{"id":311696,"date":"2025-05-21T13:03:08","date_gmt":"2025-05-21T11:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=311696"},"modified":"2025-05-24T00:46:46","modified_gmt":"2025-05-23T22:46:46","slug":"cookie-banner-urteil-des-vg-hannover-eine-kurze-analyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/05\/21\/cookie-banner-urteil-des-vg-hannover-eine-kurze-analyse\/","title":{"rendered":"Cookie-Banner-Urteil des VG-Hannover &#8211; eine kurze Analyse"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline; border-width: 0px;\" title=\"Recht\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Para.jpg\" alt=\"Paragraph\" width=\"91\" height=\"88\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Denis Lehmkemper, Landesdatenschutzbeauftragter von Niedersachsen, hat wegen der Gestaltung eines konkreten Cookie-Banners einem Webseitenbetreiber eine Verf\u00fcgung zur Anpassung geschickt. Dieser hatte dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Hannover best\u00e4tigte nun wohl die Rechtsauffassung von Lehmkemper, dass im aktuellen Fall eine \"Alles ablehnen\"-Option im Cookie-Consent-Dialog anzubieten sei, wenn eine \"Alles zulassen\"-Option angezeigt wird. Eine kurze Analyse, um was es geht, und welche Implikationen das hat. <strong>Update:<\/strong> Rechtliche Bewertung der PUR-Modelle (Pay or consent) erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Das Cookie-Banner-Urteil des VG Hannover<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/debb77d6d10c46c98b063a23ac7f38da\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>M\u00f6chte eine Webseite Cookies f\u00fcr Drittanwender auf den Systemen der Besucher speichern, um Werbung einzublenden, wird in Europa eine Zustimmung \u00fcber die sogenannten Cookie-Banner erforderlich. Einerseits nerven solche Cookie-Banner die Nutzer. Andererseits st\u00f6ren sich Datenschutzbeauftragte an der Gestaltung dieser Banner.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/pXKq4nWy\/image.png\" alt=\"Cookie-Banner\" width=\"600\" height=\"382\" \/><\/p>\n<p>Eine Implementierung sieht eine Schaltfl\u00e4che\u00a0<em>Zustimmen<\/em> zur Cookie-Speicherung vor, und bietet, wie in obigem Screenshot gezeigt, eine zweite Option zum Ablehnen oder Anpassen der Einstellungen an. An dieser\u00a0Gestaltung der Cookie-Banner entz\u00fcndete sich ein Streit zwischen Werbeanbietern und Landesdatenschutzbeauftragten.<\/p>\n<p>Denis Lehmkemper, Landesdatenschutzbeauftragter von Niedersachsen, hatte der Neuen Osnabr\u00fccker Zeitung einen Bescheid geschickt, in der die Gestaltung des obigen Banners zur Einwilligung bem\u00e4ngelt und eine Schaltfl\u00e4che \"Ablehnen\", mit der alle Cookie-Einwilligungen verweigert werden, gefordert.<\/p>\n<p>Die Neue Osnabr\u00fccker Zeitung hatte gegen diesen Bescheid geklagt und zum 19. Mai 2025 gab es eine m\u00fcndliche Verhandlung (AZ 10 A 5385\/22) vor dem Verwaltungsgericht Hannover. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie genau ein Einwilligungsbanner ausgestaltet sein muss, um rechtm\u00e4\u00dfig Cookies auf den Ger\u00e4ten der Nutzer zu speichern. Im streitgegenst\u00e4ndlichen Bescheid verlangte der Landesdatenschutzbeauftragte eine Umgestaltung des Banners, da das Einwilligungsbanner auf der Website der Kl\u00e4gerin keine wirksamen, insbesondere keine informierten und freiwilligen Einwilligungen einhole, bevor sie Cookies setze und personenbezogene Daten verarbeite.<\/p>\n<p>In der m\u00fcndlichen Verhandlung schloss sich das Verwaltungsgericht Hannover der Rechtsauffassung des Landesdatenschutzbeauftragten von Niedersachsen an. Die Redaktion von heise hat das Ganze im Beitrag\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Verwaltungsgericht-Cookie-Banner-muss-Alles-ablehnen-Button-enthalten-10390388.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verwaltungsgericht: Cookie-Banner muss \"Alles ablehnen\"-Button enthalten<\/a> aufbereitet. Mir liegt der Urteilstext nicht vor &#8211; daher das Zitat aus dem heise-Artikel:<\/p>\n<blockquote><p>Webseitenbetreiber m\u00fcssen demnach bei Cookie-Einwilligungsabfragen einen gut sichtbaren \"Alles ablehnen\"-Button auf der ersten Ebene im entsprechenden Banner anbieten, wenn es dort auch die h\u00e4ufig zu findende \"Alle akzeptieren\"-Option gibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ohne diese Gestaltung sei die Einholung der Einwilligung zur Cookie-Speicherung unwirksam. Hintergrund ist, dass die Speicherung von Cookies gem\u00e4\u00df Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz (TDDDG) sowie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erforderlich ist.<\/p>\n<p>Der Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz Niedersachsen hat einige Aussagen aus der Verhandlung in <a href=\"https:\/\/www.lfd.niedersachsen.de\/startseite\/infothek\/presseinformationen\/urteil-zu-manipulativem-cookie-banner-alles-ablehnen-schaltflache-ist-ein-muss-241960.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Pressemitteilung<\/a> aufbereitet. Denis Lehmkemper gibt an, dass das Gericht im gegenst\u00e4ndlichen Fall gleich mehrere Verst\u00f6\u00dfe erkannt habe. So habe das Verwaltungsgericht die Aufmachung und Gestaltung des Cookie-Banners in mehrerer Hinsicht kritisiert:<\/p>\n<ul>\n<li>das Ablehnen von Cookies war deutlich umst\u00e4ndlicher als das Akzeptieren,<\/li>\n<li>Nutzerinnen und Nutzer wurden durch st\u00e4ndige Banner-Wiederholungen zur Einwilligung gedr\u00e4ngt,<\/li>\n<li>die \u00dcberschrift \"optimales Nutzungserlebnis\" und die Beschriftung \"akzeptieren und schlie\u00dfen\" auf dem Schlie\u00dfen-Button seien irref\u00fchrend gewesen,<\/li>\n<li>der Begriff der \"Einwilligung\" fehlte vollst\u00e4ndig,<\/li>\n<li>die Zahl der eingebundenen Partner und Drittdienste war nicht ersichtlich und<\/li>\n<li>Hinweise auf das Recht zum Widerruf der Einwilligung und eine Datenverarbeitung in Drittstaaten, au\u00dferhalb der EU waren erst nach Scrollen sichtbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind bereits eine Reihe Punkte, die das Gericht zum Urteil bewogen, dass\u00a0Nutzerinnen und Nutzer keine informierte, freiwillige und eindeutige Einwilligung gegeben hatten, wie es die DSGVO verlangt.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Erg\u00e4nzende Anmerkung<\/strong>: Die monierte \"st\u00e4ndigen Wiederholungen der Banner-Abfragen\" d\u00fcrfte einem juristischen Missverst\u00e4ndnis bzw. einer ungeschickten Implementierung geschuldet sein. Problem ist, dass die \"reine Lehre\" besagt, dass bei Ablehnung keine Cookies gespeichert werden d\u00fcrfen. Und damit sind wir beim Thema \"technisch erforderliche Cookies\". Praktisch m\u00fcsste die Seite bei Cookie-Ablehnung genau ein Cookie auf dem Client des Benutzers ablegen, was \"kein Cookie-Consent f\u00fcr Werbung\" signalisiert. Weil das aber (wohl nach Diskussionen mit Datensch\u00fctzern und Juristen, so meine Interpretation) unterbleibt, wei\u00df die Webseite beim n\u00e4chsten Besuch nichts von der vorherigen Ablehnung durch den Benutzer. Ergo kommt die neue Cookie-Abfrage &#8211; technisch w\u00e4re das leicht zu l\u00f6sen &#8211; alleine die Juristerei scheint da einen Strich durch die Rechnung zu machen (zumindest, was ich in Diskussionen mit meinem Werbeanbieter so mitbekommen habe) &#8211; worauf dann andere Juristen im aktuellen Urteil im Zirkelschluss \"durch st\u00e4ndige Banner-Wiederholungen zur Einwilligung gedr\u00e4ngt werden\" machen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Denis Lehmkemper hofft, dass das Urteil ein Signal an m\u00f6glichst viele Anbieter sendet und so dazu beitr\u00e4gt, datenschutzkonforme Einwilligungsl\u00f6sungen umzusetzen.<\/p>\n<h2>Praktische Konsequenzen, Versuch einer Analyse<\/h2>\n<p>Hier bei mir sind dann bereits Lesermails mit dem Tenor \"Gerichtsurteil &#8211; pass mal deine Banner an\" eingeschlagen. Daher versuche ich eine kurze Bewertung und Analyse, was dieses Urteil bedeutet. Grunds\u00e4tzlich: Die Verwaltungsrichter f\u00fchren eine juristische Bewertung dessen durch, was die angezogenen Rechtsregelungen &#8211;\u00a0 im konkret verhandelten Fall &#8211; vorgeben. Da gibt es auch wenig zu diskutieren.<\/p>\n<blockquote><p>Anmerkung: So ad-hoc geht mir aber \"ganz sch\u00f6n bigotte Situation\" durch den Kopf. Wir haben zwar die Rechtsauffassung des Landesdatenschutzbeauftragten und der Deutschen Datenschutzkonferenz (DSK), wie Cookie-Einwilligungsbanner gef\u00e4lligst auszusehen haben. Kann man zur Kenntnis nehmen &#8211; problematisch sehe ich dann aber die Situation, dass wir aktuell vor der \"Nutzung von Microsoft 365, US-Cloud-Produkte und AI-Einf\u00fchrung\" in Unternehmen stehen. Bez\u00fcglich Windows und Office 365 gab es beispielsweise eine Aussage der DSK, dass die Produkte nicht DSGVO-konform einsetzbar seien. Und wenn ich die obigen Buzzwords Microsoft 365, US-Cloud, AI-L\u00f6sungen so ansehe, ist das alles andere als DSGVO-konform.<\/p>\n<p>Im Cookie-Banner-Kontext diskutieren wir dar\u00fcber, dass ein Tracking der Webseitenbesucher m\u00f6glich w\u00e4re und IP-Adressen \u00fcbertragen werden und es werden juristische Ma\u00dfnahmen aufgefahren. Im Kontext Microsoft 365, US-Cloud, AI-L\u00f6sungen werden dagegen pers\u00f6nliche Daten in oft erheblichen Umfang verarbeitet und an Auftragsverarbeiter au\u00dferhalb der EU transferiert, ohne dass dies (bisher) gravierende juristische Folgen zeitigt. Hier im Blog habe ich \u00f6fters \"soll doch jemand klagen &#8211; solange da kein finales Urteil vorliegt, wird das weiter gemacht und ist zul\u00e4ssig\" vernommen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Meine obigen Gedanken im einger\u00fcckten Text sind aber zur Bewertung des Sachverhalts, um den es hier im Beitrag bzw. im Urteil des OG Hannover nicht relevant.<\/p>\n<h3>Juristische Folgen offen<\/h3>\n<p>Zur\u00fcck zum obigen Thema: Es liegt nach meinem Wissen eine erste Erkenntnis aus der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem VG Hannover vor. Bevor nicht die Urteilsbegr\u00fcndung ver\u00f6ffentlicht und bevor nicht das VG Urteil rechtskr\u00e4ftig ist, wird sich erst einmal gar nichts \u00e4ndern. Danach werden die betreffenden Stellen das Ganze bewerten und ggf. entsprechende Schritte einleiten oder Revision einlegen.<\/p>\n<p>Das VG-Urteil aus Hannover gilt zudem &#8211; nach meiner Interpretation, ich bin kein ausgebildeter Jurist &#8211; nur f\u00fcr die Neue Osnabr\u00fccker Zeitung. Die Aufsichtsbeh\u00f6rden in Form der Landesdatenschutzbeauftragten k\u00f6nnten ein rechtskr\u00e4ftiges Urteil dann nutzen, um massenhaft Bescheide an Webseitenbetreiber zwecks Cookie-Banner-Anpassung zu verschicken. Ob das so kommt, muss man abwarten.<\/p>\n<h3>Was ist mit dem PUR-Modell?<\/h3>\n<p>Was in meinen Augen spannend aber bez\u00fcglich des obigen Urteils v\u00f6llig offen ist: Viele Webseiten greifen inzwischen auf Abo-L\u00f6sungen nach dem PUR-Modell zur\u00fcck (Consent or pay-L\u00f6sung). Wer solche Abos hat, bekommt keine Werbung und auch keine st\u00e4ndigen Cookie-Abfragen angezeigt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/h4wDJFvQ\/image.png\" alt=\"Abo-L\u00f6sung f\u00fcr Webseiten\" width=\"608\" height=\"249\" \/><\/p>\n<p>Ob dies \u00fcber contentpass oder andere PUR-Abo-L\u00f6sungen erfolgt (siehe obiger Screenshot), spielt erst einmal keine Rolle. Das obige Urteil des VG Hannover trifft diesbez\u00fcglich keine Aussage und auch der Bescheid des Landesdatenschutzbeauftragten von Niedersachsen hat dies meines Wissens auch nicht adressiert.<\/p>\n<h3>Erg\u00e4nzung: PUR-Modelle sind au\u00dfen vor!<\/h3>\n<p>Nach Ver\u00f6ffentlichung des Beitrags bin ich nun doch noch auf eine Einordnung des PUR-Modells (Consent or pay) gesto\u00dfen. In obigem Screenshot ist der Banner von contentpass zu sehen, der auf borncity in allen Blogs genutzt wird. Der Banner bietet dem Seitenbesucher die Wahl, der Werbung durch akzeptieren von Cookies zuzustimmen, oder werbefrei mit einem contentpass-Abonnement zu surfen.<\/p>\n<blockquote><p>Hintergrundinformation: Bei contentpass oder anderen PUR-Abomodellen werden die Einnahmen der Abonnenten unter den contentpass bzw. PUR angeschlossenen Publishern geteilt. Viel kommt hier bei borncity nicht herum (ca. 10 Euro \/ Monat an Einnahmen). Das wird mir von den monatlichen Kosten, die ich f\u00fcr die contentpass-L\u00f6sung zahle, dann abgezogen. Welche Kosten f\u00fcr den Publisher f\u00fcr ein solches Modell entstehen, h\u00e4ngt etwas von den Besucherzahlen ab &#8211; man ist aber schnell im dreistelligen Euro-Bereich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Spannend ist in diesem Kontext aber die rechtliche Bewertung. Erstens trifft das obige Urteil des Verwaltungsgerichts Hannover die PUR-Abomodelle (also auch contentpass) nicht &#8211; ich bin mit borncity daher au\u00dfen vor. Aber noch informativer ist das Dokument \"<a href=\"https:\/\/www.edpb.europa.eu\/system\/files\/2024-11\/edpb_opinion_202408_consentorpay_de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stellungnahme 08\/2024 zur \u201eWirksamkeit von Einwilligungen imKontext von \u201eConsent or Pay\"-Modellen gro\u00dfer OnlinePlattformen\"<\/a>, welches am 17. April 2024 vom edbp angenommen wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.edpb.europa.eu\/system\/files\/2024-11\/edpb_opinion_202408_consentorpay_de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"edpb: Stellungnahme 08\/2024 zur \u201eWirksamkeit von Einwilligungen imKontext von \u201eConsent or Pay\"-Modellen gro\u00dfer OnlinePlattformen\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/9FB9cvK3\/image.png\" alt=\"edpb: Stellungnahme 08\/2024 zur \u201eWirksamkeit von Einwilligungen imKontext von \u201eConsent or Pay\"-Modellen gro\u00dfer OnlinePlattformen\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das K\u00fcrzel edbp steht f\u00fcr European Data Protection Board &#8211; also die Vereinigung der EU-Datenschutzbeauftragten. Hintergrund des Dokuments ist, dass die niederl\u00e4ndischen, norwegischen und deutschen (Hamburg) Aufsichtsbeh\u00f6rden den EDSA (Europ\u00e4ischer Datenschutzausschuss) um eine Stellungnahme zu der Frage ersuchten, unter welchen Umst\u00e4nden und Bedingungen \"Consent or Pay\"-Modelle (also PUR-Modelle wie das oben erw\u00e4hnte contentpass) in Bezug auf verhaltensorientierte Werbung gro\u00dfer Online-Plattformen in einer Weise umgesetzt werden k\u00f6nnen, die auch unter Ber\u00fccksichtigung des Urteils des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) in der Rechtssache C-252\/21 eine wirksame und insbesondere freiwillig erteilte Einwilligung darstellt.<\/p>\n<p>Die edbp-Stellungnahme beschr\u00e4nkt sich daher auf die Umsetzung von \"Consent or Pay\"-Modellen durch gro\u00dfe Online-Plattformen (die f\u00fcr die Zwecke dieser Stellungnahme definiert werden), bei denen Nutzer aufgefordert werden, in die Verarbeitung<br \/>\nzum Zwecke der verhaltensorientierten Werbung einzuwilligen.<\/p>\n<p>Geht man die Stellungnahme durch, gibt der europ\u00e4ische Datenschutzausschuss Empfehlungen an die Anbieter dieser \"Consent or Pay\"-Modelle und an die Datenschutzaufsicht. Grunds\u00e4tzlich sind \"Consent or Pay\"-Modelle nach Ansicht des edbp DSGVO-konform, solange f\u00fcr Abonnenten der Zweck klar erkennbar ist und das Entgelt f\u00fcr das Abo nicht so beschaffen ist, dass es betroffene Personen an einer echten Wahl hindert.<\/p>\n<p>Im Kontext des contentpass-Modells, welches ich hier im Blog nutze, sind diese Kriterien aus meiner Sicht erf\u00fcllt. Die verf\u00fcgbaren Optionen sind im Consent-Banner klar benannt und der Nutzer hat die Wahl, per Abo auf Werbung zu verzichten oder mit Werbung kostenfrei die Inhalte abzurufen. Zur H\u00f6he der Einnahmen (aktuell 3,99 Euro\/Monat) ist anzumerken, dass dieser Betrag so beschaffen ist, dass betroffene Personen eine echte Wahl haben. Denn das Abonnement gilt nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Blogs unter borncity.com, sondern f\u00fcr alle am contentpass teilnehmende Webseiten. Ein contentpass-Abonnent surft also werbefrei auf allen angeschlossenen Webseiten (und nicht nur auf borncity.com). Das erkl\u00e4rt auch, warum bei mir am Ende des Monats nur wenige Cents ankommen.<\/p>\n<h3>Passe mal deine Cookie-Banner an &#8230;<\/h3>\n<p>Im Sinne \"pass mal deine Cookie-Banner an\"-Aufforderung, die mir mehrfach aus der \"geneigten Leserschaft\" zugegangen ist, ist also [auch ohne meinen Nachtrag zu contentpass] gar nichts entschieden. Zudem ist eine solche Aufforderung eine vollst\u00e4ndige Verkennung bzw. Unkenntnis der Sachverhalte geschuldet.<\/p>\n<p>Die Cookie-Consent-L\u00f6sungen werden in der Regel nicht von einzelnen Webseitenbetreibern, sondern von den Vermarktungspartnern f\u00fcr die Werbung gestaltet. Da sitzen die Verantwortlichen mit Juristen und ggf. Landesdatenschutzbeauftragten zusammen, in der Hoffnung, am Ende des Tages eine L\u00f6sung zu bekommen, die etwas h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Ich verfolge dieses \"Spiel\" ja bereits einige Tage und habe gegen\u00fcber meinem Werbevermarkter immer wieder kommuniziert \"schaut, dass eine rechtssichere L\u00f6sung kommt\". Schau ich mir die Volten von Google in Bezug auf Third-Party-Cookie-Unterst\u00fctzung im Chrome-Browser an, tut jeder Webseitenbetreiber gut daran, erst einmal abzuwarten, was bei Rechtskraft des Urteils wirklich die Folge ist.<\/p>\n<h3>Die Dickschiffe der Medien- und Tech-Plattformen gewinnen<\/h3>\n<p>Gesetzt der Fall, es muss von deutschen Webseiten eine \"Alles ablehnen\"-Option prominent in \"jedem\" Cookie-Consent-Banner [also auch bei PUR-Modellen] kommen, steht jetzt schon fest, wo die Gewinner sitzen. Die gro\u00dfen Medienplattformen wie Facebook, TikTok, X, Instagram und YouTube sind diesbez\u00fcglich au\u00dfen vor. Durch den Zwang zur Benutzeranmeldung l\u00e4sst sich von den Plattformen sehr genau, auch ohne Cookie-Consent, erkennen, wer welche Interessen hat und wer welche Werbung gesehen hat.<\/p>\n<p>Auf YouTube siehst Du beispielsweise Werbeunterbrechungen in Videos, ohne dass du jemals eine Cookie-Zustimmung gesehen hast.\u00a0Ein Influencer, der \u00fcber Twitch, YouTube etc. streamt, oder sich auf Instagram etc. vermarktet, wird sich &#8211; nach meiner aktuellen Einsch\u00e4tzung &#8211; \u00fcber obigen Sachverhalt keine Gedanken machen m\u00fcssen. Dort ist kein Cookie-Consent erforderlich &#8211; die Werbung wird ausgespielt, da man den \"User\" kennt.<\/p>\n<p>Und die gro\u00dfen Medienseiten (Spiegel, Focus, Zeit etc.) werden das \"Problem\" schlicht durch eine Paywall samt Zwang zur Anmeldung l\u00f6sen oder eben auf das \"Pay or consent\"-Modell (PUR-Modell) gehen. Finanziert das Abo die Kosten, sind die Anbieter nicht auf Werbung angewiesen. Andernfalls l\u00e4sst sich eine Zustimmung zur Werbeeinwilligung \u00fcber AGBs oder explizite Abfragen im Benutzerkonto einholen.<\/p>\n<p>Auf der Strecke bleiben dann die (kleineren) Webseiten, die auf externe Werbenetzwerke und damit auf die Cookie-Einwilligung \u00fcber Consent-Banner (ohne das PUR-Modell nutzen zu k\u00f6nnen oder zu wollen) zur Finanzierung angewiesen sind. Wird die Cookie-Annahme durch den Nutzer abgelehnt, schalten die Werbenetzwerke keine Anzeigen &#8211; die Webseiten bekommen keine Werbeeinnahmen. Dann stellt sich sehr schnell die Frage: L\u00e4sst sich ein Angebot monetarisieren, oder wird es eingestellt. Hier wird jeder Betreiber seinen Weg finden m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Implikationen f\u00fcr Borncity<\/h2>\n<p>Ich sitze ja seit zwei, drei Jahren an obigem Thema dran, und bin einerseits als Internetnutzer von der Cookie-Consent-Thematik als Konsument, andererseits als Publisher betroffen. Als Publisher betrachte ich die Cookie-Zustimmung von Medienseiten, die ich als Konsument besuche, auch unter dem Blickwinkel, dass diese Angebote finanziert werden m\u00fcssen. Ich bin daher seit jeher bewusst ohne AdBlocker unterwegs und akzeptiere auch die Cookie-Abfragen.<\/p>\n<p>Dass ich \"von Werbung erschlagen wurde, und die Inhalte nicht mehr konsumieren konnte\", wie es von manchen Zeitgenossen, die das als Rechtfertigung zum Einsatz eines Werbeblockers, immer wieder kolportiert wurde, kann ich nicht best\u00e4tigen. Wenn eine Seite im Web es \u00fcbertreibt und ich die Informationen nicht bekomme, die ich suche, bleibe ich halt weg.<\/p>\n<p>Als Publisher mache ich mir nat\u00fcrlich st\u00e4ndig Gedanken, wie das Thema aus Sicht beider Seiten gestaltet werden k\u00f6nnte &#8211; der IT-Blog ist im Mai 2025 gerade 18 Jahre alt geworden (siehe\u00a0<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/05\/10\/volljaehrig-der-blog-ist-18-geworden\/\" rel=\"bookmark\">\"Vollj\u00e4hrig\" \u2013 der Blog ist 18 geworden \u2026<\/a>), ich mache das also nicht erst seit gestern.<\/p>\n<p>Mein Versuch, in den letzten zwei, drei Jahren, die Werbenetzwerke f\u00fcr cookie-less Anzeigen zu gewinnen, ist gescheitert bzw. im Sande verlaufen. Solange noch die Einstellung der Third-Party-Cookie-Unterst\u00fctzung durch Google im Chrome-Browser drohte, hie\u00df es \"wir untersuchen und \u00fcberlegen\". Aber unter der Hand hie\u00df es \"es werden max. 5% der bisherigen Einnahmen auf diesem Weg zu erwirtschaften sein\". Es gab 2022 einen Versuch mit einer cookie-less-Anzeige hier im Blog, der aus gut aussah. Letztendlich sind wir aber daran gescheitert, dass nicht gen\u00fcgend Anzeigevolumen f\u00fcr mehrere Blogs eingeworben werden konnte.<\/p>\n<p>Eine Finanzierung der Blogs \u00fcber Sponsoring ist aus meinen bisherigen Erfahrungen unrealistisch (ich hatte 2024 einige Gedanken im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2024\/08\/18\/gedanken-zu-werbefreiem-it-blog-und-alternativer-monetarisierung\/\" rel=\"bookmark\">Gedanken zu werbefreiem IT-Blog und alternativer Monetarisierung <\/a><a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2024\/08\/14\/grauer-contentpass-banner-am-seitenende\/\" rel=\"bookmark\">\"Contentpass\"-Banner im Blog<\/a> diskutiert). Sollte am Ende des Tages dann eine Option \"Alle Cookies ablehnen\" in einem, wie auch immer gearteten Cookie-Consent-Banner stehen [m\u00fcssen], wird das von den Werbepartnern (und in meinem Fall von contentpass als weiteren Dienstleister) implementiert.<\/p>\n<p>Dann schaue ich mir am Ende des Tages an, wie die Cookie-Consent-Rate ausschaut. Aus 2024 wei\u00df ich, dass die Zustimmungsrate zwischen 50 und 60 % lag. Rechne ich die potentiellen Einnahmen hoch und schaue mir an, wie das Ganze, trotz contentpass (wo ich monatlich f\u00fcr zahle), in 2025 ausschaut, macht es voraussichtlich wirtschaftlich keinen Sinn mehr, noch viel in die Blogs zu investieren.<\/p>\n<p>Aktuell bin ich zudem in der Evaluierung, um von Google Adsense- und AdExchange-Anzeigen weg zu kommen und rein deutsche Werbenetzwerke f\u00fcr Anzeigen hier im Blog einzusetzen. Mit etwas Gl\u00fcck normalisieren sich die Einnahmen dann &#8211; aktuell br\u00f6ckelt alles &#8211; und wenn Googles KI in der Suche dann noch den Traffic weg nimmt, l\u00e4uft es in einen kritischen Bereich.<\/p>\n<p>Aber am Ende des Tages kommt das zum Tragen, was ich seit M\u00e4rz 2021 kommuniziere: Ich betreibe die Blogs solange ich es pers\u00f6nlich (von der Gesundheit und den F\u00e4higkeiten her) noch kann, es es noch Spa\u00df macht, technisch funktioniert, juristisch zul\u00e4ssig und wirtschaftliche sinnvoll ist. Trifft eine Bedingung nicht mehr zu, \"isch over\".<\/p>\n<p>Am Ende des Tages k\u00f6nnte es dann so kommen, dass mir die juristische und wirtschaftliche Seite die Entscheidung, weiter zu bloggen, abnimmt. Meine Frau w\u00fcrde einen Freudensprung machen \"endlich hast Du als Rentner Zeit, den Keller aufzur\u00e4umen\".<\/p>\n<p>Ich selbst formuliere es so: Abwarten, was kommt. Vielleicht haben die Landesdatenschutzbeauftragten mit obigem VG-Urteil bei Rechtskraft eine Schlacht gewonnen, aber am Ende des Tages den \"Krieg doch verloren\" &#8211; n\u00e4mlich, wenn Webseiten eingestellt oder auf Abo-L\u00f6sungen etc. umgestellt werden.<\/p>\n<p>Im Kontext der von mir oben aufgeworfenen Stichw\u00f6rter \"Cloud, AI-L\u00f6sungen etc.\" befassen wir uns im Bereich Cookie-Consent &#8211; zumindest in meinen Augen &#8211; mit Petitessen. Die dickeren DSGVO-Fische lauern imho eher in den Stichw\u00f6rtern AI und Cloud, wo komplette Dokumente mit pers\u00f6nlichen Daten ohne Zustimmung in \"Black-Boxen\" wandern, die Landesdatenschutzbeauftragten sich aber an den Dickschiffen der Tech-Firmen und Gro\u00dfunternehmen die \"Z\u00e4hne ausbei\u00dfen\". Schaun mer mal, pflegte Franz Beckenbauer zu sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denis Lehmkemper, Landesdatenschutzbeauftragter von Niedersachsen, hat wegen der Gestaltung eines konkreten Cookie-Banners einem Webseitenbetreiber eine Verf\u00fcgung zur Anpassung geschickt. Dieser hatte dagegen geklagt. 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