{"id":326104,"date":"2026-06-09T16:44:07","date_gmt":"2026-06-09T14:44:07","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/blog\/?p=326104"},"modified":"2026-06-09T16:45:12","modified_gmt":"2026-06-09T14:45:12","slug":"grossflaechige-gps-stoerung-in-europa-durch-satelliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.com\/blog\/2026\/06\/09\/grossflaechige-gps-stoerung-in-europa-durch-satelliten\/","title":{"rendered":"Gro\u00dffl\u00e4chige GPS-St\u00f6rung in Europa durch Satelliten?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Stop - Pixabay\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Stop01.jpg\" alt=\"Stop - Pixabay\" align=\"left\" \/>Seit Monaten kommt es zu gro\u00dffl\u00e4chigen St\u00f6rungen des von Flugzeugen, Schiffen etc. zur Navigation verwendeten GPS-Signals. Bisher wurde dies St\u00f6rsendern (GPS-Jammer) in der russischen Enklave Kaliningrad, sowie sowjetischen Schiffen auf der Ostsee zugeschrieben. Nun gibt es Anzeichen, dass die St\u00f6rungen von russischen Satelliten, die im Weltraum positioniert sind, ausgehen. Es stellt sich die Frage, ob dies eine neue Eskalation der elektronischen Kriegsf\u00fchrung darstellt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Bisherige GPS-St\u00f6rungen gro\u00dffl\u00e4chig aber lokal<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/275023fd58c84ecdae540d555ba8e36f\" alt=\"&quot;\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Sucht man nach \"GPS-St\u00f6rungen in Europa\", gibt es verschiedene Treffer in Medien.\u00a0Aktuelle GPS-St\u00f6rungen in Europa (bekannt als GPS-Jamming oder Spoofing) werden prim\u00e4r durch gro\u00dffl\u00e4chige St\u00f6rsignale verursacht, die bisher aus der russischen Exklave Kaliningrad und von Schiffen im baltischen Bereich der Ostsee gesendet wurden.<\/p>\n<p>Insbesondere der Ostseeraum, Polen, das Baltikum und Finnland sind davon stark betroffen. Experten und Regierungsvertreter (wie die EU-Au\u00dfenbeauftragte) werten die St\u00f6rsignale als hybride Kriegsf\u00fchrung Russlands. Bekannt ist, dass starke St\u00f6rsender GPS-Signale in einem Radius von bis zu \u2248 450 km st\u00f6ren oder verf\u00e4lschen k\u00f6nnen. Die Zivile Luft- und Schifffahrt, also Flugzeuge und Schiffe, ist am st\u00e4rksten betroffen. Dies f\u00fchrt im Cockpit oft zu fehlerhaften Gel\u00e4nde-Warnungen, woraufhin Fluggesellschaften bestimmte Warnsysteme im betroffenen Luftraum vor\u00fcbergehend deaktiviert haben.<\/p>\n<h2>Neue GPS-St\u00f6rung in gro\u00dfen Teilen Europas<\/h2>\n<p>Ich bin auf X \u00fcber aktuelle Tweets auf den Hinweis gesto\u00dfen, dass die GPS-St\u00f6rungen in den letzten Tagen eine neue Gr\u00f6\u00dfenordnung angenommen haben. Lukasz Olejnik, der sich mit Sicherheitsfragen befasst, weist in nachfolgendem Tweet auf diese Entwicklung hin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/xcancel.com\/lukOlejnik\/status\/2064223171008463041\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"GPS-St\u00f6rung in Europa\" src=\"https:\/\/borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/image-3.png\" alt=\"GPS-St\u00f6rung in Europa\" width=\"467\" height=\"724\" \/><\/a><\/p>\n<h3>Gro\u00dffl\u00e4chige Signalst\u00f6rungen festgestellt<\/h3>\n<p>Er schreibt, dass die GPS- und GNSS-St\u00f6rungen \u00fcber Europa sich zu etwas weitaus Schwerwiegenderem als lokale Ausf\u00e4lle zu entwickeln scheinen. Die St\u00f6rungen gehen weit \u00fcber zuf\u00e4llige Funkst\u00f6rungen oder klassische St\u00f6rsignale vom Boden aus hinaus. Die Vermutung: Ein Teil davon k\u00f6nnte mit aktiven elektromagnetischen Emissionen russischer Satelliten zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Experten, die die Daten der St\u00f6rungen von bodengest\u00fctzten GNSS-Stationen aus aufzeichneten und analysierten, stellten fest, dass kurze St\u00f6rimpulse gleichzeitig \u00fcber ein riesiges Gebiet hinweg auftraten. Das Gebiet reicht von Europa bis nach Gr\u00f6nland und Kanada. Dieses Ausma\u00df passt nicht zu einer lokalen Quelle am Boden. Es deutet auf ein Objekt hoch \u00fcber der Erde hin, dessen Geometrie erforderlich ist, um einen gro\u00dfen Teil des Kontinents abzudecken.<\/p>\n<p>Das Signal trat sehr nahe an GPS L1 auf, dem zentralen GPS-Band, das von Millionen ziviler Empf\u00e4nger genutzt wird. Sein Spitzenwert lag bei etwa 1577,5 MHz, w\u00e4hrend GPS L1 bei 1575,42 MHz liegt, mit einer Bandbreite von etwa 5 MHz. Die Daten zeigten zudem einen zweiten Impuls um 1558,5 MHz, in einem Band, das vom chinesischen BeiDou-System genutzt wird. In der Praxis verzeichneten Empf\u00e4nger gleichzeitige Einbu\u00dfen bei der Signalqualit\u00e4t bei GPS, Galileo und BeiDou, an einigen Orten um etwa 10 dB.<\/p>\n<h3>Verursacher ist wohl ein russischer Satellit<\/h3>\n<p>Verursacht wird diese St\u00f6rung von einem russischen Satelliten. Der entscheidende Hinweis auf den russischen Satelliten Cosmos 2546 ergab sich aus dem Vergleich der Ankunftszeit des Impulses an zwei Stationen. Die Forscher nutzten diese Zeitdifferenz, um eine quasi-hyperboloide Fl\u00e4che im Weltraum zu definieren, d.\u202fh. die Fl\u00e4che, auf der sich die Quelle der Emission befinden musste. Als sie diese Fl\u00e4che mit den Umlaufbahnen verd\u00e4chtiger Objekte verglichen, ergab sich die beste \u00dcbereinstimmung mit Kosmos 2546, einem russischen Fr\u00fchwarnsatelliten in einer Molniya-Umlaufbahn.<\/p>\n<h3>Implikationen, die sich daraus ergeben<\/h3>\n<p>Sollte sich diese Einsch\u00e4tzung best\u00e4tigen, handelt es sich nicht mehr nur um ein technisches Problem. Es werde dann zu einer Frage der nationalen Sicherheit, der Widerstandsf\u00e4higkeit der Infrastruktur und der Politik gegen\u00fcber Systemen, die f\u00fcr die Luftfahrt, die Schifffahrt, die Energieversorgung, die Telekommunikation, milit\u00e4rische Operationen und die pr\u00e4zise Zeitmessung von entscheidender Bedeutung sind.<\/p>\n<h2>Noch kein endg\u00fcltiger Beweis<\/h2>\n<p>In obigem Tweet hei\u00dft es, dass die Messungen nicht beweisen, dass jedes GPS-Problem in\u00a0 Europa von einem russischen Satelliten herr\u00fchrt. Das Ereignis zeige jedoch, dass \"eine F\u00e4higkeit\" vorhanden ist und wahrscheinlich getestet wurde. Die Schlussfolgerung: Wenn ein St\u00f6rimpuls, der heute in seiner Frequenz neben dem GPS-Band liegt, morgen direkt auf dieses oder auf ein anderes Navigationsband verlagert wird, ist das Ergebnis m\u00f6glicherweise nicht mehr nur eine kurzzeitige Verschlechterung der Signalqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte zu einer echten St\u00f6rung von Diensten kommen, die auf Ortung, Navigation und Zeitbestimmung angewiesen sind. Die sicherheitspolitische Schlussfolgerung f\u00fcr Europa ist einfach und unangenehm. Europa braucht eine kontinuierliche \u00dcberwachung der Funkfrequenzen, Backup-Quellen f\u00fcr Zeit und Ort sowie einen ernsthaften Umgang mit der weltraumgest\u00fctzten elektronischen Kriegsf\u00fchrung als aktuelle Bedrohung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tz23G_UXCGA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle auf YouTube<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/arxiv.org\/pdf\/2606.03673\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chasing Lightning: Detecting, Characterizing, and Identifying a Powerful Space-Based GNSS Interference Source<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/space\/2026\/06\/tests-suggest-russian-satellites-can-jam-gps-on-a-continental-scale\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf Arstechnica<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Monaten kommt es zu gro\u00dffl\u00e4chigen St\u00f6rungen des von Flugzeugen, Schiffen etc. zur Navigation verwendeten GPS-Signals. 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