{"id":319242,"date":"2025-12-14T00:42:52","date_gmt":"2025-12-13T23:42:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/?p=319242"},"modified":"2025-12-12T10:08:35","modified_gmt":"2025-12-12T09:08:35","slug":"der-app-zwang-die-sicherheit-und-datenabfluesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/12\/14\/der-app-zwang-die-sicherheit-und-datenabfluesse\/","title":{"rendered":"Der App-Zwang, die Sicherheit und Datenabfl\u00fcsse"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline; float: left;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/android.jpg\" width=\"58\" height=\"58\" align=\"left\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline; float: left;\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Apple.jpg\" width=\"58\" height=\"58\" align=\"left\" \/>Immer mehr Firmen, der Handel oder Dienstleister fordern von ihren Kunden die Verwendung einer App oder bieten solche Apps an. Das wirft nat\u00fcrlich Fragen zur Praktikabilit\u00e4t, aber auch zur Datensicherheit auf.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Beispiel: App-Wahn im Handel<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/26d9ac562c82487d936eab8b22ef0554\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Es d\u00fcrfte den meisten Lesern und Leserinnen bekannt sein, im Lebensmittelhandel kommt man kaum mehr um Apps zum Wahrnehmen von Einkaufsvorteilen herum. Was fr\u00fcher die Payback-Karte war, ist heute die Einkaufs-App bei Edeka, Lidl &amp; Co. Selbst der Bio-H\u00e4ndler Denns hat die Tage informiert, dass man ab Februar 2026 auf die App umsteigt.<\/p>\n<p>Mitte Oktober 2025 hatte n-tv bereits den Artikel\u00a0<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/ratgeber\/Kunden-Apps-auf-dem-Vormarsch-mehr-Komfort-oder-Kontrolle-article26107166.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunden-Apps auf dem Vormarsch &#8211; mehr Komfort oder Kontrolle?<\/a> ver\u00f6ffentlicht, und auf die Bandbreite der M\u00f6glichkeiten und Risiken hingewiesen. Immer mehr Unternehmen setzen die Verwendung einer App voraus, um das Angebot nutzen zu k\u00f6nnen. Die M\u00f6glichkeit zur Verwendung einer Webseite wird zur\u00fcckgefahren oder g\u00e4nzlich eingestellt.<\/p>\n<p>Die Unternehmen argumentierten, dass es ihnen um eine verbesserte Kundenerfahrung gehe und darum, exklusive Angebote, Treueprogramme oder andere Vorteile platzieren zu k\u00f6nnen.\u00a0n-tv zitiert Maximilian Heitk\u00e4mper, Fachbereichsleiter Digitales und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: \"Teilweise k\u00f6nnen hierin starke Vorteile f\u00fcr Nutzer liegen, es drohen aber auch nicht unerhebliche Nachteile\".<\/p>\n<p>Heitk\u00e4mper bef\u00fcrchtet\u00a0gesteigerte Kontrollm\u00f6glichkeiten, etwa durch die Dokumentation von Vorg\u00e4ngen, bis hin zur \u00dcberwachung der Nutzer \u00fcber die jeweilige App. Wichtig sei es zudem, etwa Angebotspreise aus einer App unabh\u00e4ngig mit Angeboten im Netz zu vergleichen, um nicht \"Opfer personalisierter Preisgestaltung\" zu werden.<\/p>\n<p>Das ist ein Aspekt der Geschichte. Ich sehe es aus praktischen Erw\u00e4gungen heraus auch kritisch. Wenn ich auf einem Mobilger\u00e4t 40-50 Apps ben\u00f6tige, um die digitalen Angebote zu nutzen, l\u00e4uft etwas kr\u00e4ftig schief. Denn die Apps sind oft reine Kapselungen von Webseiten und man k\u00f6nnte das genau so gut per Browser abwickeln &#8211; wenn es denn schon digital sein muss.<\/p>\n<p>Und dass der normale Kunde beim Wechsel oder Verlust seines Ger\u00e4ts die Apps samt Zugangsdaten im Griff hat, kann ich mir auch nicht vorstellen. Hinzu kommt die Gefahr von Datenabfl\u00fcssen und Tracking. Da wird ein riesiges Problem heran gez\u00fcchtet.<\/p>\n<h2>Datenabfl\u00fcsse bei Dating-Apps untersucht<\/h2>\n<p>Bereits vor einigen Monaten hatte mich Surfshark \u00fcber deren\u00a0<a href=\"https:\/\/surfshark.com\/research\/chart\/data-collection-dating-apps\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuelle Studie<\/a> zu Dating-Apps informiert. Man hatte die Apps unter die Lupe genommen und zeigt, wie viele und welche Arten von Nutzerdaten sie sammeln.\u00a0Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:<\/p>\n<ul>\n<li>Die datenhungrigste App ist Grindr, die 24 verschiedene Datentypen erhebt (bei maximal m\u00f6glichen 35), gefolgt von Bumble (22) und Plenty of Fish (18).<\/li>\n<li>Alle analysierten Dating-Apps sammeln sensible Informationen \u2013 darunter ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Informationen zu Schwangerschaft oder Geburt, Behinderungsstatus, religi\u00f6se und weltanschauliche \u00dcberzeugungen, politische Ansichten sowie genetische und biometrische Daten.<\/li>\n<li>Die gesammelten Daten k\u00f6nnen an Datenh\u00e4ndler weiterverkauft werden \u2013 was die Wahrscheinlichkeit erh\u00f6ht, dass sie auf unerwartete (und mitunter fragw\u00fcrdige) Weise von Dritten genutzt werden.<\/li>\n<li>Cybersicherheitsexperten raten dringend davon ab, private und besonders pers\u00f6nliche Informationen in Dating-Apps preiszugeben \u2013 es sei denn, es ist wirklich notwendig.<\/li>\n<li>Auch bei Dating-Apps kann es zu Datenpannen kommen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch w\u00e4hrend die Forscher an der Analyse arbeiteten, <a href=\"https:\/\/cybernews.com\/security\/headero-data-leak-gps-chat-exposed\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">meldeten Medien<\/a>, dass m\u00f6glicherweise die Headero-App ein Datenleck hatte. In solchen F\u00e4llen k\u00f6nnen pers\u00f6nliche Informationen leicht missbraucht und gegen die betroffenen Nutzer verwendet werden.<\/p>\n<p>Das Fazit:\u00a0Dating-Apps: Sie wissen (viel) zu viel \u00fcber ihre Nutzer &#8211; Hautfarbe, K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, sexuelle Vorlieben \u2013 die Datensammelei explodiert \u2013 und niemand liest das Kleingedruckte. Die Studie von Surfshark zeigt, dass\u00a0Dating-Apps zu den digitalen Plattformen geh\u00f6ren, die am tiefsten in die Privatsph\u00e4re der Nutzer eingreifen, wenn es um pers\u00f6nliche Daten geht.<\/p>\n<p>In Deutschland, wo <a href=\"https:\/\/blog.dcmn.com\/datings-apps-germany\/\">jede f\u00fcnfte<\/a> Person Dating-Apps nutzt, wirft dieser Trend gro\u00dfe Fragen hinsichtlich Datenschutz, aber auch Ethik und m\u00f6glicher gesellschaftlicher Vorurteile auf.<\/p>\n<p>\u201eWir beobachten eine zunehmend detaillierte Datenerfassung, die h\u00e4ufig mit dem besseren Nutzererlebnis begr\u00fcndet wird. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen solche sensiblen Informationen jedoch algorithmische Voreingenommenheit verst\u00e4rken \u2013 und im Fall eines Datenlecks offengelegt werden. Vielen Nutzern ist gar nicht bewusst, in welchem Umfang sie pers\u00f6nliche Daten teilen\", warnt Miguel Forn\u00e9s, Cybersicherheitsexperte bei Surfshark.<\/p>\n<h3>Von Liebe zu Daten: hyperdetaillierte Nutzerprofile<\/h3>\n<p>Laut einer Studie von Surfshark sammeln einige Dating-Apps bis zu 24 verschiedene Arten (35 ist das Maximum) personenbezogener Daten pro Nutzer:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Grindr<\/strong>, <strong>Bumble<\/strong> und <strong>Tinder<\/strong> f\u00fchren die Liste an \u2013 mit massiver Datenerfassung, von sexuellem Verhalten bis hin zur kontinuierlichen Standortverfolgung.<\/li>\n<li>Apps wie <strong>Pure<\/strong> oder <strong>Feeld<\/strong> verfolgen hingegen einen deutlich zur\u00fcckhaltenderen Ansatz.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Doch der Trend beschleunigt sich: k\u00f6rperliche Vorlieben, Filter nach Kleidungsstil oder Hautfarbe, immer mehr Personalisierung\u2026 Wie weit ist zu weit?<\/p>\n<h3>Datensammlung im Namen des \u201ebesseren Matchings\"<\/h3>\n<p>Diese Datenpunkte werden meist damit beworben, die algorithmische Kompatibilit\u00e4t zu verbessern. Doch sie werfen ernste Fragen auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer kontrolliert eigentlich diese Vorlieben?<\/li>\n<li>K\u00f6nnten diese Daten Vorurteile oder Diskriminierung verst\u00e4rken?<\/li>\n<li>Und vor allem: Wo endet Personalisierung \u2013 und wo beginnt Profiling?<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Eine Frage der Privatsph\u00e4re\u2026 aber auch der Ethik<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die DSGVO in Europa den Umgang mit Daten regelt, gelingt es vielen Apps dennoch nicht, klar darzulegen, wie die gesammelten Daten verwendet werden. Die neue Einf\u00fchrung von Feldern wie K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe oder Hautfarbe ist bedenklich:<br \/>\nSollte Dating wirklich wie eine Produktsuche im Onlineshop funktionieren?<\/p>\n<h3>Wichtig zu wissen: Die Nutzer lesen nicht und weiteres<\/h3>\n<p>Surfshark best\u00e4tigt die \"Vorurteile\", die wohl so mancher hegt und auch bei sich selbst beobachtet.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Mehrheit der Nutzer liest Datenschutzrichtlinien nie.<\/li>\n<li>Gesammelte Daten k\u00f6nnen an Werbepartner verkauft werden.<\/li>\n<li>Im Falle eines Datenlecks k\u00f6nnten \u00e4u\u00dferst sensible Informationen offengelegt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei der App Headero gab es ein m\u00f6gliches Datenleck (<a href=\"https:\/\/cybernews.com\/security\/headero-data-leak-gps-chat-exposed\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">siehe<\/a>): Rund 352.000 Nutzerdatens\u00e4tze, mehr als 3 Millionen Chatverl\u00e4ufe und \u00fcber 1 Million Chatraum-Aufzeichnungen wurden \u00f6ffentlich. Das ist eine gro\u00dfe Zahl, wenn man bedenkt, dass die App nur 100.000 Downloads im Play Store hat.<\/p>\n<h3>Wie man die Datenerfassung bei Dating-Apps einschr\u00e4nkt<\/h3>\n<ul>\n<li>\u00dcberpr\u00fcfe, welche Berechtigungen die App verlangt (Mikrofon, kontinuierlicher Standort, Kontakte \u2026).<\/li>\n<li>Verwende eine separate E-Mail-Adresse f\u00fcr Dating-Konten.<\/li>\n<li>Nutze ein VPN, um deine Anonymit\u00e4t zu erh\u00f6hen und deinen tats\u00e4chlichen Standort zu verschleiern.<\/li>\n<li>Lies die Datenschutzrichtlinie \u2013 zumindest die Abschnitte zur Weitergabe an Dritte.<\/li>\n<li>Vermeide es, zu sensible Informationen zu teilen (Einkommen, politische Ansichten, detaillierte sexuelle Vorlieben \u2026).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Surfshark schreibt dazu: Ein gutes Match beginnt mit dem Schutz der Privatsph\u00e4re. Besser w\u00e4re es, erst gar nicht auf solche Apps zu setzen &#8211; was aber eher lebensfremd ist, da diese allgegenw\u00e4rtig sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Firmen, der Handel oder Dienstleister fordern von ihren Kunden die Verwendung einer App oder bieten solche Apps an. 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