ABN AMRO: Großstörung legt Online-Banking lahm

Ein massiver IT-Ausfall legt bei ABN AMRO das Online-Banking lahm. Ursache könnte ein Konflikt bei der Zertifikatsumstellung sein.

Zehntausende Kunden der niederländischen Großbank ABN AMRO konnten am Sonntag nicht auf ihre Konten zugreifen. Der Ausfall traf die drittgrößte Bank der Niederlande mitten in einer kritischen Phase der Digitalisierung.

Die Störung begann am Vormittag und weitete sich rapide aus. Gegen 10:09 Uhr meldeten Nutzer massenhaft Probleme mit der mobilen App und dem Online-Portal. Besonders betroffen: das iDEAL-Zahlungssystem, das in den Niederlanden für fast jeden Online-Einkauf genutzt wird. Auch internationale Kunden in Nachbarländern berichteten von Ausfällen.

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Technisches Chaos durch Sicherheits-Update?

Die Ursache ist noch nicht offiziell bestätigt. Doch die Indizien verdichten sich: Die Panne fällt mit mehreren technischen Fristen zusammen. Erst am Freitag lief eine branchenweite Frist für veraltete SSL/TLS-Sicherheitszertifikate ab – ein harter Schnitt, den viele Banken umsetzen mussten.

Hinzu kommt: Seit dem 11. Mai läuft bei ABN AMRO ein großes Wartungsfenster für die PSD2- und Geschäftskonten-Schnittstellen (APIs). Diese Wartung sollte eigentlich bis zum 18. Mai dauern. Offenbar kam es zu einem Konflikt zwischen alten und neuen Authentifizierungsverfahren.

Die Bank hatte bereits im Vorfeld gewarnt, dass Zertifikatswechsel während der Umstellung länger dauern könnten. Dass ausgerechnet am Sonntag das gesamte System zusammenbrach, lässt Branchenkenner aufhorchen.

Fünf Millionen Kunden in der Warteschleife

ABN AMRO betreut über fünf Millionen Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden. Für sie bedeutete der Ausfall: kein Login, keine Überweisungen, keine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Kartenzahlungen an Terminals funktionierten wohl noch, doch jede Transaktion, die eine App-Bestätigung erforderte, war blockiert.

Die Entwicklerplattform der Bank meldete zeitweise ebenfalls Ausfälle. Das erschwerte Drittanbietern den Zugriff über Open-Banking-Schnittstellen. Ein Dominoeffekt, der zeigt, wie verwundbar vernetzte Systeme sein können.

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Sicherheitslage angespannt – aber kein Hackerangriff

Bislang gibt es keine Hinweise auf einen Cyberangriff oder Erpressungsversuch. Die niederländische Datenschutzbehörde (AP) ist über die Lage informiert. Die Bank betont, dass die Sicherheitsprotokolle verschärft wurden – auch wegen früherer Vorfälle bei Drittanbietern wie AddComm.

Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht: Nach solchen Großstörungen versuchen Betrüger oft, mit gefälschten „Kontoüberprüfungen“ an Daten zu kommen. Kunden sollten keine Links in verdächtigen Nachrichten anklicken.

Wann läuft alles wieder?

Die Bank arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Wiederherstellung. Der iDEAL-Zahlungsverkehr und die mobile Authentifizierung haben höchste Priorität. Mit einer vollständigen Stabilisierung wird zum Start der Geschäftswoche am Montag gerechnet – pünchtlich zum Ende des geplanten Wartungsfensters.

Bis dahin müssen Kunden mit langen Wartezeiten am Telefon rechnen. Der Vorfall zeigt einmal mehr: Die digitale Transformation der Finanzbranche ist ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Stabilität. Ein falsch konfiguriertes Zertifikat – und Millionen Menschen stehen vor verschlossenen digitalen Türen.