfnahmen. Wir sch\u00fctzen unsere Dienste mit fortschrittlichen Algorithmen, die in der Lage sind, Cyberangriffe abzuwehren. Wir wissen, dass es 100 % sichere IT-Systeme nicht gibt, aber wir arbeiten unerm\u00fcdlich an diesem Ziel.<\/p>\n<p>Bei Doctolib geben wir unseren Nutzer:innen:innen die volle Kontrolle \u00fcber ihre Gesundheitsdaten. Sie sind vertraulich und nur Patient:innen und Gesundheitsfachkr\u00e4fte k\u00f6nnen darauf zugreifen. Doctolib ist nicht in Besitz der Gesundheitsdaten der Nutzer:innen und kann und wird diese nicht verwenden. Es steht den Nutzer:innen frei ihre Daten wiederzuerlangen oder zu vernichten. Wenn das Doctolib-Konto nicht mehr genutzt werden soll, k\u00f6nnen die Nutzer:innen die an Doctolib \u00fcbermittelten Daten (einschlie\u00dflich ihrer Dokumente) jederzeit eigenst\u00e4ndig l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Doctolib verwendet diese Daten nicht f\u00fcr andere Zwecke, verkauft sie nicht und gibt sie unter keinen Umst\u00e4nden an kommerzielle Anbieter weiter. Dies ist unethisch, durch europ\u00e4ische und nationale Gesetze verboten und wird mit Geld- und Freiheitsstrafen geahndet. Das Gesch\u00e4ftsmodell von Doctolib basiert nicht auf der Nutzung dieser Daten oder auf der Einblendung von Werbung, sondern auf einem Abonnement-System f\u00fcr unsere medizinische Software, das von den \u00c4rztInnen und den Gesundheitsfachkr\u00e4ften bezahlt wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Spiegele ich das an dem, was weiter oben ausgebreitet wird, passt das alles hinten und vorne nicht zusammen. Die eingangs skizzierten Sachverhalte mit Klagen franz\u00f6sischer \u00c4rztevertreter und der jetzt aufgeflogene Fall zeigen, dass das wohl hehre Anspr\u00fcche auf Papier stehen, die in der Praxis nicht gelten.<\/p>\n<h3>Politik w\u00e4scht die H\u00e4nde in Unschuld<\/h3>\n<p>Ob ein Einsatz in Arztpraxen, gedeckt durch die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung ,oder die Verwendung bei der Impfterminvergabe im Auftrag eines Bundeslandes beibehalten werden darf, mag ich nicht beurteilen. Zumindest herrscht da in Berlin eine ziemliche Blau\u00e4ugigkeit, denn mobilsicher.de zitiert die Presseabteilung des Berliner Gesundheitssenats, auf die Frage, ob man die Einwilligung f\u00fcr das beschriebene Verhalten des Dienstes f\u00fcr ausreichend halte:<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben die Best\u00e4tigung von Doctolib, dass alle Applikationen DSGVO konform betrieben werden. Eine genaue Analyse dieses spezifischen Falles wurde nicht durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Eine tiefergehende technische Pr\u00fcfung aller Aspekte der Datensicherheit und des Datenschutzes konnte zum damaligen Zeitpunkt nicht erfolgen und es gab angesichts der vorgelegten Unterlagen und Erkl\u00e4rungen auch keinen akuten Anlass dazu. Sollte es einen Anlass geben, wird die Senatsverwaltung f\u00fcr Gesundheit, Pflege und Gleichstellung die n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen ergreifen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Klar, es ist nachvollziehbar, dass man nicht alles und jedes kontrolliert (der Anbieter wirbt am Ende <a href=\"https:\/\/www.doctolib.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">seiner Homepage<\/a> mit ips-G\u00fcte- und T\u00dcV Saarland gepr\u00fcftem Datenschutz-Siegel) &#8211; aber stichprobenartig k\u00f6nnte man schon nachschauen &#8211; speziell, wenn man sich \u00fcber den Anbieter informiert. Ich dr\u00fccke es mal so aus: Ich habe kein gutes Gef\u00fchl und w\u00fcrde einen weiten Bogen um diesen Anbieter machen. Leider besteht die Bef\u00fcrchtung &#8211; ich sehe es als Gewissheit &#8211; das es nicht lange braucht, bis der n\u00e4chste Datenschutzvorfall zu vermelden ist &#8211; denn diese Blau- oder Hemds\u00e4rmeligkeit scheint Usus in der Branche zu sein. Ich wei\u00df schon, warum ich einen Bogen um Gesundheits-Apps mache.<\/p>\n<h3>Was sagen die Datenschutzbeauftragten?<\/h3>\n<p>Offen ist f\u00fcr mich auch die Frage, wie eigentlich der Bundesdatenschutzbeauftragte, und beispielsweise der Landesdatenschutzbeauftragte Berlins, die \"DSGVO-Konformit\u00e4t\" des obigen Falls sieht. Da herrscht bisher m.W. noch Schweigen. Falls wer aus der Leserschaft die App genutzt hat, k\u00f6nnte sich <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/DSGVO-So-nutzen-Sie-Ihre-Auskunftsrechte-4429886.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen Artikel bei heise<\/a> zu den Auskunftsrechten zu Gem\u00fcte f\u00fchren und nachhaken sowie Beschwerde beim zust\u00e4ndigen Bundes- oder Landesdatenschutzbeauftragten einreichen.<\/p>\n<h2>Und was war mit der Sicherheitsl\u00fccke?<\/h2>\n<p>Ich muss leider was erg\u00e4nzen: Was ich auch noch nicht thematisiert habe: Heute, am 23. Juni 2021, berichtet Zeit Online in <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2021-06\/doctolib-online-buchung-arzttermin-impftermin-datenschutz-sicherheitsluecke-patientendaten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> erneut von einem alten Flop. Nach Recherchen konnten auch Dritte wegen einer Sicherheitsl\u00fccke bis 2020 auf Arzt- oder Impftermine sowie Daten von \u00c4rzten zugreifen &#8211; das ist etwas au\u00dferhalb des obigem Falls mit der App. Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>Bis Mitte 2020 soll ein Datensatz von 150 Millionen Terminvereinbarungen f\u00fcr Unbefugte frei im Internet zug\u00e4nglich gewesen sein. Teils lie\u00dfen sich Sprechstundenbesuche bis ins Jahr 1990 zur\u00fcckverfolgen. Mitgliedern des Chaos Computer Clubs sind diese Daten sowie Informationen \u00fcber die Sicherheitsl\u00fccke anonym zugespielt worden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mutma\u00dflich scheinen die Daten \u00fcber die Software von Doctolib abgeflossen zu sein. Leider ist der Zeit-Online-Artikel teilweise hinter einer Paywall &#8211; der Fall ging im Dezember 2020 schon mal durch die Medien (siehe <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/arztpraxen-sensible-patientendaten-waren-fuer-unbefugte-zugaenglich-a-b786d37c-8dc5-4e03-b20d-a51bb9751264\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen SPON-Beitrag<\/a>). Warum Zeit Online das Thema jetzt wieder hochholt? Eine Doctolib-Sprecherin hatte Ende 2020 den Umfang des Datenlecks gegen\u00fcber Zeit Online klein geredet. Laut Unternehmen sei die Anschuldigung \u00fcber ein Leck von 150 Millionen Terminen zu 100 Prozent falsch. Es w\u00e4ren nur 45 Termine betroffen gewesen. Zeit Online konnte nun die zu Beweiszwecken von einem unbekannten Entdecker heruntergeladenen Datens\u00e4tze einsehen und auf Plausibilit\u00e4t pr\u00fcfen. Laut dem Medium handelt es sich nicht um 45 Einzelf\u00e4lle, sondern um \"einige Tausend Datens\u00e4tze\". Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht, aber abwiegeln ist beim Anbieter wohl Programm. An dieser Stelle m\u00f6chte ich rufen: Was denn noch?<\/p>\n<blockquote><p>Vor 28 Jahren habe ich \u00fcber meine T\u00e4tigkeit in der Prozessdatenverarbeitung im Chemiebereich auch im Labor- und Pharmabereich gearbeitet. Wenn solche Abweichung zwischen Dokumentation und durchgef\u00fchrten Prozessen dort aufgetreten w\u00e4ren, h\u00e4tten die Aufsichtsbeh\u00f6rden die gesamte Produktion oder die Labors rigoros wegen Unzuverl\u00e4ssigkeit des Anbieters dicht gemacht. Aber im Gesundheitswesen darf jeder Anbieter offenbar fr\u00f6hlich weiter werkeln. Da passt doch was nicht.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/04\/09\/corona-tests-datenleck-legt-persnliche-daten-und-ergebnisse-offen\/\">Corona-Tests: Datenleck legt pers\u00f6nliche Daten und Ergebnisse offen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/03\/21\/gibt-die-corona-warn-app-ungenutzt-benutzerdaten-an-google\/\">\u00dcbermittelt die Corona-Warn-App des RKI ungewollt Benutzerdaten an Google?<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/11\/21\/sicherheitslcke-in-corona-warn-app-server-gefunden\/\">Sicherheitsl\u00fccke in Corona-Warn-App-Server gefunden<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/08\/28\/der-ccc-und-der-hack-der-digitalen-corona-listen\/\">Der CCC und der Hack der digitalen \"Corona-Listen\"<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/05\/26\/hack-dein-gesundheitsamt-die-luca-app-machts-mglich\/\">Hack dein Gesundheitsamt, die Luca-App machte es m\u00f6glich<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/04\/01\/lizenzrger-die-luca-app-und-die-open-source-klippen\/\">Lizenz\u00e4rger: Die Luca-App und die Open Source-Klippen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/05\/18\/der-schweizer-impfpass-gescheitert-an-der-sicherheit\/\">Der Schweizer Impfpass: Gescheitert an der Sicherheit<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/09\/20\/datenschutz-gau-finger-weg-von-der-gesundheits-app-vivy\/\">Datenschutz-GAU: Finger weg von der Gesundheits-App Vivy<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell geht der Fall des franz\u00f6sischen Anbieters Doctolib durch die Medien. 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