{"id":259163,"date":"2021-11-06T11:22:59","date_gmt":"2021-11-06T10:22:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=259163"},"modified":"2021-11-06T11:22:59","modified_gmt":"2021-11-06T10:22:59","slug":"digitalisierung-im-gesundheitswesen-rzteverbnde-fordern-einjhriges-moratorium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/11\/06\/digitalisierung-im-gesundheitswesen-rzteverbnde-fordern-einjhriges-moratorium\/","title":{"rendered":"Digitalisierung im Gesundheitswesen: &Auml;rzteverb&auml;nde fordern einj&auml;hriges Moratorium"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Stop - Pixabay\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stop01.jpg\" align=\"left\" altt=\"Stop - Pixabay\"\/>Elektronische Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung, elektronisches Rezept (eRezept), digitale Patientenakte (ePA), sind Projekte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, die durch Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn gepusht wurden. Aber bei allen Projekten hakt es mit der Technik, vieles wurde \u00fcbereilt eingef\u00fchrt und funktioniert nicht.&nbsp; Die Bundes\u00e4rztekammer und andere Vereinigungen im Gesundheitswesen rei\u00dft der Geduldsfaden. Die eingef\u00fchrten L\u00f6sungen behindern die \u00c4rzte und dessen Personal und f\u00fchren zu Sicherheitsrisiken. Die Fachverb\u00e4nde fordern eine einj\u00e4hrige Pause in der Digitalisierung. Auch an anderer Front hat Jens Spahn nun \u00c4rger mit seiner elektronischen Patientenakte (ePA).<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/3a05c95b5f51493bb309d8e119d6a5e4\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Vor einigen Monaten: Ich hatte einen Termin bei einem Hautarzt in einer Gemeinschaftspraxis. Aber nichts ging mehr, weil das IT-System mit Windows 10 die Gr\u00e4tsche gemacht hatte. Die Patienten wurden in einer Art Notbetrieb durchgeschleust, weil der Fehler bereits seit Stunden nicht behoben werden konnte. Es schien einige Praxen im \u00c4rztehaus betroffen zu haben. <\/p>\n<p>K\u00fcrzlich in der Praxis meines Hausarztes: Meine Frau wollte \u00dcberweisungen, Krankschreibungen und weitere Dokumente abholen. Aber es ging nichts, weil das IT-System ausgefallen war. Selbst die Telefonanlage streikte. Meine Frau berichtete sp\u00e4ter, dass die Sprechstundenhilfe mit dem privaten Handy die Hotline anrief, um sich Unterst\u00fctzung zu holen. <\/p>\n<p>Von meinem Arzt wei\u00df ich, dass dieser nach wie vor auf seiner Handakte aus Papier f\u00fcr seine Patienten besteht &#8211; denn diese funktioniert, solange er die Schr\u00e4nke aufkriegt und noch lesen kann. Von einem Bekannten, der die IT des Hausarztes mitbetreut, wei\u00df ich, welche Schwierigkeiten es bei der Einf\u00fchrung der Telematik-Infrastruktur in der Arztpraxis gab und gibt. Da wird was an neuen Funktionen verk\u00fcndet, aber in der praktischen Umsetzung hapert es. Mal ist es das Krankenkassenk\u00e4rtchen, welche noch nicht f\u00fcr das neue Merkmal freigeschaltet ist, mal sind es Funktionen der Gematik Telematik-Infrastruktur, die Tests nicht zulassen. Irgendwas scheint immer zu klemmen. <\/p>\n<h2>Forderung nach einj\u00e4hriger Digitalisierungspause<\/h2>\n<p>Den Vertretern der \u00c4rzteschaft und Medizinorganisationen, die das alles ausbaden m\u00fcssen, reicht es jetzt. Auf dem 125. Deutschen \u00c4rztetag in Berlin wurde die Einf\u00fchrung der Telematikinfrastruktur (TI) von \u00c4rztevertretern scharf kritisiert. Arzt-Wirtschaft <a href=\"https:\/\/www.arzt-wirtschaft.de\/vermischtes\/politik\/aerzteschaft-fordert-aussetzen-der-telematikinfrastruktur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zitiert<\/a> die \u00c4rzteschaft, dass etwas <em>mit massivem Druck etwas ins Gesundheitswesen gepresst werde, welches weder praktisch funtioniere noch sicher sei oder die Gesundheitsversorgung in Deutschland verbessere.<\/em><\/p>\n<p>Dr. Klaus Reinhard, Pr\u00e4sident der Bundes\u00e4rztekammer, appelliert in seiner Rede an die kommende Bundesregierung, eine einj\u00e4hrige Digitalisierungspause in diesem Bereich zu machen. Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien \u00c4rzteschaft (F\u00c4) und Delegierter, betonte: \"Praktikabilit\u00e4t, Sicherheit und Nutzen sind einfach nicht gegeben.\" Auch heise hat die diesbez\u00fcglichen Aussagen auf dem 125. Deutschen \u00c4rztetag in Berlin vom in <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/E-Rezept-Co-Aerzte-fordern-Digitalisierungspause-im-Gesundheitswesen-6250143.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> zusammen gefasst und weist in folgendem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RA_Geissler\/status\/1456146433623658496\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tweet<\/a> auf diesen Sachverhalt hin. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/RA_Geissler\/status\/1456146433623658496\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" title=\"&Auml;rztekritik an Digitalisierung\" alt=\"&Auml;rztekritik an Digitalisierung\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/JV9y6oB.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die in meinen Augen berechtigte Forderung der \u00c4rzteschaft lautet: Digitale Anwendungen m\u00fcssen praxistauglich sein und einen tats\u00e4chlichen Nutzen f\u00fcr die Versorgung der Patienten nachweisen. Die \u00c4rztevertreter <a href=\"https:\/\/www.arzt-wirtschaft.de\/vermischtes\/politik\/aerzteschaft-fordert-aussetzen-der-telematikinfrastruktur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fordern<\/a> intensive und fl\u00e4chendeckende Testphasen mit einer Dauer von mindestens zw\u00f6lf Monaten, bevor Verfahren breit ausgerollt werden.<\/p>\n<p>Erik Bodendieck, Co-Vorsitzender des Ausschusses \u201eDigitalisierung in der Gesundheitsversorgung\" der Bundes\u00e4rztekammer, wird dazu mit folgenden Aussagen zitiert.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die elektronische Patientenakte, das eRezept und die elektronische Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung ver\u00e4ndern die Arbeitsabl\u00e4ufe in Praxen und Kliniken nachhaltig. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte werden dies nur akzeptieren, wenn die neuen Prozesse sicher, st\u00f6rungsfrei und z\u00fcgig ablaufen. [&#8230;] Die Konsequenzen sehen wir jetzt. Die Testergebnisse sind mehr als ern\u00fcchternd.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Gefordert wird, die Strukturen der gematik, die die Telematikinfrastruktur bereitstellt, zu \u00fcberarbeiten. Zitat von Wieland Dietrich aus <a href=\"https:\/\/www.arzt-wirtschaft.de\/vermischtes\/politik\/aerzteschaft-fordert-aussetzen-der-telematikinfrastruktur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a>:&nbsp; <\/p>\n<blockquote>\n<p>Jetzt r\u00e4cht sich, dass die gematik die Anforderungen der Gesellschafter \u00fcbergeht, die die Patientenversorgung verantworten. Diese Gesellschafter m\u00fcssen einen st\u00e4rkeren Einfluss haben. <\/p>\n<p>Praktikabilit\u00e4t, Sicherheit und Nutzen sind einfach nicht gegeben. Die Einf\u00fchrung der TI in ihrer aktuellen Ausgestaltung ist nicht nur dilettantisch, sondern auch gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In der Kritik steht der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn, der die Projekte gegen die \u00c4rzteschaft voran getrieben hat. Die \u00c4rzteschaft kritisiert besonders die mangelnden Tests der TI und ihrer Anwendungen. Der Vorwurf: Die TI-Verfahren seien nicht marktreif, Arztpraxen, Kliniken und Patienten m\u00fcssten nun als Versuchskaninchen bei der Einf\u00fchrung der TI herhalten. Wieland dazu: <em>Die k\u00fcnftige Bundesregierung muss die Schraube, die der scheidende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn weit \u00fcberdreht hat, wieder zur\u00fcckdrehen und die telematischen Anwendungen erst einmal sorgf\u00e4ltig \u00fcberpr\u00fcfen und testen.<\/em><\/p>\n<h2>Streit \u00fcber Spahns ePA<\/h2>\n<p>Gesundheitsminister Jens Spahn f\u00e4llt die Geschichte wohl auch noch von einer anderen Seite auf die F\u00fc\u00dfe, wie man nachfolgendem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/dneuerer\/status\/1456897708845895682\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tweet<\/a> entnehmen kann. Das Handelsblatt berichtet <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/digitalisierung-elektronische-patientenakte-spahn-befeuert-streit-ueber-sein-prestigeprojekt\/27773588.html?share=twitter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> \u00fcber den Streit \u00fcber Spahns Prestigeprojekt elektronische Patientenakte. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/dneuerer\/status\/1456897708845895682\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" title=\"Streit &uuml;ber sein Prestigeprojekt elektronische Patientenakte \" alt=\"Streit &uuml;ber sein Prestigeprojekt elektronische Patientenakte \" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/od8t2ig.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Spahn wetterte wohl gegen die Vorbehalte des Bundesdatensch\u00fctzers bei der E-Patientenakte. Spahn hatte wenig Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, das der Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber seit Monaten \u00f6ffentlich mit den Krankenkassen \u00fcber zus\u00e4tzliche Datenschutzfunktionen in der digitalen Patientenakte streitet. Kelber ist f\u00fcr insgesamt 63 gesetzliche Krankenkassen mit 44,5 Millionen Versicherten zust\u00e4ndig. Dadurch sieht sich Spahn bei seinem Prestige-Projekt vom Datenschutz ausgebremst, dass Datenschutz essentiell ist, interessiert den Minister nicht. <\/p>\n<p>Die elektronische Patientenakte (ePA) wird seit Anfang 2021 angeboten und ist ein zentrales Element von Spahns Strategie. Sie soll Erleichterungen f\u00fcr Patienten und \u00c4rzte bringen, weil beispielsweise medizinische Befunde gespeichert und auch geteilt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr Spahn stehen die Vorteile f\u00fcr die mehr als 73 Millionen Versicherten im Vordergrund &#8211; das Credo der CDU ist ja \"Daten sind das neue \u00d6l\". <\/p>\n<p>Spahn wird vom Handelsblatte mit \"Dieser Konflikt zeigt das ganze Problem rund um den Datenschutz in Deutschland\" zitiert. Statt sich \u00fcber den Fortschritt der E-Akte zu freuen und ihn in den Jahren weiter zu verbessern, wird lieber versucht, jeden kleinen Schritt nach vorne zu verhindern, so der Minister. Spahn sieht laut Handelsblatt den Datenschutz sogar als gro\u00dfe H\u00fcrde f\u00fcr die Digitalisierung: \"er Bundesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz hat die Digitalisierung nicht einfacher gemacht.\"<\/p>\n<p>Aber einmal funktioniert das Ganze technisch wohl nicht (siehe oben), und Datenschutzbeauftragter Kelber hegt wohl berechtigt Bedenken zum Datenschutzniveau des Ansatzes. Spahn ist eher der Typ: Mal machen und schauen, was bei rum kommt. Ob der Arzt damit praktisch zurecht kommt oder der Patient das will oder kann, interessiert nicht. Nun knallt es, denn Kelber keilt zur\u00fcck. Gegen\u00fcber dem Handelsblatt sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte: \"Die Behauptung von Jens Spahn, es h\u00e4tte an meiner Beh\u00f6rde gelegen, dass neue digitale Anwendungen im Gesundheitsbereich nicht oder nicht im Zeitplan realisiert wurden, ist schlichtweg die Unwahrheit. <\/p>\n<p>Kelber meint, Spahn sage beispielsweise selbst, dass die ePA seit 2004 im Gesetz stehe und schon l\u00e4ngst h\u00e4tte da sein m\u00fcssen. Auch die vereinbarten Anforderungen st\u00fcnden seit Jahren fest. \u201eJeder Nutzende muss selbst entscheiden k\u00f6nnen, wem er welches Dokument zug\u00e4nglich macht.\" Das entspreche der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem nationalen Gesetz zur ePA.<\/p>\n<p>Der Datenschutzbeauftragte hat vier Krankenkassen daher zur Nachbesserung bei der elektronischen Krankenakte (ePA) verdonnert. Es dreht sich vor allem um die abgespeckten Funktionen zur Vergabe der Zugriffsrechte auf die Patientendaten. Nach der Spahn-Art \"erst mal machen und schauen\" k\u00f6nnen Patienten im ersten Jahr \u00c4rzten nur alle oder keine Daten freigeben. Erst 2022 sollen weitere Verbesserungen (allerdings nur f\u00fcr Patienten, die die ePA per Smartphone oder Tablet nutzen) kommen &#8211; eine Sache, die nun mal nicht geht. Kelber sieht einen Versto\u00df gegen die DSGVO und sagt Stopp. Nun ja, Jens Spahn ist bald Geschichte und sein Nachfolger hat die M\u00f6glichkeit, es besser zu machen. Mal schauen, was kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elektronische Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung, elektronisches Rezept (eRezept), digitale Patientenakte (ePA), sind Projekte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, die durch Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn gepusht wurden. 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