{"id":315601,"date":"2025-09-14T00:01:15","date_gmt":"2025-09-13T22:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=315601"},"modified":"2025-09-10T11:40:08","modified_gmt":"2025-09-10T09:40:08","slug":"microsoft-wenn-die-ki-uebersetzung-scheitert-und-die-deutsche-bahn-ins-spiel-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/09\/14\/microsoft-wenn-die-ki-uebersetzung-scheitert-und-die-deutsche-bahn-ins-spiel-kommt\/","title":{"rendered":"Microsoft: Wenn die KI-\u00dcbersetzung scheitert und die Deutsche Bahn ins Spiel kommt &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Stop - Pixabay\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stop01.jpg\" alt=\"Stop - Pixabay\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Microsoft steht ja vor dem Problem, dass es seine\u00a0 Produkte und damit auch die Dokumentation in verschiedenen Sprachen bereitstellen muss. Bereits bei der Lokalisierung von Windows oder anderen Produkten geht einiges schief, obwohl da noch Menschen dr\u00fcber schauen sollten. Wo der Nutzer aber g\u00e4nzlich verloren geht, sind die maschinellen \u00dcbersetzungen von Support-Beitr\u00e4gen. Ich versuche gewohnheitsm\u00e4\u00dfig die englischen Support-Beitr\u00e4ge zu lesen, und liege wohl wieder richtig, wie der neueste Flop, auf den mich ein Leser hingewiesen hat, aufzeigt. Der Fall zeigt exemplarisch die Gefahr der KI-Unterst\u00fctzung, die uns auch in vielen anderen Bereichen droht. Ich habe daher das Thema mal in Teil 1 zum konkreten Beispiel und mit einigen Informationen sowie Gedanken in Teil 2 aufbereitet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Maschinelle Text\u00fcbersetzungen<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/5f6de86f0700483081045f66eb042734\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Bei Text\u00fcbersetzungen sind L\u00f6sungen, die auf AI (LLMs, Sprachmodelle) setzen, inzwischen ganz gut. Auch ich lasse mich gerne durch Deepl oder Google Translate unterst\u00fctzen &#8211; entweder, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob ich einen englischsprachigen Text beim Lesen richtig verstanden habe, oder um einen Text in einer mir fremden Sprache \u00fcberhaupt zu verstehen. Und ich nutze Deepl, um englische Rohtexte zu verfassen.<\/p>\n<h3>Ergebnisse m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcft werden!<\/h3>\n<p>Eine der Lehren aus diesen Ans\u00e4tzen ist aber, dass man das Ergebnis sehr kritisch \u00fcberpr\u00fcfen sollte oder muss. Auch wenn Deepl sehr gut ist, staune ich immer wieder, was da \u00fcbersetzt wird. Manchmal ist es nach meinem Empfinden genial, aber es gibt F\u00e4lle, wo die \u00dcbersetzung total in die Hose geht.<\/p>\n<h3>Wenn der Kontext nicht beachtet wird<\/h3>\n<p>Ein riesiges Problem ist, dass die Sprachmodelle den Kontext der Originaltexte nicht verstehen und eine scheinbar formal korrekte \u00dcbersetzung anfertigen. Diese macht dann aber im Kontext des behandelten Sachgebiets weniger Sinn, weil Begriffe nicht stimmig oder einfach nicht im Gebrauch sind.<\/p>\n<h3>Wenn dann das LLM noch dichtet<\/h3>\n<p>Bei Sprachmodellen kommt dann noch eine weitere Komponente hinzu: Diese neigen dazu, bestimmte Begriffe zu interpretieren und dann umzusetzen. Es ist genial, wenn ein DSGVO korrekt in den englischsprachigen Begriff GDPR \u00fcbersetzt wird. Und manchmal staune ich, wie Deepl Abk\u00fcrzungen aus dem amerikanischen englisch in deutsche Begriffe umsetzt &#8211; oft geht es gut, manchmal liegt das Ergebnis aber daneben.<\/p>\n<h3>Betrifft auch von Menschen angefertigte \u00dcbersetzungen<\/h3>\n<p>Dieses \u00dcbel ist mir in den letzten 45 Jahren immer wieder, auch bei menschlichen\u00a0 \u00dcbersetzungen begegnet. Anfang der 80er Jahre musste ich in die Welt der Mikroprozessorprogrammierung einsteigen. Beim Arbeitgeber gab es jede Menge deutsche Handb\u00fccher von Siemens, in denen Mikroprozessorkomponenten und -Bauteile von Intel und anderen Herstellern, die wir einsetzten, beschrieben waren.<\/p>\n<p>Das hatten sehr fitte deutsche \u00dcbersetzer angefertigt, alles war perfekt und auf Siemens-Nomenklatur abgestimmt. Ich erinnere mich, dass ich Stunden sa\u00df und versuchte, die deutschen Beschreibungen zu einem Interrupt-Controller oder einem UART-Baustein zu verstehen &#8211; denn ich musste diese Bauteile teilweise in Maschinensprache zum Initialisieren ansprechen und in zu schreibende Software einbinden. Auch nach mehrmaligem Lesen war mir nicht klar, was gemeint war.<\/p>\n<p>Ende vom Lied war, dass ich nach zwei, drei Stunden frustriert aufstand und durch die R\u00e4ume der Abteilung wanderte, um bei Kollegen nachzufragen, ob man vielleicht die Originaldokumentation von Intel irgendwo habe. Sah zuerst schlecht aus, \u00fcberall standen die rot-wei\u00dfen Siemens-Handb\u00fccher. Bis ich dann zu einem \u00e4lteren Kollegen kam, der auf eine Reihe blauer Ordner mit der Aufschrift Intel deutete: \"Da steht die Intel-Dokumentation, kannst Du dir ausleihen, benutzt eh keiner, wie haben ja die deutschen Siemens-\u00dcbersetzungen\". Ich habe mir die Ordner gegriffen und hatte mein Aha-Erlebnis: Es reichte den englischsprachigen Text einmalig zu lesen, um zu verstehen, was Sache war.<\/p>\n<p>Seit dieser Zeit versuche ich IT-Beschreibungen in der englischen Originalfassung zu lesen und greife hilfsweise auf deutsche \u00dcbersetzungen zur\u00fcck, um das Verst\u00e4ndnis zu \u00fcberpr\u00fcfen. \u00c4hnliche Erfahrungen habe ich in den letzten 32 Jahren gemacht, wenn professionelle \u00dcbersetzer Manuskripte meiner B\u00fccher in englisch \u00fcbersetzten. Das Ergebnis war in der Regel gut, aber wenn sich eine \"Stilbl\u00fcte\" einschlich, kam diese wiederholt vor.<\/p>\n<h3>Kontrolle ist wichtig<\/h3>\n<p>Ich habe gelernt, dass man die Ergebnisse einer (maschinellen) \u00dcbersetzung nochmals mit \"Sinn-und-Verstand\" gegen lesen muss. Allerdings habe ich als Vielschreiber auch die negative Erfahrung gemacht, dass einerseits F\u00e4higkeiten verloren gehen, wenn man auf maschinelle \u00dcbersetzungshilfe zur\u00fcck greift. Es wird alles scheinbar leichter und geht schneller von der Hand, aber das t\u00e4gliche \u00dcben fehlt und das Textverst\u00e4ndnis beim Lesen fremdsprachiger Texte nimmt ab.<\/p>\n<h2>Eine neue KI-\u00dcbersetzungsbl\u00fcte<\/h2>\n<p>Bei Microsoft nimmt das Problem nochmals eine andere Dimension an. Das Unternehmen hat ja vor langer Zeit beschlossen, seine Online-Dokumentation abseits der englischen Sprache durch maschinelle \u00dcbersetzungen bereitzustellen oder bei bestimmten Themen generell auf \u00dcbersetzungen zu verzichten. Blog-Leser Martin E. hat mich die Tage auf eine besondere \u00dcbersetzungsbl\u00fcte aufmerksam gemacht, die sehr gut das Problem verdeutlicht. Eine \u00dcbersetzung geht im Kontext schief, aber dann macht ein Sprachmodell noch eigenst\u00e4ndig etwas ganz anderes, sinnentstellendes daraus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"UEFI-Anforderungen f\u00fcr Secure Boot (English)\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/3RyB9kCW\/image.png\" alt=\"UEFI-Anforderungen f\u00fcr Secure Boot (English)\" width=\"575\" height=\"784\" \/><\/p>\n<p>Obiger Screenshot zeigt die <a href=\"https:\/\/learn.microsoft.com\/en-us\/windows-hardware\/manufacture\/desktop\/windows-secure-boot-key-creation-and-management-guidance?view=windows-11#14-signature-databases-db-and-dbx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">englischsprachige Originalfassung dieses Supportbeitrags<\/a>, der die Anforderungen f\u00fcr die UEFI Secure Boot-Konfiguration f\u00fcr Windows 11 25H2 beschreibt. Die Tabellen zeichnen sich dadurch aus, dass dort viele Abk\u00fcrzungen wie <em>DB<\/em> (Data Base), <em>PK<\/em> (Platform Key), und <em>KEK<\/em> (Key Exchange Key) enthalten sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Deutsche \u00dcbersetzung der UEFI-Secure Boot-Anforderungen\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/Hnj5tRwm\/image.png\" alt=\"Deutsche \u00dcbersetzung der UEFI-Secure Boot-Anforderungen\" width=\"569\" height=\"800\" \/><\/p>\n<p>Die maschinensprachliche \u00dcbersetzung in deutsch sieht auf den ersten Blick gut aus, geht aber f\u00fcr Fachleute erkennbar schief, wie obiger Screenshot zeigt. Die meisten Begriffe aus den Tabellen hat der maschinelle \u00dcbersetzer bzw. dessen LLM nicht angetastet. Aber beim K\u00fcrzel DB hat dann das Sprachmodell angeschlagen und geschlussfolgert, dass damit die Deutsche Bahn gemeint sein muss &#8211; ist nat\u00fcrlich total in die Hose gegangen.<\/p>\n<p><strong>Artikelreihe:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/09\/14\/microsoft-wenn-die-ki-uebersetzung-scheitert-und-die-deutsche-bahn-ins-spiel-kommt\/\">Microsoft : Wenn die KI-\u00dcbersetzung scheitert und die Deutsche Bahn ins Spiel kommt &#8211; Teil 1<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/09\/14\/technische-hypotheken-muss-die-ki-revolution-ausfallen-teil-2\/\">Technische Hypotheken: Muss die KI-Revolution ausfallen? &#8211; Teil 2<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Microsoft steht ja vor dem Problem, dass es seine\u00a0 Produkte und damit auch die Dokumentation in verschiedenen Sprachen bereitstellen muss. 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Wo &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/09\/14\/microsoft-wenn-die-ki-uebersetzung-scheitert-und-die-deutsche-bahn-ins-spiel-kommt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8625,8537],"tags":[8382,4293,672,24],"class_list":["post-315601","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ai","category-problem","tag-ai","tag-allgemein","tag-microsoft","tag-problem"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/315601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=315601"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/315601\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=315601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=315601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=315601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}