{"id":2929,"date":"2011-04-29T20:13:29","date_gmt":"2011-04-29T15:13:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/2011\/04\/29\/pleite-durch-prepaid-karten\/"},"modified":"2024-02-19T17:21:21","modified_gmt":"2024-02-19T16:21:21","slug":"pleite-durch-prepaid-karten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2011\/04\/29\/pleite-durch-prepaid-karten\/","title":{"rendered":"Pleite durch Prepaid-Karten?"},"content":{"rendered":"<p>Vorkasse-Karten (Prepaid) sollen eigentlich vor finanziellen Risiken beim Mobilfunkbetrieb sch\u00fctzen. Durch einen Beitrag im Marktmagazin Mex wurde ich auf eine b\u00f6se Falle aufmerksam, die Benutzer durchaus in den Ruin treiben k\u00f6nnen. 10.000 Euro Miese auf einem Prepaid-Konto, kann das sein?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Unter [<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210128021531\/https:\/\/borncity.com\/blog\/2011\/03\/05\/neuer-cybertrick-zur-abzocke\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">1<\/a>, <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2011\/01\/28\/wollen-mobilfunkanbieter-uns-vor-handy-abzocke-schtzen\/\">2<\/a>] habe ich hier im Blog ja bereits M\u00f6glichkeiten zur Abzocke per Mobilfunkvertrag mittels iPhone- und Android-Apps beschrieben und bin auch auf eine Initiative der Mobilfunkanbieter zur Eind\u00e4mmung dieser Ma\u00dfnahme eingegangen. Aber die Fallen werden nicht alle bzw. lauern an allen Ecken.<\/p>\n<p><strong>Prepaid ist Prepaid ist Prepaid \u2013 oder doch nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Wer eine Prepaid-Karte benutzt, geht \u00fcblicherweise davon aus, dass maximal das per Vorkasse eingezahlte Guthaben verbraucht werden kann. Auf diese Weise habe ich seinerzeit meine minderj\u00e4hrigen Kinder vor horrenden Handy-Rechnungen gesch\u00fctzt. Recht unbekannt ist aber eine b\u00f6se Falle, die bei einigen Anbietern von Prepaid-Tarifen lauert. Das Marktmagazin Mex des hessischen Rundfunks befasste sich in einem Beitrag vom 27.4.2011 [(entfernt)] nicht nur mit Apples Datensammelwut, sondern berichtete auch von einem Betroffenen, dessen Prepaid-Karte mit einem Minus von \u00fcber 4.000 Euro belastet wurde. Unter [9] kann das Transkript zum Beitrag beim SWR abgerufen werden.<\/p>\n<p><strong>Eine Recherche: Der reinste Horror \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Da ich mich ungern auf eine Stimme verlasse, begann ich mit einer kurzen Recherche, die mir dann die Haare zu Berge stehen lie\u00dfe. \"SimplyTel Prepaid \u2013 10.111 Euro im Minus\" war der erste Foreneintrag, der mir ins Auge sprang [6]. Die 4.000 Euro Miese sind also noch zu toppen. Unter [7] hat's den Anwender angeblich \"nur\" mit 1.456 Euro Miese getroffen. Wer etwas l\u00e4nger recherchiert, st\u00f6\u00dft auf weitere F\u00e4lle.<\/p>\n<p><strong>Vorsicht: \"Prepaid\" ist nicht Prepaid ist nicht Datenflatrate<\/strong><\/p>\n<p>Hintergrund des Problems ist einerseits, dass die Betroffenen eines der modernen SmartPhones mit Internetzugang (z. B. Samsung Galaxy S) genutzt haben. Bei Android-Handys sind Apps dabei, die Datenverbindungen ben\u00f6tigen. Viele dieser Handys bauen daher automatisch eine Datenverbindung auf und checken zyklisch den Posteingang auf Mails oder verwenden andere Dienste. Dieser Internetzugang kann \u00fcber verschiedene APN-Typen der Mobilfunkanbieter erfolgen. Je nach APN und Vertrag wird's dann teuer. Nur wer (bei zeit- oder volumenabh\u00e4ngig abgerechneten Datendiensten) die betreffende Funktion zur automatischen Interneteinwahl im Ger\u00e4t deaktiviert, verhindert, dass Daten \u00fcber das Internet geladen werden. Unter [9] sind die technischen Hintergr\u00fcnde im Abschnitt \"Komplizierte Einstellungen\" kurz erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der zweite Stolperstein lauert beim speziellen \"Prepaid\"- Vertrag des Anbieters Simply (kann auch bei anderen Mobilfunkanbietern der Fall sein). Unter [5] wird kurz auf die Thematik eingegangen, aber wer kennt schon diese Seite. Auch im Prepaid-Wiki findet sich ein Artikel zu Pseudo-Prepaid und dem Problem negativer Guthaben [10]. Leider werden nur die wenigsten Anwender diese Seiten kennen.<\/p>\n<p>Typischerweise wirft man nur einen Blick auf die Anbieterseiten. Wer die Simply-Homepage (Motto \"simply und gut\") besucht, erf\u00e4hrt lediglich in einer Headline, dass es \"keine Vertragsbindung\" und \"keine Grundgeb\u00fchr\" gilt. Der Rest ist \"kalter Dampf\", der zur Vernebelung des Benutzers dient (aber Usus in der Branche zu sein scheint). Man sieht die betreffenden Angebote, erf\u00e4hrt aber keine Fakts.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"SimplyTel Startseite\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/simply.jpg\" alt=\"SimplyTel Startseite\" width=\"595\" height=\"434\" \/><\/p>\n<p>Nur wer auf den Link \"Tarifdetails\" klickt, gelangt zu einer \"\u00dcbersicht\". Aber selbst ein Blick in die Tarifdetails offenbart nur, dass beim Tarif \"simply friends4free\" 50MB Surfvolumen frei sind.\u00a0 Was das Surfen per Handy wirklich kostet, muss sich der sich Kunde \u00fcber eine PDF-Dokumentdatei in der Rubrik \"Tarif\u00fcbersicht\" ermitteln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"&quot;Tarifdetails?&quot;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/simply1.jpg\" alt=\"&quot;Tarifdetails?&quot;\" width=\"608\" height=\"433\" \/><\/p>\n<p>Dumm nur, dass bei meinem Test der entsprechende PDF-Download mit der Tarif\u00fcbersicht nicht m\u00f6glich war! Es wurde lediglich eine .php-Datei zum Download im Browser bereitstellt (hier die Darstellung im Firefox\u00a0 \u2013 im Internet Explorer ist es das Gleiche).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Download-Fehler\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/simply2.jpg\" alt=\"Download-Fehler\" width=\"648\" height=\"508\" \/><\/p>\n<p>Der Kunde kann also die Tarifinformationen nicht abrufen! Nur die Servicepreise f\u00fcr Rufnummernmitnahme, Kartenverlust, Dienstesperren etc. konnten einwandfrei als PDF-Dokument \u00fcber den zugeh\u00f6rigen Link heruntergeladen werden. Ein Schelm, wer b\u00f6ses dabei denkt \u2013 ich mag zwar nicht ausschlie\u00dfen, dass da ein \"technisches Problem\" dahinter steckt. Aber ist es wirklich vorstellbar, dass ein solcher Anbieter seine Seiten nach einer \u00c4nderung nicht mindestens dreifach \u00fcberpr\u00fcft? Nicht auszudenken, wenn die Schaltfl\u00e4che \"Jetzt bestellen\" nicht funktionieren w\u00fcrde. \"A Geschm\u00e4ckle hat's aba scho\" wird der Schwabe sagen.<\/p>\n<p><strong>Juristisches Minenfeld \u2013 oder der Kunde ist immer am Arsch!<\/strong><\/p>\n<p>Bei meinen Recherchen bin ich auf einen heise.de-Artikel [4] aus 2009 gesto\u00dfen, wo das Problem bereits thematisiert wurde. Es gibt wohl auch ein Urteil (Landgericht Bonn, Urteil vom 1. Juni 2010, Az. 7 O 470\/09) in einem \u00e4hnlichen Fall. Aber der Mobilfunkanbieter simply sieht dies anders. Liest man [9], kommt einfach nur die blanke Wut auf. H\u00e4tte der betroffene Anwender die Datenverbindung im Ausland genutzt, w\u00e4ren die Kosten gem\u00e4\u00df den mittlerweile geltenden EU-Vorschriften bei 50 Euro gekappt worden. Da die ungewollten Datenverbindungen aber in D-Land aufgelaufen sind, musste der Benutzer laut Markt-Check einen 24 Monats-Vertrag abschlie\u00dfen, worauf die Rechnung von simply \"kulanterweise\" auf 1.000 Euro reduziert wurde.<\/p>\n<p>Mein Tipp: Als Eltern minderj\u00e4hriger Kids bzw. als Nutzer von Handys bzw. Ger\u00e4ten, die mobile Datenverbindungen zulassen, sollte man sehr genau checken, ob man wirklich eine Prepaid-Karte hat. Und es empfiehlt sich, einen genauen Blick in die AGBs des Anbieters zu werfen. Bei meinen Vodafone Prepaid-Karten kenne ich es nur so, dass ich explizit den Zugriff auf's Internet in einer angezeigten Internetseite f\u00fcr einen gewissen Zeitraum freischalten lassen muss. Dort werden die Kosten detailliert aufgelistet und bewegen sich im \"kleinen Rahmen\", wenn man mal ein paar Tage online sein will. Gut sind auch Anbieter wie Fonic, die z. B. Datenflatrates pro Tag mit einem maximalen Kostenlimit von z. Z. 25 Euro pro Monat erm\u00f6glichen. Im Markt-Check-Beitrag [9] finden sich weitere hilfreiche Tipps, auf was man achten sollte und wie man \"unechte Prepaid-Karten\" erkennen kann.<\/p>\n<p><strong>Update:<\/strong> Unter [12] findet sich eine kurze Meldung bei Heise.de, wo ein Mobilfunkkunde sich erfolgreich gegen eine Handy-Rechnung f\u00fcr mobile Datennutzung gewehrt hat.<\/p>\n<p><strong>Links:<br \/>\n<\/strong>1: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210128021531\/https:\/\/borncity.com\/blog\/2011\/03\/05\/neuer-cybertrick-zur-abzocke\/\">Neuer Cybertrick zur Abzocke<\/a><br \/>\n2: <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2011\/01\/28\/wollen-mobilfunkanbieter-uns-vor-handy-abzocke-schtzen\/\">Wollen Mobilfunkanbieter uns vor Handy-Abzocke sch\u00fctzen?<\/a><br \/>\n3: (entfernt) (Mex-Beitrag)<br \/>\n4: Minus auf dem Prepaid-Konto (heise.de)<br \/>\n5: Kostenfalle mobiles Internet<br \/>\n6: SimplyTel Prepaid &#8211; 10.111\u20ac im MINUS!<br \/>\n7: Simplytel Minus- Vor Gericht ?<br \/>\n8: Simply Homepage<br \/>\n9: Handyfalle: Hohe Schulden trotz Prepaid-Karte?<br \/>\n10: Pseudo-Prepaid<br \/>\n11: Neuer Fonic Tarif f\u00fcr Smartphones<br \/>\n12: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Internet-per-Handy-Gericht-widerspricht-1600-Euro-Forderung-1239573.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gericht wiederspricht 1600-Euro-Forderung<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorkasse-Karten (Prepaid) sollen eigentlich vor finanziellen Risiken beim Mobilfunkbetrieb sch\u00fctzen. Durch einen Beitrag im Marktmagazin Mex wurde ich auf eine b\u00f6se Falle aufmerksam, die Benutzer durchaus in den Ruin treiben k\u00f6nnen. 10.000 Euro Miese auf einem Prepaid-Konto, kann das sein?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,439,737],"tags":[894,893,892],"class_list":["post-2929","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-ipad","category-tablet-pc","tag-kostenfalle","tag-pseudo-prepaid","tag-simplytel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2929","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2929"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2929\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2929"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2929"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2929"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}