{"id":320352,"date":"2026-01-18T00:06:10","date_gmt":"2026-01-17T23:06:10","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=320352"},"modified":"2026-01-17T08:54:47","modified_gmt":"2026-01-17T07:54:47","slug":"doctolib-allgegenwaertig-und-immer-fuer-aerger-gut-aber-nun-gibt-es-ein-urteil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2026\/01\/18\/doctolib-allgegenwaertig-und-immer-fuer-aerger-gut-aber-nun-gibt-es-ein-urteil\/","title":{"rendered":"Doctolib, allgegenw\u00e4rtig und immer f\u00fcr \u00c4rger gut, neues Urteil wegen Irref\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Gesundheit-klein.jpg\" alt=\"Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)\" width=\"200\" border=\"0\" \/>Der Dienstleister Doctolib hat sich im Bereich Terminvergabe f\u00fcr \u00c4rzte breit eingenistet, offenbar \u00fcberzeugt das Angebot die Praxen. H\u00e4ufig geht ohne Doctolib nichts mehr. Dabei ist der Anbieter \u00fcberall dabei, wo es gilt \"Fettn\u00e4pfchen und berechtigte Kritik\" an seinen Leitungen zu kassieren. Jetzt gibt es ein Urteil des Landgerichts Berlin, der dem Anbieter eine bestimmte Vorgehensweise bei der Terminvergabe untersagt. Hier ein \u00dcberblick.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Wer ist Doctolib?<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/28448a99be104e4f84fa5e757c1dfbf3\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doctolib\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Doctolib SAS<\/a>\u00a0ist ein franz\u00f6sisches Technologieunternehmen mit Sitz in Paris, das eine Software anbietet, die unter anderem die Online-Buchung von Terminen bei \u00c4rzten, das Terminmanagement in Praxen und Gesundheitseinrichtungen sowie telemedizinische Videosprechstunden und die Kommunikation zwischen \u00c4rzten und Patienten erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die Software kam zudem in Berlin und Frankreich bei der Koordination von Terminen f\u00fcr Impfungen gegen COVID-19 zum Einsatz.\u00a0Die Doctolib GmbH (Sitz: Berlin), ein Tochterunternehmen der Doctolib SAS, ist in Deutschland f\u00fcr die E-Health-Angebote des Unternehmens verantwortlich.<\/p>\n<h2>Was macht Doctolib in Deutschland?<\/h2>\n<p>In Deutschland tritt Doctolib als Online-Plattform auf, um f\u00fcr Patienten Termine bei \u00c4rzten buchen zu k\u00f6nnen. Eine Suche nach Praxen und Therapeuten ist f\u00fcr Patienten und Patientinnen zwar auch telefonisch unter 116 117 oder \u00fcber die Webseite <a href=\"https:\/\/www.116117.de\/de\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">116117.de<\/a>\u00a0 kostenlos abrufbar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.116117.de\/de\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-320356\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-80.png\" alt=\"Patientenservice unter 116117.de\" width=\"640\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-80.png 640w, https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-80-300x266.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Seite \"Der Patientenservice\" wird von der\u00a0Bundesvereinigung der Kassen\u00e4rzte (KVB) betriebenen und hilft auch bei der Navigation, wenn man erkrankt ist und wissen m\u00f6chte, ob die Notaufnahme oder ein niedergelassener Arzt aufgesucht werden soll. Habe ich selbst zur Zufriedenheit genutzt, zumal man bei Bedarf unter der 116 117 telefonisch einen Arzt oder eine \u00c4rztin sprechen kann, die im Zweifelsf\u00e4llen weiter hilft.<\/p>\n<p>Nur eine direkte Terminvereinbarung per Internet scheint es von der Seite \"Der Patientenservice\" oder der 116 117 nicht zu geben. Golem hatte sich bereits 2023 <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/nummer-116117-arzttermine-bei-doctolib-statt-bei-kassenaerztlichem-service-2311-179087.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> mit der Thematik befasst. Daher wird die Plattform Dotcolib von vielen \u00c4rzten f\u00fcr Terminvereinbarungen verwendet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.doctolib.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-320353\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-79.png\" alt=\"Doctolib Webseite\" width=\"640\" height=\"528\" srcset=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-79.png 640w, https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/image-79-300x248.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Plattform wirbt direkt bei \u00c4rzten und Therapeuten und r\u00fchmt sich, 25 Millionen Patenten und 110.000 Gesundheitsfachkr\u00e4fte in der \"Kundendatenbank\" zu haben. Die Plattform stimmt ihr Angebot dabei passgenau auf das ab, was \u00c4rzte und \u00c4rztinnen sowie Therapeuten und Therapeutinnen zu ben\u00f6tigen glauben. Das muss man Doctolib lassen.<\/p>\n<p>Laut Webseite wirbt man bei Patienten daf\u00fcr, \"digitaler Gesundheitsbegleiter\" zu werden, und die Gesundheitsinformationen f\u00fcr Patienten und Angeh\u00f6rige zu speichern (als g\u00e4be es keine elektronische Patientenakte).\u00a0\u00a0Mit einer \"Zufriedenheitsquote\" von 97% (was immer der Wert aussagt), ist Doctolib seit Jahren der Platzhirsch auf dem deutschen Markt und bei vielen \u00c4rzten kommt man kaum an Doctolib vorbei &#8211; auch wenn die KVB da bez\u00fcglich Terminvereinbarung ein Vakuum gelassen hat und die Politik definitiv, trotz wiederkehrender Skandale, weg schaut.<\/p>\n<h2>Doctolib f\u00fcr gef\u00fchlt jeden Skandal gut?<\/h2>\n<p>Mir ist die Plattform vor allem durch Datenschutzverst\u00f6\u00dfe und Kritik von Datensch\u00fctzern bekannt. Hier ein kleiner Abriss dessen, was mir so im Zusammenhang mit Doctolib untergekommen ist.<\/p>\n<ul>\n<li>Im Oktober 2018 beschwerten sich (laut Wikipedia) einige franz\u00f6sische \u00c4rztevertreter, weil die Namen einiger Kollegen angezeigt w\u00fcrden, obgleich diese Doctolib nicht mehr einsetzen w\u00fcrden. Patienten seien zu \u00c4rzten umgeleitet worden, die mit Doctolib arbeiteten.<\/li>\n<li>Ende Dezember 2020 wurde auf dem\u00a0Chaos Communication Congress\u00a0bekannt, dass bei Doctolib Daten\u00a0gehackt\u00a0worden seien. Es habe sich nicht um Patientendaten gehandelt, sondern um\u00a0Metadaten. Doch auch Name, Adresse und Fachrichtung einer Praxis sowie Patientenname, -alter und -geschlecht k\u00f6nnten missbr\u00e4uchlich verwendet werden.<\/li>\n<li>2021 erhielt das Unternehmen den Big Brother Award, weil es nach Ansicht des Vereins Digitalcourage die Vertraulichkeitspflicht missachte und Daten von Nutzern und Patienten aus Arztpraxen f\u00fcr Marketingzwecke nutze. Bis zum 21. Juni 2021 hat Doctolib Daten (z. B. Suchbegriffe) an Facebook und Outbrain weitergegeben. Nach bekannt werden teilte Doctolib mit, es habe alle Marketing-Cookies entfernt. Es unterstrich, dass keine Informationen zu gebuchten Terminen und keine Dokumente, Videokonsultationen oder andere medizinische Daten weitergegeben worden seien.<\/li>\n<li>Im Jahr 2023 ist mir der heise-Beitrag\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Irrefuehrendes-Zertifikat-Datenschuetzer-kritisieren-Arztterminservice-Doctolib-7521493.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Irref\u00fchrendes Zertifikat: Datensch\u00fctzer kritisieren Arztterminservice Doctolib<\/a> untergekommen, wo die Plattform irref\u00fchrend mit einem Datenschutznachweis der \"Zertifizierungsstelle BSI\" gworben hatte.<\/li>\n<li>Im M\u00e4rz 2025 bin ich im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/03\/03\/doctolib-will-patientendaten-fuer-ki-training-nutzen\/\" rel=\"bookmark\">Doctolib will Patientendaten f\u00fcr KI-Training nutzen<\/a>, auf den, in meinen Augen, n\u00e4chsten Fail eingegangen. Die Plattform will Patientendaten, die die Leute freiwillig eingetragen haben, f\u00fcr KI-Training nutzen.\u00a0 Dazu hatte Doctolib seine <a href=\"https:\/\/media.doctolib.com\/image\/upload\/v1736271714\/legal\/B2C-PrivacyPolicy-JAN-25-DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzhinweise<\/a> angepasst, um anonymisierte Patientendaten zum Trainieren von KI-Modellen zu verwenden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum letztgenannten Punkt: Die AI-Modelle sollen unter anderem bei der Auswertung von Video-Sprechstunden und der Erstellung von Arztbriefen helfen. Sprich: Das geh\u00f6rt nicht zum Kerngesch\u00e4ft dessen, was Doctolib als Plattform zur Terminvereinbarung anbietet. Oder mit anderen Worten: Die Daten der Patienten und Patientinnen, die Doctolib vorh\u00e4lt, sollen zu Geld gemacht werden, indem man KI-Modelle f\u00fcr andere Anbieter oder eventuell eigene Angebote trainiert.<\/p>\n<p>Der Ratschlag von Datensch\u00fctzern lautete damals, dass Nutzer und Nutzerinnen m\u00f6glichst wenig Daten mit Doctolib teilen und der Nutzung durch KI widersprechen sollten. Im April 2025 hatte heise in <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Verbraucherschuetzer-kritisieren-Doctolib-und-Jameda-als-nicht-nutzerfreundlich-10360996.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> die Kritik der Verbrauchersch\u00fctzer aufgegriffen, dass Plattformen wie Jameda oder Doctolib nicht verbraucherfreundlich seien.<\/p>\n<p>Aber harter Fakt ist auch, dass man bei vielen \u00c4rzten nicht mehr an Doctolib vorbei kommt, weil das die einzige M\u00f6glichkeit zur Terminvereinbarung ist. Ich hatte im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/11\/13\/open-reception-open-source-terminbuchungssystem-fuer-aerzte\/\" rel=\"bookmark\">Open Reception: Open Source Terminbuchungssystem f\u00fcr \u00c4rzte<\/a> zwar \u00fcber einen alternativen Ansatz berichtet. Aber das kommt zu sp\u00e4t und wenn die \u00c4rzten nicht mitziehen, wird das nichts.<\/p>\n<blockquote><p>Im Dezember 2025 hatte mich ein Blog-Leser auf den Artikel\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gelbe-liste.de\/allgemeinmedizin\/doctolib-startet-neue-ki-praxissoftware-deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Doctolib f\u00fchrt KI-gest\u00fctzte Praxissoftware ein<\/a> der gelben Liste Deutschlands hingewiesen, wo die Pl\u00e4ne konkret beschrieben werden. Doctolib hat eine neue Praxisverwaltungssoftware (PVS) vorgestellt, die zentrale Abl\u00e4ufe in Arztpraxen mithilfe k\u00fcnstlicher Intelligenz automatisieren soll.<\/p>\n<p>Und nun braucht es vermutlich nicht viel Phantasie, sich auszumalen, was passiert, wenn der Digitale Omnibus der EU-Kommission (siehe <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/11\/20\/eu-digital-omnibus-revision-der-gdpr-weniger-ai-regulierung\/\">EU: Digital Omnibus \u2013 Revision der GDPR, weniger AI-Regulierung<\/a>) durchkommt und die DSGVO aufweicht, so dass Unternehmen pers\u00f6nliche Daten auf Grund \"von berechtigtem Interesse\" ohne Zustimmung des Benutzer verarbeiten d\u00fcrfen.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Urteil des LG-Berlin wegen Irref\u00fchrung<\/h2>\n<p>Langer Vorrede, kurzer Sinn: Die &#8211; zumindest in meinen Augen &#8211; n\u00e4chste Problematik in diesem Bereich ist durch ein Urteil des Landgerichts Berlin \u00f6ffentlich geworden.<\/p>\n<h3>Filter bei der Arztsuche \"schummelt\"<\/h3>\n<p>Suchen Patienten und Patientinnen nach einem Arzt oder \u00c4rztin etc. k\u00f6nnen sie Filter zur Vorauswahl setzen. Aber trotz Filtereinstellung \"Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen\" tauchen in den Suchergebissen auch Arzttermine f\u00fcr Selbstzahler und Selbstzahlerinnen auf.<\/p>\n<p>Sprich: Wer auf dem Buchungsportal Doctolib per Filtereinstellung gezielt nach einem Arzttermin f\u00fcr gesetzlich Versicherte sucht, bekommt auch Termine von Privatpraxen angeboten, die Kassenpatienten und -patientinnen nur als Selbstzahler akzeptieren.<\/p>\n<p>Das ist wohl ein Angebot, mit dem Anbieter medizinischer Leistungen sich ihre Kasse aufbessern, indem gesetzlich Versicherten gegen Selbstzahlung schneller Termine versprochen werden &#8211; ein seit Jahren bestehendes \u00c4rgernis, welches von Doctolib zielgenau auf seiner Plattform als \"Leistung\" implementiert wurde &#8211; man denkt im Sinne seiner Kunden. Transparent ist das nicht und man agiert zumindest im Graubereich &#8211; so meine Meinung.<\/p>\n<h3>Klage der Verbrauchersch\u00fctzer erfolgreich<\/h3>\n<p>Die Bundesvereinigung der Verbraucherzentrale hatte gegen diese Implementierung der Arztsuche auf der Plattform Klage vor dem Landgericht Berlin gegen das Buchungsportal Doctolib eingereicht. Das Landgericht Berlin hat in seinem aktuellen Urteil die Auflistung von Selbstzahlerterminen bei anders lautender Filtereinstellung (z.B. nur gesetzlich Versicherte) als irref\u00fchrend eingestuft, wie die Bundesvereinigung der Verbraucherzentrale zum 15. Januar 2026 <a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/urteile\/arzttermine-doctolib-wegen-irrefuehrung-von-gesetzlich-versicherten-verurteilt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier mitteilte<\/a>.<\/p>\n<p>\"Wer speziell nach Terminen f\u00fcr gesetzlich Versicherte sucht, erwartet zurecht, dass nur Praxen vorgeschlagen werden, die \u00fcber die Krankenkasse abrechnen und vom Patienten kein Geld verlangen\", sagt Susanne Einsiedler, Rechtsreferentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. \"Bei Doctolib passiert das Gegenteil: Die ersten Treffer der Suche entpuppen sich oft als Termine nur f\u00fcr Privatpatienten und Selbstzahler. Angezeigt wird das erst kurz vor der Buchung, nachdem Arzt und Termin bereits ausgew\u00e4hlt wurden.\"<\/p>\n<p>Das riecht nach Methode und wird f\u00fcr Patienten und Patientinnen teuer. Wenn sie einen solchen Termin wahrnehmen, schl\u00e4gt das durchaus mit 200 Euro zu Buche. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass es auf der Plattform das Auswahlkriterium \"\u20ac Gesetzlich\" f\u00fcr die Arztsuche auf Doctolib gebe. Dieses Filterkriterium wird mit dem Hinweis: \"Versicherungsart. Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen\" beschrieben.<\/p>\n<p>Nach Auswahl des Filters enthalten die Suchergebnisse jedoch auch Termine von Privatpraxen, die Kassenpatienten nur annehmen, wenn sie die Behandlung selbst bezahlen. Dar\u00fcber wurden die Nutzer und Nutzerinnen auf dem Buchungsportal jeweils erst nach Auswahl des Termins \u00fcber ein Pop-up-Fenster informiert.<\/p>\n<p>In einem von der Verbraucherzentrale dokumentierten Fall hie\u00df es darin zum Beispiel: \"Wir sind eine Privatpraxis, gesetzlich versicherte Patienten k\u00f6nnen NUR! als Selbstzahler zu uns in die Praxis kommen. Das bedeutet, dass Sie die Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet bekommen und die Kosten selbst tragen m\u00fcssen. Bitten bringen Sie als Selbstzahler in Vorkasse 200 \u20ac bar mit.\"<\/p>\n<p>Das Landgericht Berlin schloss sich der Auffassung der Verbrauchersch\u00fctzer an, dass die strittige Filterfunktion auf Doctolib irref\u00fchrend ist. Der Einsatz des Filters wecke die Erwartung, dass sich die Terminsuche auf \u00c4rzte beschr\u00e4nkt, die Patienten und Patientinnen zu Konditionen der gesetzlichen Krankenversicherungen behandeln und keine privaten Vorauszahlungen verlangen. Diese Erwartung werde entt\u00e4uscht, da auch Termine von Privatpraxen vorgeschlagen werden, die nur Selbstzahler akzeptieren.<\/p>\n<p>Der Warnhinweis vor der Terminbuchung kommt nach Auffassung der Richter zu sp\u00e4t, zitiert die Verbraucherzentrale aus dem Urteil. Denn der Patient sei bereits dazu verleitet worden, sich einen konkreten Terminvorschlag bei einer Privatpraxis \u00fcberhaupt anzusehen. Dadurch sei es m\u00f6glich, dass Verbraucher und Verbraucherinnen den Privattermin w\u00e4hlen und die damit verbundenen Nachteile in Kauf nehmen, um den Suchvorgang nicht erneut starten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Urteil des LG Berlin II vom 18.11.2025, Az. 52 O 149\/25 ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig,\u00a0 denn Doctolib hat Berufung beim Kammergericht Berlin eingelegt &#8211; was nat\u00fcrlich deren gutes Recht ist.<\/p>\n<h2>Terminportale f\u00fcr \u00c4rzte immer wieder mit M\u00e4ngeln<\/h2>\n<p>Die Verbraucherzentrale schreibt zwar, dass kommerzielle Online-Terminvermittler eine effiziente und komfortable Buchung von Arztterminen sein k\u00f6nnen. Praxen, Therapeuten und Patienten k\u00f6nnten so\u00a0im dysfunktionalen Terminmanagement des deutschen Gesundheitssystems von diesen Plattformen profitieren.<\/p>\n<p>Allerdings zeigen Marktchecks des Verbraucherzentrale Bundesverbands, dass Verbraucher und Verbraucherinnen dort immer wieder auf schwerwiegende Probleme sto\u00dfen. So w\u00fcrden zum Beispiel immer wieder Arzttermine angezeigt, die nicht verf\u00fcgbar, nicht passend oder kostenpflichtig sind. Alles in allem eine ungute Entwicklung, aber die Politik reagiert nicht.<\/p>\n<p>Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD zwar angek\u00fcndigt, die Wartezeit auf Arzttermine zu verringern und Versorgungswege, insbesondere den Facharzt-Zugang, neu zu strukturieren. Aber passiert ist bis heute nichts.<\/p>\n<h2>Mindeststandards gefordert<\/h2>\n<p>Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands sind verbraucherfreundliche Mindeststandards f\u00fcr kommerzielle Arztterminportale notwendig. Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Terminvergabe muss diskriminierungsfrei erfolgen und darf keine Patientengruppe schlechter stellen.<\/li>\n<li>Privatsprechstunden und Selbstzahlertermine m\u00fcssen eindeutig als solche gekennzeichnet werden und d\u00fcrfen gesetzlich Versicherten nur angezeigt werden, wenn sie das explizit w\u00fcnschen.<\/li>\n<li>Die Terminbuchung vor Ort und per Telefon muss erhalten bleiben. Die Nutzung kommerzieller Dienste darf nicht zur Voraussetzung f\u00fcr eine \u00e4rztliche Behandlung werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Forderungen kann man nur unterschreiben und nicht laut genug \u00f6ffentlich machen. Bisher konnte ich es vermeiden, Doctolib nutzen zu m\u00fcssen, entweder, weil meine \u00c4rzte noch telefonische Terminvereinbarungen akzeptierten, die 116 117 weiter half, oder ich in der Praxis direkt vor Ort meinen Termin vereinbart habe. Aber es ist aufw\u00e4ndig und nervend f\u00fcr die Leute, und eine vern\u00fcnftige Regulierung, die Ausw\u00fcchse und Tricks verhindert, tut bitter n\u00f6tig.<\/p>\n<h2>Der Fail in Deutschland; Chance vertan?<\/h2>\n<p>Allerdings hege ich Zweifel, dass politisch was kommt &#8211; und ich sehe auch nicht, dass da von der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung was umgesetzt wird. Was mir auch noch durch den Kopf ging: Wir leisten uns gerade ein \"elektronischen Gesundheitswesen\" mit elektronischer Patientenakte, eRezept, Telematik Infrastruktur (TI) und eine als \"Kommunikation im Medizinwesen\" (KIM) bezeichnete Struktur, alles unter dem Dach der Gematik. Da wurden von den Kassen der gesetzlich Versicherten Milliarden rein gepumpt. Jede Praxis oder Stelle, die medizinische Dienstleistungen f\u00fcr gesetzlich Versicherte in Deutschland erbringt, muss an diese Telematik Infrastruktur (TI) angebunden sein.<\/p>\n<p>Seit dem 1.1.2026 m\u00fcssen Arztpraxen das verpflichtend nutzen, und jedes Praxisverwaltungssystem ist an die TI angebunden. Aber niemand ist auf die Idee gekommen, dort eine Terminvereinbarung f\u00fcr gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten zu implementieren. Das w\u00e4re wenigstens ein Vorteil, der f\u00fcr die Leute sofort greifbar w\u00e4re. Aber vermutlich wurde politisch entschieden, dass dies ein Eingriff in den Markt war und man Anbietern wie Dotcolib das Feld \u00fcberl\u00e4sst &#8211; was dann, zumindest nach obigem Abriss, auf dem R\u00fccken der Patientinnen oder Patienten ausgetragen wird.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/03\/03\/doctolib-will-patientendaten-fuer-ki-training-nutzen\/\" rel=\"bookmark\">Doctolib will Patientendaten f\u00fcr KI-Training nutzen<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2021\/06\/23\/datengrab-doctolib-reicht-deine-daten-an-facebook-und-outbrain-weiter\/\" rel=\"bookmark\">Datenpetze: Doctolib reicht deine Daten an Facebook und Outbrain weiter<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2025\/11\/13\/open-reception-open-source-terminbuchungssystem-fuer-aerzte\/\" rel=\"bookmark\">Open Reception: Open Source Terminbuchungssystem f\u00fcr \u00c4rzte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Dienstleister Doctolib hat sich im Bereich Terminvergabe f\u00fcr \u00c4rzte breit eingenistet, offenbar \u00fcberzeugt das Angebot die Praxen. 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