{"id":284284,"date":"2023-07-28T00:03:00","date_gmt":"2023-07-27T22:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=284284"},"modified":"2024-01-05T10:25:11","modified_gmt":"2024-01-05T09:25:11","slug":"eu-kommission-erffnet-wettbewerbsverfahren-gegen-microsoft-wegen-teams","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/07\/28\/eu-kommission-erffnet-wettbewerbsverfahren-gegen-microsoft-wegen-teams\/","title":{"rendered":"EU-Kommission er&ouml;ffnet Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft wegen Teams"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Recht\" style=\"border-left-width: 0px; border-right-width: 0px; border-bottom-width: 0px; float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline; border-top-width: 0px\" border=\"0\" alt=\"Paragraph\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Para.jpg\" width=\"91\" align=\"left\" height=\"88\"\/>[English]Nun ist offiziell, was seit Wochen hinter vorgehaltener Hand von Insidern gefl\u00fcstert wurde. Die Europ\u00e4ische Kommission hat eine f\u00f6rmliche Untersuchung eingeleitet, um zu pr\u00fcfen, ob Microsoft m\u00f6glicherweise gegen die EU-Wettbewerbsvorschriften versto\u00dfen hat. Es geht um Microsofts Kommunikations- und Kollaborationsprodukt Teams und dessen Kopplung bzw. B\u00fcndelung mit den beliebten Unternehmenssuiten Office 365 und Microsoft 365.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Es wurde lange gemunkelt<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/05178ce18bd0404cb76e5c501c4e7321\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Seit Anfang Juli 2023 hielten sich die Ger\u00fcchte bzw. gab es Berichte in Medien mit Kontakten nach Br\u00fcssel, die von einem anstehenden formalen Pr\u00fcfverfahren der EU-Kommission gegen Microsoft berichteten. Letztmalig hatte ich das Thema am 21. Juli 2023 im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/07\/21\/eu-kartellbeschwerde-gegen-microsoft-wegen-teams-bndelung-mit-office-365\/\">EU-Kartellbeschwerde gegen Microsoft wegen Teams-B\u00fcndelung mit Office 365<\/a> angesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war wohl eine weitere Wettbewerbsbeschwerde des deutschen Anbieter Alfaview aus Karlsruhe gegen Microsoft bei der EU-Kommission eingegangen.<\/p>\n<p>Es dreht sich alles um den Sachverhalt, dass Microsoft seine Kommunikations- und Kollaborationssoftware Teams mit Office 365 und Microsoft 365 geb\u00fcndelt hat. Microsoft liefert Teams seit 2017 kostenlos mit Office 365 mit. Die erste formelle Beschwerde gegen diese Konstellation kam im Jahr 2020 vom Konkurrent Slack, der eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Microsoft wegen der Teams-B\u00fcndelung einreichte (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2020\/07\/23\/slack-eu-wettbewerbsbeschwerde-gegen-microsoft-teams\/\">Slack: EU-Wettbewerbsbeschwerde gegen Microsoft Teams<\/a>). Aber es gab weitere Kartellbeschwerden gegen Microsoft, beispielsweise von Nextcloud (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/11\/27\/nextcloud-legt-wettbewerbsbeschwerde-gegen-microsoft-wegen-onedrive-und-teams-in-windows-11-ein\/\">Nextcloud legt Wettbewerbsbeschwerde gegen Microsoft wegen OneDrive und Teams in Windows 11 ein<\/a>).<\/p>\n<p>Die EU-Kommission tritt vor der Einleitung eines formalen Pr\u00fcfverfahrens mit den Herstellern in Kontakt und fordert von diesen Stellungnahmen an. Meiner Interpretation nach konnte Microsoft die Fragen der EU-Kommission bzw. die im Raum stehenden Vorw\u00fcrfe nicht hinreichend entkr\u00e4ften, um die Einleitung des Pr\u00fcfverfahrens zu verhindern. Auch ein Angebot Microsofts, auf die Auslieferung von Teams mit Office 365 zu verzichten, \u00fcber welches ich bereits im April 2023 im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/04\/25\/microsoft-will-team-nicht-mehr-mit-office-bndeln\/\">Microsoft will Teams nicht mehr mit Office b\u00fcndeln?<\/a> berichtete, scheint da keine \u00c4nderung bewirkt zu haben. <\/p>\n<h2>Formale Er\u00f6ffnung des Wettbewerbsverfahrens <\/h2>\n<p>In einer <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20231223183010\/https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/ip_23_3991\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meldung vom 27. Juli 2023<\/a> hat die EU-Kommission bekannt gegeben, dass sie jetzt eine f\u00f6rmliche Untersuchung eingeleitet habe, um zu pr\u00fcfen, ob Microsoft m\u00f6glicherweise gegen die EU-Wettbewerbsvorschriften versto\u00dfen hat, indem es sein Kommunikations- und Kollaborationsprodukt Teams mit seinen beliebten Unternehmenssuiten Office 365 und Microsoft 365 gekoppelt oder geb\u00fcndelt hat.<\/p>\n<p>Es geht um die Frage, ob Microsoft seine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat, um den Wettbewerb zu behindern. Die EU-Kommission stuft Microsoft als ein globales Technologieunternehmen ein, das Produktivit\u00e4ts- und Unternehmenssoftware, Cloud Computing und Personal Computing anbietet. Teams ist ein Cloud-basiertes Tool f\u00fcr Kommunikation und Zusammenarbeit. Es bietet Funktionen wie Nachrichten\u00fcbermittlung, Anrufe, Videokonferenzen und Dateifreigabe und f\u00fchrt die Arbeitsplatz-Tools von Microsoft und Drittanbietern sowie andere Anwendungen zusammen.<\/p>\n<p>Mit dem Ausbruch des Coronavirus und der Umstellung auf Telearbeit entstand bei Unternehmen Bedarf an einer Cloud-basierenden Software f\u00fcr Kommunikation und Zusammenarbeit. Der \u00dcbergang zur Cloud hat das Entstehen neuer Marktteilnehmer und Gesch\u00e4ftsmodelle erm\u00f6glicht, die den Kunden die M\u00f6glichkeit bieten, mehrere Arten von Software von verschiedenen Anbietern zu nutzen, ohne dass sie ein eigenes Rechenzentrum unterhalten m\u00fcssen. Cloud-basierte Software, zu der auch die untersuchten Produkte geh\u00f6ren, wird in der Regel auf Abonnementbasis vertrieben.<\/p>\n<p>Es habe sich also Chancen f\u00fcr andere Marktteilnehmer er\u00f6ffnet, an diesem neuen Gesch\u00e4ftsfeld partizipieren zu k\u00f6nnen. Microsoft hat allerdings seine L\u00f6sung Teams in quasi schon monopolartig im Unternehmensumfeld eingesetzten, Cloud-basierten Produktivit\u00e4tssuiten Office 365 und Microsoft 365 integriert. Wer also diese Gesch\u00e4ftssuiten einsetzte, hatte keinen Bedarf an L\u00f6sungen von Drittanbietern wie Slack oder Alfaview. <\/p>\n<p>Die Kommission hat die Bef\u00fcrchtung, dass Microsoft seine Marktstellung bei Produktivit\u00e4tssoftware missbraucht und verteidigt, indem es den Wettbewerb im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum (EWR) bei Produkten f\u00fcr Kommunikation und Zusammenarbeit einschr\u00e4nkt. Es steht speziell der Verdacht im Raum, dass Microsoft durch die B\u00fcndelung Teams einen Vertriebsvorteil verschafft, indem es den Kunden nicht die Wahl l\u00e4sst, ob sie beim Abschluss eines Abonnements f\u00fcr ihre Produktivit\u00e4tssoftware Zugang zu diesem Produkt haben wollen oder nicht. <\/p>\n<p>Stellt die EU-Kommission im Pr\u00fcfverfahren eine wettbewerbswidrige Kopplung oder B\u00fcndelung fest, die Anbieter anderer Kommunikations- und Kollaborationstools am Wettbewerb hindern, w\u00e4re dies der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung, der nach (Artikel 102 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union (AEUV)) verboten ist. Ein solcher Missbrauch kann empfindlich sanktioniert werden. Die Kommission wird ihre eingehende Untersuchung mit Vorrang durchf\u00fchren. Die Einleitung eines f\u00f6rmlichen Pr\u00fcfverfahrens greift dessen Ergebnis nicht vor, hei\u00dft es von der Kommission.<\/p>\n<p>Die Dauer einer kartellrechtlichen Untersuchung h\u00e4ngt von einer Reihe von Faktoren ab, u. a. von der Komplexit\u00e4t des Falles, dem Umfang der Zusammenarbeit der betroffenen Unternehmen mit der Kommission und der Aus\u00fcbung der Verteidigungsrechte. F\u00fcr die Beendigung einer kartellrechtlichen Untersuchung gibt es keine gesetzliche Frist. Ein Sprecher Microsofts sagte, dass man bei der Untersuchung mit der EU-Kartellbeh\u00f6rde kooperieren werde. <\/p>\n<p>F\u00fcr Microsoft ist es die erste EU-Kartelluntersuchung seit mehr als 10 Jahren. Zwischen 2004 und 2013 gab es diverse Kartellstrafen auf Grund von Wettbewerberbeschwerden gegen Microsoft, die sich auf 2,2 Milliarden Euro summierten&nbsp; (siehe Links am Artikelende). Zudem l\u00e4uft vom Bundeskartellamt auch ein Pr\u00fcfverfahren gegen Microsoft, ob das Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung besitzt.&nbsp; <\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2012\/09\/30\/eu-plant-strafe-fr-microsofts-versto-gegen-auflagen\/\">EU plant Strafe f\u00fcr Microsofts Versto\u00df gegen Auflagen<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2013\/03\/06\/autsch-microsoft-darf-561-mio-euro-strafe-zahlen\/\">Autsch! 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