SolarEdge und Infineon weiten ihre Zusammenarbeit auf einen Solid-State-Circuit-Breaker (SSCB) für 800-Volt-Gleichstromnetze in KI-Rechenzentren aus. Wie pv-magazine.de berichtete, liefert Infineon dafür seine SiC-JFET-Technologie in Form der CoolSiC-JFETs. Der Schalter soll einen fehlerhaften Zweig im Stromnetz innerhalb weniger Mikrosekunden trennen können, wie sowohl pv-magazine.de als auch elektronikpraxis.de berichteten.
Baustein einer größeren Plattform
Der SSCB baut laut pv-magazine.de auf der im November 2025 angekündigten SST-Plattform von SolarEdge auf. Diese wandelt Mittelspannung von 13,8 bis 34,5 kV direkt auf 800 bis 1.500 Volt Gleichspannung um und erreicht dabei einen Wirkungsgrad von über 99 Prozent.
Der neue Leistungsschalter ergänzt diese Architektur um einen Schutzmechanismus, der im Fehlerfall extrem schnell reagieren muss, da Gleichstromkreise anders als Wechselstromsysteme keinen natürlichen Nulldurchgang besitzen, an dem sich ein Lichtbogen von selbst löscht.
Warum Rechenzentren auf höhere Spannungen umsteigen
Der Hintergrund dieser Entwicklung liegt im wachsenden Strombedarf von KI-Rechenzentren. Nvidia treibt laut elektronikpraxis.de die Umstellung auf 800-Volt-Gleichstromarchitekturen voran, die ab 2027 Racks mit einer Leistung von 1 Megawatt und mehr versorgen sollen.
Der Grund liegt in der Physik: Bei 1 Megawatt Leistung fließen bei 54 Volt über 18 Kiloampere, bei 800 Volt dagegen nur noch 1,25 Kiloampere. Niedrigere Stromstärken bedeuten weniger Verluste und dünnere, leichtere Kabel.
Bereits im Mai 2025 hatte Nvidia laut einem Bericht seine Kyber-Rack-Architektur mit 800-Volt-Hochvolt-Gleichstrom vorgestellt, die das bisherige 480-Volt-Wechselstromsystem ersetzen soll. Nach Angaben aus der Nvidia-Dokumentation sinkt dadurch der Kupferkabelbedarf um 45 Prozent, während dieselben Leiter 85 Prozent mehr Leistung übertragen können.
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Die Einzelrack-Leistung steigt damit von bislang 100 Kilowatt auf Megawatt-Niveau. Im Oktober 2025 veröffentlichte Nvidia zudem auf dem OCP-Gipfel ein Whitepaper zur 800-Volt-Gleichstromtechnik, wie solarbe.com berichtete.
Auch das Open Compute Project treibt die Standardisierung voran: Gemeinsam mit Microsoft, Google und Nvidia veröffentlichte das Konsortium das LVDC-Whitepaper Version 1.0 sowie die Solid-State-Transformer-Spezifikation Version 0.3. Laut 21ic.com arbeiten mittlerweile über 80 Partner an kompatibler 800-Volt-Infrastruktur.
Effizienzgewinne im Detail
Der Umstieg auf Gleichstromarchitekturen verspricht laut einem Bericht von rwkt.cn spürbare Effizienzsprünge. Während klassische Wechselstrom-USV-Systeme mit der Kette aus Transformator, USV-Gleichrichter, USV-Wechselrichter und Server-Netzteil auf 88 bis 91 Prozent Gesamtwirkungsgrad kommen, erreichen 800-Volt-HVDC-Systeme mit direkter Gleichrichtung und Verteilung 93 bis 95 Prozent.
Bei einer IT-Last von 1 Megawatt und einem Effizienzunterschied von 92 zu 95 Prozent ergibt sich demnach eine Differenz von rund 34 Kilowatt Eingangsleistung, was sich auf beinahe 300.000 Kilowattstunden pro Jahr summiert.
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Bei einem 40-Kilowatt-Rack zieht die Stromversorgung bei herkömmlichem 380-Volt-Drehstrom rund 64 Ampere, bei 400 Volt Gleichstrom 100 Ampere und bei 800 Volt Gleichstrom nur noch 50 Ampere.
Wettbewerbsumfeld
SolarEdge und Infineon sind nicht die einzigen Akteure in diesem Feld. Der chinesische Hersteller Sungrow stellte in Hefei seine eigene 800-Volt-HVDC-Architektur mit der Bezeichnung EnerNeo-SST vor, die eine Systemeffizienz von 98,5 Prozent und eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent erreichen soll.
Marktanalysten gehen laut einem Bericht von cnyes.com davon aus, dass die Auslieferung von Systemen mit ±400 Volt bereits im dritten Quartal 2026 beginnt, während 800-Volt-Systeme im vierten Quartal 2026 zunächst in kleinen Mengen und ab 2027 im vollen Umfang auf den Markt kommen. Der Hersteller Delta Electronics hält demnach derzeit einen Marktanteil von rund 65 bis 70 Prozent bei Netzteilen für KI-Server.
Getrieben wird die gesamte Entwicklung vom rasant steigenden Energiebedarf der Rechenzentrumsbranche. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wuchs der globale Stromverbrauch von Rechenzentren zuletzt um 17 Prozent, bei KI-Kernanlagen sogar um 50 Prozent. Bis 2030 soll sich der Verbrauch auf rund 950 Terawattstunden nahezu verdoppeln.

