{"id":285847,"date":"2023-09-11T17:14:25","date_gmt":"2023-09-11T15:14:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=285847"},"modified":"2023-09-11T17:14:25","modified_gmt":"2023-09-11T15:14:25","slug":"vertraulicher-leitfaden-wie-microsofts-management-eigene-mitarbeiter-bewertet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2023\/09\/11\/vertraulicher-leitfaden-wie-microsofts-management-eigene-mitarbeiter-bewertet\/","title":{"rendered":"Vertraulicher Leitfaden: Wie Microsofts Management eigene Mitarbeiter bewertet"},"content":{"rendered":"<p>Noch ein Informationssplitter aus der Welt von Microsoft. Business Insider USA ist an den vertraulichen Leitfaden herangekommen, nach dem das Microsofts Management die eigenen Mitarbeiter bewertet. Ich vergesse nach 30 Jahren als Freiberufler immer wieder, wie so etwas in Gro\u00dfunternehmen l\u00e4uft. Unter diesen Blickwinkel erkl\u00e4rt mir der Leitfaden sofort vieles, was bei Microsoft so abl\u00e4uft &#8211; denn der Leitfaden kann eine erstklassige Anleitung sein, wie Du in einer Firma (m\u00f6glicherweise ungewollt) \"Konformit\u00e4t\" produzierst. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/7e3d44abd3cd42839a05e82b182c8c7b\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Interne Bewertungssysteme f\u00fcr die Leistung von Mitarbeitern durch F\u00fchrungskr\u00e4fte hat wohl jedes gr\u00f6\u00dfere Unternehmen. Das soll dazu f\u00fchren, dass Mitarbeiter fairer von F\u00fchrungskr\u00e4ften bewertet und ggf. auch entlohnt werden. Das kann super laufen, aber auch zur \"Formalie ausarten\" oder extrem negative Folgen f\u00fcr ein Unternehmen haben. <\/p>\n<p>Beim Schreiben dieses Artikels bin ich glatt 30 Jahre in der Zeit zur\u00fcck gebeamt worden, wo ich diese Bewertungen f\u00fcr meine Mitarbeiter f\u00fcr die j\u00e4hrlichen Mitarbeitergespr\u00e4che durchzuf\u00fchren und zu dokumentieren hatte. War zum Gl\u00fcck ein deutsches Unternehmen der Gro\u00dfchemie, wo es gute Tarifvertr\u00e4ge gab. Denn der Topf, um Mitarbeiter auch gehaltlich zu f\u00f6rdern, war arg klein. Du musstest einen langen Atem haben, um die Leute durch das Tarifsystem mit dem Ziel \"Au\u00dfertarifliche Bezahlung\" zu schleusen. Mich hat das immer arg frustriert, weil die Mitarbeiter in meinen Augen das Kapital meiner Gruppe darstellten, und eigentlich nie genug gef\u00f6rdert werden konnten. <\/p>\n<p>War aber halt ein unflexibles Gro\u00dfunternehmen mit starren Strukturen, welches es heute so nicht mehr gibt. Von daher blicke ich immer mit Spannung auf Informationssplitter, die mich in Sachen Mitarbeiterbewertung erreichen &#8211; obwohl ich als Freiberufler zum 1. Oktober 2023 seit genau drei Jahrzehnten mit diesem Thema nichts mehr zu tun habe. Und nun durfte ich mal wieder einen \"Blick\" in Microsofts Mitarbeiterbewertung werfen. <\/p>\n<h2>Ein R\u00fcckblick auf das Jahr 2013<\/h2>\n<p>Im Jahr 2013 hatte ich schon mal im Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2013\/11\/12\/microsoft-wirft-mitarbeiterbeurteilungssystem-ber-bord\/\">Microsoft wirft Mitarbeiterbeurteilungssystem \u00fcber Bord<\/a> \u00fcber das Thema geschrieben. Dort ging es um das \"Stacked Ranking\"-System, welches F\u00fchrungskr\u00e4fte zwang, Mitarbeiter in bestimmte Klassen, vom \"Outperformer\" bis zum \"Minderleister\" einzustufen und dabei eine Verteilung nach einer Gau\u00dfchen Glockenkurve einzuhalten. Ziel war es, die \"Minderleister\" nach diesen Kriterien irgendwie aus dem Unternehmen zu dr\u00e4ngen. <\/p>\n<p>Eingef\u00fchrt hatte dieses System Jack Welch bei General Electric, wo es als Erfolg gewertet wurde. Seit dieser Zeit war das\"Stacked Ranking\"-System in den USA bei Arbeitgebern sehr beliebt. Es stand aber auch in der Kritik, weil es zwar die Leistung der Mitarbeiter in einem Unternehmen erh\u00f6hen kann, aber einen extrem hohen Preis hat und das Unternehmen ins Abseits f\u00fchren kann. <\/p>\n<p>Bei Microsoft haben viele Entscheider \u2013 die selbst dieser Bewertung unterzogen werden \u2013 jegliches Risiko vermieden und \u00e4ngstlich versucht, im Mittelfeld zu landen. Mitarbeiter haben gegeneinander agiert, statt innovativ zusammen zu arbeiten. L\u00e4sst sich alles im Details in meinem oben verlinkten Beitrag nachlesen. F\u00fcr mich war der Bericht ein Schl\u00fcsselerlebnis, weil mir pl\u00f6tzlich einige Entscheidungen bis 2013 bei Microsoft klar wurden.<\/p>\n<h2>Wie Microsoft Mitarbeiter bewertet<\/h2>\n<p>Bei Microsoft wurde dieser Ansatz im Jahr 2013 gekippt, aber es muss einen Nachfolger gegeben haben. Das US-Medium Business Insider behauptet in einem Artikel, dass ihm die vertraulichen Kriterien der Microsoft F\u00fchrungskr\u00e4fte zur Mitarbeiterbewertung vorliegen. Leider findet sich der Beitrag hinter einer Paywall, und wurde daher nicht verlinkt, ein englischsprachiger Artikel mit den Original-Formulierungen ist aber <a href=\"https:\/\/www.gearrice.com\/update\/the-employee-rating-system-that-microsoft-has-secretly-introduced-revealed\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> abrufbar. Die Redaktion von Golem hat das Ganze in <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/feedback-und-arbeitsleistung-so-bewertet-microsoft-die-eigenen-mitarbeiter-2309-177509.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> in Kurzform aufbereitet. Mitarbeiter werden nach diesem Artikel von ihren Chefs in vier Kategorien einsortiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Lower Than Expected Impact: Die Person erf\u00fcllt die Erwartungen nicht oder nicht konsistent; Golem schreibt, dass darunter auch Personen&nbsp; fallen, die \"Microsofts kulturellen Werte und Erwartungen nicht erreichen oder sich durch pers\u00f6nlich eingeholtes Feedback nicht weiterentwickeln\".  <\/li>\n<li>Slightly Lower Impact Than Expected: Die Personen habe die Erwartungen in einigen F\u00e4llen nicht erf\u00fcllt, versuchen sich aber zu verbessern und reagieren auf Feedback.&nbsp; <\/li>\n<li>Successful Impact: Geht wie \u00d6l runter, denn diese Mitarbeiter liefern konsistente Ergebnisse ab und \u00fcbertreffen die Erwartungen sogar teilweise. Golem schreibt dazu, dass diese Leute pers\u00f6nlich f\u00fcr Fehler einstehen und aus diesen auch lernen. Au\u00dferdem k\u00e4men sie sehr gut mit den Werten bei Microsoft zurecht, hei\u00dft es.  <\/li>\n<li>Exceptional Impact: Das sind dann die Paradepferdchen Microsofts, die konsistent bedeutende Ergebnisse erzielen und Erwartungen stets \u00fcbertreffen. Laut Golem demonstriert diese Klientel ein \"ausgezeichnetes Bewusstsein f\u00fcr Selbstentwicklung und pers\u00f6nliche Verbesserung\". Au\u00dferdem wenden sie das Gelernte stets f\u00fcr einen noch gr\u00f6\u00dferen Impact im Unternehmen an.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer sich f\u00fcr das Thema interessiert &#8211; performyard.com hat in <a href=\"https:\/\/www.performyard.com\/articles\/microsoft-performance-management\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Beitrag<\/a> Details zum Performance-Management bei Microsoft online gestellt. Dort wird erl\u00e4utert, wie die F\u00fchrungskr\u00e4fte die eigenen Mitarbeiter an Zielerf\u00fcllungen messen. Scheint alles ziemlich standardisiert in halbj\u00e4hrlichen und j\u00e4hrlichen Bewertungen zu m\u00fcnden. <\/p>\n<p>Bei Golem hei\u00dft es, dass das Management die obigem Begriffe m\u00f6glichst in Gespr\u00e4chen mit Mitarbeitern verwenden sollen, damit diese wissen, wo sie im Team stehen. Basis sei die Stufe \"Successful Impact\". Besser bewertete Angestellte werden mit Belohnungen oder Anreizen belohnt. Es ist klar, dass es durchaus Systeme f\u00fcr Leistungsbewertungen geben muss &#8211; speziell Gro\u00dfunternehmen stehen auf so etwas. <\/p>\n<h2>Die Gefahr: Alles wird konform<\/h2>\n<p>Wenn ich mir aber die obigen Bewertungsstufen ansehe und feststelle, dass eine \u00dcbereinstimmung mit \"Microsofts kulturellen Werten und Erwartungen\" f\u00fcr eine Einstufung mit herangezogen wird, gehen mir so einige Gedanken durch den Kopf. Es ist klar, dass Angestellte im Unternehmen sich zu diesem loyal verhalten und mit den Zielen der Gruppe irgendwie identifizieren sollten. Aber die F\u00fchrungskr\u00e4fte haben eine wirkungsvolle Keule, um nicht konforme Mitarbeiter auf Linie zu bringen. Wer kritisch ist und Dinge hinterfragt, kann schnell als \"Lower Than Expected Impact\" eingestuft werden, weil er sich nicht (gen\u00fcgend) mit den Werten identifiziert. Vermutlich kommt bei mir aber der \"kritische Geist\" sofort um die Ecke, der dann fragt: \"Werden da Ja-Sager und Duckm\u00e4user\" herangez\u00fcchtet, die nichts mehr kritisch hinterfragen. <\/p>\n<p>Wenn ich mir so manche Reaktion von Microsoft Mitarbeitern &#8211; in Vortr\u00e4gen, aber auch in Social Media Posts &#8211; so ansehe, scheint meine Vermutung jedenfalls nicht widerlegt zu werden. Die kritischen Geister, die vor f\u00fcnf, sechs Jahren noch durchgeblitzt sind, wenn mal wieder eine anonyme Mail bei mir einschlug, &#8211; sind inzwischen verstummt. Seinerzeit gab es auf dieser Schiene Insights aus dem Support oder aus der Entwicklung&nbsp; &#8211; die mitunter so gar nicht mit dem Microsoft-Sprech \u00fcbereinstimmten und auf Probleme hinwiesen. <\/p>\n<p>Und mir ist auch noch eine Episode aus der Bewerbungsphase f\u00fcr den Windows Insider MVP erinnerlich. Auch MVPs werden jedes Jahr aufgefordert, einen Nachweis zu liefern, was sie alles im abgelaufenen Jahr diesbez\u00fcglich gemacht haben. Die Verantwortlichen&nbsp; erwarteten allen Ernstes, dass die MVP-Asprianten sich hinsetzen und ein Video drehen, in dem sie erkl\u00e4ren, warum sie unbedingt Windows Insider MVP sein m\u00fcssen. Im ersten Nominierungsjahr habe ich noch die Informationen \u00fcber Aktivit\u00e4ten eingereicht, aber stillschweigend auf das \"Bewerbungsvideo\" verzichtet. Als im n\u00e4chsten Jahr pertinent die Frage nach dem Bewerbungsvideo kam, habe ich geantwortet, dass, wenn es am fehlenden Bewerbungsvideo scheitere, sie sich den MVP dahin stecken k\u00f6nnen, wo die Sonne niemals hin scheint. M\u00fcssen die mir arg \u00fcbel genommen haben, und nun verstehe ich auch warum &#8211; ich habe mich nicht mit den kulturellen Erwartungen Microsofts identifiziert und auch mal die MVP-Leads sowie Entwickler durch die Blume gefragt, ob sie noch alle an der Waffel haben. <\/p>\n<p>Jedenfalls war es f\u00fcr mich erneut ein deja-vue-Erlebnis, als ich auf das obige Thema stie\u00df und den Text durchlas. Dabei wurde mir erneut klar (vergesse ich immer), dass Microsoft ein Gro\u00dfunternehmen mit typischen Problemen ist. Und solche \"Benchmarks\" k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass die gesamte Mannschaft \"stromlinienf\u00f6rmig\" geformt wird und hinter den jeweiligen K\u00f6pfen hinterher schwimmt. Kritische Stimmen und kontr\u00e4re Sichtweisen haben es schwer und werden aussortiert. Die Entlassungswellen bei Microsoft haben ihr \u00fcbrigens getan. Das erkl\u00e4rt mir dann einiges, wo ich als externer Beobachter da sitze und nur ungl\u00e4ubig den Kopf sch\u00fcttele, wie man bei Microsoft auf solche Ideen kommt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Informationssplitter aus der Welt von Microsoft. Business Insider USA ist an den vertraulichen Leitfaden herangekommen, nach dem das Microsofts Management die eigenen Mitarbeiter bewertet. 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