{"id":325322,"date":"2026-05-24T00:02:26","date_gmt":"2026-05-23T22:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=325322"},"modified":"2026-05-23T11:04:13","modified_gmt":"2026-05-23T09:04:13","slug":"microsofts-gescheiterte-fehlende-gui-strategie-fuer-windows","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2026\/05\/24\/microsofts-gescheiterte-fehlende-gui-strategie-fuer-windows\/","title":{"rendered":"Microsofts gescheiterte \/ fehlende GUI-Strategie f\u00fcr Windows"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline; float: left;\" title=\"Windows\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Windows-klein.jpg\" alt=\"Windows\" width=\"200\" align=\"left\" \/>Heute noch ein Thema, welches sich mit der gescheiterten GUI-Strategie von Windows \u00fcber die letzten Jahrzehnte befasst &#8211; wobei ich konstatiere, dass Redmond da nichts in Bezug auf GUI-Strategie hat. Ein Insider hat vor einiger Zeit aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen geplaudert. Ich habe zudem ein wenig aus eigenem Erleben beigetragen. Hier ein kleiner Abriss.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Inneneinsichten: Microsofts Windows GUI-Strategie<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/ad6b5d3608d946dea8e59eb6e051ffd1\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Getriggert wurde der Artikel hier durch den Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/www.jsnover.com\/blog\/2026\/03\/13\/microsoft-hasnt-had-a-coherent-gui-strategy-since-petzold\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Microsoft Hasn't Had a Coherent GUI Strategy Since Petzold<\/a> von Ex Microsoft Mitarbeiter Jeffry Snover. Snover ist heute im Ruhestand, stie\u00df aber 1999 als Bereichsarchitekt zu Microsoft und war im Gesch\u00e4ftsbereich \"Management and Services\" t\u00e4tig. Dort war er f\u00fcr die technische Ausrichtung der Managementtechnologien und -produkte von Microsoft verantwortlich.<\/p>\n<h3>Petzold mit klarer Vision und Strategie<\/h3>\n<p>Snover skizziert in seinem Blog-Beitrag die Irrungen und Wirrungen der Microsoft Windows GUI \u00fcber die letzten Jahrzehnte. Er startet mit Charles Petzold, der 1988 sein Werk \"<em>Programming Windows<\/em><em>\" <\/em>ver\u00f6ffentlicht hat. Hier einige Zitate:<\/p>\n<ul>\n<li>[Am Anfang war] Die Win16-API in C. Und trotz ihres Umfangs stellte sie etwas Bemerkenswertes dar: eine einzige, schl\u00fcssige und ma\u00dfgebliche Antwort auf die Frage, wie man eine Windows-Anwendung schreibt. In der Branche nennen wir das eine \u201eStrategie\".<\/li>\n<li>Das darauf folgende Win32 war umfangreicher, aber immer noch koh\u00e4rent. Nachrichten-Loops; Fensterprozeduren; GDI. Das mentale Modell war ein bisschen schr\u00e4g, aber es war ein einziges mentales Modell.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Snover fasst es so zusammen: \"Petzold erkl\u00e4rte es [Die Windows GUI-Programmierung]. Es war das Fundament von Windows. Einfach, Leistungsstark, man lernte es, man nutzte es. Man war erfolgreich. Klarheit ist dein Freund! Ein Betriebssystem, eine API, eine Sprache, ein Buch.\"\u00a0Und noch ein Insight aus den fr\u00fchen Windows-Tagen liefert Snover: Es gab kein Komitee, das \u00fcber Alternativen f\u00fcr Managed Code debattierte. Es gab nur Win32 und Petzold, und es funktionierte.<\/p>\n<h3>Der Absturz im Chaos<\/h3>\n<p>Dann skizziert Snover, wie die \"B\u00fcrokratie\" und ein krudes Management bei Microsoft den Ansatz von Petzold gekillt haben. neowin.net, \u00fcber deren <a href=\"https:\/\/www.neowin.net\/news\/former-microsoft-executive-explains-why-windows-gui-strategy-is-such-a-mess\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel hier<\/a> ich auf den Beitrag von Snover gesto\u00dfen bin, fasst es etwas zusammen.<\/p>\n<p>In den 1990er Jahren versuchte Microsoft dann, die Einschr\u00e4nkungen von Win32 mit MFC, COM, OLE und ActiveX zu umgehen. War zwar kein GUI, aber die Komponentenarchitekturen durchdrangen laut Snover jeden Winkel der Windows-Entwicklung mit steigender Komplexit\u00e4t. Der von Snover als Clusterfu*k (deutsch: riesen Schlamassel) bezeichnete \"Abstieg\" begann. Der Insider schreibt von \"Objekt-orientiertem Fiebertraum\" von 1992\u20132000.<\/p>\n<p>Im Jahr 2003 pr\u00e4sentierte Microsoft Windows Longhorn, mit Avalon (sp\u00e4ter bekannt als WPF) als GUI-Technologie. Avalon baute auf dem GPU-beschleunigten, vektorbasierten UI-Subsystem XAML auf.<\/p>\n<p>Im August 2004 gab es von Microsoft die neueste interne Vorgabe, f\u00fcr alle neuen Entwicklungen C++ zu verwenden. Windows Presentation Foundation (WPF) sollte zwar mit Windows Vista ausgeliefert werden, doch die Shell selbst sollte es nicht nutzen. Es gab dann Zoff zwischen dem .NET-Team und dem Windows-Entwicklerteam, und das Verh\u00e4ltnis sollte sich nicht mehr erholen.<\/p>\n<p>WPF wurde zwar Ende 2006 intern fertig und h\u00e4tte Potential gehabt, so Snover. Stattdessen kam der feuchte Traum von Silverlight als Technologie auf, der von 2007 an bis 2010 seine Urst\u00e4nde feierte. Am Ende des Tages starb Silverlight als Technologie (und Flash-Killer), w\u00e4hrend WPF zwar blieb, aber verwaiste.<\/p>\n<p>Danach kam die Universal Windows Platform (UWP) heraus, die seinerzeit schon bei ihrer Einf\u00fchrung zum Scheitern verurteilt war. HTML 5 war ist nun der Standard, nur hat man dem Silverlight-Team das nicht mitgeteilt. Hier im Blog hatte ich 2015 <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2015\/07\/04\/silverlight-am-ende-edge-untersttzt-es-nicht\/\" rel=\"bookmark\">Silverlight am Ende? Edge unterst\u00fctzt es nicht!<\/a> und\u00a0<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2019\/01\/16\/update-kb4481252-fr-silverlight\/\" rel=\"bookmark\">Update KB4481252 f\u00fcr Silverlight (15.1.2019)<\/a> letztmalig was zu dieser \"Krankheit\" geschrieben.<\/p>\n<p>Aber Microsoft w\u00e4re nicht Microsoft, wenn sich die Konfusion nicht noch toppen lie\u00df. 2012 kam es zu Windows 8.x Metro-Entwicklung, was Snover als \"Metro-Panik und der Krieg der Teams\" bezeichnet. Apple hatte 200 Millionen iPhones verkauft und das iPad grub den PCs das Wasser ab. Microsoft kam schwungvoll mit Windows 8 und Metro, um \"den Markt zu \u00fcbernehmen\" und fiel bekanntlich auf die Nase.<\/p>\n<p>Snover berichte, dass sich intern zwei Teams (.NET und Windows-Entwicklung) bekriegten.\u00a0Spannend die Insides von Snover. Windows 8.x hatte\u00a0eine touch-orientierte Laufzeitumgebung namens WinRT, die bewusst nicht auf .NET aufbaute. Er erinnert an die oben erw\u00e4hnte Verbitterung des Windows-Teams. WinRT war eine native C++-Laufzeitumgebung, ein klarer Bruch mit WPF, WinForms und einem Jahrzehnt Entwicklerinvestitionen in .NET, so Snover.<\/p>\n<p>Das Windows-Team entwickelte WinRT. Das .NET-Team warb weiterhin f\u00fcr WPF. Verschiedene Geb\u00e4ude, verschiedene Vice Presidents, verschiedene Roadmaps , schreibt Snover (erinnert mich an meinen letzten Arbeitgeber bis 1993).<\/p>\n<p>Windows 10 brachte 2015 dann die Universal Windows Platform (UWP) mit dem Versprechen: Einmal Anwendungen als App schreiben, und auf PC, Smartphone, Xbox und HoloLens ausf\u00fchren. Problem: Windows Phone ist tot, Office, Visual Studio und die Windows-Shell nutzten UWP nicht. So 2021 gab es das Projekt Reunion \/ WinUI 3 mit dem Versuch, das Ganze irgendwie noch hinter einen Zaun zu kriegen. Project Reunion sei eine organisatorische Notl\u00f6sung, die als technische L\u00f6sung getarnt war, schreibt Snover.<\/p>\n<p>Snover fasst das Schlamassel bei Windows mit der Aussage eines Entwicklers aus dem Jahr 2024 zusammen: \"Ich habe die st\u00e4ndigen Ver\u00e4nderungen bei Microsoft verfolgt: UAP, UWP, C++\/CX, ersetzt durch C++\/WinRT ohne Tool-Unterst\u00fctzung, XAML Islands, XAML Direct, Project Reunion, der Neustart von WinAppSDK, der chaotische Wechsel zwischen WinUI 2.0 und 3.0 \u2026\" Und zieht das Fazit: Vierzehn Jahre. Vierzehn Kurswechsel.<\/p>\n<h2>Mein eigener Blick auf das Ganze<\/h2>\n<p>So als schlichteres Gem\u00fct mit Null Ahnung, aber viel Meinung, habe ich das Ganze eher aus der Ferne beobachtet. Ich habe gestaunt, wie die \"Fachkollegen\" mit Begriffen wie Avalon, Metro, WPF etc. um sich warfen und das scheinbar nicht nur verstanden, sondern auch zitiersicher beherrscht. So als schlichtes Gem\u00fct habe ich auf der Basta 2005 oder 2006 letztmalig so etwas \"Ok, Du hast verstanden, wo die Genialit\u00e4t von WPF und XAML liegt, ist die Zukunft\"-Gef\u00fchl aufblitzen sehen, mich dann aber aber aus der Entwicklung verabschiedet.<\/p>\n<p>Meine Microsoft-Insights passierten fr\u00fcher und viel schn\u00f6der, denn ich war \"Outsider\", der von drau\u00dfen auf den Zirkus blickte. Als ich 1993 als Schreiberling in die Selbst\u00e4ndigkeit startete, gab es Windows 2.x und bald 3.x. Und dort gab es &#8211; aus meiner Sicht &#8211; den Versuch, dass Aussehen der Windows-Fenster, der Men\u00fcs und der GUI so zu vereinheitlichen, dass ein Anwender die gleiche Handhabung zwischen unterschiedlichen Anwendungen wiedererkennen konnte.<\/p>\n<p>Dann kam 1995, und Microsoft brachte Windows 95 auf den Markt. Bei Microsoft Press USA erschien \"Programming the Windows 95 user interface\" von Nancy Cluts. Zu dieser Zeit gab es von Microsoft Press Deutschland einen Anruf, der in meinem B\u00fcro auflief: \"Born, wir wollen den Cluts-Titel auf Deutsch \u00fcbersetzen, \u00fcbernehmen sie das?\".\u00a0 Die \u00dcbersetzung des Buches war f\u00fcr mich ein Augen\u00f6ffner &#8211; da gab es ganz klare Vorgaben, was auf der Benutzeroberfl\u00e4che von Windows f\u00fcr Elemente verwendet werden, wie diese auszusehen und anzuwenden w\u00e4ren und wie Men\u00fcs etc. zu gestalten seien.<\/p>\n<p>Meine Erinnerung an dieses Buch: \"Wow, da haben die bei Microsoft den Stein der Weisen gefunden, wenn die das durchhalten, rollen die den Markt gnadenlos auf\". Dazu muss ich sagen, dass ich in dieser Zeit auch ein Buchmanuskript eines Autorenkollegen zu IBMs OS\/2 (OS-Halbe) als Herausgeber betreute. Ich rief den Kollegen mitten in der Lekt\u00fcre des Manuskripts an und fragte \"was hast Du dir da zusammen geschrieben?\", und der meinte nur \"das ist O-Ton IBM, bei OS\/2 ist das so\".<\/p>\n<blockquote><p>Schwank am Rande, ist inzwischen \"verj\u00e4hrt\": Kurz nach der \u00dcbersetzung des Nancy Cluts-Titels kam den n\u00e4chste Anruf aus M\u00fcnchen: \"Born, wir wollen den neuen Petzold \u00fcbersetzen, sind Sie dabei? Aber Sie sind Projektverantwortlicher, in sechs Wochen ist das Manuskript von 1.000 something Seiten fertig \u00fcbersetzt bei uns.\" Ich habe mir einen halben Tag Bedenkzeit erbeten, zwei Anrufe get\u00e4tigt und hatte ein Team von \"drei Musketiere\" zusammen, von denen jeder 300+ Seiten \u00fcbersetzen sollte (gab da noch kein Deepl oder ChaptGPT, und Microsoft hat noch richtige B\u00fccher gemacht).<\/p>\n<p>Wurde mein Waterloo, denn am Ende des Tages habe ich den Petzold alleine \u00fcbersetzen m\u00fcssen &#8211; teilweise rund um die Uhr. Ja, ich habe die die 1.000+ Seiten abgerissen und die Termine gehalten. Der Petzold lag in deutscher \u00dcbersetzung zum Wunschtermin in den Buchhandlungen. Aber die \u00dcbersetzung war nicht wirklich richtig gut &#8211; mit mehr Zeit h\u00e4tte ich die mir zugedachten 300 Seiten durchpfl\u00fcgen und in deutschem Kontext \"ausliefern\" k\u00f6nnen. So musste ich das englische Manuskript durchhecheln im Kopf \u00fcbersetzen und den deutschen Text tippen, bis die Finger wund waren. Da bleibt dir keine Zeit f\u00fcr tiefergehende \u00dcberlegungen, was man besser machen kann. Ist so in etwa der Kontext, unter dem ich die Entwicklung von 1993 bis heute bei Windows verfolgt habe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es h\u00e4tte mit Microsoft genial werden k\u00f6nnen. Die hatten gut vorgelegt, und 1998 gab es sogar ein Buch von mir zur Registrierung von Windows 1998 direkt in Englisch geschrieben und bei Microsoft Press USA erschienen. Teile wurden sp\u00e4ter in das offizielle \"Microsoft Windows 98 Ressource-Kit\" \u00fcbernommen. Mein Registry-Titel zu Windows 98 muss palettenweise zu den Windows-Entwickler gekarrt worden sein, erz\u00e4hlte mir der US-Lektor seinerzeit. Es h\u00e4tte steil gehen k\u00f6nnen. H\u00e4tte, h\u00e4tte Fahrradkette &#8230;<\/p>\n<p>Und damit kommen wir wieder mit Snover und dessen Insides weiter oben zusammen. So 2000 erlebte ich mit Microsoft Press USA mein Waterloo, als ich was zu Windows Script Host verfassen sollte. Es war die Zeit, als eine US-Kartell-Untersuchung eigentlich zur Zerschlagung Microsoft h\u00e4tte f\u00fchren sollen. Hintergrund war der Vorwurf, dass Microsoft seine Monopolstellung ausnutzt, um den internen Windows- und Office-Entwicklern einen Insider-Vorsprung bei der Produktentwicklung zu verschaffen und externe Entwickler auszubremsen.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrte zur ber\u00fchmten \"Chinese Wall\", die intern bei Microsoft organisatorisch zwischen Gesch\u00e4ftsbereichen und Teams eingezogen wurde. Ich hatte in dieser Zeit alle 6 Wochen einen anderen Lektor als Ansprechpartner bei Microsoft Press USA, und die Projekte scheiterten (\u00fcber 1.000 Seiten englisches Manuskript in den Sand gesetzt). Nat\u00fcrlich ging es auch bei den Windows Entwicklern ebenfalls drunter und dr\u00fcber, was m\u00f6glicherweise sp\u00e4ter auf die Longhorn-Entwicklung durchschlug.<\/p>\n<p>Das 9\/11-Ereignis 2001 und die Paranoia der US-Homeland-Security gab dann f\u00fcr mich den Ausschlag, alle Verbindungen meinerseits mit Microsoft Press USA zu kappen. Seit dieser Zeit habe ich als sehr weit au\u00dfenstehender die Windows-Entwicklung f\u00fcr deutsche Verlage und Microsoft Press Deutschland begleitet. Windows 2000, Windows Millennium, Windows XP waren von der Benutzeroberfl\u00e4che das, was ich aus dem Titel von Nancy Cluts kannte und sch\u00e4tzen gelernt hatte. Selbst Windows Vista (2007) und Windows 7 (2009) bauten auf dieser Welt auf.<\/p>\n<p>Die \u00c4lteren unter den Blog-Lesern erinnerten sich aber noch an Windows Longhorn, Steve Ballmer und die Versprechen zu einem genialen neuen Windows-Betriebssystem, was dann nicht kam, und nach einem gro\u00dfen Reset als Windows Vista 2007 auf den Markt geworfen wurde. Zwei Jahre sp\u00e4ter schob Microsoft 2009 Windows 7 nach, was (neben Windows XP) in meinen Augen einen \"nicht tot zu kriegen\"-Status hatte.<\/p>\n<p>Und dann kamen 2012 Window 8 und Metro, die Kacheloberfl\u00e4che, die Metro-Apps und die Zeit, wo ich \"angeleint auf dem B\u00fcrostuhl in meinem B\u00fcro arbeiten musste\". Angeleint, um nicht der Versuchung zu erlegen, vor Verzweiflung aus dem Fenster zu springen, wenn ich mal wieder eine Windows 8-Beta-Version f\u00fcr irgend ein Buch auf dem Tisch bekam. Bei meinem B\u00fcro im 1. Stock w\u00e4re das mit etlichen Br\u00fcchen ausgegangen.<\/p>\n<p>Ok, ist jetzt spitz formuliert, aber ich bin fast verr\u00fcckt geworden. Unabh\u00e4ngig von der Kachelbedienung und der Touch-Oberfl\u00e4che in Windows 8, die erkennbar f\u00fcr Desktop-Rechner nicht funktionierten konnte, erkannte ich noch etwas anderes: Microsoft hatte Jahrzehnte an GUI-Entwicklung \u00fcber Bord geworden. Die Apps waren von der Bedienoberfl\u00e4che das reinste Chaos. Jeder Entwickler schnitzte sein eigenes Zeug.<\/p>\n<p>Ich habe adhoc keinen meiner damaligen Blog-Beitr\u00e4ge gefunden, wo ich \u00fcber den Verlust einer klaren Bedien-Vision f\u00fcr Metro-Apps geklagt habe. Ich erinnere mich aber, dass da der Gedanke war, dass Microsoft \"auf den Bauch f\u00e4llt\", weil Anwender sich mit den Metro-Apps nicht mehr zurecht finden. Jeder App-Entwickler bastelte sich seine eigene Bedienoberfl\u00e4che zurecht. Nur native Windows-Anwendungen hatten noch das Look-and-Feel von fr\u00fcher &#8211; aber die sollten ja nach dem Willen Microsofts verschwinden. Apps, Apps, Apps, gekauft im Windows Store, war das Credo.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit ist auch meine Begeisterung f\u00fcr Windows gekippt und es ist auch die Zeit, wo ich langsam aus dem Schreiben von Windows-B\u00fcchern ausgestiegen bin (weil der Kollaps absehbar war). Die Blog-Beitr\u00e4ge <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2012\/07\/24\/neues-zu-windows-8\/\" rel=\"bookmark\">Neues zu Windows 8<\/a> (2012), <a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2013\/08\/28\/windows-8-1-nicht-nur-entwickler-sind-angepisst\/\" rel=\"bookmark\">Windows 8.1: (nicht nur) Entwickler sind angepisst<\/a> (2013) und\u00a0<a href=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/2018\/04\/15\/windows-10-apps-knnen-pwas-es-reien\/\" rel=\"bookmark\">Windows 10 Apps: K\u00f6nnen PWAs es rei\u00dfen?<\/a> (2018) lassen die damalige \"Stimmung\" durchblitzen. Ich habe damals schon vor gewarnt, was uns heute auf dem F\u00fc\u00dfe f\u00e4llt: Cloud-Fokussierung, gesperrte Online-Konten, Software as a Service als Bananaware, die beim Kunden reift und \u00f6fters mal umgesto\u00dfen wird. Tja, wie es bis heute weiter gegangen ist, wei\u00df vermutlich jeder Leser selbst am besten.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht w\u00fcrde ich sagen, Microsoft hat \"keine Erz\u00e4hlung mehr, die die Kundenerwartungen trifft\". Ein WordStar, ein Multicalc, die sp\u00e4ter in Word, WordPerfect oder Lotos 1-2-3 m\u00fcndeten, brachten den Leuten einen Vorteil. Das waren Killer-Anwendungen, die ihren Weg auch ohne gro\u00dfes Marketing machten. Bis so Windows XP, max. Windows 7 sehe ich noch irgendwie, dass Microsoft sein Windows unter der Haube als Betriebssystem weiter entwickelte. Aber bereits damals war schon zu viel \"Eye Candy\" im Vordergrund. Und das Wissen der Anwender zur Bedienung wurde ab Windows 8 mit jeder Version \u00fcber den Haufen geworfen. Das konnte nicht gut gehen.<\/p>\n<p>Wenn ich sehe, wie wenig das Startmen\u00fc von Windows 11 heute noch verwendet wird &#8211; und wie das fr\u00fcher unter Windows 2000 bis Windows 7 war, l\u00e4sst sich die Fehlentwicklung erkennen Heute erkl\u00e4ren mir die Leute, dass sie die Suche verwenden oder Verkn\u00fcpfungen ablegen. Mache ich \u00fcbrigens bei Windows 10 auch so &#8211; nur bei Linux Mint arbeite ich noch mit dem Startmen\u00fc. Stattdessen meint Microsoft nun mit Gimmicks wie AI den Benutzer abholen zu m\u00fcssen und wirft Funktionen mit Windows auf den Markt, nach denen niemand gefragt hat. Eine absolute Fehlentwicklung in meinen Augen.<\/p>\n<p>Ist aber nur meine \"Au\u00dfensicht\", ohne die Insides von Snover.\u00a0Spannend fand ich, die Inneneinsichten von Snover mit dem abzugleichen, was ich als Au\u00dfenstehender so erlebt habe. Und da fiel beispielsweise die Geschichte mit der \"Chinese Wall\" mit zig Umorganisationen Microsofts ein. Dass wir deutschen Autoren und \u00dcbersetzer damals von der Nomenklaturgruppe in Redmond gefragt wurden, wie bestimmte GUI-Elemente oder Begriffe im deutschen Office oder Windows hei\u00dfen sollten, ist eine Fu\u00dfnote. Diese Welt gibt es nicht mehr &#8211; und die Nomenklaturgruppe ist l\u00e4ngst aufgel\u00f6st.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute noch ein Thema, welches sich mit der gescheiterten GUI-Strategie von Windows \u00fcber die letzten Jahrzehnte befasst &#8211; wobei ich konstatiere, dass Redmond da nichts in Bezug auf GUI-Strategie hat. 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