Microsoft und frühere Aktionäre des Spielekonzerns haben sich auf einen Vergleich in Höhe von 250 Millionen Dollar (rund 230 Millionen Euro) geeinigt.
Vorwürfe: Zu niedriger Kaufpreis und überhasteter Verkauf
Die Klage, angeführt vom schwedischen Pensionsfonds AP7, warf dem Activision-Vorstand vor, das Unternehmen weit unter Wert verkauft zu haben. Der vereinbarte Kaufpreis von 95 Dollar pro Aktie habe das wahre Potenzial des Gaming-Riesen nicht widergespiegelt, argumentierten die Kläger. Besonders im Fokus stand Ex-CEO Bobby Kotick: Ihm wurde vorgeworfen, den 75,4 Milliarden Dollar schweren Deal überstürzt vorangetrieben zu haben, um persönliche Vorteile in Höhe von schätzungsweise 400 Millionen Dollar zu sichern.
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Der Vergleich, der noch vom Delaware Court of Chancery genehmigt werden muss, beendet einen jahrelangen Rechtsstreit. Bemerkenswert: Die Zahlung liegt unter einem halben Prozent des gesamten Transaktionswerts. Für berechtigte Aktionäre, die zwischen Januar 2022 und Oktober 2023 Activision-Aktien hielten, sind etwa 0,30 Dollar pro Aktie zu erwarten.
Wer zahlt? Microsoft und Versicherungen teilen sich die Kosten
Microsoft übernimmt 40 Prozent der Vergleichssumme – rund 100 Millionen Dollar. Die restlichen 150 Millionen Dollar werden voraussichtlich von Versicherungen getragen. Die Einigung erfolgt ohne Eingeständnis eines Fehlverhaltens, was bei solchen Großfusionen üblich ist.
Kotick selbst hatte im Laufe des Verfahrens eine Gegenklage eingereicht und behauptet, AP7 handle im Auftrag eines Konkurrenten – der Embracer Group. Alle Vorwürfe wurden von der ehemaligen Führungsriege stets zurückgewiesen. Der Vergleich macht diese gegensätzlichen Positionen nun hinfällig.
Der steinige Weg zur Übernahme
Die ursprünglich im Januar 2022 angekündigte Übernahme im Wert von 69 Milliarden Dollar traf auf erhebliche regulatorische Hürden. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC versuchte, den Deal zu blockieren, scheiterte aber im Juli 2023 vor einem Bundesgericht.
Noch komplizierter war die Lage in Großbritannien: Die dortige Wettbewerbsbehörde CMA stoppte die Fusion zunächst wegen Bedenken um Microsofts Dominanz im Cloud-Gaming-Markt. Erst nachdem Microsoft seine Cloud-Rechte an Ubisoft verkaufte, gaben die Briten grünes Licht. Im Oktober 2023 wurde der Deal schließlich abgeschlossen – und Franchises wie Call of Duty und World of Warcraft wechselten zu Microsoft Gaming.
Ein Klima zunehmender Aktionärsmacht
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Rechtsstreitigkeiten um milliardenschwere Tech-Deals. Erst Anfang Mai 2026 wies eine Jury eine Klage von Elon Musk gegen OpenAI ab. Auch in Europa zeigt sich ein Trend: Die Commerzbank rief Ende Mai ihre Aktionäre auf, sich gegen eine feindliche Übernahme durch UniCredit zu stellen.
Institutionelle Investoren wie der schwedische AP7-Fonds werden zunehmend selbstbewusster. Sie fordern Transparenz bei der Bewertung von Mega-Deals und scheuen nicht davor zurück, Vorstände vor Gericht zu fordern.
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Ausblick: Schlussstrich unter ein Kapitel
Mit der erwarteten Zustimmung des Gerichts beginnt die Auszahlung an die berechtigten Aktionäre. Für Microsoft bedeutet der Vergleich vor allem eines: Ruhe. Der Konzern kann sich nun voll auf seine Strategie im Gaming- und Cloud-Sektor konzentrieren, ohne dass ein jahrelanger Rechtsstreit im Hintergrund schwelt.
Branchenbeobachter sehen in der Einigung einen Präzedenzfall. Bei künftigen Mega-Übernahmen dürften Aktionäre noch genauer hinschauen – und notfalls klagen. Der Activision-Vergleich zeigt: Auch scheinbar übermächtige Konzerne können zur Kasse gebeten werden, wenn der Vorwurf der Pflichtverletzung im Raum steht.

