Abhol-Betrug: Kriminelle holen Bankkarten jetzt persönlich ab

Eine gefährliche Kombination aus Telefonbetrug und persönlichem Diebstahl breitet sich aus. Täter geben sich als Bankmitarbeiter aus und lassen sich Karten samt PIN von einem Kurier an der Haustür aushändigen.

Eine gefährliche Mischung aus Telefonbetrug und persönlichem Diebstahl breitet sich in Deutschland aus. Polizei und Banken warnen eindringlich vor der neuen Masche, bei der Betrüger als Bankmitarbeiter auftreten und Zahlungskarten direkt an der Haustür abholen.

Vom Telefon direkt an die Haustür

Die sogenannte „Abhol-Betrug“-Welle markiert eine gefährliche Eskalation. Die Täter setzen auf „Vishing“ – Voice Phishing per Telefon. Mit „Call ID Spoofing“ erscheint ihre Nummer als die einer echten Bankfiliale oder sogar der Polizei-Notruf 110.

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Der Ablauf ist perfide: Am Telefon behaupten die Anrufer, das Konto des Opfers sei durch „unbefugte Lastschriften“ oder „Sicherheitslücken“ kompromittiert. Zur Lösung des fingierten Problems müsse die Bankkarte sofort gegen eine sichere ausgetauscht werden. Noch während das Opfer am Telefon hängt, klingelt ein angeblicher Kurier oder IT-Mitarbeiter an der Haustür, um die Karte und die PIN persönlich entgegenzunehmen.

„Dieses physische Element umgeht viele digitale Sicherheitsvorkehrungen“, warnt ein Sicherheitsanalyst. Durch den Diebstahl des physischen Tokens – der Karte – werde auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung ausgehebelt.

Aktuelle Fälle in Bayern und Hessen

Polizeimeldungen der letzten Tage belegen den Erfolg der Masche. Am Dienstag, dem 20. Januar, registrierte die Kriminalpolizei Ingolstadt mehrere Fälle. Betrüger hatten dort vor allem Senioren angerufen und von „Unstimmigkeiten“ auf deren Konten berichtet. Zur „Überprüfung“ kündigten sie den Besuch einer angeblichen IT-Mitarbeiterin an. Kurz darauf erschien ein Kurier und sammelte die EC-Karten ein. Die Täter hoben umgehend Tausende Euro an nahegelegenen Geldautomaten ab.

Ein fast identischer Fall ereignete sich am selben Tag in Kriftel im Main-Taunus-Kreis. Eine Anwohnerin wurde von einem angeblichen Mitarbeiter ihrer Hausbank kontaktiert. Der Anrufer überzeugte sie, ihre Karten müssten ausgetauscht werden. Ein etwa 25-jähriger Mann holte die Karten und die PIN an der Haustür ab. Die Täter nutzten die Karten für unbefugte Abhebungen und kehrten sogar zurück, um unter falschen Vorwänden zusätzliches Bargeld zu fordern.

Teil einer internationalen Betrugswelle

Der lokale „Abhol-Betrug“ ist Teil eines internationalen Trend. Auch in den USA warnen Kreditinstitute wie die Space Coast Credit Union vor derselben „Kurier-Abhol“-Masche. Sie scheint sich Anfang 2026 zu einem globalen Standard für Finanzbetrüger zu entwickeln.

Parallel zur physischen Betrugswelle hält eine Flut digitaler Phishing-Angriffe an. Verbraucherzentralen warnten erst am Freitag, dem 23. Januar, vor neuen Phishing-Mails, die Kunden der apoBank abfangen wollen. Experten vermuten, dass kriminelle Netzwerke ihre Taktiken diversifizieren: Digitale Phishing-Angriffe sammeln zunächst Daten wie Telefonnummern und Adressen. Diese Informationen werden dann für die lukrativeren „Abhol-Betrug“-Anrufe genutzt.

So schützen Sie sich: Banken schicken niemals Kurierdienste

Finanzinstitute und Strafverfolgungsbehörden betonen: Der Betrug funktioniert nur durch das Vertrauen des Opfers in den Anrufer. Eine Bank schickt niemals Mitarbeiter oder Kurierdienste, um Karten oder PINs bei Kunden zu Hause abzuholen.

  • Sofort auflegen: Beenden Sie das Gespräch sofort, wenn ein Anrufer nach Ihrer PIN fragt oder einen Kartenabholer ankündigt.
  • Selbst zurückrufen: Wählen Sie die offizielle Nummer Ihrer Bank von Ihrem Kontoauszug oder der Rückseite Ihrer Karte. Nutzen Sie niemals die vom Anrufer angezeigte oder durchgegebene Nummer.
  • Karte sichern: Geben Sie Bankkarten, Bargeld oder Wertsachen niemals an Fremde an Ihrer Haustür ab – egal welches Amt diese vorgeben.
  • Anzeige erstatten: Melden Sie verdächtige Anrufe umgehend bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle.

Die Zukunft: Mehr Betrug durch bessere Sicherheit?

Cybersicherheitsexperten prognostizieren eine Zunahme solcher „Abhol-Betrug“-Versuche. Der Grund: Banken führen immer stärkere digitale Sicherungen ein, wie biometrische Freigaben für Online-Überweisungen. Kriminelle weichen daher auf den physischen Diebstahl aus, um diese Kontrollen zu umgehen.

Eine wachsende Sorge ist auch die Integration KI-generierter Stimmen (Deepfakes) in Betrugsanrufe. Diese könnten die telefonische Kontaktaufnahme in den kommenden Monaten noch überzeugender machen. Deutsche Behörden planen eine neue Aufklärungskampagne, die sich besonders an ältere Bürger richtet. Diese sind überproportional häufig Ziel der „Schock-Anrufe“. Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass auch jüngere Bevölkerungsgruppen zunehmend auf die ausgeklügelten „IT-Support“-Geschichten der Banden hereinfallen.

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