{"id":2913,"date":"2011-04-28T20:21:02","date_gmt":"2011-04-28T15:21:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/2011\/04\/28\/tomtom-vertickt-navi-nutzerdaten-an-polizei\/"},"modified":"2020-01-12T10:47:22","modified_gmt":"2020-01-12T09:47:22","slug":"tomtom-vertickt-navi-nutzerdaten-an-polizei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2011\/04\/28\/tomtom-vertickt-navi-nutzerdaten-an-polizei\/","title":{"rendered":"TomTom vertickt Navi-Nutzerdaten an Polizei"},"content":{"rendered":"<p>Heuer haben wir es scheinbar mit Datenskandalen ganz dicke. Erst die Datensammelwut von Apple, dann die Panne mit dem gehackten Playstation-Netzwerk bei Sony und jetzt TomTom. Um ein wenig Kohle zu machen, haben die Kerle die Bewegungsdaten ihrer Kunden an die Polizei verkauft \u2026<\/p>\n<p> <!--more-->  <\/p>\n<p>Ist zwar nur bei den Holl\u00e4ndern passiert \u2013 aber da hat der Navi-Hersteller ein dickes Eigentor geschossen. Hintergrund ist, dass TomTom einen Informationsdienst \"Traffic HD\" anbietet, der Stauvorhersagen verbessern sollte. Sobald der Kunde also sein Navi mit den Routendaten und Zwischenstationen speiste, wurden diese Verkehrsdaten samt Bewegungsinformationen (Fahrtrichtung, Geschwindigkeit) bei den Nutzern des Informationsdienst erfasst. TomTom konnte so eine Datenbank erstellen, die genau verr\u00e4t, in welche Richtung Fahrzeuge unterwegs sind und wie schnell diese fahren. <\/p>\n<p>Wie einige Presseorgane berichteten [1, 2, 3, 4], wurden die Daten (zwar in anonymisierter Form) an die niederl\u00e4ndische Polizei verkauft (konkret gingen die Daten an den niederl\u00e4ndischen Staat, der diese dann an ein Beratungsunternehmen weitergab, welches Analysen und Berichte erstellte \u2013 und \u00fcber die Provinzverwaltungen ging es dann auch an die Polizei). Harold Goddijn von TomTom glaubt zwar an das Gute im Menschen, und beteuerte: \"man ging davon aus, dass die Daten benutzt werden, um den Verkehr auf den Stra\u00dfen sicherer zu machen\" (O-Ton 'Wij hebben dit soort gebruik niet voorzien') \u2013 lol. <\/p>\n<blockquote style=\"margin-right: 0px\" dir=\"ltr\">\n<p style=\"background-color: #ffffd0\"><strong>Anmerkung:<\/strong> Wer die Holl\u00e4nder kennt und mal in Nord-Holland unterwegs ist, lernt eine andere Sprache kennen. An jeder Ampel, und auch dicht drum rum, h\u00e4ngen die netten Starenk\u00e4sten mit integriertem Fotostudio. Und dann wird man ggf. auch noch hinter jedem zweiten Stra\u00dfenbaum mit einer Radarpistole anvisiert. Ich habe zwar kein Problem mit Geschwindigkeitskontrollen, aber das \"hervorspringen einer Politesse hinter jedem zweiten Alleebaum\" ging mir bei meinem vorletzten Holland-Urlaub derma\u00dfen auf den Sack, dass ich mich nach anderen zuk\u00fcnftigen Urlaubs-Locations umgesehen habe.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Jedenfalls hat da jemand bei den 'Jungs von der Politie' clever mitgedacht, denn \"Verkehr auf den Stra\u00dfen sicherer machen\", geht auch mit Geschwindigkeitenbeschr\u00e4nkungen\/\u2013kontrollen. Wenn dabei auch noch was f\u00fcr's Staatss\u00e4ckel rausspringt, ist's schon recht. Jedenfalls berichtete das Algemeen Dagblad [2, 5], das die Polizei (fast jede 2. Polizeidienststelle) die Daten von den TomTom-Benutzern zur Planung von Standorten f\u00fcr Radarfallen verwenden will. Na ja, eine Falle stellt man g\u00fcnstigerweise da auf, wo \"das Wild m\u00f6glichst zahlreich ist\". <\/p>\n<p>Aber TomTom hat reagiert! Zwar planen die Navi-Bauer zwecks Aufbesserung der Einnahmen auch weiterhin Daten an \"den Staat\" zu verkaufen. Aber in den TomTom Go-Lizenzbedingungen gibt es eine Anpassung. Dort wird festgelegt, dass die Reisedaten der Nutzer nicht an die Polizei weiter gegeben werden d\u00fcrfen. Na, das ist doch was. <\/p>\n<p>Traffic HD wird in folgenden L\u00e4ndern angeboten: Deutschland, Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Italien, den Niederlanden, Portugal, der Schweiz, D\u00e4nemark, Finnland, Luxemburg, Norwegen, \u00d6sterreich, Schweden und Spanien. In Deutschland sollen die Daten aber nicht verkauft worden und an die Polizei gegangen sein. Na ja, vielleicht gibt's ja Amtshilfe von den holl\u00e4ndischen Kollegen.<\/p>\n<p>Wer den Spie\u00df umdrehen will, kann ja mal einen Blick auf Spot it out [6] werfen. Klingt vielversprechend \u2013 allerdings wei\u00df ich nicht, ob man sich das antun soll \u2013 denn die Daten m\u00fcssen selbst eingepflegt werden. Jedenfalls ist der Navi-Hersteller bei mir unten durch \u2013 und es ist ein weiterer Sargnagel in meiner Bereitschaft, Onlinedienste zu nutzen. Irgendwie werde ich das Gef\u00fchl nicht los, das Orwell sich einfach um knapp zwei Jahrzehnte verhauen hat \u2026<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong>     <br \/>1: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20111231121011\/http:\/\/www.spiegel.de:80\/netzwelt\/gadgets\/0,1518,759464,00.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel bei Spiegel Online<\/a>     <br \/>2: TomTom tipt politie over verkeersmisbruik ( Algemeene Dagblad)     <br \/>3: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20161128233605\/http:\/\/www.chip.de\/news\/TomTom-Navi-Daten-der-Kunden-an-Polizei-verkauft_48702888.html\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel bei Chip Online<\/a>     <br \/>4: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2011-04\/navi-polizei-radarfalle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel bei Zeit Online<\/a>     <br \/>5: Englischsprachiger Artikel bei Forbes     <br \/>6: Red Light &amp; Trap Alerts (TomTom)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heuer haben wir es scheinbar mit Datenskandalen ganz dicke. 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