{"id":277530,"date":"2023-02-05T00:31:00","date_gmt":"2023-02-04T23:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=277530"},"modified":"2023-02-06T01:54:16","modified_gmt":"2023-02-06T00:54:16","slug":"studie-belegt-wirtschaftliche-schden-durch-microsofts-produktbndelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/02\/05\/studie-belegt-wirtschaftliche-schden-durch-microsofts-produktbndelung\/","title":{"rendered":"Studie belegt wirtschaftliche Sch&auml;den durch Microsofts Produktb&uuml;ndelung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Euros-klein.jpg\" alt=\"\" \/>[<a href=\"https:\/\/borncity.com\/win\/2023\/02\/06\/study-proves-economic-damage-from-microsofts-product-bundling\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">English<\/a>]Es ist eine brisante Aussage, die mir die Tage unter die Augen gekommen ist. Microsofts Produktb\u00fcndelung verursacht wirtschaftliche Sch\u00e4den, denn die Lizenzbestimmungen f\u00fcr Microsoft-Software beschr\u00e4nken den Wettbewerb \u2013 zum Schaden der Kunden und der Allgemeinheit. Denn wenn Markt beherrschende Anbieter wie Microsoft ihre B\u00fcndelungspraxis zwischen Software und Cloud weiter betreiben, f\u00fchrt dies zu Preiserh\u00f6hungen, weniger Wahlm\u00f6glichkeit, geringeren Innovationen und schlechterer Produktqualit\u00e4t. Diese wurde erneut durch eine Studie von \u00d6konomen der Frankfurt School of Finance und der ESMT Berlin belegt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Bundling macht oft keinen Sinn<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/04fc5c8a0de342d38793c326ff1974fe\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Die B\u00fcndelung von Software durch Anbieter ist ja ein probates Mittel, Firmen Geld f\u00fcr nicht genutzte Produkte aus der Tasche zu ziehen. Ich hatte das Thema hier im Blog bereits mehrfach aufgegriffen.<\/p>\n<p>Der Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2016\/09\/13\/software-mll-kostet-usa-und-gb-kostet-34-milliarden\/\">Software-M\u00fcll kostet USA und GB 34 Milliarden $<\/a> aus dem Jahr 2016 thematisiert das Ganze. Es gibt bei Software einen Gesch\u00e4ftsansatz, der den Anbietern richtig Kohle in die Kassen spielt, aber f\u00fcr die Unternehmen richtig ins Geld geht: Es geht um lizenzierte, ggf. installierte, aber immer bezahlte, und doch nie gebrauchte Software \u2013 ich verwendete im Artikel den Begriff \"Software-M\u00fcll\".<\/p>\n<p>Die Information fand sich im <em>Software Usage and Waste Report 2016<\/em> \u2013 <a href=\"http:\/\/www.zdnet.com\/article\/software-waste-tab-34-billion-in-u-s-u-k-says-report\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei ZDnet.com<\/a> hatte man aber die Kernaussagen herausgezogen. Im Report wurden 149 Unternehmen aus 16 Industriezweigen mit 4,6 Millionen Nutzern einer Analyse unterzogen. Spezielle Lizenztypen wurden in der Untersuchung nicht ber\u00fccksichtigt, aber die allgegenw\u00e4rtigen Cloud-Abos wurden einbezogen. Im damaligen Artikel kann man nachlesen, welche Software bezahlt, aber nie genutzt wird. Adobe (Adobe InDesign, 55 %) und Microsoft (Microsoft Visio, 47 %, Microsoft Project Professional, 46%) sind mit ihren Abos ganz vorne dabei.<\/p>\n<p>Und mein Artikel <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/04\/09\/office-365-lizenzierung-die-geldverschwendung-in-firmen\/\">Office 365-Lizenzierung: Die Geldverschwendung in Firmen<\/a> aus dem Jahr 2020 greift diese Fragestellung erneut am Beispiel von Microsoft Office 365 auf. Anlass f\u00fcr diesen Beitrag war eine Studie von CoreView, die zeigte, was Unternehmen an \u00fcberfl\u00fcssigen Kosten f\u00fcr Office 365 durch den Schornstein an Geld abfackeln.<\/p>\n<h2>Neue Studie von \u00d6konomen<\/h2>\n<p>Ende Januar 2023 ist mir nun eine Information \u00fcber eine neue <a href=\"https:\/\/cispe.cloud\/research-study-microsofts-product-bundling-causes-economic-damage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie von \u00d6konomen der Frankfurt School of Finance und der ESMT Berlin<\/a> in die Finger gefallen. Die Untersuchung wurde im Auftrag von CISPE, der Vereinigung europ\u00e4ischer Cloud-Infrastruktur-Betreiber, durchgef\u00fchrt. Nachfolgend finden sich einige Kernpunkte der Erkenntnisse aus der Studie.<\/p>\n<h3>Produktb\u00fcndelung als Falle f\u00fcr Kunden<\/h3>\n<p>Viele Unternehmen und Beh\u00f6rden haben sich in der Vergangenheit abh\u00e4ngig von Microsoft-Produkten gemacht. Windows und Office sind heute vorherrschende Software-L\u00f6sungen. Diese Marktmacht nutzt Microsoft aus, um sich auch im Cloud-Umfeld Vorteile zu verschaffen. Das Unternehmen versucht, Wettbewerber zu verdr\u00e4ngen und Kunden an die eigene Azure-Cloud zu binden. Diese Praxis ist seit langem Thema unter den Kunden, schreiben die CISPE.<\/p>\n<p>Dass solche Produktb\u00fcndelung zu Nachteilen f\u00fcr die Nutzer f\u00fchrt und daher ein Eingreifen von Wettbewerbsbeh\u00f6rden n\u00f6tig wird, haben Wissenschaftler der Frankfurt School of Finance und die European School of Management and Technology (ESMT) Berlin in einer \u00f6konomischen Studie untersucht.<\/p>\n<p>Professor Dr. Markus Reisinger, Leiter des Economics Department, Frankfurt School of Finance, fasst das Ergebnis zusammen: \"Sogenannte Produktb\u00fcndelungen sind unbedenklich, wenn daraus ein Zugewinn an Wohlfahrt f\u00fcr den Konsumenten erzielt wird. Unsere \u00f6konomische Studie legt dar, dass dies bei Microsoft nicht gegeben ist. Die relativ starke Ungleichbehandlung zwischen separatem Erwerb und B\u00fcndel-Erwerb der Produkte f\u00fchrt zu einer umfangreichen Diskriminierung. Daher ist die Reduktion der Konsumentenwohlfahrt erheblich und dem Vorgehen Einhalt zu gebieten.\"<\/p>\n<h3>B\u00fcndelung als Verdr\u00e4ngungsinstrument<\/h3>\n<p>Microsoft b\u00fcndelt seine Software-Produkte mit Cloud-Dienstleistungen. Kunden, die bereits \u00fcber Microsoft Software-Lizenzen verf\u00fcgen, k\u00f6nnen diese Lizenzen ohne oder nur mit geringen Zusatzkosten in der Azure Cloud nutzen. Rechtlich m\u00fcssen die Kunden ihre bisherige Software aber auch bei anderen Cloud-Anbietern nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Microsoft-Kunden, die ihre Office-L\u00f6sung in der Cloud eines der gro\u00dfen Wettbewerber wie AWS oder Google Cloud hosten wollen, m\u00fcssen daf\u00fcr aber hohe Geb\u00fchren zahlen. Kunden haben also nur eine erheblich teurere Alternative zum Microsoft Bundle. So entsteht ein Verdr\u00e4ngungseffekt.<\/p>\n<p>Professor Dr. Stefan Wagner von der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin erkl\u00e4rt: \"Dieser Effekt tritt selbst dann ein, wenn ein marktbeherrschender Hersteller in seinem B\u00fcndel ein qualitativ schlechteres Produkt anbietet als ein Wettbewerber, der ein konkurrierendes Produkt einzeln verkauft. H\u00e4ufig entscheiden sich Kunden dann aus Kostengr\u00fcnden f\u00fcr das B\u00fcndel. Das f\u00fchrt zu Qualit\u00e4tseinbu\u00dfen, die sich auch auf die Endkonsumenten auswirken k\u00f6nnen. Gesch\u00e4ftskunden haben in diesem Fall geringere Innovationsm\u00f6glichkeiten und k\u00f6nnen weniger funktionale Endprodukte produzieren bzw. ihren eigenen Kunden eine geringere Produktvielfalt anbieten.\"<\/p>\n<h3>Innovationsbremse und Preisdiktat<\/h3>\n<p>Doch nicht nur die einzelnen Unternehmen, auch die Allgemeinheit wird durch diese Praxis gesch\u00e4digt. Durch den unfairen Wettbewerb ist ein Innovationsr\u00fcckgang auf dem Cloud-Markt zu erwarten. Denn f\u00fcr die benachteiligten Anbieter lohnt es sich nicht mehr, in neue Entwicklungen zu investieren. Da dann immer mehr Wettbewerber ganz vom Markt verschwinden, entsteht ein Teufelskreis. Der dominierende Anbieter kann immer st\u00e4rker Preise und Bedingungen diktieren.<\/p>\n<p>Als Microsoft 2019 \u00fcberraschend seine Lizenzbestimmungen ge\u00e4ndert hat, verloren einige Bestandslizenzen pl\u00f6tzlich ihre G\u00fcltigkeit in der Cloud. Betroffene mussten dann noch einmal zahlen, obwohl sie durch die Cloud-Migration eigentlich mit Einsparungen gerechnet hatten. Das kann erhebliche Folgeeffekte haben: Man denke an ein Unternehmen, das aufgrund der Mehrkosten die Modernisierung seines Rechenzentrums vertagen muss. Man denke an eine Kommune, wo der geplante Bau eines Kindergartens den erh\u00f6hten Lizenzkosten zum Opfer f\u00e4llt oder an einen Mittelst\u00e4ndler, der unter diesen Bedingungen nicht mehr in die Aufstockung des internen IT-Teams investieren kann. Ungeplante Mehrkosten k\u00f6nnen unter diesen Umst\u00e4nden zu Sparzw\u00e4ngen an anderer Stelle f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Anbietervielfalt in der Cloud<\/h3>\n<p>Cloud-Technologie ist f\u00fcr moderne IT-Umgebungen heute unverzichtbar. In Deutschland sind 8 von 10 Unternehmen bereits in der Cloud und haben damit ihre station\u00e4re IT-Infrastruktur zu Cloud-Service Anbietern ausgelagert. Weitere 13 Prozent planen oder diskutieren dies gerade, so der aktuelle <u>KPMG Cloud Monitor<\/u>. Die Europ\u00e4ische Kommission geht davon aus, dass durch Cloud-Technologien bis 2020 600 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung geschaffen wurde.<\/p>\n<p>Die Wahl des Cloud-Anbieters und die Entwicklung auf dem Cloud-Markt haben folglich entscheidende Auswirkungen. Die Anbietervielfalt auf dem Cloud-Markt ist damit ausschlaggebender Faktor f\u00fcr die Zukunftsf\u00e4higkeit der deutschen Wirtschaft. Der Verdr\u00e4ngungseffekt mit allen seinen Folgen setzt h\u00e4ufig schon innerhalb einer Produktgeneration ein. Denn der Wechsel des Cloud-Anbieters ist f\u00fcr Kunden in der Regel mit gro\u00dfem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Die meisten bleiben daher bei dem Anbieter, f\u00fcr den sie sich anfangs entschieden haben. Microsoft treibt diese unwirtschaftlichen Zust\u00e4nde weiter voran.<\/p>\n<h3>Kartellbeschwerden bei der Europ\u00e4ischen Kommission gegen Microsoft<\/h3>\n<p>Diese Missst\u00e4nde greifen auch die derzeitig gegen Microsoft laufenden Kartellbeschwerden auf. Neben den Unternehmen Slack, OVHCloud\/Aruba und NextCloud hat zuletzt auch der Branchenverband CISPE eine eigene Beschwerde bei der Europ\u00e4ischen Kommission eingereicht. Ziel dieser Beschwerde ist es, in einem branchenweiten Rahmen auf Microsofts unfaire Praktiken der Softwarelizenzierung aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Ank\u00fcndigungen von Microsoft einschlie\u00dflich dem Update der Lizenzbedingungen zum 1. Oktober 2022 lassen nicht erkennen, dass Microsoft eine Beendigung seiner wettbewerbswidrigen Praktiken beabsichtigt. CISPE strebt deswegen Abhilfema\u00dfnahmen an, die Kunden und Anbietern auf einem dynamischen Cloud-Markt zugutekommen werden.<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Studie auf Deutsch finden Sie <a href=\"https:\/\/cispe.cloud\/website_cispe\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Study-Reisinger_Wagner_V01.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> (PDF-Dokument)<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a title=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/12\/14\/produkthaftung-fr-software-gefordert-eu-kommission-plant-nderungen\/\" href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/12\/14\/produkthaftung-fr-software-gefordert-eu-kommission-plant-nderungen\/\">Bessere Produkthaftung u.a. f\u00fcr Software gefordert \u2013 EU-Kommission plant \u00c4nderungen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/04\/09\/office-365-lizenzierung-die-geldverschwendung-in-firmen\/\">Office 365-Lizenzierung: Die Geldverschwendung in Firmen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2016\/09\/13\/software-mll-kostet-usa-und-gb-kostet-34-milliarden\/\">Software-M\u00fcll kostet USA und GB 34 Milliarden $<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[English]Es ist eine brisante Aussage, die mir die Tage unter die Augen gekommen ist. Microsofts Produktb\u00fcndelung verursacht wirtschaftliche Sch\u00e4den, denn die Lizenzbestimmungen f\u00fcr Microsoft-Software beschr\u00e4nken den Wettbewerb \u2013 zum Schaden der Kunden und der Allgemeinheit. 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