{"id":278840,"date":"2023-03-19T00:59:00","date_gmt":"2023-03-18T23:59:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=278840"},"modified":"2023-07-04T10:45:05","modified_gmt":"2023-07-04T08:45:05","slug":"eu-gesundheitsdatenraum-european-health-data-space-ehds-erste-plne-offene-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/03\/19\/eu-gesundheitsdatenraum-european-health-data-space-ehds-erste-plne-offene-fragen\/","title":{"rendered":"EU Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space, EHDS): Erste Pl&auml;ne, offene Fragen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Gesundheit-klein.jpg\" alt=\"Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)\" width=\"200\" border=\"0\" \/>Die EU-Kommission arbeitet an einem europ\u00e4ischen Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space). Ziel ist es mehr Daten f\u00fcr die medizinische Forschung zu generieren. Versprochen wird, dass Gesundheitsdienstleister wie Kliniken bei der Behandlung auf diese Daten der Patienten zur\u00fcckgreifen oder Rezepte EU-weit eingel\u00f6st werden k\u00f6nnten. Aber die Pl\u00e4ne der EU-Kommission, wie sie bisher bekannt geworden sind, werfen Fragen auf. Das Ganze passt in den Kontext des deutschen Gesundheitsministers Lauterbach, der bis Ende 2024 die elektronische Patientenakte (ePA) verpflichtend mit Opt-out einf\u00fchren will.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>European Health Data Space (EHDS)<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/c6e86d95c23f4aa8b56764673cc1a2c5\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Ich gestehe, das Thema <a href=\"https:\/\/health.ec.europa.eu\/ehealth-digital-health-and-care\/european-health-data-space_de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">European Health Data Space<\/a> (EHDS) ist 2022 etwas an mir vorbei gegangen. Daher hat die Europ\u00e4ische Kommission den europ\u00e4ischen Raum f\u00fcr Gesundheitsdaten (European Health Data Space \u2013 EHDS) bereits im Mai 2022 als \"Vorschlag\" auf den Weg gebracht, um diesen im Rat und im Europ\u00e4ischen Parlament zu er\u00f6rtern. Der EHDS soll einer der zentralen Bausteine einer starken europ\u00e4ischen Gesundheitsunion sein. Laut EU-Kommission wird der EHDS dazu beitragen, dass die EU, was die Gesundheitsversorgung der Menschen in ganz Europa betrifft, \"einen Quantensprung nach vorne macht\".<\/p>\n<p>Im Sinne vollmundiger Versprechen wird EHDS den Menschen in ihrem jeweiligen Heimatland oder in anderen Mitgliedstaaten erm\u00f6glichen, ihre Gesundheitsdaten zu kontrollieren und zu nutzen. Der Plan der EU-Kommission ist es, einen echten Binnenmarkt f\u00fcr digitale Gesundheitsdienste und -produkte zu schaffen. Das Ziel, einen koh\u00e4renten, vertrauensw\u00fcrdigen und effizienten Rahmen f\u00fcr die Nutzung von Gesundheitsdaten f\u00fcr Forschung, Innovation, Politikgestaltung und Regulierungst\u00e4tigkeiten zu schaffen. Dabei tr\u00e4umt die EU-Kommission gleichzeitig von der uneingeschr\u00e4nkten Einhaltung der hohen Datenschutzstandards der EU, die sichergestellt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Aus der Ank\u00fcndigung der EU-Kommission ergibt sich das \"Versprechen\", den Menschen Kontrolle \u00fcber ihre pers\u00f6nlichen Gesundheitsdaten zu geben &#8211; im eigenen Land und grenz\u00fcberschreitend. Die EU-Kommission <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_22_2711\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verspricht<\/a> folgendes:<\/p>\n<ul>\n<li>Dank des EHDS sollen die Menschen einen kostenlosen, unmittelbaren und <strong>einfachen<\/strong> <strong>Zugang zu den Daten<\/strong> in elektronischer Form erhalten. Sie k\u00f6nnen diese Daten problemlos <strong>mit anderen Angeh\u00f6rigen der Gesundheitsberufe in und zwischen den Mitgliedstaaten<\/strong> <strong>austauschen, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern<\/strong>. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger werden die vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber ihre Daten \u00fcbernehmen und in der Lage sein, Informationen hinzuzuf\u00fcgen, falsche Daten zu berichtigen, den Zugang f\u00fcr andere zu beschr\u00e4nken und Informationen dar\u00fcber zu erhalten, wie und zu welchem Zweck ihre Daten verwendet werden.<\/li>\n<li>Die Mitgliedstaaten werden sicherstellen, dass Patientenkurzakten, elektronische Verschreibungen, Bilddaten und Bildberichte, Laborergebnisse und Entlassungsberichte<strong> in einem gemeinsamen europ\u00e4ischen Format<\/strong> erstellt und akzeptiert werden.<\/li>\n<li><strong>Interoperabilit\u00e4t und Sicherheit <\/strong>werden verbindliche Anforderungen. Die Hersteller von Systemen f\u00fcr elektronische Patientenakten m\u00fcssen die Einhaltung dieser Normen zertifizieren.<\/li>\n<li>Um sicherzustellen, dass die Rechte der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gewahrt bleiben, m\u00fcssen alle Mitgliedstaaten <strong>digitale Gesundheitsbeh\u00f6rden benennen<\/strong>. Diese Beh\u00f6rden werden sich an der grenz\u00fcberschreitenden digitalen Infrastruktur (<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/health\/ehealth-digital-health-and-care\/electronic-cross-border-health-services_de\"><strong>MyHealth@EU<\/strong><\/a>) beteiligen, die Patientinnen und Patienten beim grenz\u00fcberschreitenden Austausch ihrer Daten unterst\u00fctzen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weiterhin erhofft sich die EU-Kommission eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten f\u00fcr Forschung, Innovation und Politikgestaltung:<\/p>\n<ul>\n<li>Der europ\u00e4ische Raum f\u00fcr Gesundheitsdaten schafft einen <strong>soliden Rechtsrahmen f\u00fcr<\/strong> <strong>die Verwendung<\/strong> von Gesundheitsdaten f\u00fcr Forschung, Innovation, Gesundheitswesen, Politikgestaltung und Regulierungszwecke. Unter strengen Bedingungen werden Forschende, Innovatoren, \u00f6ffentliche Einrichtungen oder die Branche Zugang zu gro\u00dfen Mengen an Gesundheitsdaten von hoher Qualit\u00e4t haben, die f\u00fcr die Entwicklung von lebensrettenden Behandlungen, Impfstoffen oder Medizinprodukten von entscheidender Bedeutung sind und einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie widerstandsf\u00e4higere Gesundheitssysteme gew\u00e4hrleisten.<\/li>\n<li>F\u00fcr den Zugang zu solchen Daten durch Forschende, Unternehmen oder Einrichtungen wird <strong>eine Genehmigung<\/strong> von einer der in allen Mitgliedstaaten einzurichtenden Zugangsstellen f\u00fcr Gesundheitsdaten erforderlich sein. Der Zugang wird nur gew\u00e4hrt, wenn die angeforderten Daten zu <strong>bestimmten Zwecken<\/strong> sowie <strong>in geschlossenen sicheren Umgebungen<\/strong> verwendet werden und <strong>ohne dass die Identit\u00e4t<\/strong> der betroffenen Person <strong>offengelegt wird<\/strong>. Es ist auch streng verboten, die Daten f\u00fcr Entscheidungen zu verwenden, die sich nachteilig auf B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger auswirken, wie z. B. das Konzipieren sch\u00e4dlicher Produkte oder die Erh\u00f6hung einer Versicherungspr\u00e4mie.<\/li>\n<li>Die Zugangsstellen f\u00fcr Gesundheitsdaten werden an die <strong>neue dezentrale EU-Infrastruktur<\/strong> f\u00fcr die Sekund\u00e4rnutzung <strong>(HealthData@EU)<\/strong> angeschlossen werden, die zur Unterst\u00fctzung grenz\u00fcberschreitender Projekte eingerichtet wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Laut der EU-Kommission baut der europ\u00e4ische Raum f\u00fcr Gesundheitsdaten weiter auf der Datenschutz-Grundverordnung, <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=CELEX%3A52020PC0767\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dem Vorschlag f\u00fcr ein Daten-Governance-Gesetz<\/a>, <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=COM%3A2022%3A68%3AFIN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dem Entwurf eines Datengesetzes<\/a> und <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=celex:32016L1148\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der NIS-Richtlinie<\/a> auf. Er erg\u00e4nzt die genannten Initiativen und bietet ma\u00dfgeschneiderte Vorschriften f\u00fcr den Gesundheitssektor.<\/p>\n<p>Der europ\u00e4ische Raum f\u00fcr Gesundheitsdaten soll den derzeitigen und k\u00fcnftigen Einsatz von digitalen \u00f6ffentlichen G\u00fctern in der EU wie von k\u00fcnstlicher Intelligenz, Hochleistungsrechnern, Cloud- und intelligenter Middleware nutzen. Dar\u00fcber hinaus werden Rahmenvorschriften f\u00fcr KI, e-Identity und Cybersicherheit den europ\u00e4ischen Raum f\u00fcr Gesundheitsdaten unterst\u00fctzen.<\/p>\n<h2>Kritische Nachfragen erlaubt?<\/h2>\n<p>Der VFA &#8211; Verband der forschenden Pharma-Unternehmen &#8211; erl\u00e4utert in <a href=\"https:\/\/www.vfa.de\/de\/wirtschaft-politik\/abcgesundheitspolitik\/eu-gesundheitsdatenraum-schnell-erklaert.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a>, was sich hinter dem europ\u00e4ischen Gesundheitsdatenraum verbirgt, und warum \"dieser so wichtig ist\". Der EHDS soll die Versorgungs- und Behandlungsqualit\u00e4t, die Forschung und den Datenaustausch europaweit verbessern.<\/p>\n<h3>Interoperabilit\u00e4t der Daten<\/h3>\n<p>Die vermutlich gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde f\u00fcr einen Europ\u00e4ischen Gesundheitsdatenraum, so die VFA, sei die Interoperabilit\u00e4t der Daten zu gew\u00e4hrleisten. Hier ist die \"Ideenfindung\" schon mal ein gro\u00dfes St\u00fcck weiter als bei der elektronischen Patientenakte (ePA) in Deutschland. Dann nach den Aussagen des deutschen Gesundheitsministers Prof. Dr. Karl Lauterbach hat man kein einheitliches Datenformat, sondern kann \"Word- und PDF-Dateien\" in die Patientenakte hochladen (siehe meinen Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/03\/12\/lauterbach-will-die-elektronische-patientenakte-epa-mit-opt-out-ein-desaster-mit-ansage-oder-wolkenkuckucksheim\/\">Lauterbach \"will\" die elektronische Patientenakte (ePA) mit Opt-out \u2013 ein Desaster mit Ansage oder Wolkenkuckucksheim?<\/a>).<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise lassen sich Anleihen bei L\u00e4ndern nehmen, in denen elektronische Patientendaten bereits erfasst und gespeichert werden. Aber auch im Fall, dass die technische Interoperabilit\u00e4t der Daten gew\u00e4hrleistet ist, bleibt noch ein gro\u00dfer Punkt. Die Daten, speziell Befunde oder Arztbriefe, liegen oft ja in der jeweiligen Landessprache vor. Ob ein Arzt in einem Krankenhaus in Portugal dann die Befunde eines in Deutsch verfassten Arztbriefs lesen kann? Hier k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise k\u00fcnstliche Intelligenz in Form von Sprach\u00fcbersetzern helfen &#8211; Problem bleibt dort die Frage, ob die \u00dcbersetzung korrekt und eindeutig ist. Ich hatte bereits 2019 dr\u00fcben im 50 Plus-Blog das Grundproblem im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/senioren\/2019\/04\/25\/arztbriefe-unverstndlich-und-risikoreich\/\">Arztbriefe: Unverst\u00e4ndlich und risikoreich<\/a> angerissen. Selbst ein in deutscher Sprache verfasster Arztbrief kann f\u00fcr einen deutschen Arzt eine Herausforderung werden.<\/p>\n<h3>Auf dem Web zum Datengau?<\/h3>\n<p>Werden Daten gespeichert, besteht einerseits das Risiko eines Datenklaus, und anderseits wachsen die Begehrlichkeiten diverser Interessengruppen, diese Daten in die Finger zu bekommen und auswerten zu d\u00fcrfen. Die EU-Kommission verspricht zwar, dass die \"strengen Vorgaben\" der DSGVO gelten sollen. Aber in der Praxis erweist sich das Ganze bisher doch als zahnloser Tiger.<\/p>\n<p>Und wenn ich schon lese, dass \"der europ\u00e4ische Raum f\u00fcr Gesundheitsdaten den derzeitigen und k\u00fcnftigen Einsatz von digitalen \u00f6ffentlichen G\u00fctern in der EU wie von k\u00fcnstlicher Intelligenz, Hochleistungsrechnern, Cloud- und intelligenter Middleware nutzen soll\", wird mir ganz schlecht. Da die EU keine Cloud-Anbieter hat, soll das Zeugs in die Cloud der US-Anbieter gekippt werden, Zugriff der US-Beh\u00f6rden inklusive?<\/p>\n<p>Die EU-Kommission ist ja fett dabei, einen Anmessenheitsentscheidung zu f\u00e4llen (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/12\/14\/eu-kommission-fllt-vorlufige-angemessenheitsentscheidung-zum-trans-atlantic-data-privacy-framework\/\">EU-Kommission f\u00e4llt vorl\u00e4ufige Angemessenheitsentscheidung zum Trans-Atlantic Data Privacy Framework<\/a>), obwohl die Datensch\u00fctzer da durchaus ernstzunehmende Vorbehalte hegen (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/03\/13\/stellungnahmen-von-esda-und-bfdi-zum-eu-u-s-data-privacy-framework\/\">Stellungnahmen von ESDA und BfDI zum EU-U.S. Data Privacy Framework<\/a>).<\/p>\n<p>Denkbar w\u00e4re eine Verschl\u00fcsselung der Daten, wobei der Patient den Schl\u00fcssel zum Zugriff erh\u00e4lt. Hat halt zwei Nachteile: Verliert der Patient seinen Schl\u00fcssel, sind auch die verschl\u00fcsselten Daten verloren. Es wird also immer einen \"Generalschl\u00fcssel\" geben, um im Fall der F\u00e4lle doch auf die Daten zugreifen zu k\u00f6nnen. Und alle Bestrebungen der EU-Politik gehen doch dahin, dass der Staat trotzdem (per \"Generalschl\u00fcssel\") Zugriff auf verschl\u00fcsselte Daten erh\u00e4lt. Zudem sind verschl\u00fcsselte Daten, die nur der Patient entschl\u00fcsseln k\u00f6nnte, nat\u00fcrlich kein \"Datenschatz\", den es f\u00fcr Forschung und Industrie zu \"heben gilt\". Also auch hier ein Interessenskonflikt, der zuungunsten des Patienten ausgehen wird. Wir sollten uns also darauf einstellen, dass wir in n\u00e4herer oder mittlerer Zukunft von gro\u00dfen Datenlecks oder Hacks in diesem Bereich lesen d\u00fcrfen.<\/p>\n<h3>Was sagt der Datensch\u00fctzer?<\/h3>\n<p>Ich bin im Grunde \u00fcber den heise-Beitrag <a title=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Geplante-Massenspeicherung-der-Gesundheitsdaten-Widerspruch-ist-zwecklos-7517939.html?seite=all\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Geplante-Massenspeicherung-der-Gesundheitsdaten-Widerspruch-ist-zwecklos-7517939.html?seite=all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geplante Massenspeicherung der Gesundheitsdaten: Widerspruch ist zwecklos<\/a> von Mitte Februar 2023 zu diesem Blog-Beitrag animiert worden. Im Beitrag f\u00fchrt die heise-Redaktion ein Interview mit dem bayerischen Landesdatenschutzbeauftragten Thomas Petri. Schon der Anrei\u00dfertext umrei\u00dft das Problem &#8211; O-Ton: \"Die Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Europ\u00e4ischen Gesundheitsdatenraum gehen zu weit, erkl\u00e4rt der bayerische Landesdatenschutzbeauftragte Thomas Petri im Interview.\"<\/p>\n<p>So gibt es die Bef\u00fcrchtung, dass Menschen, die der Speicherung und Weitergabe ihrer Daten widersprechen, mit dem Argument, dass eventuell \"Doppeluntersuchungen erforderlich seien\" finanziell zur Kasse gebeten werden. Das l\u00e4uft nat\u00fcrlich einer selbstbestimmten Entscheidung, was mit meinen Daten passiert, zuwider. Auch zur Sekund\u00e4rnutzung der Daten h\u00e4lt Petri eine Einsch\u00e4tzung bereit: \"Jeder, der was potenziell mit Gesundheit zu tun hat und ein halbwegs legitimes Interesse an der Verarbeitung von Gesundheitsdaten reklamieren kann, wird die Daten erhalten.\"<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Hammer: Den Kontaktstellen sollen die Daten im Klartext, nicht anonymisiert \u00fcbertragen werden. Diese entscheiden anschlie\u00dfend, ob Anfragende diese anonymisierte oder pseudonymisierte Krankheitsverl\u00e4ufe braucht und erh\u00e4lt. Die Datenschutzrechtliche Seite ist da in keiner Weise gekl\u00e4rt. Und der Patient hat nach der Lesart von Petri, laut dem Kommissionsentwurf, <em>keine M\u00f6glichkeit bzw. kein Recht, diesen <\/em>Datentransfers vom Dateninhaber zur nationalen Zugangsstelle (z.B. Krebsregister) oder von der Zugangsstelle zum Datenantrag-Nutzer zu unterbinden. Es ist kein Widerspruch vorgesehen. Besteht eine \u00dcbermittlungspflicht, wird die Datenschutzgrundverordnung quasi ausgehebelt. Es ist schon recht aufschlussreich, das heise-Interview mit dem bayerischen Landesdatenschutzbeauftragten Thomas Petri zu lesen.<\/p>\n<h3>Fragen einer Expertin<\/h3>\n<p>Zuf\u00e4llig bin ich dann die Tage \u00fcber nachfolgenden <a href=\"https:\/\/twitter.com\/netzpolitik_org\/status\/1635600294636851200\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tweet<\/a> auf einen weiteren Beitrag <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2023\/european-health-data-space-ein-datenraum-voller-ungereimtheiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">European Health Data Space: Ein Datenraum voller Ungereimtheiten<\/a> von Bianca Kastl bei netzpolitik.org gesto\u00dfen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"European Health Data Space: Ein Datenraum voller Ungereimtheiten\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/OwjXkXb.png\" alt=\"European Health Data Space: Ein Datenraum voller Ungereimtheiten\" \/><\/p>\n<p>Kastl hat sich als Expertin f\u00fcr Schwachstellen in Gesundheitsanwendungen im Bereich Corona-Virus-Verfolgung einen Ruf erarbeitet, weil sie beratend t\u00e4tig war und die haarstr\u00e4ubenden Fehler beim Design und der Implementierung der betreffenden Systeme gesehen hat. Kastl greift die gleichen Themen wie Datensch\u00fctzer Petri in Bezug auf Widerspruchsm\u00f6glichkeiten auf, geht aber in ihrer Betrachtung und den aufgeworfenen Fragen noch weiter.<\/p>\n<p>So wirft sie einen Blick auf das Thema \"komplett anonymisierten Daten\", was bei speziellen Gesundheitsdatens\u00e4tzen schlicht ein Oxymoron ist. Es geht schlicht nicht, weil durch Kombination mehrerer Datenpunkte eine Datensignatur entsteht, anhand derer Personen doch wieder eindeutig identifiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Noch interessanter ist die Frage, was eigentlich Gesundheitsdaten f\u00fcr den betreffenden Datenraum sind. Im ersten Kommissionsentwurf sollen auch\u00a0 \"Wellness-Anwendungen\" erfasst sein, von denen \"Gesundheitsdaten\" geliefert und erfasst werden sollen. Also ein absolutes Gaga-Papier, der erst Entwurf der EU-Kommission.<\/p>\n<p>Ihr Schluss \"Viele schlecht umgesetzte EU-Initiativen auf einmal. Obwohl der EHDS und seine rechtlichen Grundlagen uns alle in Europa betreffen, bleibt das Thema aktuell noch etwas arg unter dem Radar.\" Nun ja, zumindest f\u00fcr die Blog-Leserschaft habe ich \"mein Radar\" auf den betreffenden Entwurf gerichtet und ihr k\u00f6nnt euch schlau machen. Im M\u00e4rz sollen die Entw\u00fcrfe der EU-Kommission im Rat sowie im EU-Parlament diskutiert werden. Hier w\u00e4re es vielleicht angebracht, lokale Bundestagsabgeordnete und EU-Parlamentarier ganz konkret mit Fragen und Eingaben zu besch\u00e4ftigen &#8211; um \u00f6ffentliches Interesse zu signalisieren. Wie das Ganze mit dem Data Act zusammenh\u00e4ngt, dem das EU-Parlament gerade zugestimmt hat (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/03\/14\/eu-parlament-stimmt-data-act-zu\/\">EU-Parlament stimmt Data Act zu<\/a>), wei\u00df ich nihct.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/03\/12\/lauterbach-will-die-elektronische-patientenakte-epa-mit-opt-out-ein-desaster-mit-ansage-oder-wolkenkuckucksheim\/\">Lauterbach \"will\" die elektronische Patientenakte (ePA) mit Opt-out \u2013 ein Desaster mit Ansage oder Wolkenkuckucksheim?<\/a><strong><br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/12\/24\/elektronische-patientenakte-br-will-datenschutz-schleifen\/\">Elektronische Patientenakte: B\u00e4r will Datenschutz schleifen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/01\/04\/elektronische-patientenakte-epa-2-0-als-sicherheitsrisiko\/\">Elektronische Patientenakte (ePA 2.0) als Sicherheitsrisiko?<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2016\/03\/14\/old-school-hack-fr-gesundheitskarte\/\">Datenleck: Old-School-'Hack' f\u00fcr Gesundheitskarte<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/11\/06\/kvb-verschiebt-erezept-einlsung-mit-egk-auf-sommer-2025-verschoben\/\">KBV: Gematik verschiebt eRezept-Einl\u00f6sung mit eGK auf Sommer 2023<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/10\/16\/ti-connectoren-im-gesundheitswesen-der-300-millionen-euro-hack-des-chaos-computer-clubs\/\">TI-Konnectoren im Gesundheitswesen \u2013 der \"400 Millionen Euro\"-Hack des Chaos Computer Clubs<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/12\/28\/sicherheitslcken-im-deutschen-gesundheitsdatennetz\/\">Sicherheitsl\u00fccken im deutschen Gesundheitsdatennetz<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/11\/08\/gematik-gesellschafter-haben-opt-out-fr-elektronische-patientenakte-epa-beschlossen\/\">gematik-Gesellschafter haben Opt-out f\u00fcr elektronische Patientenakte (ePA) beschlossen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/12\/05\/vernichtendes-urteil-an-elektronischer-patientenakte-auf-freie-rzteschaft-fa-kongress-3-12-2022\/\">Vernichtendes Urteil an elektronischer Patientenakte auf Freie \u00c4rzteschaft (FA) Kongress (3.12.2022)<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2022\/12\/30\/neustart-in-2023-fr-elektronische-patientenakte-epa-geplant\/\">Neustart in 2023 f\u00fcr Elektronische Patientenakte (ePA) geplant<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU-Kommission arbeitet an einem europ\u00e4ischen Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space). 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