{"id":309666,"date":"2025-03-22T00:42:00","date_gmt":"2025-03-21T23:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=309666"},"modified":"2025-03-22T19:21:25","modified_gmt":"2025-03-22T18:21:25","slug":"digitales-krankenaktensystem-in-schweden-vor-dem-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/03\/22\/digitales-krankenaktensystem-in-schweden-vor-dem-aus\/","title":{"rendered":"Digitales Krankenaktensystem (Oracle Millennium) in Schweden vor dem Aus?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Gesundheit-klein.jpg\" alt=\"Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)\" width=\"200\" border=\"0\" \/>In Schweden wollte man ein digitales Krankenaktensystem im Gesundheitswesen einf\u00fchren. Das Ganze basiert auf einer Journalsystem-L\u00f6sung mit dem Namen Millennium von Oracle Health. Jetzt hat man das Projekt nach seiner Einf\u00fchrung in Testorganisationen in zwei schwedischen Gesundheitsbezirken vorerst gestoppt. Das Projekt scheint krachend gescheitert, denn nichts funktioniert. Ist nicht der erste Fall, wo eine Oracle-L\u00f6sung ins Desaster f\u00fchrte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Die Oracle Health Gesundheitsplattform Millennium<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d30daa8068df4a5abff93acd544f150b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Oracle hat eine \"Health-Gruppe\" (Oracle Health), die eine offene Gesundheitsplattform mit intelligenten Werkzeugen f\u00fcr datengesteuerte, menschenzentrierte Gesundheitserfahrungen aufbaut (so der O-Ton).\u00a0Die Plattform soll Verbraucher (sprich Patienten) und deren Gesundheitsdienstleister, Kostentr\u00e4ger und Organisationen des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens und Biowissenschaften mit einander verbinden.<\/p>\n<p>Das Versprechen: Vernetzte Technologien und einheitliche Daten sollen den Einzelnen\u00a0 st\u00e4rken und es dem Gesundheits\u00f6kosystem erm\u00f6glichen, Innovationen zu beschleunigen und die Gesundheitsergebnisse zu beeinflussen. H\u00f6ren wir von noch-Gesundheitsminister Karl Lauterbach in \u00e4hnlicher Form bei der elektronischen Patientenakte (ePA).<\/p>\n<p>Das Produkt, um das es jetzt in Schweden geht, ist die Millennium-Plattform von Oracle Health, ein Krankenakten-Journaling-System (Electronic Health Record (EHR) System). Innerhalb des Millennium-\u00d6kosystems gibt es zus\u00e4tzliche Module, die in Millennium integriert werden k\u00f6nnen, um die verf\u00fcgbaren Funktionen und die Konfiguration zu erweitern.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Oracle_Health#:~:text=Oracle%20Cerner's%20primary%20product%20is,Cerner%20FirstNet%2C%20emergency%20department%20system\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia verr\u00e4t<\/a>, dass das alles ein Zukauf des US-Unternehmens Cerner sei, welches jetzt unter Oracle (Cerner) Health fungiert. Cerner wurde im Juni 2022 f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2022\/06\/08\/oracle_closes_283bn_cerner_deal\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">$28.3 Milliarden<\/a> von Oracle aufgekauft. Deren Hauptprodukt war vor der \u00dcbernahme die Millennium-Plattform f\u00fcr den Gesundheitsdienst, ein weltweit genutztes System f\u00fcr elektronische Gesundheitsakten.<\/p>\n<p>In der Wikipedia kann man von Personalkontroversen bei Cerner lesen, weil das Management mehr Produktivit\u00e4t von seinen Entwicklern fordert.\u00a0Aber es kommt noch schlimmer. Geht man den verlinkten Wikipedia-Artikel durch, reiht sich ein Desaster nach dem anderen bez\u00fcglich der Einf\u00fchrung der Millennium-Plattform in Australien, Kanada, Gro\u00dfbritannien, USA und Schweden aneinander. Verz\u00f6gerungen, Kostenexplosionen und Fehlfunktionen (in Gro\u00dfbritannien starb 2014 ein dreij\u00e4hriges Kind, weil die Behandlung zu sp\u00e4t erfolgte und es wurden Zusammenh\u00e4nge mit der Millennium-Plattform hergestellt) scheinen gang und g\u00e4be.<\/p>\n<p>Zudem gab es k\u00fcrzlich einen Ausfall einer Oracle-Plattform in den USA, wie man bei The Register <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2025\/03\/07\/oracle_outage_federal_health_records\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nachlesen<\/a> kann.<\/p>\n<h2>Die Millenium-Plattform in Schweden<\/h2>\n<p>Schweden gilt f\u00fcr Viele als Musterland und Vorreiter im Bereich Digitalisierung des Gesundheitssystems. Auch Schweden wollte die Oracle Millenium-Plattform im Gesundheitswesen als Krankenakten Journaling-System, bei dem Daten von Patienten zentral gepflegt werden, einf\u00fchren.<\/p>\n<h3>Datenschutzbedenken wegen US-CLOUD-ACT<\/h3>\n<p>In Schweden gab es allerdings, so l\u00e4sst sich in der Wikipedia nachlesen, heftige Bedenken, dass die US-Beh\u00f6rden aufgrund des US-CLOUD-ACT in der Lage sein k\u00f6nnten, von US-Unternehmen verwaltete Daten anzufordern, und dass schwedische Patientendaten, die von Cerner verwaltet werden, auf der Grundlage dieser Anforderung offengelegt werden k\u00f6nnten. Aufgrund dieser Bedenken haben die Regionen V\u00e4stra G\u00f6taland und Sk\u00e5ne, in denen die Plattform eingef\u00fchrt werden sollte, beschlossen, alle von Cerner verwalteten Patientendaten in schwedischen Datenzentren zu speichern (was vor dem US-CLOUD-ACT nicht gesch\u00fctzt h\u00e4tte).<\/p>\n<h3>\u00c4rger bei der Implementierung<\/h3>\n<p>Der Produktname Millennium signalisiert den \"gro\u00dfe Wurf\", k\u00f6nnte aber auch als \"dauert etwas l\u00e4nger mit der Implementierung\" interpretiert werden. Im Jahr 2022 richtete der Direktor der Region V\u00e4stra G\u00f6taland laut Wikipedia ein Schreiben an Cerner, in dem er einen Vertragsbruch bei der Einf\u00fchrung des Millennium-Systems geltend machte.<\/p>\n<p>In dem Schreiben hie\u00df es, es gebe zahlreiche Probleme mit dem System, die Anbieter nicht beheben wolle. Gleichzeitig verz\u00f6gerte sich die Einf\u00fchrung von Millenium in der Region Sk\u00e5ne.<\/p>\n<p>Im November 2024 begann die Einf\u00fchrung des Millenium-Systems in einigen Gesundheitseinrichtungen der schwedischen Region von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/V%C3%A4stra_G%C3%B6talands_l%C3%A4n\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">V\u00e4stra G\u00f6taland<\/a>. Bei der Einf\u00fchrung traten mehrere Probleme auf, darunter schwerwiegende Probleme bei der Transkription (Verschriftlichung des gesprochenen Wortes), die ein Risiko f\u00fcr die Patienten darstellten. Ich tippe darauf, dass dies die Umschreibung dessen, ist, was ich weiter unten erw\u00e4hne &#8211; in den Patientendaten waren pl\u00f6tzlich W\u00f6rter und Eintr\u00e4ge verschwunden.<\/p>\n<p>Diese Probleme veranlassten die Region, die Implementierung zu stoppen und zu ihren vorherigen Systemen zur\u00fcckzukehren, und verz\u00f6gerten die Einf\u00fchrung bis auf weiteres. L\u00e4sst sich alles in der Wikipedia nachlesen.<\/p>\n<h2>Desaster bei Inbetriebnahme<\/h2>\n<p>Blog-Leser haben mich im Diskussionsbereich des Blogs auf den bei heise erschienen Artikel <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Millennium-verschrotten-Einfuehrung-einer-Gesundheitsakte-in-Schweden-scheitert-10322664.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\"H\u00f6llenhamsterrad\": Neues digitales Krankenaktensystem in Schweden vor dem Aus<\/a> hingewiesen. Der Beitrag zeichnet das, was ich oben bez\u00fcglich der Oracle Center Millennium-Plattform zusammen getragen habe, nach.<\/p>\n<p>Die Software-Suite Millennium sollte in den s\u00fcdschwedischen Gesundheitsbezirken V\u00e4stra G\u00f6talandsregionen und Sk\u00e5ne Dutzende unterschiedlicher und veralteter IT-Systeme ersetzen. Das Versprechen: Alles wird besser, die Arbeit mit Patientendaten werde effizienter und einfacher.<\/p>\n<h3>Betrieb musste gestoppt werden<\/h3>\n<p>Drei Tage nach dem Start des Betriebs der Millennium-Platform (Mitte November 2024) musste das Projekt gestoppt werden. Grund daf\u00fcr waren massive und lautstarke Proteste des Personals, das die Sicherheit der Patienten nicht mehr gew\u00e4hrleistet sah, so der Artikel von heise.<\/p>\n<p>In der schwedischen Tageszeitung G\u00f6teborgsposten bezeichnet eine \u00c4rztin die Millennium-Platform als \"Hamsterrad der H\u00f6lle\". Grundlegende Funktionen scheinen nicht zu funktionieren. Die Mitarbeiter sahen sich in einigen Abteilungen gezwungen, auf Papier und Stift zur\u00fcckzugreifen. Im heise-Artikel werden andere Medienberichte zitiert, in denen das System von mehreren Mitarbeitern als verwirrend und altmodisch beschrieben wird.<\/p>\n<p>Johan Magnusson, Professor f\u00fcr Informationssysteme an der Universit\u00e4t G\u00f6teborg, wird im heise-Artikel mit einer Aussage im schwedischen <a href=\"https:\/\/www.svd.se\/a\/Ool541\/it-systemet-millenium-sagas-flytande-cement-i-organisationen\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Svenska Dagbladet<\/a> wiedergegeben, dass die Einf\u00fchrung von Millennium als zentrales Journal im Gesundheitswesen mit \"fl\u00fcssigen Zement in die Organisation zu gie\u00dfen\" zu vergleichen sei. Wenn der Zement hart wird, geht nichts mehr.<\/p>\n<p>In Finnland wurde bereits 2021 die Einf\u00fchrung von Millennium in mehrerer finnischen Gesundheitsbezirken gestoppt, nachdem Hunderte \u00c4rzte heftige Kritik ge\u00fcbt hatten. Es hie\u00df, Millennium sei f\u00fcr amerikanische und nicht f\u00fcr nordische Verh\u00e4ltnisse entwickelt worden.<\/p>\n<h3>Alter reddit.com-Post<\/h3>\n<p>Auf reddit.com gibt es <a href=\"https:\/\/www.reddit.com\/r\/cernercorporation\/comments\/1ic6cnb\/the_millennium_disaster_in_sweden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesen zwei Monate<\/a> alten Post, der einige Erfahrungen aus dem \"Hamsterrad der H\u00f6lle\" beschreibt.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Verantwortlichen f\u00fchrten die Plattform mit einem \"Big-Bang\"-Ansatz ein, obwohl man drei Wochen vor dem Start noch nicht fertig war und kein Live-System vorf\u00fchren konnte (Millennium wird in der aktuellen Form seit 2018 entwickelt).<\/li>\n<li>Die meisten \u00c4nderungsantr\u00e4ge der Nutzer mussten abgelehnt werden, weil das System (vermutlich) nicht die erforderliche Flexibilit\u00e4t aufweist.<\/li>\n<li>Es wurde ein System entwickelt, bei dem die Bestellung eines einfachen Medikaments 34 Schritte und mehr als 60 Klicks erfordert &#8211; das lasse sich nicht durch Schulungen l\u00f6sen, schreibt der Poster.<\/li>\n<li>Es wird darauf hingewiesen, dass Millennium grundlegende EU-Anforderungen (DSGVO) nicht einh\u00e4lt, obwohl diese seit Jahren bekannt sind. Die schwedischen Beh\u00f6rden (IMY) ermitteln nun in zahlreichen F\u00e4llen deswegen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es wird kolportiert, dass die jahrelange Forschung im nordischen Gesundheitswesen zu elektronischen Gesundheitsakten (EHRs) v\u00f6llig ignoriert wurde. Der Thread-Ersteller hat einige Referenzen dazu verlinkt. Fazit am Ende des Tages: Nach nur drei Tagen kehrten die Gesundheitseinrichtungen im November 2024 zu den alten Systemen zur\u00fcck.<\/p>\n<blockquote><p>Eine Beschreibung, was ggf. aus Sicht der Nutzer schief lief, findet sich auch in <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/forum\/heise-online\/Kommentare\/Hoellenhamsterrad-Neues-digitales-Krankenaktensystem-in-Schweden-vor-dem-Aus\/Es-geht-wohl-hauptsaechlich-ums-UI\/posting-45030718\/show\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem heise-Kommentar<\/a>.<\/p><\/blockquote>\n<h3>Bericht von The Register<\/h3>\n<p>Ende November 2024 hat The Register sich in <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2024\/11\/27\/oracle_cerner_project\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> bereits kritisch mit dem \"190 Millionen US-Dollar Projekt\" in Schweden auseinander gesetzt. Dort ist die Rede von \"fehlenden oder verlorenen W\u00f6rtern in den Krankenakten\" &#8211; die wohl auf Fehlfunktionen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Lokale schwedische Medien <a href=\"https:\/\/www.dn.se\/sverige\/lakemedelsverket-ska-granska-om-millennium-foljer-lagen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">berichteten<\/a> wohl dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Ein Sprecher der Regionalregierung widersprach, dass es ein Datenleck oder einen Datendiebstahl gegeben habe und erkl\u00e4rte, die Vorf\u00e4lle st\u00fcnden \"entweder im Zusammenhang mit unvorhergesehenen technischen Problemen bei der Inbetriebnahme und\/oder damit, dass die Routinen f\u00fcr den Umgang mit [Daten] nicht ausreichend umgesetzt wurden\", so The Register.<\/p>\n<p>Die Software war 12. November 2024 in einem Krankenhaus &#8211; S\u00f6dra \u00c4lvsborgs sjukhus in Bor\u00e5s &#8211; sowie in mehreren Gesundheitszentren, einschlie\u00dflich Physiotherapie-Einheiten, in Betrieb genommen worden. Diese Testorganisationen machen nur einen kleinen Teil des Gesundheitssystems in der betreffenden schwedischen Region aus.<\/p>\n<h2>Ein gescheitertes politisches Projekt?<\/h2>\n<p>Die Software wurde laut The Register im Oktober 2018, nach einem Beschaffungsprozess, von der schwedischen <em>Region V\u00e4stra G\u00f6taland <\/em>(VGR), ausgew\u00e4hlt. Seitdem habe der Gesundheitsdienst der Region umfangreiche Vorbereitungen getroffen, die sich auf die Anpassung der Software an die Anforderungen des schwedischen Gesundheitswesens und die notwendigen Vorbereitungen in den f\u00fcr den Testbetrieb ausgesuchten Organisationen konzentrieren, wird ein Sprecher von The Register zitiert.<\/p>\n<p>Das Gesamtbudget f\u00fcr das Projekt bel\u00e4uft sich auf etwa 2,1 Milliarden Schwedische Kronen (190 Millionen Euro) f\u00fcr die Vorbereitungen, die Implementierung und die Nutzung von Millennium \u00fcber mehrere Jahre hinweg, besagt die Vereinbarung zwischen der Regionalregierung von V\u00e4stra G\u00f6taland und der schwedischen Tochtergesellschaft von Oracle.<\/p>\n<p>Bei <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Millennium-verschrotten-Einfuehrung-einer-Gesundheitsakte-in-Schweden-scheitert-10322664.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">heise lese<\/a> ich, dass das 2018 gestartete Projekt von der Region V\u00e4stra G\u00f6taland im Fr\u00fchjahr 2021 eingef\u00fchrt werden sollte. Grund f\u00fcr die drei Jahre Vorbereitungszeit seit Auftragsvergabe bis zur finalen Einf\u00fchrung seien die \"Anpassung des umfangreichen Gesundheitsinformationssystems an das schwedische Patientendatengesetz\". Das Ganze hat dann \"ein bisschen l\u00e4nger\", bis November 2024, gedauert und ist dann schief gegangen.<\/p>\n<p>Inzwischen gibt es diverse Untersuchungen des Projekts. So best\u00e4tigte die schwedische Agentur f\u00fcr Medizinprodukte (MPA) gegen\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2024\/11\/27\/oracle_cerner_project\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Register<\/a>, dass sie eine Untersuchung\u00a0 bez\u00fcglich der Bedenken eingeleitet habe, die nach der Einf\u00fchrung von Millennium aufgekommen seien. Eine geplante Bewertung des Einsatzes der Software sei vorgezogen worden.<\/p>\n<p>The Register f\u00fchrt in seinem Artikel ebenfalls einige Oracle Health Millennium-Projekte an, die spektakul\u00e4r gescheitert sind.\u00a0Im heise-Artikel wird eine <a href=\"https:\/\/mellanarkiv-offentlig.vgregion.se\/alfresco\/s\/archive\/stream\/public\/v1\/source\/available\/sofia\/rs16764-1976783462-407\/surrogate\/2025-03-18%20Granskning%20Millennium%20-%20Rapport%20KPMG.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">externe Pr\u00fcfung<\/a> (PDF in schwedisch) durch die Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft KPMG erw\u00e4hnt. Dort seien weitere Kritikpunkte erw\u00e4hnt worden. Stichpunkte seien die unzureichende Vorbereitung der Organisationen auf den Einsatz von Millennium, sowie die ungen\u00fcgende F\u00fchrung des Projekts.<\/p>\n<p>Dieser Meinung schlossen sich zwanzig \u00c4rzte aus der Region Sk\u00e5ne in einem offenen Brief an, in dem sie im Dezember 2024 den Stopp der f\u00fcr M\u00e4rz 2025 geplanten Einf\u00fchrung von Millennium in ihrer Region forderten und anregten, das Projekt komplett einzustellen.<\/p>\n<p>Im heise-Artikel hei\u00dft es, dass das gesamte Projekt bisher umgerechnet 500 Millionen Euro verschlungen habe. Momentan seit die Einf\u00fchrung von Millennium auf \"Sommer 2025\" verschoben worden. Einige politische Vertreter das Projekt wollen nun dessen Einstellung, weil es wohl erkennbar auf ein Desaster hinausl\u00e4uft. heise zeichnet im Artikel ebenfalls Projekte auf, wo Oracles Millennium-System spektakul\u00e4r gescheitert ist.<\/p>\n<p>Schaue ich mir das gesamte Vorhaben sowie die oben nachgezeichnete Entwicklung an, deutet vieles auf ein politisch entschiedenes Projekt hin, welches absehbar (spektakul\u00e4r) scheitern musste. M\u00f6glicherweise hat man auf den Namen Oracle vertraut.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich klingeln da zwei Punkte im Hinterkopf, wenn ich Oracle h\u00f6re. In der Zeit, als ich in der Industrie besch\u00e4ftigt war, gab es einige Projekte mit Oracle-Datenbanken, die die IT realisierte. Diese waren mit horrenden Kosten und Fehlfunktionen verbunden. Von daher hat Oracle, auch wegen diverser Entwicklungen bei JAVA und Lizenzen, (wohl nicht nur bei mir) seit Jahrzehnten einen negativen Bias.<\/p>\n<p>Der zweite Punkt ist ein Sachverhalt, den ich nicht im Blog thematisiert habe, der mir aber bekannt ist. Die Stadtverwaltung der britischen Stadt Birmingham hat ein ERP-System f\u00fcr die st\u00e4dtische Verwaltung durch Oracle realisieren lassen. Das Ganze ist ein Desaster, weil es meines Wissens nach technisch nicht funktioniert und die geplanten Kosten f\u00fcr das Oracle-Projekt von 20 Millionen Pfund (23,76 Millionen Euro) auf rund 100 Millionen Pfund (118,78 Millionen Euro) gestiegen sind. Der Stadtrat von Birmingham, der f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte kommunale Beh\u00f6rde Europas verantwortlich zeichnet, hat sich, laut <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2023\/09\/05\/birmingham_city_council_oracle\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> von The Register vom September 2023 selbst f\u00fcr zahlungsunf\u00e4hig erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Es deutet sich also das alte Muster, was auch oben im schwedischen Projekt erkennbar ist, an: Entscheidungstr\u00e4ger aus dem politischen Bereich oder aus Organisationen werden von Gro\u00dffirmen wie Oracle umgarnt und entscheiden sich in Gro\u00dfprojekten f\u00fcr diesen Anbieter. Am Ende vom Lied verz\u00f6gert sich das Projekt, wird gigantisch teurer und scheint in diversen F\u00e4llen mit Karacho gegen die Wand zu fahren und zu scheitern. Auch im Birmingham-Projekt ist von fehlender Projektkontrolle die Rede.<\/p>\n<p>PS: Weil es hierher passt, es gibt \u00fcbrigens\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/GNU_Health\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GNU Health<\/a>, ein\u00a0freies Gesundheits- und Krankenhaus-Informationssystem mit den vielf\u00e4ltigen Funktionalit\u00e4ten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Schweden wollte man ein digitales Krankenaktensystem im Gesundheitswesen einf\u00fchren. Das Ganze basiert auf einer Journalsystem-L\u00f6sung mit dem Namen Millennium von Oracle Health. Jetzt hat man das Projekt nach seiner Einf\u00fchrung in Testorganisationen in zwei schwedischen Gesundheitsbezirken vorerst gestoppt. 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