{"id":265654,"date":"2022-05-24T11:23:27","date_gmt":"2022-05-24T09:23:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=265654"},"modified":"2023-07-20T18:56:14","modified_gmt":"2023-07-20T16:56:14","slug":"xinjiang-police-files-geleakte-polizeiakten-zeigen-details-aus-uigurischen-internierungslagern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/05\/24\/xinjiang-police-files-geleakte-polizeiakten-zeigen-details-aus-uigurischen-internierungslagern\/","title":{"rendered":"Xinjiang Police Files: Geleakte Polizeiakten zeigen Details aus uigurischen Internierungslagern"},"content":{"rendered":"<p>Es ist seit wenigen Stunden das Thema in internationalen Medien: Geleakte Akten der volkschinesischen Polizeibeh\u00f6rde Xinjiang (Xinjiang Police Files) erm\u00f6glichen in Fotos und Dokumenten Einblicke in die geheim gehaltenen chinesischer Internierungslager im Westen Chinas. Die chinesische Regierung stellt die Lager als Bildungseinrichtungen f\u00fcr Uiguren dar. Die Xinjiang Police Files zeigen die andere Wahrheit, stark gesicherte Gef\u00e4ngnisse, in denen es zu Folter und zur Unterdr\u00fcckung der Uiguren kommt, Fl\u00fcchtende d\u00fcrfen erschossen werden. Es ist der erste Einblick, den die Welt\u00f6ffentlichkeit in diese Praktiken Chinas erh\u00e4lt &#8211; das steht in krassem Gegensatz zur sch\u00f6nen heilen Welt der \"chinesischen Werkbank f\u00fcr billige Produkte, neue Smartphones und Elektronik\". Und das Leak zeigt, dass nichts geheim bleibt, was irgendwo gespeichert wurde. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Zum Hintergrund<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/e944a818a6df4350b8626a325ef2cf56\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Im Westen Chinas werden in der Region Xinjiang Angeh\u00f6rige der muslimischen Volksgruppe der Uiguren durch Chinas Machthaber drangsaliert und in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Umerziehungslager_in_Xinjiang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">chinesischen Internierungslagern<\/a> inhaftiert. Das ist seit Jahren bekannt, und die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in den Provinzen im Nordwesten der Volksrepublik China zeitweise etwa eine Million Menschen (vor allem Uiguren) interniert waren. Laut ehemaligen Gefangenen sind die Teilnehmer in den Umerziehungslagern psychischem, teils auch k\u00f6rperlichem Missbrauch und Folter ausgesetzt. <\/p>\n<p>Chinas Regierung behauptet seit ihrem ersten Bekanntwerden in den 2000er Jahren, dass es sich bei den Lagern um \"berufliche Fortbildungseinrichtungen\" handele, deren Ziele die Armutsbek\u00e4mpfung und der Kampf gegen extremistisches Gedankengut seien. Es hei\u00dft offiziell, dass der Aufenthalt in den Lagern freiwillig sei.<\/p>\n<h2>Das Xinjiang Police Files-Leak<\/h2>\n<p>Ende Mai 2022 wurde ein Datensatz aus Akten der volkschinesischen Polizeibeh\u00f6rde Xinjiang, die sogenannten Xinjiang Police Files, dem deutschen Anthropologen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adrian_Zenz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adrian Zenz<\/a> zugespielt. Dieser teilte diesen Datensatz mit insgesamt 14 Medien, so die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Xinjiang_Police_Files\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>. Die Xinjiang Police Files stammen nach Auswertung etlicher digital Forensiker und weiterer Experten aus Rechnern der chinesischen Beh\u00f6rden. Es handelt sich um das gr\u00f6\u00dfte Leak zu staatlichen Umerziehungslagern in China, das zu diesem Zeitpunkt an die \u00d6ffentlichkeit au\u00dferhalb Chinas gelangte.<\/p>\n<p>Die in den Akten enthaltenen Bilder zeigen den Lageralltag in den Internierungslagern in China und erm\u00f6glichen Einblicke in die Realit\u00e4t der Masseninternierung von Uiguren und anderen Angeh\u00f6rigen muslimischer Minderheiten. Die Tagesschau schreibt <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230209052906\/https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/br-recherche\/china-uiguren-internierungslager-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, dass die Welt\u00f6ffentlichkeit erstmals durch die \"Xinjiang Police Files\" sieht, was hinter den Mauern chinesischer Internierungslager im Westen Chinas vor sich geht. Zitat aus dem Tagesschau-Bericht:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Doch die Fotos aus dem Datensatz zeigen unter anderem Sicherheitskr\u00e4fte mit Sturmgewehren und einen Inhaftierten mit Sack \u00fcber dem Kopf, der an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gefesselt ist. Er wird schlie\u00dflich in einem speziellen Stuhl fixiert. Es ist ein so genannter Tiger Chair &#8211; nach Angaben der Menschenrechtsorganisation \"Human Rights\" Watch wird dieser in chinesischen Gef\u00e4ngnissen zur Folter verwendet.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Polizeiakten umfassen tausende Portr\u00e4tfotos von Inhaftierten und Namenslisten mit Angaben zum Grund der Inhaftierung. Der mehr als zehn Gigabyte gro\u00dfe Datensatz enth\u00e4lt zudem Geheimdokumente, Schulungsunterlagen und Transkripte von Reden hoher Parteifunktion\u00e4re zum Umgang mit der Volksgruppe der Uiguren. Die Publikation der Xinjiang Police Files erfolgte im Zeitraum des ersten Besuchs einer UN-Menschenrechtskommissarin in China seit 14 Jahren.<\/p>\n<h2>Aufw\u00e4ndige \u00dcberpr\u00fcfungen<\/h2>\n<p>In einem Rechercheverbund haben die beteiligten internationalen Medien die Akten ausgewertet, um herauszufinden, ob diese Informationen valide und keine F\u00e4lschung sind. Die Datens\u00e4tze enthalten detaillierte Informationen zu inhaftierten Personen wie den Namen, die Geburtsdaten und Adressen sowie die vom chinesischen Staat an jeden B\u00fcrger nur einmal im Leben ausgegebene Identifikationsnummer.<\/p>\n<p>In St\u00e4dten mit gro\u00dfen uigurischen Exilgemeinden wie Amsterdam, Istanbul etc. recherchierten die Reporterinnen und Reporter des Rechercheverbunds nach Personen, die aus der Region stammen und deren Angeh\u00f6rige verschwunden sind. Es lie\u00dfen sich mehrere Personen ausfindig machen, die laut Verwandten vermisst werden, aber in den Xinjiang Police Files auftauchen. Auch wurden von den Reportern von BBC News mehr als 150 Telefonnummern aus den Polizeiakten angerufen, um die Angaben zu \u00fcberpr\u00fcfen. Etliche Polizisten und Beamte hoben ab und best\u00e4tigten Namen und Dienstrang. <\/p>\n<h2>Kaum zu ertragende Details<\/h2>\n<p>Die Tagesschau dokumentiert in <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230209052906\/https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/br-recherche\/china-uiguren-internierungslager-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> die aufw\u00e4ndige \u00dcberpr\u00fcfung der Dokumente &#8211; Fotos und Beschreibungen der Umst\u00e4nde in den Internierungslagern lassen sich in <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/br-recherche\/china-uiguren-internierungslager-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Tagesschau-Beitrag<\/a> nachlesen. Auch der Bayrische Rundfunk hat <a href=\"https:\/\/interaktiv.br.de\/xinjiang-police-files\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen interkativen Artikel<\/a> zum Thema mit einzelnen F\u00e4llen publiziert, der im Prinzip die Tagesschau-Informationen und Fotos aus den Leaks wiedergibt. Die Neue Z\u00fcricher Zeitung sieht hier das Ganze \"Wie ein Fenster in einen Polizeistaat\". Und beim <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/china-datenleak-zeigt-pekings-brutalitaet-gegen-muslimische-uiguren-XI7AED4YXVCZTM4JRS2OKBWBN4.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Redaktionsnetzwerk Deutschland<\/a> sieht ein Experte eine \"neue Dimension\" an Einblicken, die die Dokumente erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Eine ausf\u00fchrliche Anfrage zu den Fotos und Dokumenten lie\u00df Chinas Regierung unbeantwortet. In einer offiziellen Stellungnahme ging die chinesische Botschaft in Washington, D.C., nicht auf konkrete Fragen der Journalisten ein. Die Botschaft erkl\u00e4rte dagegen sinngem\u00e4\u00df, die Ma\u00dfnahmen in Xinjiang richteten sich gegen terroristische Bestrebungen, nicht jedoch gegen \"Menschenrechte oder eine Religion\".<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist seit wenigen Stunden das Thema in internationalen Medien: Geleakte Akten der volkschinesischen Polizeibeh\u00f6rde Xinjiang (Xinjiang Police Files) erm\u00f6glichen in Fotos und Dokumenten Einblicke in die geheim gehaltenen chinesischer Internierungslager im Westen Chinas. 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