{"id":269879,"date":"2022-06-28T07:34:30","date_gmt":"2022-06-28T05:34:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=269879"},"modified":"2023-11-18T22:00:04","modified_gmt":"2023-11-18T21:00:04","slug":"ransomware-zahlungen-sind-ein-geostrategisches-risiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/06\/28\/ransomware-zahlungen-sind-ein-geostrategisches-risiko\/","title":{"rendered":"Ransomware: Zahlungen sind ein geostrategisches Risiko"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Sicherheit_klein.jpg\" alt=\"Sicherheit (Pexels, allgemeine Nutzung)\" width=\"200\" \/>Fast t\u00e4glich kann man hier im Blog \u00fcber Ransomware-Angriffe lesen. H\u00e4ufig wird von den Opfern unter der Hand gezahlt, um die verschl\u00fcsselten Daten zur\u00fcck zu bekommen oder eine Ver\u00f6ffentlichung zu vermeiden. Die Sch\u00e4den belaufen sich in Milliardenh\u00f6he, allein in Deutschland. Die Zahlungen an Ransomware-Gangs sind die Wurzel allen \u00dcbels meinen die Verfasser eines offenen Briefs, mit dem das organisierte Verbrechen finanziert wird. Sie fordern den Stopp aller Zahlungen, um diesen Sumpf auszutrocknen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/7adf12b23b154737b94344b261777bc4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Erpressungstrojaner in Form sogenannter Ransomware sind in den letzten Jahren zu einer ernsthaften und dauerhaften Bedrohung f\u00fcr die deutsche und europ\u00e4ische Wirtschaft herangewachsen, meinen die Autoren des <a href=\"https:\/\/ransomletter.github.io\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">offenen Briefs<\/a>. Ich gehe soweit, dass ich das auf die weltweite Wirtschaft ausdehnen w\u00fcrde.<\/p>\n<h2>223 Milliarden Euro Schaden in Deutschland<\/h2>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230202212939\/https:\/\/bitkom-akademie.de\/news\/angriffsziel-deutsche-wirtschaft-mehr-als-220-milliarden-euro-schaden-pro-jahr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuelle Bitkom-Studie<\/a> beziffert den Schaden durch Daten-Diebstahl, Spionage und Sabotage f\u00fcr die deutsche Wirtschaft allein auf j\u00e4hrlich 223 Milliarden Euro &#8211; dies entspricht \u00fcber 6% des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr 2021 (3,57 Billionen EUR). Neun von zehn deutschen Unternehmen sind mittlerweile betroffen, und auch Beh\u00f6rden und kritische Infrastrukturen sind nicht vor Angriffen gefeit. F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Sch\u00e4den sei laut Studie Ransomware verantwortlich.<\/p>\n<h3>Erpressung mit Datenver\u00f6ffentlichung<\/h3>\n<p>Auch Datensicherungen helfen den Opfern mittlerweile nur noch bedingt, denn seit einiger Zeit kopieren Verbrecherbanden Daten, bevor sie sie verschl\u00fcsseln, und drohen den Opfern dann mit der \u00f6ffentlichen Preisgabe vertraulicher Daten, sollte die geforderte L\u00f6segeldzahlung ausbleiben.<\/p>\n<blockquote><p>Die Tage habe ich irgendwo gelesen (leider finde ich ad hoc die Quelle nicht mehr), dass erste Ransomware-Gangs bereits auf eine Verschl\u00fcsselung verzichten. Es reicht, Daten abzuziehen und dann mit deren Ver\u00f6ffentlichung zu drohen, um die Opfer zu Zahlungen zu veranlassen. Die schlechte Nachverfolgbarkeit von Kryptogeld-Zahlungen wiegt die Ransomware-Gangs in Sicherheit.<\/p>\n<p>Das ist \u00fcbrigens ein Punkt, der bei Vielen noch nicht auf dem Radar ist. Bisher schauen Sicherheitsl\u00f6sungen (Virenscanner, Ransomware-Protection, EDR-Systeme) auf Anzeichen von Verschl\u00fcsselung. Wenn die Ransomware-Gruppen aber auf die Verschl\u00fcsselung verzichten, haben sie u.U. Wochen Zeit, sich in den Systemen zu bewegen und gezielt Daten zur Erpressung abzuziehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aufgrund dieser Problematik ist die Bereitschaft von Unternehmen, L\u00f6segeldzahlungen zu t\u00e4tigen, zuletzt stark gestiegen. Laut einer <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220627170427\/https:\/\/www.sophos.com\/de-de\/press-office\/press-releases\/2022\/04\/ransomware-hit-66-percent-of-organizations-surveyed-for-sophos-annual-state-of-ransomware-2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Studie des Sicherheitsdienstleisters Sophos<\/a> zahlen rund 42% aller deutschen Unternehmen das geforderte L\u00f6segeld, im Schnitt \u00fcber EUR 250.000 &#8211; und dies trotz <a href=\"https:\/\/www.bsi.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/BSI\/Presse\/Ransomware-Kommunen-Empfehlung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gegenteiliger Empfehlungen von BSI und BKA<\/a>, schreiben die Autoren des offenen Briefs. Vor dem Hintergrund der enormen Kosten f\u00fcr die Wiederaufnahme des Betriebs ohne L\u00f6segeldzahlung (laut <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220627170427\/https:\/\/www.sophos.com\/de-de\/press-office\/press-releases\/2022\/04\/ransomware-hit-66-percent-of-organizations-surveyed-for-sophos-annual-state-of-ransomware-2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> im Schnitt ca. 1,6 Millionen EUR) verwundert diese Entscheidung wenig.<\/p>\n<h3>Cyber-Versicherungen sollen \u00fcbernehmen<\/h3>\n<p>Die Zahlung von L\u00f6segeld ist f\u00fcr das einzelne Unternehmen nicht nur finanziell g\u00fcnstiger, sie l\u00e4sst sich \u00fcber sogenannte <em>Cyber-Versicherungen<\/em> mittlerweile auch recht bequem im Jahresbudget einplanen. Rund 80% der von Sophos befragten Unternehmen sind gegen Ransomware-Angriffe versichert. Ein Gro\u00dfteil der Versicherer zahlt hierbei neben Wiederherstellungsma\u00dfnahmen <a href=\"https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Meldung\/2017\/meldung_170915_loesegeldversicherung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unter Umst\u00e4nden auch das geforderte L\u00f6segeld<\/a>, sofern sich hierdurch der Schaden f\u00fcr das Unternehmen minimieren l\u00e4sst.<\/p>\n<h2>L\u00f6segeldzahlungen die Wurzel allen \u00dcbels<\/h2>\n<p>L\u00f6segeldzahlungen sind jedoch bei Ransomware die Wurzel allen \u00dcbels: Ransomware ist seit Jahren ein stark organisiertes Verbrechen, das allein in Deutschland Sch\u00e4den in Milliardenh\u00f6he verursacht. Wenn Opfer von Ransomware das geforderte L\u00f6segeld nicht zahlen w\u00fcrden, dann w\u00fcrde dieses Gesch\u00e4ftsmodell im Keim erstickt. Umgekehrt hat jedoch die Zahlungsbereitschaft der Opfer dieses kriminelle Gesch\u00e4ftsmodell erst erm\u00f6glicht. Reinvestitionen der aktiven Verbrecherbanden haben dazu gef\u00fchrt, dass diese heute hoch professionell vorgehen k\u00f6nnen und technisch und methodisch oft um Gr\u00f6\u00dfenordnungen besser aufgestellt sind als die angegriffenen Unternehmen. Gewinne kommen hierbei in erster Linie Staaten zugute, die Deutschland eigentlich sanktioniert.<\/p>\n<p>Eine <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-60378009\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuelle BBC-Studie<\/a> zeigt auf, dass 74% aller Ransomware-L\u00f6segelder in 2021 an Verbrecherbanden in Russland gezahlt wurden. Diverse Medien haben wiederholt von starken Verbindungen des Kremls zu den betreffenden Verbrecherbanden berichtet. L\u00f6segeldzahlungen schw\u00e4chen somit das aktuelle EU-Embargo gegen Russland signifikant. Auch Nordkorea ist <a href=\"https:\/\/threatpost.com\/vhd-ransomware-lazarus-group\/179507\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">direkt in Ransomwareangriffe verstrickt<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-asia-60281129\">stiehlt dar\u00fcber hinaus aber auch regelm\u00e4\u00dfig entsprechende Kryptow\u00e4hrungen zur Finanzierung seines Atomraketenprogramms<\/a>.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund l\u00e4sst sich feststellen, dass sich die Bereitschaft zu L\u00f6segeldzahlungen mittlerweile f\u00fcr Deutschland zu einem massiven geostrategischen Risiko entwickelt hat, das nicht l\u00e4nger ignoriert werden darf. L\u00f6segeldzahlungen st\u00e4rken Deutschlands geopolitische Konkurrenten und schw\u00e4chen die deutsche Wirtschaft und den deutschen Staat, sie gef\u00e4hrden unsere kritische Infrastrukturen. Aber auch hier vor Ort setzen L\u00f6segeldzahlungen falsche Anreize, denn sie erm\u00f6glichen Unternehmen und Beh\u00f6rden einen vermeintlich einfachen Ausweg, der zwar kurzzeitig das Leid lindert, aber mittelfristig mehr Probleme verursacht als er l\u00f6st: Anstatt in die Verbesserung ihrer IT-Sicherheit und ihrer Leistungsf\u00e4higkeit zu investieren, zahlen die Opfer L\u00f6segeld und erh\u00f6hen somit die Wahrscheinlichkeit weiterer erfolgreicher Angriffe gegen sich selbst und andere.<\/p>\n<p>Das Nachsehen dabei h\u00e4tten insbesondere kleinere Unternehmen, die sich L\u00f6segelder und Cyber-Versicherungen nicht leisten k\u00f6nnen und bei einem Angriff potenziell vor dem Ruin stehen, so die Autoren des offenen Briefs. Statt diese Milliarden an Euro j\u00e4hrlich dem organisierten Verbrechen und den Staaten, die diese Verbrecherbanden beheimaten, zukommen zu lassen, sollten deutsche Unternehmen diese Gelder vielmehr in ihre eigene IT-Sicherheit investieren, um somit einerseits die H\u00fcrden f\u00fcr weitere Angriffe zu erh\u00f6hen und andererseits die Finanzstr\u00f6me der Verbrecherbanden versiegen zu lassen.<\/p>\n<h2>Forderungen an die Bundespolitik<\/h2>\n<p>Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen des offenen Briefs fordern daher die Bundespolitik auf, folgende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen:<\/p>\n<ul>\n<li>Erlassen Sie Ma\u00dfnahmen und setzen Sie Anreize, welche L\u00f6segeldzahlungen bei Ransomware-Angriffen effektiv unterbinden.<\/li>\n<li>Schaffen Sie die steuerliche Absetzbarkeit von Ransomware-L\u00f6segeldzahlungen (\u00a7 33 EStG) ab.<\/li>\n<li>F\u00fchren Sie f\u00fcr Unternehmen ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe eine Meldepflicht f\u00fcr Ransomware-Angriffe und L\u00f6segeldzahlungen ein.<\/li>\n<li>Unterbinden Sie Versicherungen, die diese L\u00f6segeldzahlungen absichern.<\/li>\n<li>Bef\u00f6rdern Sie stattdessen Versicherungen, die die verursachten Umsatzeinbu\u00dfen und Wiederherstellungsma\u00dfnahmen absichern. Da die Versicherer zunehmend starke Sicherheitsma\u00dfnahmen bei den Versicherungsnehmern einfordern, besteht hier die M\u00f6glichkeit, die IT-Sicherheit in der Breite signifikant zu erh\u00f6hen, ohne weitere regulatorische Ma\u00dfnahmen treffen zu m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Unterst\u00fctzen Sie Unternehmen, die durch Ransomware-Angriffe in eine finanzielle Notlage geraten, in angemessener Weise, beispielsweise \u00fcber einen Hilfsfonds, sodass diese nicht gezwungen werden, L\u00f6segelder zu zahlen. Die Unterst\u00fctzung sollte jedoch an Bedingungen gekn\u00fcpft sein, welche sicherstellen, dass die Opfer ihre Pflicht zur eigenst\u00e4ndigen Absicherung nicht vernachl\u00e4ssigen.<\/li>\n<li>Forcieren Sie Ma\u00dfnahmen, die deutschen Unternehmen in Zukunft Methoden und Technologien bereitstellen, um an sie gestellte IT-Sicherheitsanforderungen effektiv und dennoch m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie seht ihr diese Sachlage, die die Unterzeichner <a href=\"https:\/\/ransomletter.github.io\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> sehr drastisch schildern? (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Offener-Brief-Ransomware-Loesegeldzahlungen-sind-die-Wurzel-allen-Uebels-7154572.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">via<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich kann man hier im Blog \u00fcber Ransomware-Angriffe lesen. 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